Zuschuss für Klimaanlage bei Multipler Sklerose: Möglichkeiten und Ansprüche

Multiple Sklerose (MS) und andere neurologische Erkrankungen können durch hohe sommerliche Temperaturen stark beeinträchtigt werden. Hitze kann bei MS-Betroffenen die Krankheitsymptome verstärken oder zu rascher Ermüdung führen, was als Uhthoff-Phänomen bekannt ist. Betroffene sollten daher Vorkehrungen für die heiße Jahreszeit treffen, um ihre Lebensqualität und Arbeitsfähigkeit zu erhalten. Eine Möglichkeit zur Linderung der Beschwerden ist der Einsatz von Klimaanlagen. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte der Finanzierung und Förderung von Klimaanlagen für MS-Patienten in Deutschland.

Das Uhthoff-Phänomen und seine Auswirkungen

Das Uhthoff-Phänomen beschreibt die Verschlimmerung von MS-Symptomen bei höheren Temperaturen. Vermutet wird, dass die Leitfähigkeit der geschädigten Nerven durch Wärme weiter beeinträchtigt wird. Betroffene sollten sich an warmen Tagen gut überlegen, wann sie ins Freie gehen und die Mittagshitze meiden. Es ist ratsam, die Wohnung frühmorgens zu lüften und auf sportliche Betätigung an heißen Tagen zu verzichten.

Kühlende Maßnahmen und Hilfsmittel

Oft reichen die genannten Maßnahmen nicht aus, um die Beschwerden des Uhthoff-Phänomens zu lindern. In solchen Fällen können zusätzliche Kühlmaßnahmen erforderlich sein:

  • Kühle Duschen: Eine kühle Dusche kann zumindest vorübergehend die Körpertemperatur senken.
  • Ventilatoren: Ein Ventilator am Arbeitsplatz kann Kühlung bringen, wenn es keine Klimaanlage gibt.
  • Kalte Getränke und Eis: Kalte Getränke, Eiswürfel oder ein Eis können ebenfalls zur Kühlung beitragen.
  • Kühlwesten und -stirnbänder: Im Handel sind Kühlwesten, Kühlstirnbänder und Pulskühler erhältlich, die dazu beitragen, dass der Körper tagsüber kühl bleibt. Kühlwesten können über oder unter der normalen Kleidung getragen werden.
  • Klimaanlagen: Menschen mit MS, deren PKW über keine Klimaanlage verfügt, sollten ihren Wagen nachrüsten lassen oder bei der Neuanschaffung eines Autos daran denken, einen Wagen mit Klimaanlage zu wählen.

Klimaanlagen als Hilfsmittel: Rechtliche Grundlagen und Ansprüche

Sozialgericht Mainz: Klimaanlage als notwendiger Wohnstandard

Das Sozialgericht Mainz hat in einem Urteil entschieden, dass der Einbau einer Klimaanlage bei Pflegebedürftigen von Pflegekassen bezuschusst werden muss. Die Richter argumentierten, dass eine Klimaanlage gesundheitliche Risiken für die Klägerin verhindere und in Zeiten des Klimawandels im Schlafzimmer den allgemeinen Wohnstandard abbilde. Daher habe die Pflegeversicherung einzustehen.

Anspruch auf Zuschuss bei Pflegebedürftigkeit

Pflegebedürftige Menschen haben grundsätzlich Anspruch auf wohnumfeldverbessernde Maßnahmen. Je nach Pflegegrad zahlen Pflegekassen bis zu 4000 Euro für solche Maßnahmen, zu denen auch der Einbau einer Klimaanlage gehören kann. Es ist ratsam, sich vor dem Einbau einer Klimaanlage ausführlich beraten zu lassen und einen Antrag bei der Pflegekasse zu stellen.

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Weitere Fördermöglichkeiten

Wer einen höheren Finanzierungsbedarf hat, kann bei der KFW einen zinsgünstigen Kredit von maximal 50.000 Euro beantragen. Das entsprechende Programm trägt den Namen „Altersgerecht Umbauen (159)“ und ist auch für Personen mit einer einschränkenden Erkrankung verfügbar.

Arten von Klimaanlagen und ihre Vor- und Nachteile

Splitgeräte

Die Stiftung Warentest empfiehlt in ihrem Test aus dem Jahr 2018 den Einbau von sogenannten Splitgeräten, wenn dies möglich ist. Splitgeräte befinden sich an der Hauswand und leiten die warme Luft direkt ins Freie. Sie sind in der Lage, Räume in kurzer Zeit zu kühlen und verbrauchen am wenigsten Energie. Allerdings wird für den Einbau eine Fachfirma benötigt und es müssen Löcher für die Rohre in die Wand gebohrt werden.

Monoblockgeräte

Aus den genannten Gründen (Einbau, Preis, Zustimmung des Vermieters) sind sogenannte Monoblockgeräte eine einfachere Alternative. Diese Geräte werden einfach in der Wohnung aufgestellt. Allerdings muss die warme Abluft über einen Schlauch aus der Wohnung geleitet werden. Das geschieht in der Regel über ein geöffnetes Fenster. Damit nicht allzu viel warme Luft von außen in das Zimmer hereinkommt, werden Fensterabdichtungssets verwendet. Nachteile der Monoblockgeräte sind hohe Stromkosten und die mangelnde Effizienz bei offenem Fenster. Außerdem können damit nur Teile einer Wohnung oder einzelne Zimmer gekühlt werden.

Empfehlenswerte Monoblockgeräte

Die Stiftung Warentest hat in ihrem Test von Monoblockgeräten die Modelle De’Longhi PAC EX100 Silent und Remko RKL 495 DC besonders hervorgehoben. Diese beiden Geräte sind mit den Noten 2,8 und 2,9 die besten im Test. Sie fallen vor allem durch befriedigende Kühlleistung, befriedigenden Kühlkomfort und gute Umweltverträglichkeit auf. Als Kühlmittel ist Propangas (R290) enthalten.

Fensterabdichtung

Bei einer Klimaanlage mit Abluftschlauch ist eine Fensterabdichtung ein unbedingtes Muss. Ansonsten strömt warme Luft durch den Fensterschlitz zurück in den Raum und die Kühlwirkung ist hin. Laut Hersteller kann das Fenster mit einer solchen Tür- und Fensterdichtung für Abluftschläuche geöffnet und geschlossen werden.

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Weitere Unterstützungsmöglichkeiten für MS-Patienten

Finanzielle Leistungen

MS-Patienten in Deutschland sind in der Regel finanziell gut abgesichert und können verschiedene finanzielle Leistungen beantragen, wenn ihre Arbeitskraft krankheitsbedingt abnimmt. Dazu gehören:

  • Krankengeld: Die Krankenkasse zahlt Krankengeld, wenn Du länger als sechs Wochen arbeitsunfähig bist.
  • Arbeitslosengeld: Sie zahlt Arbeitslosengeld, wenn Du länger als sechs Wochen arbeitsunfähig bist, z. B.
  • Reha-Servicestellen: Wenn Du Dir nicht sicher bist, wer Dir bei einem bestimmten Problem weiterhelfen kann, wende Dich an eine Reha-Servicestelle vor Ort.

Barrierefreies Wohnen und Wohnraumanpassung

Barrierefreies Wohnen ist wichtig, um möglichst lange selbstbestimmt und unabhängig zu bleiben, falls die Erkrankung trotz Therapie doch mit erheblichen körperlichen Einschränkungen einhergeht. Betroffene sollten sich aktiv die Frage stellen: Wie kann die eigene Situation in einigen Jahren auch im ungünstigen Verlaufsfall aussehen?

Tipps zur Wohnraumanpassung

  • Bewegungsfreiheit schaffen: Türschwellen oder hohe Teppichkanten können leicht zum Hindernis werden. Hier helfen Schwellenrampen. Entfernen oder verdecken sollte man auch offen verlegte Kabel.
  • Badezimmergestaltung: Fliesen sollten mit einem rutschfesten Bodenbelag abgedeckt werden. Auch das Ein- und Aussteigen aus Wanne und Dusche wird durch rutschfeste Matten erleichtert. Die Dusche ist im Idealfall ebenerdig. Ist genügend Platz vorhanden, kann sich außerdem ein Duschstuhl als hilfreich erweisen. Haltegriffe an den Wänden sorgen für zusätzliche Sicherheit.
  • Mobiliar: Zu niedrige Sitzgelegenheiten erschweren das Aufstehen unnötig. Aus diesem Grund sollte auch das Bett ausreichend hoch sein. Ein höhenverstellbarer Lattenrost sorgt für zusätzlichen Komfort. Freistehende Kommoden oder Regale sollten nach Möglichkeit fixiert werden, um bei Gangunsicherheiten auch als Stütze genutzt zu können. Schränke mit ausziehbaren Fächern sind leichter zu handhaben und übersichtlicher.
  • Verdunkelungsmöglichkeiten: Um ein Aufheizen der Wohnung in den Sommermonaten zu verhindern, sollten wirksame Verdunkelungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen. Wenn keine Rollläden vorhanden sind, können sich Thermovorhänge als nützlich erweisen. Wenigstens ein Raum in der Wohnung sollte zu einem kühlen Rückzugsort werden, um zusätzliche Belastungen durch das Uhthoff-Phänomen zu vermeiden.

Alternativen zum Pflegeheim

Viele Betroffene schrecken vor der Aussicht zurück, auf ein Wohnangebot in einem Pflegeheim zurückgreifen zu müssen. Es gibt jedoch zahlreiche Alternativen, vor allem für Betroffene mit weniger schwer ausgeprägten Einschränkungen. So genannte Servicehäuser bieten sich für Personen an, die allein wohnen möchten und nur gelegentlich Unterstützung in Alltagdingen benötigen. Hier lassen sich hauswirtschaftliche und pflegerische Serviceleistungen flexibel dazu buchen, die Ausgestaltungen der eigentlichen Wohnsituation hingegen steht den Bewohnern vollkommen frei.

Multiple Sklerose im Arbeitsleben

Auswirkungen von MS auf die Arbeitsfähigkeit

Multiple Sklerose ist eine chronisch entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems. Da jedes Organ und jede Körperfunktion betroffen sein kann, sind Verlauf, Art und Schwere der Symptome wie Erschöpfung (Fatigue), Sinnesstörungen, motorische oder kognitive Störungen sehr unterschiedlich. Es gibt milde Formen der MS mit kaum spürbaren Auswirkungen. Im Extremfall kann nach kurzer Zeit eine bleibende Behinderung eintreten.

Umgang mit MS im Arbeitskontext

Gut informierte Unternehmen können durch die Schaffung passender Rahmenbedingungen Beschäftigte stärkenorientiert einsetzen und qualifizierte Fachkräfte halten oder neu einstellen. Die Broschüre „Und manchmal kribbeln meine Beine″ ist eine umfassende Publikation, die sich auf Multiple Sklerose (MS) und deren Auswirkungen im Arbeitskontext konzentriert. Der Leitfaden wendet sich an Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber, Arbeitsmedizinerinnen und Arbeitsmediziner, von Rollstuhlnutzung Betroffene sowie deren Vorgesetzte und Kolleginnen und Kollegen.

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Gestaltungsmöglichkeiten am Arbeitsplatz

Wenn die Symptome die Leistungsfähigkeit einschränken, gibt es eine Reihe von betrieblichen Gestaltungsmöglichkeiten, um die Arbeitsbedingungen an die besonderen Bedürfnisse von Beschäftigten mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen anzupassen. Beispiele sind flexible Arbeitszeitregelungen, neue Qualifizierungen, spezielle Arbeitsmittel oder bauliche Veränderungen von Sanitärräumen oder Zugangswegen. Diese Maßnahmen können einzeln oder kombiniert umgesetzt werden und sind zum Teil mit geringem Zeit- und Kostenaufwand verbunden.

Technische Arbeitshilfen

Technische Arbeitshilfen sind eine besondere Form von Hilfsmitteln. Sind Hilfsmittel für die Ausübung einer beruflichen Tätigkeit erforderlich, können sie von den Reha Trägern (z. B. Rentenversicherung, Agentur für Arbeit, Unfallversicherung) als Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben beziehungsweise von den Integrations-/Inklusionsämtern als Begleitende Hilfe im Arbeitsleben gefördert werden.

Beispiele für Hilfsmittel

  • Motorische Störungen: Mausersatzgeräte (z. B. Augensteuerungen, Joystickmäuse, Kopfmäuse, Kinnmäuse, Vertikalmäuse, Touchpads, Touchscreens, Trackballs), Spezialtastaturen (z. B. Großfeld /Kleinfeldtastaturen, externe Nummernblöcke und Tastaturfelder, Tastaturen für Einhänder/innen, Bildschirmtastaturen, Tastaturen mit Handballenauflage oder Fingerführraster für Tastaturen), optische/akustische Eingabegeräte (z. B.
  • Sehstörungen: Papenmeier GmbH & Co. Uhren oder Kopiergeräte mit Sprachausgabe, Signalanlagen mit akustischem Alarm, Alarmanlagen nach dem Zwei Sinne Prinzip (z. B.
  • Kognitive Störungen: Diktiergeräte (Personal Digital Assistants) als elektronische Notizbücher, Erinnerungs Apps für Mobilgeräte (z. B.

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