3-Tage-Migräne: Ursachen, Behandlung und Management

Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die durch wiederkehrende, heftige Kopfschmerzattacken gekennzeichnet ist, die von weiteren belastenden Symptomen begleitet werden können. Es gibt verschiedene Arten von Migräne, darunter episodische und chronische Formen. Eine chronische Migräne liegt vor, wenn Betroffene über mindestens drei Monate hinweg an mehr als 15 Tagen im Monat unter Kopfschmerzen leiden. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten der chronischen Migräne, insbesondere wenn die Migräne über drei Tage andauert.

Einführung in die Migräne

Migräne ist eine weit verbreitete Erkrankung, von der etwa eine von sieben Personen weltweit betroffen ist. Frauen sind dreimal häufiger betroffen als Männer. Die Erkrankung hat die höchste Prävalenz (Vorkommen) unter Erwachsenen im mittleren produktiven Alter (35-45 Jahre) und ist noch immer unterdiagnostiziert. Migräne kann erhebliche Auswirkungen auf den Alltag haben und die Lebensqualität der Betroffenen stark beeinträchtigen.

Chronische Migräne: Definition und Symptome

Gemäß der Internationalen Kopfschmerzgesellschaft unterteilt man Migräne-Kopfschmerzen in zwei Untergruppen: die episodische und die chronische Form. Von chronischer Migräne spricht man, wenn die Beschwerden an mehr als 15 Tagen pro Monat über einen Zeitraum von mindestens drei Monaten anhalten. Dabei müssen an mindestens acht dieser Tage typische Begleitsymptome wie Aura, Übelkeit oder Erbrechen auftreten. Ein weiteres Kriterium ist, dass die Kopfschmerzen nicht auf einen Übergebrauch von Medikamenten zurückzuführen sind. Die chronische Migräne tritt bei etwa ein bis zwei Prozent der allgemeinen Bevölkerung auf, wobei Frauen häufiger betroffen sind als Männer.

Die Symptome der chronischen Migräne unterscheiden sich nicht von den Beschwerden, die generell mit Migräne einhergehen. Zu den häufigsten Symptomen gehören:

  • Kopfschmerzen (meistens einseitig, manchmal auch beidseitig)
  • Licht- und/oder Lärmscheu
  • Aura (Sehstörungen, Missempfindungen, Sprechstörungen, Sprachstörungen, Bewegungsstörungen, Doppelbilder, Ohrgeräusche oder Flimmern sind möglich)
  • Stimmungsveränderungen
  • Heißhunger oder Appetitlosigkeit
  • Schwierigkeiten beim Lesen, Schreiben und Konzentrieren
  • Vermehrtes Gähnen und Müdigkeit
  • Übelkeit und/oder Erbrechen
  • Symptomverstärkung durch körperliche Aktivität

Krankheiten, die oft zusammen mit chronischer Migräne auftreten (Komorbiditäten), sind Depression, Angsterkrankung, Übergewicht, arterielle Hypertonie, Medikamentenübergebrauch und Schlafstörungen.

Lesen Sie auch: Überblick zur Schlaganfallbehandlung in der Akutphase

Status Migraenosus: Wenn die Migräne nicht aufhört

Laut Definition der Internationalen Kopfschmerzgesellschaft dauert eine „normale“ Migräne zwischen 4 und 72 Stunden. Es gibt jedoch eine Ausnahme, die Fachärzte Status migraenosus nennen. In diesem besonderen Fall leiden Betroffene länger als drei Tage beziehungsweise 72 Stunden an der Migräne - manchmal sogar zusammen mit einer sogenannten Auraphase. Aufgrund des damit verbundenen hohen Leidensdruckes gilt sie als schwerwiegende Migräne-Komplikation. Die langen Migräne-Attacken lassen keine Zeit zur Erholung und sind extrem kräftezehrend. Die meisten Patienten empfinden die Symptome als besonders stark, was die Situation noch verschärft.

Ein Status migraenosus tritt nur selten als erstmalige Migräne auf. Vielmehr wird die tagelange Migräne bei Patienten beobachtet, die über längere Zeit ohne ärztliche Beratung viele Medikamente gegen ihre Erkrankung eingenommen haben. Ein solcher Medikamentenübergebrauch kann schließlich zu einer veränderten Schmerzwahrnehmung führen.

Ursachen des Status Migraenosus

Neben dem Medikamentenübergebrauch kann auch die hormonelle Situation bei Frauen, etwa während der Menstruation, eine Ursache für den Status migraenosus sein. Im Vergleich zum Status migraenosus durch Medikamentenübergebrauch sprechen die Patienten der therapieresistenten Form auf ansonsten wirksame Medikamente gar nicht an.

Behandlung des Status Migraenosus

Zunächst einmal ist es wichtig, dass sich Betroffene medizinische Hilfe suchen: Hält die Migräne über mehrere Tage an, sollte unbedingt ein Arzt aufgesucht werden. Allgemein gestaltet sich die Behandlung eines Status migraenosus schwierig, da die Betroffenen auf die Wirkung der üblichen Medikamente nicht mehr ansprechen. Um den akuten Schmerz zu stoppen, werden gelegentlich Schmerzmittel und Triptane ausprobiert. Die Zweckmäßigkeit ist jedoch umstritten.

Nach der akuten Behandlung des Status migraenosus folgt in der Regel die Ursachenforschung. Bei Patienten, die viele Medikamente eingenommen haben, kann auch eine Medikamentenpause sinnvoll sein. Das bedeutet, die Betroffenen müssen unter stationärer oder ambulanter Kontrolle einen Entzug durchführen und dürfen bestimmte Substanzen nicht mehr verwenden. Dadurch soll sich die Schmerzempfindlichkeit wieder normalisieren. Besteht ein Zusammenhang zwischen dem Status migraenosus und dem weiblichen Zyklus, kann eventuell die regelmäßige Einnahme von Östrogenen vorbeugend wirken. Weiterhin existiert die Möglichkeit, Antikörpertherapien einzusetzen.

Lesen Sie auch: Epilepsie und Kortison-Stoßtherapie

Ursachen der chronischen Migräne

Welche Ursache die chronische Migräne hat, ist noch nicht geklärt. Es wird jedoch angenommen, dass genetische Faktoren eine Rolle spielen, da häufig mehrere Familienmitglieder betroffen sind. Aktuelle Studien zeigen, dass die Entwicklung einer chronischen Migräne durch eine Vielzahl von Faktoren beeinflusst wird. Dazu gehören hormonelle Veränderungen und verschiedene Umweltfaktoren, die die Umwandlung von episodischer zu chronischer Migräne begünstigen können. Zu den Umweltfaktoren zählen Stress, Schlafstörungen, Wetterveränderungen, bestimmte Nahrungsmittel und sensorische Reize. Besonders bei genetisch anfälligen Personen spielen diese Faktoren eine entscheidende Rolle. Zudem tritt die chronische Migräne häufiger in Verbindung mit Depressionen, Rückenschmerzen, Schlafstörungen und anderen Schmerzkrankheiten auf. Als gesichert gilt, dass chronische Migräne nicht durch einen Übergebrauch von Medikamenten ausgelöst wird.

Behandlung der chronischen Migräne

Betroffene Patientinnen und Patienten leiden oft stark unter der chronischen Migräne. Neben einer wirksamen Vorbeugung (Prophylaxe) ist vor allem die Behandlung der Symptome sehr wichtig.

Vorbeugung bei chronischer Migräne

  • Monoklonale Antikörper: Diese Medikamente blockieren ein Molekül namens CGRP, das bei der Entstehung von Migräne eine wichtige Rolle spielt. Erenumab blockiert den CGRP-Rezeptor, während Fremanezumab, Galcanezumab und Eptinezumab direkt auf das CGRP-Molekül abzielen. Die Wirkung dieser Antikörper beginnt oft schon nach wenigen Wochen.
  • OnabotulinumtoxinA (Botox): Eine Form von Botox, die zur Vorbeugung der chronischen Migräne eingesetzt wird.
  • Topiramat: Ein weiteres Medikament, das zur Vorbeugung der chronischen Migräne eingesetzt wird. Topiramat ist für Schwangere und Stillende nicht geeignet.
  • Betablocker: Medikamente wie Propranolol, Metoprolol und Bisoprolol, die normalerweise bei Herzerkrankungen oder Bluthochdruck eingesetzt werden, können einer chronischen Migräne vorbeugen.
  • Neurostimulation des Nervus supraorbitalis: Hierbei wird jener Nerv, der oberhalb der Augenhöhle liegt, durch elektrische Impulse stimuliert.
  • Behandlung von Begleiterkrankungen (Komorbiditäten): Die Therapie von Depressionen, Angsterkrankungen, posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS), Übergewicht, Bluthochdruck, Medikamentenübergebrauch und Schlafstörungen kann sich positiv auf den Therapieerfolg bei chronischer Migräne auswirken.
  • Weitere Möglichkeiten zur Prophylaxe: Ausdauersport, Biofeedback oder Verhaltenstherapie.
  • Okzipitale Nervenblockade: Hierbei werden bestimmte Nerven betäubt, die für das Gefühl im hinteren Teil des Kopfes verantwortlich sind.

Akutbehandlung bei chronischer Migräne

Die Akutbehandlung der chronischen Migräne ähnelt der Behandlung von Migräne im Allgemeinen.

  • Schmerzmedikamente: Ibuprofen, Acetylsalicylsäure (ASS) oder Paracetamol.
  • Antiemetika: Mittel gegen Übelkeit.
  • Kombinationspräparate: Die Kombination aus Paracetamol, Acetylsalicylsäure (ASS) und Koffein kann hilfreich sein. Auch Koffein alleine kann hilfreich sein.
  • Amitriptylin: Ein Medikament, das eigentlich gegen Depressionen hilft, aber auch zur Therapie der chronischen Migräne eingesetzt wird.
  • Invasive Neurostimulation: Ärzte empfehlen sie aber nur als letzten Ausweg, wenn die bisherigen Therapieoptionen nicht erfolgreich waren.

Es wird empfohlen, Kombinationspräparate nicht länger als 10 Tage im Monat und einfache Schmerzmittel nicht länger als 15 Tage im Monat einzunehmen, um das Risiko von medikamenteninduzierten Kopfschmerzen zu vermeiden.

Migräne verstehen - bevor sie laut wird

Die Kampagne „Migräne verstehen - bevor sie laut wird“ wurde gemeinsam mit Ärztinnen, Ärzten und Betroffenen entwickelt. Sie vermittelt Wissen, teilt persönliche Erfahrungen und bietet eine unterstützende Community.

Lesen Sie auch: Ursachen und Symptome von Demenz

Krankheitsverlauf und Prognose

Der Verlauf einer chronischen Migräne lässt sich nicht vorhersagen. Es handelt sich um ein individuelles Krankheitsbild: Nicht nur die Symptome, auch die Intensität der Beschwerden und der entstehende Leidensdruck sind bei allen Betroffenen unterschiedlich. Eine einheitliche, allgemein gültige Prognose gibt es daher nicht. Trotzdem ist die chronische Migräne behandelbar. Welche Maßnahmen und Medikamente in Ihrem Fall sinnvoll sind, besprechen Sie am besten mit Ihrem behandelnden Arzt oder Ihrer Ärztin. Das Behandlungsziel ist nicht Heilung, sondern Symptom-Reduzierung. Mit der richtigen Therapie und bestimmten Veränderungen im Alltag leben viele Betroffene ein nahezu Migräne-freies Leben. Die Kopfschmerztage werden dadurch meistens deutlich reduziert.

Migräne-Tagebuch

Wer häufig unter Kopfschmerzen oder Migräne-Attacken leidet, sollte ein Migräne-Tagebuch führen. Dort können Sie aufschreiben, wann Sie Kopfschmerzen bekommen haben. Ein Migränetagebuch kann helfen, die persönlichen Trigger zu identifizieren.

Weitere Tipps und Informationen

  • Regelmäßigkeit: Regelmäßigkeit ist für viele Patientinnen und Patienten hilfreich. Das gilt für Schlafens- und Aufwachzeiten aber auch für Mahlzeiten.
  • Ausdauersport und Entspannungsverfahren: Regelmäßiger Ausdauersport wie Laufen, Schwimmen oder Radfahren sowie Entspannungsverfahren, zum Beispiel Progressive Muskelentspannung oder Autogenes Training, können den Stresspegel verringern und helfen, Migräneattacken vorzubeugen.
  • Ernährung: Viele Erkrankungen können durch eine optimierte Ernährungsweise günstig beeinflusst und Beschwerden gelindert werden.
  • Stressbewältigung: Der Kurs Stressbewältigung und Entspannung hilft, im Alltag abzuschalten.

tags: #3 #tage #durchgehend #migrane