Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems, die sich bei jedem Betroffenen anders äußert. Die Suche nach geeigneten Wohnformen, die den individuellen Bedürfnissen gerecht werden, stellt daher eine besondere Herausforderung dar. Anthroposophisch orientierte Wohngemeinschaften bieten hier einen ganzheitlichen Ansatz, der Körper, Seele und Geist gleichermaßen berücksichtigt.
Was ist eine anthroposophische Wohngemeinschaft?
Anthroposophie, begründet von Rudolf Steiner, ist ein spiritueller und weltanschaulicher Ansatz, der den Menschen als Einheit von Körper, Seele und Geist betrachtet. In einer anthroposophischen Wohngemeinschaft wird versucht, diesen ganzheitlichen Ansatz im Alltag umzusetzen. Dies bedeutet, dass nicht nur die medizinische Versorgung im Vordergrund steht, sondern auch die Förderung der individuellen Entwicklung, die Gestaltung einer harmonischen Umgebung und die Pflege sozialer Beziehungen.
Die Marianne-Strauß-Klinik: Ein Beispiel für ganzheitliche MS-Behandlung
Die Marianne-Strauß-Klinik in Bayern ist eine neurologische Fachklinik, die sich auf die Behandlung von Multipler Sklerose spezialisiert hat. Sie begleitet Patienten durch alle Stadien der Erkrankung und sichert die Schnittstelle zwischen Akutmedizin und Rehabilitation. Die Klinik arbeitet mit einem ganzheitlichen und interdisziplinären Therapiekonzept. Neben immunologischen, medikamentösen und (neuro-)psychologischen Therapien werden auch physio- und ergotherapeutische sowie logopädische Behandlungen angeboten. Die Klinik legt Wert auf eine umfassende und vertrauensvolle Begleitung der Patienten, von der Erstdiagnose bis zur Entlassung.
Vorteile einer anthroposophischen Wohngemeinschaft für MS-Patienten
- Ganzheitlicher Ansatz: Im Mittelpunkt steht nicht nur die Behandlung der Krankheit, sondern die Förderung des individuellen Wohlbefindens.
- Individuelle Betreuung: Die Bewohner werden entsprechend ihrer persönlichen Bedürfnisse und Fähigkeiten gefördert und unterstützt.
- Soziale Gemeinschaft: Die Wohngemeinschaft bietet die Möglichkeit, soziale Kontakte zu pflegen und sich gegenseitig zu unterstützen.
- Harmonische Umgebung: Die Gestaltung der Wohnräume und des Gartens erfolgt nach anthroposophischen Gesichtspunkten, um eine Atmosphäre der Geborgenheit und des Wohlbefindens zu schaffen.
- Förderung der Selbstständigkeit: Die Bewohner werden ermutigt, ihre Fähigkeiten und Interessen zu entfalten und ein möglichst selbstbestimmtes Leben zu führen.
Elemente einer anthroposophischen Wohngemeinschaft
- Tagesstruktur: Ein geregelter Tagesablauf mit gemeinsamen Mahlzeiten, Aktivitäten und Ruhezeiten gibt den Bewohnern Halt und Orientierung.
- Künstlerische Aktivitäten: Malen, Musizieren, Handwerken und andere künstlerische Tätigkeiten fördern die Kreativität und die Selbstwahrnehmung.
- Naturerlebnisse: Der Kontakt zur Natur, beispielsweise durch Gartenarbeit oder Spaziergänge, wirkt wohltuend auf Körper und Seele.
- Eurythmie: Diese Bewegungskunst, die von Rudolf Steiner entwickelt wurde, kann die Körperwahrnehmung verbessern und die Lebenskräfte stärken.
- Biografische Arbeit: Die Auseinandersetzung mit der eigenen Lebensgeschichte kann helfen, die Erkrankung besser zu verstehen und neue Perspektiven zu entwickeln.
- Pflegerische und medizinische Versorgung: Die Bewohner werden von qualifizierten Fachkräften betreut, die sowohl die medizinischen als auch die pflegerischen Bedürfnisse berücksichtigen.
Herausforderungen und Chancen
Die Gründung und der Betrieb einer anthroposophischen Wohngemeinschaft für MS-Patienten sind mit einigen Herausforderungen verbunden. Dazu gehören die Finanzierung, die Suche nach geeigneten Räumlichkeiten und die Gewinnung von qualifiziertem Personal. Andererseits bieten solche Wohngemeinschaften auch große Chancen, die Lebensqualität von MS-Patienten deutlich zu verbessern und neue Wege in der Betreuung und Pflege zu gehen.
Beispiele und Konzepte aus der Praxis
- Wohngemeinschaft für Demenzkranke: Das Konzept der Wohngemeinschaft für Demenzkranke, wie beispielsweise die "Hirschen-WG", zeigt, dass es möglich ist, eine familiäre Atmosphäre zu schaffen, in der sich die Bewohner wohl und geborgen fühlen. Die Angehörigen werden intensiv in den Lebenskreis der WG einbezogen, und die Bewohner bestimmen den Alltagsablauf wie Essen oder Schlafen selbst.
- Heinrich-Hansjakob-Haus: Das Heinrich-Hansjakob-Haus ist ein Mehrgenerationenhaus, in dem Menschen unterschiedlichen Alters zusammenleben und sich gegenseitig unterstützen. Hier können Senioren Neues ausprobieren, menschliche Zuwendung erfahren und ihren Einzug ins Heim um einige Jahre verschieben.
- Tiergestützte Therapie: In einigen Pflegeheimen werden Tiere gehalten oder die Bewohner dürfen ihre Haustiere mitbringen. Der Kontakt zu Tieren kann Gefühle ansprechen, die Lebensfreude steigern und die Kommunikation fördern.
Die Rolle der Angehörigen
Die Angehörigen spielen eine wichtige Rolle in der anthroposophischen Wohngemeinschaft. Sie werden in die Betreuung und Pflege einbezogen und können sich aktiv an der Gestaltung des Alltags beteiligen. Regelmäßige Gespräche und Treffen helfen, die Bedürfnisse der Bewohner und der Angehörigen zu berücksichtigen und ein vertrauensvolles Miteinander zu pflegen.
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Finanzierungsmöglichkeiten
Die Finanzierung einer anthroposophischen Wohngemeinschaft für MS-Patienten kann über verschiedene Wege erfolgen. Dazu gehören:
- Pflegeversicherung: Die Pflegeversicherung übernimmt einen Teil der Kosten für die pflegerische Versorgung.
- Sozialhilfe: Wenn das Einkommen und Vermögen der Bewohner nicht ausreichen, um die Kosten zu decken, kann Sozialhilfe beantragt werden.
- Spenden und Stiftungen: Einige Stiftungen und Organisationen fördern Projekte im Bereich der anthroposophischen Medizin und Pflege.
- Eigenmittel: Die Bewohner und ihre Angehörigen können sich auch mit eigenen Mitteln an der Finanzierung beteiligen.
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