OPC und Alzheimer: Ein Überblick über Studien und Wirkungen

Oligomere Proanthocyanidine (OPC), besser bekannt als Traubenkernextrakt, sind sekundäre Pflanzenstoffe, die in den letzten Jahren vermehrt in den Fokus medizinischer Forschung gerückt sind. Besonders im Zusammenhang mit altersbedingten Erkrankungen wie Alzheimer wird die Wirkung von OPC intensiv untersucht. Dieser Artikel beleuchtet die aktuelle Studienlage und die potenziellen Auswirkungen von OPC auf die Prävention und Behandlung von Alzheimer.

Was ist OPC?

OPC ist die Abkürzung für Oligomere Proanthocyanidine, eine Gruppe von Flavonoiden, die zu den Polyphenolen gehören. Diese Stoffe kommen natürlich in Pflanzen vor, insbesondere in Traubenkernen, aber auch in der Haut und dem Laub roter Trauben. Weitere Quellen sind Erdnusshäutchen, Äpfel, Cranberrys, Kokosnüsse und Vollkornprodukte. OPC zeichnet sich durch seine antioxidativen Eigenschaften aus und wirkt als Radikalfänger, der freie Radikale im Körper neutralisieren kann.

Die antioxidative Kraft von OPC

Freie Radikale sind instabile Moleküle, die durch Umweltgifte, Stoffwechselprozesse und andere Faktoren entstehen. Sie können Zellen schädigen und zu verschiedenen Krankheiten wie Bluthochdruck und Alzheimer beitragen. OPC gehört zu den stärksten Antioxidantien und kann diese freien Radikale unschädlich machen. Es wird oft behauptet, dass OPC zwanzigmal stärker wirkt als Vitamin C.

OPC und seine vielfältigen Wirkungen

OPC wird eine Reihe positiver Wirkungen zugeschrieben:

  • Schutz des Herz-Kreislauf-Systems: OPC kann die Gefäßwände stärken und die Durchlässigkeit der Gefäße verringern. Es kann auch den Blutdruck senken und die Blutfettwerte verbessern.
  • Stärkung des Immunsystems: OPC unterstützt das Immunsystem durch seine antioxidativen Fähigkeiten und kann Entzündungen im Darm hemmen.
  • Kräftigung des Bindegewebes: OPC bindet sich an Kollagenfasern und schützt sie vor enzymatischem Abbau. Es fördert auch die Mikrozirkulation der Haut, was zu einer besseren Versorgung mit Sauerstoff und Nährstoffen beiträgt.
  • Potenzielle Wirkung gegen Krebs: Studien haben gezeigt, dass OPC das Wachstum von Dickdarmkrebszellen hemmen und die Bildung von Metastasen verhindern kann.

OPC und Alzheimer: Aktuelle Studienlage

Die Forschung zur Wirkung von OPC bei Alzheimer ist noch nicht abgeschlossen, aber es gibt vielversprechende Hinweise.

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Tierstudien

In Tierversuchen konnte gezeigt werden, dass OPC die Plaquebildung im Gehirn von Mäusen verzögern oder sogar verhindern kann. Forscher von der Mount Sinai School of Medicine in New York haben mehrfach aufzeigen können, dass dadurch die Plaquebildung (Vorstufe für Alzheimer) hinausgezögert oder sogar verhindert werden kann. Eine Studie an Mäusen zeigte, dass OPC vor Alzheimer schützen könnte, indem es die Ansammlung von Plaques in wichtigen Hirnarealen reduziert und die Kontakte von Nervenzellen zueinander verbessert.

In-vitro-Studien

In-vitro-Studien haben gezeigt, dass OPC die Oligomerisierung von Amyloid-β hemmen kann, einem Protein, das bei der Entstehung von Alzheimer eine Rolle spielt.

Humanstudien

Die Ergebnisse von Humanstudien sind bisher gemischt. Einige Studien deuten darauf hin, dass OPC die kognitiven Funktionen bei gesunden älteren Erwachsenen verbessern kann. Eine randomisierte, doppelblinde Studie mit gesunden älteren Erwachsenen verbesserte ein standardisierter Traubenextrakt (Cognigrape, 250 mg/Tag) über 12 Wochen mehrere kognitive Domänen (z. B. Aufmerksamkeit, Sprache, unmittelbare und verzögerte Erinnerung) und Parameter der neuropsychologischen Befindlichkeit. Eine Replikation mit 96 Teilnehmenden zeigte sowohl akute Verbesserungen (Selektivaufmerksamkeit 90 Min. nach Erstgabe) als auch Zuwächse nach 14 und 84 Tagen. Andere Studien haben jedoch keinen signifikanten Nutzen von OPC bei Menschen mit leichter kognitiver Beeinträchtigung (MCI) gefunden. In einer 6‑Monats‑Studie bei älteren Menschen mit leichter kognitiver Beeinträchtigung (MCI) brachte GSE (320 mg/Tag) dagegen keinen signifikanten Zusatznutzen gegenüber Placebo im MoCA‑Gesamt­score.

Die Rolle von B-Vitaminen im Zusammenhang mit Alzheimer

Neben OPC spielen auch B-Vitamine eine wichtige Rolle bei der Prävention und Behandlung von Alzheimer. Ein Mangel an B-Vitaminen, insbesondere B6, B12 und Folsäure, kann zu einem erhöhten Homocysteinspiegel führen, der als Risikofaktor für Alzheimer gilt.

Homocystein und Alzheimer

Homocystein ist ein Stoffwechselprodukt, das bei der Verarbeitung der Aminosäure Methionin entsteht. Für die Ausscheidung von Homocystein werden vor allem die B-Vitamine B6, B12 und Folsäure benötigt. Ein Mangel an diesen Vitaminen kann zu einem erhöhten Homocysteinspiegel führen, der die Hirnleistung schädigen und Demenz und Alzheimer auslösen kann.

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Studien zur Wirkung von B-Vitaminen

Die Oxford-Studie (Smith et al. 2010, Jplos) zeigte, dass die Einnahme eines Kombinationspräparats mit den Vitaminen B6, B12 und Folsäure das Fortschreiten der Demenzsymptome bei Patienten mit MCI um 30% vermindern konnte. Bei Patienten mit erhöhten Homocysteinspiegeln wurde der Hirnschwund sogar um 53% verringert. In der VITACOG-Studie konnte bei älteren Personen mit milder kognitiver Beeinträchtigung durch die Supplementierung von Vitamin B12, Folsäure und Vitamin B6 über einen Zeitraum von 24 Monaten gegenüber der Placebogruppe das Fortschreiten der Hirnatrophie und Abnahme der kognitiven Leistungsfähigkeit signifikant verringert bzw. aufgehalten werden.

Empfehlungen zur Einnahme von B-Vitaminen

Es wird empfohlen, auf eine ausreichende Zufuhr von B-Vitaminen zu achten, insbesondere im Alter. Folsäure steckt vor allem in Spinat, Tomaten, Gurken, Orangen, Vollkornbrot und Eiern. Gesunde Menschen können mit einer Ernährung aus tierischen Lebensmitteln, Fisch und Vollkornprodukten einem Mangel an den Vitaminen B6 und B12 vorbeugen. Speziell bei Älteren kann ein hoher Wert auch die Folge von Medikamenten sein: Wer z.B. regelmäßig ein Mittel zur Unterdrückung der Magensäureproduktion einnimmt, kann Vitamin B12 schlechter über die Magenschleimhaut aufnehmen. Ähnliche Gefahren drohen Asthma- oder Parkinson-Patienten, die Medikamente einnehmen müssen.

Weitere wichtige Faktoren für die Prävention von Alzheimer

Neben OPC und B-Vitaminen gibt es weitere Faktoren, die eine wichtige Rolle bei der Prävention von Alzheimer spielen:

  • Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse und gesunden Fetten kann das Risiko für Alzheimer senken. Insbesondere Omega-3-Fettsäuren, die in Fisch und bestimmten Pflanzenölen vorkommen, scheinen eine positive Wirkung zu haben.
  • Bewegung: Regelmäßige körperliche Aktivität kann die Durchblutung des Gehirns verbessern und das Risiko für Alzheimer senken.
  • Kognitives Training: Geistige Aktivität, wie z.B. Lesen, Kreuzworträtsel lösen oder das Erlernen einer neuen Sprache, kann die kognitiven Funktionen stärken und das Risiko für Alzheimer senken.
  • Soziale Kontakte: Soziale Interaktion und ein aktives soziales Leben können die geistige Gesundheit fördern und das Risiko für Alzheimer senken.

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