Zahnschmerzen und Nervenschmerzen: Wie Homöopathie helfen kann

Zahnschmerzen sind eine weitverbreitete und oft sehr unangenehme Erfahrung. Die Ursachen können vielfältig sein, von Karies und Zahnfleischentzündungen bis hin zu Nervenentzündungen im Zahninneren. Die Homöopathie bietet einen sanften, ganzheitlichen Ansatz zur Linderung von Zahnschmerzen und Nervenschmerzen, oft als Begleitbehandlung zur konventionellen Zahnmedizin.

Was ist Homöopathie?

Die Homöopathie ist eine alternative Heilmethode, die auf dem Prinzip "Ähnliches möge mit Ähnlichem geheilt werden" basiert. Samuel Hahnemann (1755-1843), ein deutscher Arzt und Chemiker, entwickelte diese Methode, um eine sanfte Alternative zu den medizinischen Praktiken seiner Zeit zu schaffen. Homöopathische Mittel werden durch Verdünnen und Verschütteln von Substanzen hergestellt, um eine Vergiftung zu vermeiden und Nebenwirkungen zu minimieren.

Anwendungsgebiete der Homöopathie in der Zahnmedizin

In der Zahnmedizin wird die Homöopathie als Begleitbehandlung und zur Unterstützung der konventionellen Medizin eingesetzt. Es gibt verschiedene Indikationen für den sinnvollen Einsatz von Homöopathika:

  • Akute Schmerzen: Bei akuten Beschwerden wie Zahnschmerzen, Zahnfleischproblemen, aufgerissenen Mundwinkeln und Bläschen können organotrope Homöopathika eingesetzt werden. Diese wirken direkt auf das erkrankte Organ, ohne den Gesamtzustand des Patienten zu berücksichtigen.
  • Nervenschmerzen: Nervenschmerzen am Zahn können durch eine Entzündung des Zahnmarks (Pulpa) verursacht werden. Homöopathische Mittel können hier unterstützend wirken.
  • Nach Zahnextraktionen: Homöopathie kann helfen, starke Schmerzen nach Zahnextraktionen zu lindern.
  • Stressbedingte Zahnschmerzen: Stress kann ebenfalls Zahnschmerzen auslösen. In solchen Fällen kann die Homöopathie helfen, die Beschwerden zu lindern, wenn der Zahnarzt keine behandlungsbedürftige Ursache feststellen kann.
  • Unterstützung der Selbstheilung: Die Zielsetzung der Homöopathie in der Zahnmedizin ist es, durch minimal dosierte Substanzen, die in hohen Dosen ähnliche Symptome wie die zu behandelnden Erkrankungen hervorrufen würden, eine Selbstheilung zu stimulieren.

Das Ähnlichkeitsprinzip

Die Wirksamkeit der Homöopathie basiert auf dem Ähnlichkeitsprinzip. Ein Stoff, der bestimmte Symptome bei einem gesunden Menschen hervorruft, kann ähnliche Symptome bei einem kranken Menschen heilen. Samuel Hahnemann entdeckte dieses Prinzip durch einen Selbstversuch mit Chinarinde, die zur Behandlung von Malaria eingesetzt wurde. Er beobachtete, dass die Einnahme der Chinarinde bei ihm ähnliche Symptome wie Malaria hervorrief.

Die homöopathische Anamnese

Jeder homöopathischen Behandlung geht ein ausführliches ärztliches Gespräch voraus. Dabei wird die Krankengeschichte (Anamnese) erhoben. Die homöopathische Anamnese unterscheidet sich von der Schulmedizin, da neben den körperlichen Symptomen auch die Individualität des Patienten im Vordergrund steht. Es handelt sich um eine personotrope Medizin, die auf die Charaktereigenschaften, Vorlieben, Abneigungen, die persönliche Geschichte, Sorgen, Ängste und Hoffnungen des Patienten eingeht. Bei akuten Erkrankungen stehen die Krankheitssymptome im Vordergrund, während bei chronischen Erkrankungen die individuellen Patienteneigenschaften wichtiger sind.

Lesen Sie auch: Nerven gezogen und trotzdem Schmerzen? Das sind die Gründe

Die Herstellung homöopathischer Arzneimittel

Homöopathische Arzneimittel werden aus verschiedenen Ausgangssubstanzen hergestellt:

  • Teile frischer Pflanzen
  • Pflanzendrogen
  • Rauschpflanzen
  • Stoffe tierischen Ursprungs (Nosoden)
  • Chemische Elemente/Stoffe mineralischen Ursprungs
  • Synthetische Stoffe

Diese Ausgangssubstanzen werden durch Verreibung mit Lactose (Milchzucker) und Verschüttelung mit einem Alkohol-Wasser-Gemisch aufgearbeitet. Dabei wird das Präparat immer weiter verdünnt und potenziert. Die Verdünnung erfolgt schrittweise in kleinen Glasflaschen. Es werden verschiedene Potenz-Reihen unterschieden: C-, D-, Q- und LM-Reihe. Man unterscheidet außerdem zwischen Hoch- und Tiefpotenzen. In Hochpotenzen ist der Wirkstoff so stark verdünnt, dass er nicht mehr nachweisbar ist.

Darreichungsformen

Homöopathische Mittel sind in verschiedenen Darreichungsformen erhältlich:

  • Globuli: Kleine Streukügelchen, die unter der Zunge zergehen.
  • Tabletten: Leichter zu handhaben als Globuli.
  • Tropfen: Flüssige Form zur Einnahme.
  • Salben: Zur äußerlichen Anwendung.

Hypericum perforatum: Ein wichtiges homöopathisches Mittel bei Nervenschmerzen

Ein bekanntes homöopathisches Mittel bei Verletzungen und Nervenschmerzen ist Hypericum perforatum, das auf dem Echten Johanniskraut basiert. Es wird bei Operationen, Unfällen und Verletzungen von nervenreichem Gewebe wie Fingerkuppen, Lippen oder der Wirbelsäule eingesetzt.

Wann wird Hypericum eingesetzt?

Typische Anwendungsgebiete von Hypericum sind:

Lesen Sie auch: Vorbeugung freiliegender Zahnhälse

  • Schnitt-, Biss- und Stichwunden
  • Quetschungen, Prellungen, Stauchungen
  • Steißbeinschmerzen
  • Wirbelsäulenprellungen
  • Bandscheibenvorfall mit Nervenbeteiligung
  • Zahnschmerzen
  • Schmerzen nach Operationen
  • Insektenstiche
  • Verletzungen der Genitalien

Typische Hypericum-Symptome

Typische Symptome und Beschwerden, die auf Hypericum hinweisen, sind:

  • Starke stechende oder schneidende Schmerzen
  • Einschießende Schmerzen entlang von Nerven
  • Kopfschmerzen nach einem Sturz oder Schlag auf den Hinterkopf
  • Wunden, die ungewöhnlich schmerzhaft und berührungsempfindlich sind

Die Beschwerden werden oft besser durch Stillhalten und Rückwärtsneigen des Kopfes, aber schlimmer bei kaltem, feuchtem Wetter, Nebel, vor einem Sturm, durch Berührung und Bewegung.

Hypericum für Babys und Kinder

Hypericum kann auch bei Kindern bei Verletzungen wie eingeklemmten Fingern, Stürzen auf das Gesäß oder wenn sich das Kind auf die Zunge gebissen hat, eingesetzt werden. Es kann auch helfen, den Unfallschock nach einem Sturz auf den Kopf zu mildern und nachfolgende Kopfschmerzen zu bessern. Vor der Anwendung sollte jedoch eine ernsthafte Verletzung durch einen Arzt ausgeschlossen werden.

Anwendung von Hypericum

Hypericum ist in verschiedenen Potenzen erhältlich. Bei akuten Verletzungen empfiehlt sich eine wiederholte Einnahme von Hypericum D6 oder D12. Bei schwerwiegenderen Verletzungen kann Hypericum C30 angewendet werden. Höhere Potenzen wie Hypericum C200 sollten nur nach Verordnung durch einen Homöopathen eingenommen werden.

Dosierungsempfehlungen für Hypericum

  • Wunden: 3 Globuli Hypericum D6 bis zu sechsmal täglich oder 3 Globuli Hypericum D12 zweimal täglich. Bei tieferen Wunden Hypericum D30 oder Hypericum C30 täglich jeweils 2 Globuli. Zusätzlich Auflagen mit Hypericum-Tinktur.
  • Quetschungen: 3 Globuli Hypericum D6 bis zu sechsmal täglich oder 3 Globuli Hypericum D12 zweimal täglich. Zusätzlich äußerliche Anwendung von Hypericum Salbe, Tinktur oder Öl.
  • Prellungen: 3 Globuli Hypericum D6 bis zu sechsmal täglich oder 3 Globuli Hypericum D12 zweimal täglich. Zusätzlich äußerliche Anwendung von Hypericum-Salbe, -Tinktur oder -Öl.
  • Zahnschmerzen: 3 Globuli Hypericum D6 bis zu sechsmal täglich oder 3 Globuli Hypericum D12 zweimal täglich.
  • Insektenstiche, -bisse: 3 Globuli Hypericum D6 bis zu sechsmal täglich oder 3 Globuli Hypericum D12 zweimal täglich. Bei starken Entzündungen Hypericum D30 oder Hypericum C30 täglich jeweils 2 Globuli. Zusätzlich Auflagen mit Hypericum-Tinktur.
  • Genitalverletzungen: 3 Globuli Hypericum C30 einnehmen. Bei Bedarf alle 12 Stunden wiederholen.
  • Operationen: 3 Globuli Hypericum C30 am Tag vor der Operation einnehmen. Sobald als möglich nach der Operation wiederholen.

Weitere homöopathische Mittel bei Zahnschmerzen

Neben Hypericum gibt es noch weitere homöopathische Mittel, die bei Zahnschmerzen eingesetzt werden können, abhängig von den spezifischen Symptomen:

Lesen Sie auch: Behandlungsmöglichkeiten bei Zahnschmerzen

  • Arnica: Bei Schmerzen und Schwellungen.
  • Nux vomica: Bei durch Kälte hervorgerufenem Zahnschmerz.
  • Cuprum metallicum: Bei Schmerzen der Kaumuskulatur.

Wichtige Hinweise

Es ist wichtig zu beachten, dass die Homöopathie bei Zahnschmerzen eine unterstützende Maßnahme sein kann, aber nicht den Besuch beim Zahnarzt ersetzt. Andauernde oder wiederkehrende Zahnschmerzen, Zahnverletzungen und wiederholtes Zahnfleischbluten sollten immer von einem Zahnarzt abgeklärt werden.

Die Wirksamkeit der Homöopathie ist wissenschaftlich umstritten und nicht eindeutig belegt. Die Homöopathie ist eine ganzheitliche und patientenorientierte Medizin, die auf alle Bereiche des Patienten eingeht. Sie beschäftigt sich ausführlich mit dem Patienten selbst, weshalb sie sich besonders bei körperlichen und psychosomatischen Erkrankungen anbietet.

Hausmittel gegen Zahnschmerzen

Neben der Homöopathie gibt es auch einige Hausmittel, die bei Zahnschmerzen Linderung verschaffen können:

  • Knoblauch: Enthält ätherische Öle, die schmerzlindernd und entzündungshemmend wirken. Eine aufgeschnittene Knoblauchzehe direkt auf die schmerzende Stelle legen.
  • Alkohol: Hochprozentiger Alkohol desinfiziert. Eine Mundspülung mit Alkohol zur Schmerzlinderung verwenden.
  • Salzlösung: Einen Teelöffel Salz in einem Glas mit warmem Wasser auflösen und damit spülen.
  • Teebaumöl: Wirkt desinfizierend und antiseptisch. Kann eine bakterielle Entzündung im Mundraum eindämmen.
  • Ölziehen: Kaltgepresstes Sonnenblumen- oder Sesamöl für ca. zwei Minuten mit Druck durch die Zähne hindurchziehen.

tags: #zahnschmerzen #nervenschmerzen #homoopathie