Ein Wirbelbruch ist eine knöcherne Verletzung der Wirbelsäule, die meist durch ein Hochrasanztrauma verursacht wird. Es gibt zahlreiche Arten von Wirbelbrüchen und dementsprechend viele verschiedene Behandlungsmethoden. Die Behandlung erfolgt individuell und berücksichtigt die spezifische Situation des Patienten.
Aufbau und Funktion der Wirbelsäule
Die Wirbelsäule ist die tragende Säule des menschlichen Körpers und überträgt die Kräfte und Lasten von Kopf und Rumpf auf Becken und Beine. Sie besteht aus 33 knöchernen Wirbeln, die in fünf Gruppen unterteilt werden:
- 7 Halswirbel (C1-C7)
- 12 Brustwirbel (Th1-Th12)
- 5 Lendenwirbel (L1-L5)
- 5 Kreuzbeinwirbel (S1-S5), die zum Kreuzbein verwachsen sind
- 4-5 Steißbeinwirbel, die zum Steißbein verwachsen sind
Die Wirbelsäule wird auf der Rückseite von der kräftigen Rückenmuskulatur bedeckt, während ihre vorderen Abschnitte, die Wirbelkörper, in das Gewebe des Halses sowie in die Brust- und Bauchhöhle eingebettet sind. Die Wirbel sind durch Bandscheiben beweglich miteinander verbunden und ermöglichen so einen großen Bewegungsradius. Gleichzeitig schützt die Wirbelsäule das Rückenmark, das im Wirbelkanal verläuft.
Ursachen von Brustwirbelbrüchen und Lähmungen
Brüche der Brustwirbelsäule können traumatische (unfallbedingte), osteoporotische (Knochenschwund) oder pathologische (Geschwulstabsiedlung/Metastasen) Ursachen haben.
Unfallbedingte Wirbelkörperbrüche
Unfallbedingte Wirbelkörperbrüche entstehen meist durch schwere Verkehrs- oder Sportunfälle. Die Verletzung der Wirbelsäule ist oft mit Angst verbunden, da sie mit den Bezeichnungen "gebrochenes Rückgrat" oder "gebrochenes Genick" assoziiert wird und manchmal mit schweren, teils unheilbaren Lähmungen einhergeht.
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Wirbelsäulenverletzungen sind im Vergleich zu anderen Verletzungen des Bewegungsapparates selten. In Deutschland ereignen sich pro Jahr ungefähr 6000 behandlungspflichtige Wirbelsäulenverletzungen, wovon ca. 20% bleibende neurologische Schädigungen hinterlassen. Oft sind die Patienten mehrfach und schwerstverletzt.
Über die Hälfte der Verletzungen betreffen den Übergang der Brustwirbelsäule zur Lendenwirbelsäule (thorakolumbaler Übergang). Die Brustwirbelsäule ist durch den Brustkorb gut geschützt.
Im Verlauf kann es nach Verletzungen zu degenerativen Veränderungen bei Instabilitäten und Verkrümmungen der Wirbelsäule kommen, so dass nach Jahren noch neurologische Probleme auftreten können.
Osteoporotische Wirbelbrüche
Osteoporose ist eine Erkrankung, bei der die Knochenmasse abnimmt und die Knochen brüchiger werden. Dies erhöht das Risiko für Wirbelbrüche, die oft ohne ein schweres Trauma auftreten können. Bereits geringe Belastungen, wie das Heben einer Einkaufstasche, können dann zu einem Bruch führen.
Pathologische Wirbelbrüche
Pathologische Wirbelbrüche entstehen durch eine Schwächung des Knochens aufgrund von Tumoren oder Metastasen. Diese Brüche können auch ohne ein Trauma auftreten oder durch eine geringfügige Belastung verursacht werden.
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Ausmaß der Rückenmarksverletzung und Lähmungen
Welches Ausmaß eine Rückenmarksverletzung hat, ist abhängig davon, ob sie komplett oder inkomplett ist, und von der Läsionshöhe, d. h. der Höhe, in der die Verletzung lokalisiert ist. Nach der Geburt wächst die Wirbelsäule schneller als das Rückenmark. Auffällig ist, dass im oberen Teil der Wirbelsäule gleichnamige Wirbel und Rückenmarksegmente sich noch nahezu gegenüber liegen, es im unteren Teil jedoch zu einer immer größeren Verschiebung kommt. Die Benennung der einzelnen Spinalnerven entspricht den Rückenmarkssegmenten, aus denen sie austreten. Das Paar der beiden obersten Spinalnerven tritt oberhalb des ersten Halswirbels aus. Die Spinalnerven, die die Arme und Hände ansteuern, entspringen dem Halswirbelbereich, während die Spinalnerven, die die Beine (und auch Blase, Darm und Genitalien) ansteuern, den Lenden- und Kreuzbeinsegmenten entspringen. Das heißt: Je höher die Läsionsstelle ist, desto mehr Körperbereiche sind von motorischen und sensiblen Einschränkungen betroffen.
Die genannten Möglichkeiten und Einschränkungen beziehen sich auf komplette Lähmungen. Bei inkompletten Lähmungen kann sich ein weitaus differenzierteres Bild zeigen, so dass bei inkompletter Lähmung keine Aussage über den Einfluss der Lähmungshöhe gemacht werden kann.
Verletzungen im Brustwirbelbereich
Der erste Brustwirbel befindet sich etwa auf gleicher Höhe wie die oberste Rippe. Während die oberen Extremitäten nicht betroffen sind, führen Verletzungen hier i. d. R. zu Lähmungen und Sensibilitätsausfällen in Brust, Bauch, Hüften und Beinen sowie zu Störungen der Darm-, Blasen- und Sexualfunktion. Diese Läsionshöhe von Th6/7 ist ebenfalls ausschlaggebend für das mögliche Auftreten einer autonomen Dysreflexie, einer Kreislaufstörung, die u. U. lebensbedrohlich sein kann.
Bei einer Verletzung im unteren Brustwirbelbereich (Th9 - Th12) sind Rumpfkontrolle und auch eine gewisse Kontrolle der Bauchmuskulatur gewährleistet, während Hüfte und Beine gelähmt sind. Auch Darm, Blase und Sexualfunktion sind meist beeinträchtigt. Bei letzterem ist zu beachten, dass Querschnittgelähmte eine psychogene Erektion haben, wenn die Läsionshöhe unterhalb von Th11 bis L2 liegt, selbst wenn sakrale Wurzeln oder das sakrale Rückenmark zerstört sind. Bei einer Läsion oberhalb von Th10 kann u. U. das beidhändige Arbeiten und das freie Sitzen mit Rückenlehne möglich sein.
Symptome eines Wirbelbruchs
Bei einem Wirbelbruch treten typischerweise lokale Schmerzen auf, unabhängig davon, ob der Patient ruht, sich bewegt oder belastende Bewegungen ausführt. Schmerzbedingt nimmt er meist eine Schonhaltung ein. Dadurch können sich die umgebenden Muskeln verspannen (Muskelhartspann).
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Geht die Wirbelfraktur mit Nervenschäden einher, können anfallsartig einschießende und starke Schmerzen (neuropathische Schmerzen) sowie schmerzhaftes Brennen oder Stechen (neurogene Schmerzen) auftreten. Auch Gefühlsstörungen (Parästhesien) sind möglich. Zudem kann die Beweglichkeit in dem Segment eingeschränkt sein, welches der Höhe der Verletzung entspricht.
Diagnose eines Wirbelbruchs
Um einen Wirbelbruch sicher festzustellen, werden bildgebende Verfahren eingesetzt. Mit der Computertomographie (CT) lässt sich die Wirbelsäule in drei Ebenen anschauen, um den genauen Ort und die Schwere des Bruchs zu bestimmen. Die Verletzungen werden mittels Röntgen, Computertomografie (CT) und Magnetresonanztomografie (MRT) diagnostiziert. Zunächst werden Röntgenaufnahmen angefertigt. Sehen unsere Spezialisten hier bestimmte Verletzungszeichen, muss der verdächtige Wirbelsäulenabschnitt mittels Computertomografie (CT) weiter abgeklärt werden. Mit einer Magnetresonanztomografie (MRT) können Schäden an Ihrer Wirbelsäule frühzeitig erkannt werden, auch wenn sie in der der CT noch nicht erkennbar sind. Dies ist vor allem bei osteoporotischen Brüchen wichtig. Des Weiteren kann bei ausgeprägter Wirbelsäulendegeneration zwischen alten und frischen Brüchen unterschieden werden.
Behandlung von Wirbelbrüchen
Ziel der Behandlung eines Wirbelbruchs ist es, die Stabilität der Wirbelsäule wiederherzustellen und die Funktion der Nerven und des Rückenmarks aufrechtzuerhalten. Die Behandlung eines Wirbelbruchs kann konservativ oder operativ erfolgen. Die Wahl der Behandlungsmethode hängt von der Art und Schwere des Bruchs ab.
Konservative Behandlung
Leichtere Verletzungen an der Wirbelsäule können konservativ, das heißt ohne Operation, behandelt werden. Eine engmaschige Kontrolle ist hier häufig nötig, um eine zunehmende Verschlechterung zu erkennen. Die konservative Behandlung beinhaltet in der Regel die Mobilisation unter Beachtung eines rückenschonenden Verhaltens. Schmerzen werden symptomatisch durch entsprechend wirksame Medikamente bekämpft. Einige Brüche erfordern das Tragen eines festen Korsetts für sechs bis acht Wochen.
Operative Behandlung
Wenn zum Beispiel einzelne Wirbel verschoben oder zertrümmert wurden, kann dies schlimmstenfalls zu einer Querschnittslähmung führen. Hier muss operativ behandelt werden, um Stabilität, Belastbarkeit und Form der Wirbelsäule schnellstmöglich wiederherzustellen.
Die Ziele der operativen Stabilisierung von Brüchen der Brust- und Lendenwirbelsäule lauten:
- Beseitigung von Knochenfragmenten, welche auf Rückenmark oder Nerven drücken,
- Wiederherstellung der normalen Form der Wirbelsäule,
- dauerhafte Stabilisierung des Bruches.
Diese Ziele werden an der Brust- und Lendenwirbelsäule zumeist durch eine Operation vom Rücken her erreicht. In die gesunden Wirbel oberhalb und unterhalb des gebrochenen Wirbels werden Schrauben eingesetzt. Drückt ein Knochenfragment von vorne auf das Rückenmark, so wird der Wirbelbogen entfernt und dem Rückenmark so mehr Platz verschafft.
Die Schrauben werden über Stäbe miteinander verbunden. Über dieses Schrauben-Stab-System wird der Bruch wieder aufgerichtet und gehalten. Instabile Wirbelbrüche erfordern nach ca. 4 - 6 Wochen noch eine zweite Operation von vorne, dabei wird der gebrochene Wirbel gegen seine gesunden Nachbarwirbel abgestützt.
Je nach Schwere des Bruchs reichen die operativen Techniken von einer minimalinvasiven Stabilisierung des Rückens bis zu Wirbelkörperersatzoperationen von der Seite oder von vorne. Alle genannten Verfahren führen wir nach Möglichkeit navigiert auch unter Nutzung unseres intraoperativen CT durch. Dadurch können der durch die Operation verursachte Gewebeschaden, die Operationsdauer und der Blutverlust verringert werden. Dank der kleinen Schnitte haben Sie weniger Schmerzen nach dem Eingriff. Sie erholen sich schneller und sind früher mobil. Die Narben sind nach wenigen Monaten kaum noch sichtbar.
Rehabilitation nach einem Wirbelbruch
Eine frühzeitige Reha trägt dazu bei, dass Menschen nach einem stabilen Bruch, also ohne neurologische Einschränkungen, möglichst schnell in ihren Alltag zurückfinden. Am besten ist es, wenn die Reha schon während der Behandlung beginnt.
Je nachdem, wie mobil man nach einem Wirbelbruch ist und wie stark die Verletzungen waren, kann die Reha ambulant oder stationär stattfinden.
In der Reha geht es vor allem darum, die normale Körperhaltung und Beweglichkeit bestmöglich zurückzuerlangen. Ein wesentlicher Bestandteil ist die Bewegungstherapie; sie umfasst zum Beispiel Sport, Physiotherapie und Ergotherapie. Auch eine psychologische Betreuung kann sinnvoll sein.
Vorbeugung von Wirbelbrüchen
Verletzungen der Wirbelsäule lassen sich vermeiden, indem man bestimmte Sicherheits- und Schutzmaßnahmen im Sport, im Straßenverkehr und in der Arbeitswelt beherzigt. Regelmäßige Bewegung und Übungen zum Muskelaufbau stärken die Knochen. Unterstützend wirken außerdem eine ausgewogene Ernährung und der Verzicht auf Zigaretten und Alkohol.
Bei Osteoporose können manche Medikamente das Risiko für weitere Wirbelbrüche etwas senken. So hemmen beispielsweise Bisphosphonate den Knochenabbau. Bei älteren Menschen gilt es zudem, Stürzen vorzubeugen - indem man beispielsweise Stolperfallen in der Wohnung beseitigt oder Haltegriffe anbringt. Unterstützend wirken Bewegungsprogramme und Gehhilfen. Wichtig ist außerdem, auf Neben- und Wechselwirkungen von Medikamenten zu achten.
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