Wirken Triptane noch bei tabletteninduziertem Kopfschmerz? Eine umfassende Analyse

Ein medikamenteninduzierter Kopfschmerz (MOH) stellt eine besondere Herausforderung in der Behandlung von Kopfschmerzerkrankungen dar. Er entsteht durch den übermäßigen Gebrauch von Schmerz- oder Migränemitteln, was paradoxerweise zu einer Verschlimmerung der Kopfschmerzen führen kann. Dieser Artikel beleuchtet die Frage, ob Triptane bei einem bereits bestehenden medikamenteninduzierten Kopfschmerz noch wirksam sind und welche Aspekte bei der Behandlung zu beachten sind.

Einführung in den medikamenteninduzierten Kopfschmerz (MOH)

Der medikamenteninduzierte Kopfschmerz (MIKS oder englisch: Medication Overuse Headache, MOH) ist eine sekundäre Kopfschmerzform, die durch den übermäßigen und langfristigen Gebrauch von Schmerzmitteln entsteht. Betroffen sind schätzungsweise 1-2 % der Weltbevölkerung, wobei Frauen deutlich häufiger betroffen sind als Männer. Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) definiert MOH als Kopfschmerz, der an mindestens 15 Tagen im Monat auftritt und mit der regelmäßigen Einnahme von Schmerzmitteln verbunden ist. Insbesondere Triptane, Opioide oder Kombinationsanalgetika, die an 10 oder mehr Tagen pro Monat eingenommen werden, sowie nicht-opioide Analgetika wie NSAIDs, die an 15 oder mehr Tagen eingenommen werden, können zur Entstehung von MOH beitragen.

Ursachen und Risikofaktoren

Die Ursachen für MOH sind vielfältig, liegen aber meist in der übermäßigen Einnahme von Schmerzmitteln zur Behandlung primärer Kopfschmerzerkrankungen wie Migräne oder Spannungskopfschmerzen. Viele Schmerzmittel, darunter Analgetika, Triptane und Kombinationspräparate, sind rezeptfrei erhältlich, was das Risiko einer unkontrollierten Einnahme erhöht. Risikofaktoren für die Entwicklung von MOH sind:

  • Regelmäßige Einnahme von Schmerzmitteln (vor allem Acetylsalicylsäure, Ibuprofen, Opioide).
  • Regelmäßige Einnahme von angstlösenden, entspannenden Medikamenten (Tranquilizern).
  • Chronische Beschwerden des Bewegungsapparats oder des Verdauungssystems.
  • Angsterkrankungen und/oder Depression.
  • Rauchen.
  • Niedriger Sozialstatus.

Symptome und Diagnose

MOH manifestiert sich typischerweise als ein dumpfer, drückender Dauerkopfschmerz, der an mindestens 15 Tagen im Monat auftritt. Bei Migränepatienten können sich die Symptome von Migräne- und Spannungskopfschmerz vermischen. Oft beginnen die Schmerzen bereits beim Aufstehen und sind über den ganzen Tag präsent. Begleitende Symptome können Reizbarkeit, Abgeschlagenheit, Konzentrationsschwierigkeiten und Schlafstörungen sein.

Die Diagnose von MOH basiert auf den Kriterien der Internationalen Kopfschmerzgesellschaft (IHS). Diese umfassen:

Lesen Sie auch: Alles über Parkinson-Medikamente

  • Kopfschmerzen an mindestens 15 Tagen pro Monat.
  • Schmerzmitteleinnahme seit mehr als drei Monaten: an mindestens zehn Tagen pro Monat (gilt für Ergotamin, Opioide, Kombinationsschmerzmittel) oder an mindestens 15 Tagen pro Monat (gilt für alle anderen Schmerzmittel).
  • Die Kopfschmerzen haben sich während des Schmerzmittelübergebrauchs entwickelt oder deutlich verschlechtert.
  • Der Kopfschmerz klingt nach dem Absetzen der übermäßig eingesetzten Medikamente ab oder kehrt zu seinem früheren Muster zurück.

Die Rolle von Triptanen bei Migräne

Triptane sind spezifische Medikamente zur Akutbehandlung von Migräne und Clusterkopfschmerzen. Sie wirken, indem sie an Serotonin-Rezeptoren im Gehirn binden und so die Blutgefäße in den Hirnhäuten verengen, die Freisetzung entzündlicher Eiweißstoffe hemmen und die Fortleitung von Schmerzimpulsen reduzieren. Triptane sind in verschiedenen Formen erhältlich, darunter Tabletten, Zäpfchen, Nasensprays und Spritzen zur Selbstinjektion.

Wirksamkeit von Triptanen bei MOH

Die Frage, ob Triptane bei einem bereits bestehenden MOH noch wirksam sind, ist komplex. Einerseits können Triptane bei akuten Migräneattacken, die trotz MOH auftreten, weiterhin eine schmerzlindernde Wirkung haben. Andererseits ist der übermäßige Gebrauch von Triptanen selbst eine häufige Ursache für MOH. Daher ist es wichtig, die Einnahme von Triptanen zu begrenzen und die 10-20-Regel zu beachten, d.h. Triptane nicht häufiger als an zehn Tagen im Monat einzunehmen.

Behandlung von MOH

Die wichtigste Therapiemaßnahme bei MOH ist der Medikamentenentzug. Dabei werden die auslösenden Arzneimittel, einschließlich Triptane, abgesetzt. Der Entzug kann ambulant, teilstationär oder stationär erfolgen. Während des Entzugs können Entzugserscheinungen wie verstärkte Kopfschmerzen, Übelkeit, Blutdruckanstieg, Herzrasen, Angst, Nervosität und Schlafstörungen auftreten. Diese Entzugserscheinungen können medikamentös behandelt werden, beispielsweise mit Infusionen.

Nach dem erfolgreichen Medikamentenentzug ist eine Kopfschmerzprophylaxe wichtig, um einem erneuten übermäßigen Gebrauch von Schmerzmitteln vorzubeugen. Bei Migränepatienten mit MOH hat sich in Studien der Wirkstoff Topiramat als hilfreich erwiesen. Bei einem ursprünglichen Spannungskopfschmerz kommt meist Amitriptylin zum Einsatz.

Alternativen zu Triptanen

Neben Triptanen gibt es weitere Optionen zur Behandlung von Migräne, insbesondere wenn Triptane aufgrund von MOH oder anderen Kontraindikationen nicht geeignet sind. Dazu gehören:

Lesen Sie auch: Anwendung von Appetitzüglern

  • Lasmiditan: Ein Medikament, das bei Kontraindikationen gegen Triptane eingesetzt werden kann, da es keinen gefäßeinengenden Effekt verursacht.
  • Rimegepant: Ein CGRP-Rezeptor-Antagonist, der in Deutschland zugelassen, aber noch nicht verfügbar ist und theoretisch zur Anwendung kommt, wenn Analgetika oder Triptane nicht eingesetzt werden können oder nicht vertragen werden.
  • Nicht-pharmakologische Maßnahmen: Minzöl, Entspannung, Biofeedback, Akupunktur.

Prävention von MOH

Um der Entstehung von MOH vorzubeugen, ist es wichtig, Schmerzmittel sparsam zu verwenden und die empfohlene Einnahmehäufigkeit nicht zu überschreiten. Kopfschmerzpatienten sollten sich von einem Arzt oder Apotheker über die richtige Anwendung von Schmerzmitteln und mögliche Risiken beraten lassen. Eine vorbeugende Kopfschmerzbehandlung kann helfen, die Häufigkeit von Kopfschmerzattacken zu reduzieren und den Bedarf an Schmerzmitteln zu verringern.

Lesen Sie auch: Synaptische Wirkung von Analgetika

tags: #wirken #triptane #noch #bei #tabletteninitiierter #migrane