Die Wirkung des Gifts von Phoneutria auf Nervenzellen

Spinnen lösen bei vielen Menschen Angst aus, oft aufgrund ihres Aussehens. Von den fast 50.000 bekannten Spinnenarten sind jedoch nur wenige wirklich gefährlich. Spinnen sind Raubtiere, die sich von Insekten oder kleinen Wirbeltieren ernähren. Obwohl die meisten Spinnen für den Menschen harmlos sind, gibt es einige Arten, deren Gift so stark ist, dass ein Biss tödlich sein kann. Glücklicherweise sind Todesfälle durch Spinnenbisse selten, da es in den meisten Kliniken und Krankenhäusern Gegengifte gibt.

Gefährliche Spinnenarten und ihre Gifte

Es gibt eine Vielzahl von Spinnenarten, die für den Menschen gefährlich sein können. Die Gefährlichkeit einer Spinne hängt von ihrer Aggressivität, der Häufigkeit von Bissen und vor allem der Toxizität ihres Giftes ab. Im Folgenden werden einige der gefährlichsten Spinnenarten und die Wirkungen ihrer Gifte beschrieben:

Brasilianische Wanderspinne (Phoneutria fera)

Die Brasilianische Wanderspinne, auch Bananenspinne genannt, gilt als eine der giftigsten Spinnen der Welt. Sie teilt sich diesen Titel mit der Sydney-Trichternetzspinne und ist im Guinness-Buch der Rekorde aufgeführt. Weibchen können eine Beinspannweite von bis zu 15 Zentimetern erreichen. Diese Spinne ist bekannt für ihr aggressives Verhalten und ihre Fähigkeit, bis zu 1,5 Meter weit zu springen, um Menschen anzugreifen.

Das Gift der Brasilianischen Wanderspinne ist extrem stark und soll 20-mal tödlicher sein als das der Schwarzen Witwe. Es verursacht Muskelkontrollverlust, unregelmäßigen Herzschlag und Atemnot, die zu Atemstillstand führen kann. Männliche Opfer können zudem lange und schmerzhafte Erektionen erleben. Diese Spinnen gelangen oft über Bananentransporte in Häuser, was sie zu einer Gefahr für den Menschen macht.

Wirkung des Gifts auf Nervenzellen: Das Gift der Brasilianischen Wanderspinne enthält eine komplexe Mischung von Toxinen, darunter PhTx3. Dieses Toxin wirkt auf Ionenkanäle in Nervenzellen, insbesondere Natriumkanäle, was zu einer Depolarisation der Nervenzellen führt. Diese Depolarisation verursacht eine exzessive Freisetzung von Neurotransmittern, was die oben genannten Symptome auslöst.

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Sydney-Trichternetzspinne (Atrax robustus)

Die Sydney-Trichternetzspinne ist in Ostaustralien beheimatet und gehört zu den gefährlichsten Spinnenarten der Welt. Sie ist nach ihren trichterförmigen Netzen benannt, in denen sie auf Beute wartet. Männchen sind besonders aggressiv, wenn sie auf Partnersuche sind, und können mit ihren Kieferklauen sogar Schuhe durchbeißen.

Das Gift der Sydney-Trichternetzspinne kann beim Menschen zum Tod führen, unter anderem durch Atemstillstand. Es gibt jedoch ein Gegengift, das aus dem Gift gewonnen wird, das Säugetieren wie Katzen und Hunden verabreicht wird, die gegen das Gift resistent sind.

Wirkung des Gifts auf Nervenzellen: Das Gift der Sydney-Trichternetzspinne enthält Atracotoxin, einen hochgiftigen Ionenkanalhemmer. Atracotoxin blockiert die Inaktivierung von Natriumkanälen in Nervenzellen, was zu einer verlängerten Depolarisation und einer exzessiven Freisetzung von Neurotransmittern führt. Dies führt zu den schweren neurologischen Symptomen, die durch den Biss dieser Spinne verursacht werden.

Schwarze Witwe (Latrodectus mactans)

Die Schwarze Witwe ist bekannt für ihr markantes Aussehen mit einem roten oder orangefarbenen Sanduhrmuster auf ihrem Hinterleib. Sie ist in den USA, Teilen Kanadas und Lateinamerika verbreitet. Diese Spinne ist nachtaktiv und nicht aggressiv, beißt aber, wenn sie gestört wird.

Der Biss der Schwarzen Witwe kann Muskelschmerzen, Übelkeit und Lähmung des Zwerchfells verursachen, was das Atmen erschwert. Es gibt ein Gegengift, das die meisten Opfer ohne ernsthafte Komplikationen genesen lässt. Todesfälle sind selten, kommen aber bei kleinen Kindern oder älteren Menschen vor.

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Wirkung des Gifts auf Nervenzellen: Das Gift der Schwarzen Witwe enthält ein Peptid namens Alpha-Latrotoxin. Dieses Toxin bindet an Rezeptoren auf der Oberfläche von Nervenzellen und verursacht eine massive Freisetzung von Neurotransmittern wie Acetylcholin und Noradrenalin. Diese exzessive Freisetzung führt zu den charakteristischen Symptomen des Latrodektismus, wie Muskelkrämpfe und Schmerzen.

Braune Einsiedlerspinne (Loxosceles reclusa)

Die Braune Einsiedlerspinne, auch Geigenspinne genannt, ist in den Vereinigten Staaten verbreitet. Sie bewohnt Höhlen, Nagetierbauten und andere geschützte Bereiche, kann aber auch in Häusern gefunden werden. Ihr Gift zerstört die Wände der Blutgefäße in der Nähe der Bissstelle und verursacht manchmal ein großes Hautgeschwür.

Die entstehende Wunde kann mehrere Monate zur Heilung benötigen oder sich infizieren, was zum Tod des Opfers führen kann. Todesfälle durch Bisse der Braunen Einsiedlerspinne sind jedoch selten.

Wirkung des Gifts auf Nervenzellen: Das Gift der Braunen Einsiedlerspinne enthält Enzyme, die Zellmembranen angreifen und Gewebe zerstören. Obwohl das Gift nicht direkt auf Nervenzellen wirkt, kann die Gewebezerstörung indirekt zu Nervenschäden und Schmerzen führen.

Sechsäugige Sandspinne (Sicarius hahni)

Die Sechsäugige Sandspinne lebt in den Wüsten im Süden Afrikas. Ihr Gift ist in der Lage, ein Kaninchen innerhalb von fünf Stunden zu töten. Das Gift kann die roten Blutkörperchen im Blut auflösen und Fleischgewebe und Gefäße zersetzen.

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Bislang wurden nur sehr wenige Spinnenbisse der Sechsäugigen Sandspinne zugeschrieben. In einem Fall verlor das Opfer einen Arm durch massive Nekrose, in einem anderen Fall starb das Opfer an massiven Blutungen.

Wirkung des Gifts auf Nervenzellen: Das Gift der Sechsäugigen Sandspinne ist stark hämolytisch und nekrotoxisch. Es verursacht Blutgefäßverschlüsse, Blutverdünnung und Gewebezerstörung. Obwohl die direkte Wirkung auf Nervenzellen nicht gut untersucht ist, kann die Gewebezerstörung indirekt zu Nervenschäden und Schmerzen führen.

Chilenische Winkelspinne (Loxosceles laeta)

Die Chilenische Winkelspinne ist in Chile verbreitet. Ihr Gift kann das Gewebe stark schädigen und sogar zum Tod durch Organversagen führen. Bislang gibt es kein richtiges Gegengift. Bisse kommen jedoch selten vor, da die Spinne nachtaktiv und sehr scheu ist.

Wirkung des Gifts auf Nervenzellen: Wie das Gift der Braunen Einsiedlerspinne enthält das Gift der Chilenischen Winkelspinne dermonekrotische Wirkstoffe, die Gewebe zerstören. Die resultierende Gewebezerstörung kann indirekt zu Nervenschäden und Schmerzen führen.

Weitere gefährliche Spinnenarten

Neben den oben genannten Spinnenarten gibt es noch weitere, deren Gift für den Menschen gefährlich sein kann:

  • Ammen-Dornfinger-Spinne (Cheiracanthium punctorium): Ihr Biss wird oft mit einem Wespenstich verglichen und kann Schmerzen, Schwellungen, Fieber, Kreislaufversagen, Schwindel, Erbrechen oder Schüttelfrost verursachen.
  • Gelbe Sackspinne (Cheiracanthium inclusum): Ihr Gift kann Zellen zerstören und Gewebe zersetzen, verursacht aber meistens nur Rötungen und Schwellungen an der Bissstelle.
  • Braune Witwe (Latrodectus geometricus): Ihr Gift gilt als doppelt so stark wie das der Schwarzen Witwe, aber sie injiziert nur eine winzige Menge Gift, wenn sie zubeißt.
  • Rotrücken-Spinne (Latrodectus hasselti): Ihr Gift ist ein Cocktail aus Nervengiften, die Schmerzen, Schweißausbrüche, Herzrasen und geschwollene Lymphknoten hervorrufen.
  • Rotkopf-Mausspinne (Missulena occatoria): Ihr Gift kann starke Schwellungen und Lähmungserscheinungen verursachen und vor allem bei Kindern lebensgefährlich sein.
  • Rote Witwe (Latrodectus bishopi): Sie hat ein extrem starkes Gift, aber es wurden bislang nur sehr wenige Bisse an Menschen gemeldet.

Allgemeine Symptome und Behandlung von Spinnenbissen

Die Symptome eines Spinnenbisses können je nach Spinnenart und der Menge des injizierten Giftes variieren. Zu den häufigsten Symptomen gehören:

  • Schmerzen an der Bissstelle
  • Schwellung
  • Rötung
  • Juckreiz
  • Muskelkrämpfe
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Kopfschmerzen
  • Schwindel
  • Schweißausbrüche
  • Atemnot

Die Behandlung von Spinnenbissen umfasst in der Regel:

  • Reinigung der Wunde mit Wasser und Seife
  • Auftragen eines kalten Umschlags auf die Bissstelle
  • Hochlagern der betroffenen Gliedmaße
  • Einnahme von Schmerzmitteln
  • Verabreichung eines Gegengifts, falls verfügbar
  • In einigen Fällen kann eine Operation erforderlich sein, um nekrotisches Gewebe zu entfernen.

Prävention von Spinnenbissen

Es gibt verschiedene Maßnahmen, die ergriffen werden können, um Spinnenbissen vorzubeugen:

  • Tragen Sie beim Arbeiten im Garten oder in anderen Bereichen, in denen Spinnen vorkommen, Handschuhe und langärmelige Kleidung.
  • Schütteln Sie Kleidung und Schuhe aus, bevor Sie sie anziehen.
  • Dichten Sie Risse und Spalten in Ihrem Haus ab.
  • Entfernen Sie Spinnweben und halten Sie Ihr Haus sauber und ordentlich.
  • Verwenden Sie Insektizide, um Spinnenpopulationen in Ihrem Haus und Garten zu kontrollieren.

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