Psoriasis und Nervenschmerzen: Eine umfassende Betrachtung des Zusammenhangs

Psoriasis, auch Schuppenflechte genannt, ist eine chronisch-entzündliche Hauterkrankung, die weit mehr als nur die Haut betrifft. Sie kann auch Gelenke, Sehnenansätze und die Wirbelsäule befallen. Obwohl der Zusammenhang zwischen Psoriasis und Psoriasis-Arthritis (PsA), auch Schuppenflechtenrheuma genannt, bekannt ist, wird die Diagnose oft verzögert gestellt. Neuere Forschungsergebnisse deuten zudem auf einen möglichen Zusammenhang zwischen Psoriasis, Psoriasis-Arthritis und neuropathischen Schmerzen hin, die durch Nervenschädigung oder -funktionsstörung entstehen. Dieser Artikel beleuchtet den Zusammenhang zwischen Psoriasis, Nervenschmerzen und Psoriasis-Arthritis, untersucht die zugrunde liegenden Mechanismen, Symptome, Diagnosemethoden, Behandlungsansätze und die psychosozialen Auswirkungen dieser komplexen Erkrankung.

Was ist Psoriasis und Psoriasis-Arthritis?

Die Psoriasis vulgaris ist eine Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem fälschlicherweise körpereigene Strukturen angreift. Täglich müssen die menschlichen Abwehrzellen Bakterien und Viren erkennen und bekämpfen. Dabei kann es zu Verwechslungen kommen: Körpereigene Strukturen werden als fremd erkannt und vom Immunsystem bekämpft. Dies führt zu Entzündungen und einer beschleunigten Produktion von Hautzellen, was die typischen Psoriasis-Plaques verursacht.

Bei etwa 25 % der Menschen mit Psoriasis entwickelt sich irgendwann eine Psoriasis-Arthritis, meist zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr. Die Psoriasis-Arthritis betrifft sowohl die Haut als auch die Gelenke und äußert sich durch eine Vielzahl von Symptomen. In den meisten Fällen sind bei Patient:innen mit Psoriasis Arthritis die Hautveränderungen früher vorhanden als die Gelenk- oder Wirbelsäulenentzündungen. Schwierig ist die Diagnosestellung, wenn zunächst die Gelenke betroffen sind und zu diesem Zeitpunkt noch keine Hautbeteiligung vorliegt (Psoriasis Arthritis sine psoriasis).

Symptome der Psoriasis-Arthritis

Viele Betroffene haben durch Gelenkschwellungen der Hand- und Fingergelenke Schwierigkeiten, eine Faust zu ballen oder mit den Händen einfache Alltagsverrichtungen, wie z. B. das Öffnen einer Flasche, auszuführen. Die Schuppenflechten-Hautveränderungen (Plaques) werden von vielen Patient:innen als sehr belastend erlebt, weil sie für die Umgebung sichtbar sind. Besonders häufig sind die Ellenbogen-Streckseiten, die Knie und die Kopfhaut von Psoriasis-Plaques befallen. Juckreiz kann ein weiteres belastendes Symptom sein. Besonders problematisch ist der Befall der Hand- und Fußinnenflächen (Psoriasis palmoplantaris) und der Befall des Anal- und Genitalbereiches (Psoriasis inversa).

Der Übergang von Sehnen in den Knochen (Enthese) kann vom Immunsystem angegriffen werden. Dieses wird als Enthesitis bezeichnet. Relativ typisch für das „Schuppenflechtenrheuma“ sind Schmerzen an der Ferse durch eine Entzündung der Achillessehne. In vielen Fällen werden die Entzündungen lange Zeit als Fersensporn fehlgedeutet.

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Die Psoriasis Arthritis hat viele Parallelen zur axialen Spondyloarthritis (Synonym Ankylosierende Spondylitis, Morbus Bechterew). Die Fehler, die das Immunsystem bei beiden Erkrankungen macht, sind ähnlich. Auch im Rahmen einer Psoriasis Arthritis kann es zu einem Befall der Wirbelsäule kommen (Spondyloarthritis psoriatica).

Ähnlich wie bei der axialen Spondyloarthritis kann es zu Entzündungen der Regenbogenhaut des Auges (Iridozyklitis, Uveitis anterior) kommen. Das Auge ist stark gerötet und schmerzhaft. Die Betroffenen können kaum ins Licht schauen.

Der Zusammenhang zwischen Psoriasis, Psoriasis-Arthritis und Nervenschmerzen

Neuropathische Schmerzen sind Schmerzen, die infolge einer Nervenschädigung oder einer Störung der Nervenfunktion entstehen. Hinter einem neuropathisch-artigen Schmerzsyndrom kann auch eine Veränderung der Schmerzverarbeitung im Gehirn stehen. So können chronische Schmerzen durch entzündliche Prozesse, beispielsweise bei der Psoriasis-Arthritis (PsA), dazu führen, dass die Schmerzsysteme im Gehirn mit der Zeit empfindlicher werden und schließlich auch auf schwache Schmerzreize oder ganz normale Reize (beispielsweise leichter Druck) reagieren. Dies nennt man zentrale Sensitivierung.

Eine Querschnittsstudie ergab, dass neuropathische Schmerzen jeden sechsten Patienten mit Psoriasis-Arthritis betreffen. Die Studie untersuchte auch begleitende Faktoren wie Adipositas, Leptinspiegel, Ängste, depressive Symptome, Schlafqualität und Fatigue. Die Ergebnisse zeigten, dass Patienten mit neuropathischen Schmerzen häufig unter einer höheren PsA-Krankheitsaktivität litten, stärker funktional eingeschränkt und dementsprechend in höherem Maße durch die Erkrankung beeinträchtigt waren. Schlafqualität und die Leptinspiegel konnten die Hälfte der Variation im neuropathischen Schmerz bei PsA-Patienten erklären, spielen demnach also eine wichtige, womöglich ursächliche, Rolle.

Mögliche Ursachen für Nervenschmerzen bei Psoriasis und Psoriasis-Arthritis

Es gibt verschiedene Theorien, wie Psoriasis und Psoriasis-Arthritis zu Nervenschmerzen führen können:

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  • Entzündung: Die chronische Entzündung, die sowohl bei Psoriasis als auch bei Psoriasis-Arthritis auftritt, kann Nerven schädigen und zu neuropathischen Schmerzen führen.
  • Gelenkveränderungen: Durch Gelenkentzündungen kann es zu Veränderungen der Gelenkkapseln kommen. Die umliegende Muskulatur reagiert durch Verkürzung und Abschwächung, was zu Nervenkompression und Schmerzen führen kann.
  • Zentrale Sensitivierung: Chronische Schmerzen können die Schmerzverarbeitung im Gehirn verändern, was zu einer erhöhten Schmerzempfindlichkeit führt.
  • Begleiterkrankungen: Bei PsA-Patienten unter anhaltendem Schmerz, kann jedoch auch eine die PsA begleitende Fibromyalgie vorliegen.

Diagnose von Psoriasis-Arthritis und Nervenschmerzen

Die Diagnose der Psoriasis-Arthritis gestaltet sich oft schwierig, insbesondere wenn zunächst die Gelenke betroffen sind und noch keine Hautbeteiligung vorliegt. Der Rheumatologe muss entweder eine Gelenkentzündung, eine Sehnenansatzentzündung (Enthesitis) oder eine Wirbelsäulenentzündung (Spondyloarthrits psoriatica) nachweisen. Zusätzlich fragt er nach typischen Hautveränderungen. Manchmal bestehen nur sehr kleine Hautveränderungen, z.B. im Gehörgang oder auf der Kopfhaut, die dem Betroffenen nicht immer bekannt sein müssen.

Es gibt keinen spezifischen Bluttest auf Psoriasis Arthritis. In schweren Fällen sind die Entzündungswerte im Blut erhöht, was aber keineswegs immer der Fall ist. In einigen Fällen sind die Entzündungswerte (CRP= C-Reaktives-Protein) im Blut erhöht. Das ist dann meistens ein Zeichen für einen schweren und aggressiveren Verlauf der Erkrankung. Die Bestimmung des CRP´s ist daher für den Rheumatologen von besonderer Bedeutung. Ein normales CRP schließt die Erkrankung nicht aus.

Um neuropathische Schmerzen zu diagnostizieren, werden in der Regel eine gründliche körperliche Untersuchung und eine detaillierte Anamnese durchgeführt. Dabei werden die Art, Lokalisation und Intensität der Schmerzen erfasst. Zusätzlich können neurologische Tests durchgeführt werden, um die Nervenfunktion zu überprüfen.

Differenzialdiagnose

Es ist wichtig, die Psoriasis-Arthritis von anderen Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen abzugrenzen, wie z.B.:

  • Rheumatoide Arthritis
  • Arthrose
  • Gicht
  • Axiale Spondyloarthritis (Morbus Bechterew)

Behandlung von Psoriasis-Arthritis und Nervenschmerzen

Die Psoriasis Arthritis wird mit medikamentösen und nicht-medikamentösen Therapien behandelt. Unter einer gut angepassten medikamentösen und nicht-medikamentösen Therapie ist die Lebenserwartung von Patient:innen mit Psoriasis Arthritis normal. Die Behandlung einer Psoriasis Arthritis hat verschiedene Ziele:

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  • Beschwerden wie Schmerzen und Schwellungen lindern
  • Die Funktion der Gelenke erhalten
  • Langfristigen Gelenkschäden vorbeugen

Medikamentöse Therapie

Bei einer nur leicht ausgeprägten Entzündung der Knie-, Ellbogen- oder Handgelenke genügt manchmal eine Behandlung mit Schmerzmitteln aus der Gruppe der NSAR. Dazu gehören zum Beispiel Diclofenac, Ibuprofen und Naproxen. Diese Wirkstoffe können als Tabletten eingenommen oder als Gel oder Creme auf die entzündeten Gelenke aufgetragen werden.

Reicht dies nicht aus oder spricht einiges für einen ungünstigen Verlauf, wird eine Behandlung mit krankheitsmodifizierenden Medikamenten empfohlen. Diese Mittel hemmen die Entzündungsprozesse in den Gelenken. Dadurch können sie nicht nur Beschwerden lindern, sondern auch Gelenkschäden vorbeugen oder sie hinauszögern. Im weiteren Verlauf führen zielgerichtete Medikamente, sogenannte Biologika, zu einem Therapieerfolg.

Nicht-medikamentöse Therapie

Neben der medikamentösen Therapie spielen auch nicht-medikamentöse Behandlungen eine wichtige Rolle:

  • Physiotherapie und Ergotherapie: In der Rehabilitation werden die Beweglichkeit der Gelenke und eine Verbesserung der Muskulatur durch Ergotherapeut:innen und Physiotherapeut:innen trainiert.
  • Ernährung: Es ist bekannt, dass eine antientzündliche Ernährung positive Auswirkungen auf entzündlich-rheumatische Erkrankungen hat. erhalten die Patient:innen Vorträge zur Ernährung und kochen gemeinsam in der Lehrküche.
  • Bewegungstherapie: Bei der Bewegungstherapie (Nordic Walking, Wassergymnastik, Funktionstraining, Ergometer-Therapie) geht es nicht nur um die Verbesserung der Beweglichkeit der Gelenke. Vielmehr können durch gezielte Anwendungen Entzündungsreaktionen der Wirbelsäule und der Gelenke reduziert werden.
  • Photo-Soletherapie: Ein Heilmittel, das die therapeutischen Effekte des „Toten Meers“ imitiert, ist die Photo-Soletherapie. Natürliche Sole führt zu einer Reduktion der Hautschuppen. Nach einem Wannenbad in hochprozentiger Sole gehen Patient:innen in eine UV-Kabine und erhalten eine definierte Menge ultraviolettes Licht. Das UV-Licht beruhigt das Immunsystem in der Haut und führt zu einer Besserung der Psoriasis-Plaques.

Behandlung von Nervenschmerzen

Die Behandlung von neuropathischen Schmerzen kann schwierig sein und erfordert oft einen multimodalen Ansatz. Zu den möglichen Behandlungsoptionen gehören:

  • Schmerzmittel: Spezielle Schmerzmittel, die auf neuropathische Schmerzen wirken, wie z.B. Antidepressiva oder Antikonvulsiva.
  • Physiotherapie: Gezielte Übungen können helfen, die Nervenfunktion zu verbessern und Schmerzen zu lindern.
  • Nervenblockaden: In einigen Fällen können Nervenblockaden eingesetzt werden, um die Schmerzübertragung zu unterbrechen.
  • Alternative Therapien: Akupunktur, Entspannungstechniken und andere alternative Therapien können ebenfalls zur Schmerzlinderung beitragen.

Psychosoziale Auswirkungen von Psoriasis, Psoriasis-Arthritis und Nervenschmerzen

Die Psoriasis-Arthritis ist eine besonders komplexe rheumatische Erkrankung, weil eine Vielzahl von Organsystemen betroffen sein kann. In der Rehabilitation erfolgen Behandlungen von Gelenken, Wirbelsäule, Haut, Sehnenansätzen und Psyche. Nur wenn alle Organsysteme erfolgreich verbessert werden, tritt ein nachhaltiger Therapieerfolg ein. Den Rehabilitationskonzepten liegt ein ganzheitlicher Ansatz zugrunde.

Die Vielzahl von Symptomen kann zu psychischen Problemen führen. Die Rehabilitationsziele orientieren sich am Organbefall und an den Funktionseinschränkungen der Patient:innen. Es wird versucht diese Verbesserung messbar zu machen, indem Tests und Assessments eingesetzt werden. Eine Verbesserung der Handkraft kann Ausdruck einer positiven Wirkung einer Rehabilitation sein. Für eine erfolgreiche Rehabilitation erfolgt bei Aufnahme eine Bewertung aller betroffenen Organsysteme. Es ist insbesondere zu bewerten, ob entzündliche Aktivität, lokale Funktionsstörungen, eine Schädigung des Gewebes oder eine Chronifizierung der Schmerzen vorliegen.

Zwischen Haut und Psyche gibt es eine direkte Verbindung. Bezüglich Psoriasis bedeutet das: Einerseits kann Stress akute Krankheitsschübe auslösen, andererseits sind die Krankheitsbeschwerden der Schuppenflechte selbst psychisch extrem belastend für viele Betroffene. Die Weltgesundheitsorganisation ruft deshalb in einer Resolution dazu auf: Nicht nur die körperliche, sondern auch die psychosoziale Situation der weltweit rund 125 Millionen Menschen mit Psoriasis muss sich verbessern!

Studien machen Hoffnung: Psychische Probleme von Menschen mit Psoriasis verringern sich schon, wenn die allgemeinen Krankheitsbeschwerden erfolgreich therapiert werden können. Deshalb ist die fachärztliche Behandlung der körperlichen Symptome auch für das psychische Wohlbefinden zentral. Gleichzeitig gilt: Für den persönlichen Leidensdruck muss nicht der ärztlich ermittelte Schweregrad ausschlaggebend sein.

Umgang mit den psychosozialen Belastungen

Es gibt verschiedene Strategien, die Betroffenen helfen können, mit den psychosozialen Belastungen umzugehen:

  • Stress reduzieren und Ruhephasen einrichten: Finde heraus, was dich konkret belastet und versuche, die Ursachen zu meiden oder aktiv anzugehen. Baue feste Entspannungszeiten in deinen Alltag ein.
  • Entspannungstechniken: Autogenes Training, Meditation, Tai-Chi und progressive Muskelentspannung - viele Krankenkassen bieten Seminare zur Stressbewältigung an, in denen du die Methoden erlernen kannst.
  • Gemeinschaftliche Selbsthilfe: Der Erfahrungsaustausch mit Gleichgesinnten in örtlichen Selbsthilfegruppen oder Internetforen hilft vielen Betroffenen und gibt ihnen neuen Lebensmut. Es ist oft hilfreich zu erfahren, wie andere Menschen ihren Umgang mit der Erkrankung gefunden haben.
  • Therapie: Vor allem für Personen mit sehr starkem Leidensdruck und stressbedingten Schüben ist eine psychosoziale Therapie bei qualifizierten Ärztinnen oder Psychotherapeutinnen zu empfehlen.
  • Kur oder Reha: Eine mehrwöchige Maßnahme kann helfen, die psychischen Belastungen im Alltag dauerhaft zu verringern.
  • Berufliche Rehabilitation: Im Rahmen der Rehabilitation werden berufliche Stressoren thematisiert und Lösungen für Probleme erarbeitet. (Medizinisch-Beruflich-Orientierte-Rehabilitation) durchgeführt. Dabei erfolgt eine umfassende Analyse der krankheitsbedingten beruflichen Probleme.

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