Die Wim-Hof-Methode: Dopamin, Kälte und Kontrolle über den Körper

Die Wim-Hof-Methode, benannt nach dem niederländischen Extremsportler Wim Hof, auch bekannt als "The Iceman", erfreut sich großer Beliebtheit. Sie kombiniert spezielle Atemtechniken, Konzentration und Kältetraining. Es wird behauptet, dass diese Methode den Körper abhärtet, vor Krankheiten schützt und sogar bei Depressionen hilft.

Die Grundlagen der Wim-Hof-Methode

Wim Hofs außergewöhnliche Beziehung zu Eis und Kälte spiegelt sich in seinen Selbstversuchen wider. Er experimentiert bekanntlich mit Kälte, da er der Meinung ist, dass dies verschiedene gesundheitliche Vorteile mit sich bringt. In seinen Büchern preist Wim Hof die "Kraft der Kälte" an und stellt eine spezielle Atemtechnik vor, mit der man lernen soll, die eigene Widerstandsfähigkeit zu stärken und extreme Bedingungen wie eisige Temperaturen auszuhalten. Die Konfrontation mit extremer Kälte soll laut Wim Hof vor Krankheiten schützen und er behauptet, durch seine Technik werde man "nie wieder krank" sein.

Die Methode basiert auf drei Säulen:

  1. Atmung: Die Grundlage der Wim-Hof-Methode ist das Atmen, oder besser gesagt, das Nicht-Atmen. Es handelt sich um eine Art kontrollierte Hyperventilation. Dabei atmet man dreißig- bis vierzig Mal tief und ohne Pause ein und aus und versucht, einen Teil der Luft in der Lunge zu behalten. Nach dem letzten Atemzug atmet man vollständig aus und hält die Luft so lange wie möglich an. Laut Wim Hof wird der Körper durch das Aussetzen der Atmung ausgetrickst: Durch die kontrollierte Hyperventilation denkt der Organismus, er befinde sich in einer kritischen Überlebenssituation.
  2. Fokussierung: Um das eigene Immunsystem zu beeinflussen, muss man Wim Hof zufolge lernen, sich voll und ganz auf seinen Körper zu fokussieren. Welche Art von Übung man hierzu wählt, ist laut Wim Hof nicht ausschlaggebend. Empfohlen werden zum Beispiel leichte Gymnastik- oder Yogaübungen - je nach individuellem Empfinden. Wichtig ist nur, dass die Übungen im Kalten stattfinden.
  3. Kälteexposition: Sich der Kälte auszusetzen, um nicht krank zu werden, mag erst einmal kontraproduktiv klingen, ist aber bei dieser Übung Programm. Viele Wim-Hof-Verfechter nutzen hierzu die eiskalte Dusche am Morgen: Sie duschen so lange warm, wie sie möchten, und stellen die Temperatur dann plötzlich auf "kalt" (das sind normalerweise rund fünf Grad). Eine Alternative zur kalten Dusche ist beispielsweise ein Bad in einem kalten See oder auch der Badewanne.

Inzwischen gibt es zahlreiche Apps und geführte Online-Tutorials zur Wim-Hof-Methode.

Wissenschaftliche Erkenntnisse zur Wim-Hof-Methode

Es ist bewiesen, dass die Wim-Hof-Methode dazu beitragen kann, Ausnahmesituationen wie extreme Kälte besser und länger durchzuhalten. Auch das Kältetraining löst eine körperliche Reaktion aus: Durch die plötzliche Konfrontation mit kalten Temperaturen wird Adrenalin ausgeschüttet. Das ist ein körpereigenes Hormon, das den Organismus in Alarmbereitschaft versetzt und dadurch sämtliche Energiereserven mobilisiert. Zusätzlich werden aber noch weitere Hormone ausgeschüttet, wenn wir unsere Belastungsgrenze überschreiten: Dopamin und Endorphine, auch als "Glückshormone" bekannt.

Lesen Sie auch: L-Dopa: Wirkung und Nebenwirkungen

Wer anstrebt, durch die Wim-Hof-Methode nie wieder eine Erkältung zu bekommen, sollte sich keine zu großen Hoffnungen machen: Bislang fehlen wissenschaftliche Belege, die die Wirksamkeit der Technik bestätigen. Zwar gab es 2014 eine Studie zur Wim-Hof-Methode, bei der zwei Gruppen junger Männer ein von Bakterien produziertes Gift verabreicht bekamen, das grippeähnliche Symptome auslöst, ansonsten aber ungefährlich ist. Die Männer der ersten Gruppe durchliefen im Vorfeld zehn Tage lang ein Trainingsprogramm unter Anleitung von Wim Hof, während die Teilnehmer der zweiten Gruppe nicht trainieren durften. Die Studie ist allerdings nicht aussagekräftig genug, um der Wim-Hof-Methode eine gesundheitliche Wirkung nachzusagen.

Die Wim-Hof-Methode kann ein interessantes Selbstexperiment sein, wenn Sie über sich hinauswachsen und lernen möchten, Extremsituationen durch kontrollierte Atmung, Fokussierung und Abhärtung besser auszuhalten.

Die Verbindung von Kälte und Atmung

Die Kombination von Kälte und Atmung potenziert die Effekte. Eine Studie aus dem Jahr 2023 ergab, dass die Kombination beider Elemente zu 75 Prozent mehr Erfolgen in Bezug auf das Mindset und das Gefühl von Gesundheit führte. Man kann zwar rein türkisch atmen ohne Eisbad oder duschen, oder eisbaden ohne atmen, aber die Kombination ist effektiver.

Die Atmung beeinflusst die natürlichen Stressoren Kohlendioxid und Sauerstoff. Durch die spezielle Atmung nach Wim Hof werden diese Gase in gewisser Form gestresst. Interessanterweise wird der Körper durch das Ergebnis dieses Trainings besser auf einen nächsten Stressor, nämlich Kälte, vorbereitet. Das Eisbad selbst ist ein Training, bei dem der Körper auf thermoregulatorischer Ebene arbeiten muss, mit ganz vielen Hormonen, er muss ganz viel regulieren, er muss ganz viel Blut zurückdrücken, er muss irgendwelche Sachen schließen.

Die Wim-Hof-Atemtechnik

Die Basisatmung ist relativ einfach. Man nimmt eine gewisse Anzahl von Atemzügen in einem gewissen Rhythmus. Das ist so Bauch, Brust, Kopf. Beim Ausatmen lasse ich eigentlich nur los. Dann wird der Atem angehalten für eine gewisse Zeit, eine Minute, anderthalb Minuten, zwei Minuten, je nachdem, ohne Luft in der Lunge und dann wird wieder eingeatmet und der Atem angehalten für ein paar Sekunden mit Luft in der Lunge. Dieser Rhythmus, dieser Dreiklang, der bringt den Körper immer tiefer in diese Systeme rein, zwischen Sauerstoff und Kohlendioxid hin und her zu schalten, weil wir mit beiden Gasen hin und her spielen.

Lesen Sie auch: "Dopamine" und mehr: Purple Disco Machines Karriere

Die Atmung wurde wissenschaftlich sehr gut untersucht. Man hat eine gute Basis, um zu sagen, wir wissen eigentlich genau, was in dieser Atmung passiert. Es handelt sich unter anderem um eine Sauerstoffmangelatmung, auch Hypoxie genannt. Dieses Höhentraining genau genommen ist ein Teil dieser Atmung. Durch die Atmung hat man höhere Blutkörper, mehr rote Blutkörper, und ein aktiveres Immunsystem. Die Gehirnwellen gehen ein bisschen runter, das Herz schlägt tiefer.

Einfluss der Atmung auf das autonome Nervensystem

Das Atemzentrum ist eigentlich im Gehirnstamm, wo das autonome Nervensystem Sympathikus und Parasympathikus durchläuft. Der Rhythmusgeber, das heißt die Atemfrequenz, entscheidet, wie der Körper sich aufstellt. Wenn ich langsamer und tiefer atme, reguliert das eher in den sogenannten Parasympathikus, das heißt in das Ruhenetzwerk rein, und der Herzschlag geht runter. Ich kann mit den vier Ebenen des Atmens, das heißt einatmen, Luftanhalt mit voller Lunge, ausatmen und Luftanhalt mit leerer Lunge, alle Systeme eigentlich steuern. Die Atmung ist einer von mehreren Dirigenten im Körper, aber ein sehr mächtiger Dirigent, wo ich wirklich Kontrolle ausüben kann, wenn ich sie beherrsche.

Es ist wichtig, Atmung nicht zu denken, sondern Atmung zu fühlen. Wenn man jetzt noch das aus der Wim Hof Methode reinnimmt, dass wir mit den grundlegenden Gasen rumspielen, dann wird es richtig spannend. Energieerzeugung, ATP, also Adenosintrifosphat, mitochondriale Tätigkeiten, CO2, Relaxierung, also Entspannung oder Vergiftung. Das sind Sachen, wo der Körper unmittelbar darauf reagieren muss. Wenn ich mit den Gasen ein bisschen spiele, dann kann ich darüber auch Kontrolle ausüben.

Wissenschaftliche Belege für die gesundheitlichen Vorteile

Wim Hof war in der Vergangenheit immer wieder bestrebt, seine Erkenntnisse bzw. die Wirkung seiner speziellen Technik auf seinen Körper in wissenschaftlichen Experimenten überprüfen zu lassen.

2014 stellte man im Labor verwundert fest, dass bei ihm der Anteil an sogenanntem braunem Fettgewebe für einen Mann seines Alters sehr hoch ist; aber nur dann, wenn er in einer kalten Umgebung ist. Die Hauptfunktion des braunen Fettgewebes besteht darin, chemische Energie in Wärme umzuwandeln. Die meisten jungen Erwachsenen haben viel davon, bei älteren ist es deutlich reduziert. Zum Verblüffen der Forscher zeigte sich, dass Hof seine Körperkerntemperatur ohne zu zittern aufrechterhielt, während er im Eisbad saß. Allerdings nahm auch Hofs Zwillingsbruder Andre an dem Experiment teil. Auch bei ihm zeigte sich eine erstaunliche Resistenz gegenüber Kälte, obwohl er nicht wie sein Bruder trainierte.

Lesen Sie auch: Parkinson und Dopaminmangel

Ebenfalls 2014 sorgte ein Experiment um Wim Hofs Methode für Aufsehen, für das man gesunden Freiwilligen auf den Körper giftig wirkende, bakterielle Endotoxine intravenös verabreicht hatte. Der Teil der Gruppe, der unter Anleitung von Wim Hof dessen Atemtechnik erlernt hatte, setzte mehr Adrenalin frei, was wiederum für eine Abschwächung der durch die bakterielle „Vergiftung“ hervorgerufene Entzündungsreaktion verantwortlich gewesen sein soll. Ob die Ergebnisse auf Patienten mit chronischen Autoimmunerkrankungen übertragen werden könnten, bleibe abzuwarten - das hielten die Forscher damals so fest. Auch sahen sie keinen Beleg dafür, dass die Wim-Hof-Methode das Immunsystem aktiviere.

Auch zur angeblichen Wirkung gegen Gelenkschmerzen gab es eine Studie mit 24 Personen, die an einer chronischen Entzündung der Wirbelsäule litten, etwa Morbus Bechterew. Bei jenen, die mit der Wim-Hof-Methode trainierten, soll es zu einem „signifikanten Rückgang der ESR-Werte“ gekommen sein. Die Erythrozytensedimentationsrate gibt Hinweise auf entzündliche Erkrankungen. Kritiker bemängeln, dass der Vergleich zu Teilnehmern fehle, die kein Wim-Hof-Training absolviert hätten.

Forscher der University of Warwick hatten sich systematisch die Daten aus acht Wim-Hof-Studien angesehen, um nach konsistenten Trends zu suchen. Sie schreiben, dass die auffälligste Veränderung bei Menschen, welche die Wim-Hof-Methode praktizieren, darin bestehe, dass bei ihnen die Konzentration an Entzündungsmarkern (Zytokinen) im Blut geringer sei.

Klar ist: Durch den Kälteschock wird der Körper in einen Alarmzustand versetzt. Er schüttet massiv erhöhte Dosen von Adrenalin, Noradrenalin und Dopamin aus. Das erklärt, dass Eisbader regelrecht euphorisiert aus dem Wasser kommen. Auch das Versprechen, durch eine Atemtechnik besser zu schlafen, ist weder aus der Luft gegriffen noch neu.

Wouter van Marken Lichtenbelt von der Maastricht University schrieb 2017: „Abgesehen von den metabolischen Effekten kann die Methode von Wim Hof unsere Blutgefäße und das Herz-Kreislauf-System trainieren“. Er denke, dass „die Wim-Hof-Methode die psychische Gesundheit beeinflussen kann - nicht nur die Meditation“. Gleichzeitig, so van Marken Lichtenbelt, bestehe das Risiko, „dass Menschen glauben, die Methode sei wissenschaftliche gültig“.

Die drei Säulen der Wim-Hof-Methode im Detail

Die Wim-Hof-Methode besteht in ihrem Kern aus drei Säulen:

  • Der Atmung in Form von Atemtechniken
  • Der Kälte in Form von Kälteexpositionen wie Eisbäder, kalten Duschen oder Freilufttrainings
  • Dem dazugehörigen Mindset in Form von Meditation, Fokustraining und einer veränderten Einstellung und Wahrnehmung

Alle drei Säulen arbeiten eng zusammen und erreichen ein gezieltes Training des Körpers gegenüber Stress über seine natürlichen Selbstregulationsmechanismen auf biochemischer, hormoneller und mentaler Ebene. Man nutzt quasi die angeborene natürliche Anpassungsfähigkeit des Körpers und optimiert bzw. trainiert ihn durch wiederholtes Anwenden.

Indem man drei Säulen - Atmung, Kälte und Mindset (bzw. Meditation) - miteinander kombiniert, zapft man eine spezielle innere Körperkraft an, die mit zwei natürlichen Ressourcen in Verbindung steht, Sauerstoff und Kälte. Der Effekt dieses Drei-Säulen-Trainings auf den Körper und den Gemütszustand wurde über Jahre wissenschaftlich untersucht. Sowohl die Forschungen als auch die Rückmeldungen von Praktizierenden zeigen, dass es möglich ist, das vegetative Nervensystem positiv zu beeinflussen und den Körper so zu optimieren, dass er seine Energiereserven erhöhen, sein Immunsystem stärken, Stress abbauen und insgesamt schneller regenerieren kann.

Eine wiederkehrende Stimulation durch eine niedrigere Dosis natürlicher Stressoren hat einen schützenden Effekt vor intensivem Stress in jeglicher Art oder kurz gesagt: Niedrige Dosen von natürlichem Stress erhöhen auf längere Sicht die Resistenz gegenüber größeren Dosen von Stress jeglicher Art. Dieses Trainingsprinzip macht sich die Wim-Hof-Methode zunutze und durch die Kombination ihrer drei Säulen wird der Körper angeregt seine Widerstandskräfte zu trainieren und dabei seine Heilkräfte zu aktivieren.

Die Wim-Hof-Atemtechnik - eine biochemische „Achterbahnfahrt“

Die Wim-Hof-Atemtechnik versteht man am besten über das Prinzip der normalen Atmung beim Menschen. Beim normalen Atmen löst der steigende Kohlenstoffdioxid-Partialdruck (pCO2) im arteriellen Blut als wichtigster Atemreiz das Einatmen aus. D.h., übersteigt pCO2 einen gewissen Wert, erfolgt ein Atemzug und der Sauerstoff (hellblaue Linien) kehrt zurück in den Ausgleichswert, gemäß dem beschriebenen Prinzip der Homöostase.

Genau hier setzt die WHM-Atemtechnik an, d.h. zuerst wird durch kontrolliertes Abatmen im Teil 1 (Hyperoxigenation) der CO2-Wert im Blut willentlich gesenkt und dadurch der Atemreiz zeitlich verzögert. Dies macht man sich dann in Teil 2, der Atem-Anhalte-Phasen zunutze, indem auf kontrollierte Weise durch Luft anhalten mit leerer Lunge die Sauerstoffsättigung im Körper soweit abgesenkt wird, dass dieser in den Bereich der sogenannten intermittierenden Hypoxie, der Sauerstoffunterversorgung, rutscht. Danach wird bei Teil 3, dem sogenannten „Recovery Breath“, durch einmaliges Einatmen und kurzzeitigem Luft anhalten mit voller Lunge der CO2 Wert im Körper erhöht, während gleichzeitig der Sauerstoff wieder in den Normalwert zurückkehrt.

Da die Wim-Hof-Atemtechnik dem Körper auf natürliche Weise Stress bereitet, findet wortwörtliche eine biochemische Achterbahnfahrt statt. Durch den Wechsel der CO2/O2-Sättigung des Blutes in den verschiedenen Atem-Phasen 1-3 pendelt der Säure-Basen-Haushalt zwischen respiratorischer Alkalose (basisch) und respiratorischer Acidose (sauer), während sich das autonome Nervensystem phasengleich zwischen Sympathikus und Parasympathikus hin und her reguliert. Als Antwort auf all diese Stressoren ruft der Körper seine natürlichen Selbstregulationsmechanismen auf biochemischer, hormoneller und mentaler Ebene ab und reguliert das System in den Ausgleich zurück. Der gesamte Körper und seine Biochemie werden komplett neu geordnet, quasi „neu gestartet“.

In der Medizin ist dieser kontrollierte Zustand der Unterversorgung gefolgt von einer Überversorgung mit Sauerstoff als intermittierende bzw. kontrollierte Hypoxieatmung bekannt und wird gezielt genutzt, um im Körper sauerstoffregulierende, trainingsadaptative und präventiv gesundheitsfördernde Mechanismen zu stimulieren. Die Wirkung der Wim-Hof-Atemtechnik im Körper ist sehr ähnlich und das führt zum Schluss, dass sie einerseits wirksam die Behandlungen verschiedener Erkrankungen unterstützen kann, andererseits auch zur Steigerung der Leistungsfähigkeit und Regeneration z.B. im Sport genutzt werden kann.

Die Wim-Hof-Atemtechnik kann folgende Effekte haben:

  • Steigerung der Herz-Raten-Variabilität (HRV) und des parasympathischen Tonus = Stressresilienz, Regeneration, Entspannung und verbesserte Schlafqualität
  • Effizientere mitochondriale ATP-Produktion (Phosphorylisierungsrate, mehr ATP pro O2) = Erhöhung der Grundenergie des Körpers
  • Stimulation der Erythropoiese. d.h. Erhöhung der Hämoglobinmasse und der Sauerstofftransportkapazität = Steigerung der aeroben Leistungsfähigkeit
  • Gesteigerte Abwehr von Sauerstoffradikalen und Adaptation des Immunsystems durch mehr antioxidative Enzymen und Stressproteine = besserer Schutz in Stresssituationen wie z.B. Erkrankungen
  • Reduzierung der Entzündungen im gesamten Körper durch Erhöhung von Adrenalin und die damit verbundene Erhöhung von Interleukin(IL)-10 (Immunometabolismus)
  • Training der Vasomotion (Ader-Muskel-Bewegung) durch Öffnen und Schließen der Blutgefäße in Abhängigkeit der CO2/O2-Sättigung des Blutes = Unterstützung des Blutflusses und Entlastung der Herzarbeit

Die Wim-Hof-Methode und die Kälte

Die Wim-Hof-Methode nutzt den natürlichen Stressor „Kälte“ und trainiert damit unsere angeborene Anpassungsfähigkeit darauf, mit schützenden und ausgleichenden Effekten im Körper zu reagieren.

Ist die Umgebungstemperatur zu niedrig, kontrahieren als Erstes die Blut- und Hautgefäße (Vasomotion), der Körper führt kontrolliert das Blut der Extremitäten nach innen zu den Organen. Dadurch wird die Wärme tief im Körper gespeichert, bzw. zurückgehalten (Wärmerückhaltung). Im nächsten Schritt beginnt der Körper durch Muskelaktivierung und Erhöhung des Zellstoffwechsels (Metabolismus, erhöhte mitochondriale Aktivität, Aktivierung v. braunem Fettgewebe) selbst Wärme zu produzieren.

Die Wim-Hof-Methode macht sich diesen Regelkreis der kalten Thermogenese gezielt zunutze, um durch kontrollierte Kälteexpositionen die damit verbundenen ausgleichenden und schützenden Mechanismen im Körper anzuregen. D.h. wenn wir mit dem Stressor „Kälte“ in Kontakt kommen, springt als erstes der Sympathikus an und signalisiert dem Körper „Stress“. Der Hypothalamus startet unmittelbar mit der „kalten“ Thermoregulation im gesamten Körper. Als Erstes wird als Antwort Adrenalin und Cortisol erhöht. Dies bewirkt eine Vertiefung der Atmung und eine Beschleunigung des Stoffwechsels, d.h. die Bereitstellung von Energie wird erhöht, in dem Glucose in der Leber mobilisiert und der Fettabbau angekurbelt wird. Weiterhin wird die geordnete Kontraktion der Blut- und Hautgefäße (Vasomotion) in den Gliedmaßen und der Hautoberfläche eingeleitet. Dadurch drückt der Körper das Blut von den Extremitäten in den Torso zurück und „speichert“ es dort. Die Wärmerückhaltung beginnt.

In einem zweiten Schritt beginnt nun der Körper aufgrund einer drohenden Hypothermie (Abfall der Körperkerntemperatur auf unter 36 °C), eigene Wärme zu produzieren. Die physische Thermogenese wird über einen Erhöhung des Muskeltonus vor allem der Atemmuskulatur (Interkostalmuskulatur), Gänsehaut und Zittern realisiert. Gleichzeitig startet die über Hormone gesteuert chemische Thermogenese und erhöht den Zellstoffwechsel und die mitochondriale Aktivität (Wärmeerzeugung ohne Muskeltätigkeit).

Auch wird als Reaktion auf den Kältekontakt die Gehirnaktivität verändert, d.h. die Selbstwahrnehmung von Körper und Emotionen (weniger Aktivität in der Inselrinde Insula) wird reduziert und die Schmerzhemmung erfolgt durch die Aktivierung des PAG (Periaquäduktales Grau, Schmerzwahrnehmung und -modulierung).

Bei all diesen genannten Mechanismen spielen primär die Schilddrüse und ihre Hormone (T3, T4) als auch sekundär die Hormone Melatonin, Serotonin und Dopamin zur Stabilisierung der Körper-Kerntemperatur (Homöostase) eine entscheidende Rolle.

Die Wirkung all dieser Selbstregulationen zeigt sich physisch z.B. in einem verbesserten Hormonhaushalt, einem gestärkten Immunsystem, der Reduzierung von Entzündungswerte und einer Erhöhung der Stoffwechselaktivitäten. Mental wird aufgrund der „Good Feel“-Hormone ein besseres Stressmanagement, eine tiefere Entspannung und eine verbesserte Stimmung wahrgenommen.

Die Wim-Hof-Methode in Aktion - Immunometabolismus

In einer Studie aus dem Jahre 2020, welche auf einer vorhergehenden Studie aus dem Jahre 2014 aufbaut, ist der Effekt der Steigerung der Immunabwehr durch die Anwendung der gesamten WHM-Methode (Atmung, Kälte, Mindset) als Trainingsvorbereitung zur Studie, aber explizit der unmittelbaren Anwendung der WHM-Atemtechnik bei der Durchführung der Studie beschrieben.

Der Fokus lag auf der Möglichkeit der willentlichen Aktivierung des sympathischen Nervensystems und damit verbunden dem Immunsystem. Bisher galten sowohl das autonome Nervensystem als auch das angeborene Immunsystem als Systeme, die nicht willentlich beeinflusst werden können. Die Ergebnisse der vorliegenden Studien zeigten jedoch, wie durch die WHM und das üben ihrer drei Säulen (Atmung, Kälte, Meditation) durch ein Kurzzeit-Trainingsprogramm, das sympathische Nervensystem und das Immunsystem tatsächlich willentlich beeinflusst werden können.

Das Experiment bestand darin, einer durch die Wim-Hof-Methode trainierte Gruppe von zwölf Personen und einer untrainierten Gruppe gleicher Anzahl eine intravenöse Verabreichung von bakteriellem Endotoxin zu unterziehen, um dann im Vergleich die Immunantwort und die Körperreaktionen zu untersuchen.

Das Ergebnis war, gesunde Probanden, die die erlernten WHM-Techniken übten und während des Experiments die WHM-Atemtechnik in einer Zeit von drei Stunden anwendeten, zeigten einen deutlichen Anstieg der Adrenalinausschüttung, was wiederum zu einer erhöhten Produktion von entzündungshemmenden Mediatoren und einer anschließenden Dämpfung der proinflammatorischen Zytokinreaktion (Kox et al. 2014) führte, die durch die intravenöse Verabreichung von bakteriellem Endotoxin ausgelöst wurde.

D.h. als Folge der unmittelbaren Anwendung der WHM-Atemtechnik stiegen im Körper die Adrenalinausschüttung und leicht zeitversetzt das entzündungshemmende Protein IL-10 stark an (ca. 200%). Die proinflammatorischen Mediatoren (IL-6, IL-8, TNF Alpha) im Körper (ca. 50%) sanken, während sich die Konzentration der weißen Blutkörperchen messbar erhöhte. Weiterhin stieg infolge der Effekte der Atemtechnik der pH-Wert des Blutes stark an und die CO2-Werte sanken, d.h. das Blut der Wim-Hof-Trainingsgruppe war basischer (respiratorische Alkalose).

Die Ergebnisse werden durch die Fallstudie von Kox, Stoffels et al. 2012 untermauert, in der man herausfand, dass ein erhöhter Adrenalinspiegel infolge von Kälteexposition das Immunsystem angeregt/reguliert und die Entzündungen im Körper durch die Steigerung von IL-10 reduziert. D.h., unterschwellige Entzündung im Körper gehen effektiv zurück.

All diese Studien könnten wichtige Hinweise zur Behandlung einer Vielzahl von Erkrankungen geben, die mit übermäßigen oder anhaltenden Entzündungen einhergehen, insbesondere Autoimmunerkrankungen, bei denen Therapeutika, die proinflammatorische Zytokine antagonisieren, große Vorteile gezeigt haben.

tags: #wim #hof #dopamine