Der Nervus accessorius, auch elfter Hirnnerv genannt, spielt eine entscheidende Rolle bei der Steuerung der Muskeln im Hals- und Schulterbereich. Insbesondere innerviert er den Musculus sternocleidomastoideus (Kopfdreher) und den Musculus trapezius (Kapuzenmuskel). Schädigungen dieses Nervs können zu einer Vielzahl von Beschwerden führen, wobei Schmerzen eine häufige Begleiterscheinung sind.
Anatomie und Funktion des Nervus accessorius
Der Nervus accessorius ist ein rein motorischer Nerv, der aus zwei Wurzeln besteht: einer spinalen und einer kranialen Wurzel. Die spinale Wurzel entspringt den Vorderhornzellen der oberen fünf zervikalen Segmente des Rückenmarks. Diese Fasern ziehen durch das Foramen magnum in den Schädel. Die kraniale Wurzel entspringt dem Nucleus ambiguus in der Medulla oblongata. Beide Wurzeln verlassen gemeinsam mit dem Nervus glossopharyngeus (IX) und dem Nervus vagus (X) den Schädel durch das Foramen jugulare.
Im Halsbereich verläuft der Nervus accessorius zwischen der Arteria carotis interna und der Vena jugularis interna, durchdringt den Musculus sternocleidomastoideus und zieht dann über das hintere Halsdreieck zum Musculus trapezius.
Der Musculus sternocleidomastoideus ermöglicht die Drehung des Kopfes zur Gegenseite und die Neigung des Kopfes zur gleichen Seite. Der Musculus trapezius ist für die Hebung der Schulter, die Drehung und das Heranziehen des Schulterblatts sowie die Aufrechterhaltung der Kopfhaltung verantwortlich.
Ursachen von Nervus-accessorius-Schmerzen
Schmerzen im Bereich des Nervus accessorius können verschiedene Ursachen haben. Es ist wichtig, die genaue Ursache zu identifizieren, um eine gezielte Behandlung einzuleiten. Die Ursachen lassen sich grob in folgende Kategorien einteilen:
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Iatrogene Schäden
Iatrogene Schäden, d.h. durch medizinische Maßnahmen verursachte Schäden, sind eine häufige Ursache für Läsionen des Nervus accessorius.
- Operationen im seitlichen Halsdreieck: Insbesondere Lymphknotenbiopsien und HNO-ärztliche Operationen können den Nervus accessorius verletzen. Teilparesen können im Rahmen von Lymphknotenentfernungen oder Biopsien im seitlichen Halsdreieck verursacht werden. Ein solcher Eingriff kann z.B. Selten sollen Läsionen im Rahmen von Punktionen der V. jugularis und sogar im Rahmen eines Schleudertraumas möglich sein.
- Carotis-Endarteriektomie: Auch die Carotis-Endarteriektomie (OP zur Behebung einer Stenose der Halsschlagader) kann die distalen Hirnnerven schädigen.
- Schilddrüsenoperationen: Nach Schilddrüsenoperationen kommt es in knapp 10 % zu Rekurrensparesen, permanent in 2,3 % (Jeannon et al. 2009).
Traumatische Schäden
Traumatische Ereignisse können ebenfalls zu einer Schädigung des Nervus accessorius führen.
- Schleudertrauma: Selten sollen Läsionen im Rahmen eines Schleudertraumas möglich sein.
- Schädelbasisfrakturen: Proximale Ursachen wie Tumore, insbesondere Meningiome oder intracraniale Metastasem, Dermoidtumore, Cholesteatome der Schädelbasis, Anomalien des kraniozervikalen Übergangs oder bei Schädelbasisfrakturen sind eher selten.
- Direkte Nervenverletzung: Direkte Nervenverletzungen durch Schläge gegen den Schulterbereich bei Kontaktsportarten.
- Überdehnung: Überdehnung durch gleichzeitiges Anheben des Arms über Schulterhöhe und Kopfwendung zur Gegenseite und Kopfbeugung (z.B. in Endphase eines Wurf, auch bei Tennis).
Kompression und Einklemmung
Der Nervus accessorius kann auch durch Kompression oder Einklemmung geschädigt werden.
- Foramen-jugulare-Syndrom: Der N. accessorius ist im Rahmen des Foramen-jugulare-Syndroms mitbetroffen. Beim Foramen-jugulare-Syndrom sind in der Regel der IX. und XI. Hirnnerv gleichzeitig ausgefallen.
- Tumoren: Proximale Schädigungen kommen bei Tumoren der Schädelbasis, Prozessen im lateralen Halsdreieck und gelegentlich bei Carotis-Dissektion vor. Proximale Ursachen wie Tumore, insbesondere Meningiome oder intracraniale Metastasem, Dermoidtumore, Cholesteatome der Schädelbasis, Anomalien des kraniozervikalen Übergangs oder bei Schädelbasisfrakturen sind eher selten. Selten sind auch Gliome involviert.
- Lymphknotenvergrößerung: Ein auffälliger Lymphknoten in der Halsgrube, der operativ entfernt werden sollte.
Entzündliche und infektiöse Ursachen
Entzündliche und infektiöse Prozesse können den Nervus accessorius ebenfalls beeinträchtigen.
- Poliomyelitis: Syringomyelie, und Poliomyelitis können die Vorderhornzellen des N.
- Parainfektiöse Genese: Bis zu ein Drittel aller Rekurrensparesen bleibt ungeklärt, wobei v. a. Männer vom 20. bis 30. Lebensjahr betroffen sind. In diesen Fällen ist eine parainfektiöse Genese bei Virusinfekt wahrscheinlich.
Idiopathische Ursachen
In einigen Fällen lässt sich keine eindeutige Ursache für die Schmerzen im Nervus accessorius finden.
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- Idiopathische Akzessoriusparese: Eine gutartige, auch rezidivierend auftretende und oft mit Schmerzen einhergehende Form der isolierten Akzessoriusparese wird idiopathisch in Analogie zur Bell-Parese beschrieben.
Sportbedingte Ursachen
Bestimmte Sportarten können das Risiko einer Schädigung des Nervus accessorius erhöhen.
- Wurfsportarten: Wurfsportarten, besonders Überkopf-Wurf-Sportarten, auch „racket sports“, ferner Sportarten mit Sturzgefährdung bzw. Überdehnung Nerven/Nervenplexus z.B. durch Sturz (Kopf wird zur Gegenseite gedrückt und Schulter nach unten gedrückt), auch häufig beim „tackling“ im football.
- Volleyball: Volleyball Serve, sog. float serve: das plötzliche Abstoppen der Bewegung bedeutet eine deutlich größere Belastung der Außenrotatoren im Schultergelenk (exzentrische Kontraktin des M. infraspinatu) als ein “normaler” durchgezogener Wurf. Dies führt zu einer Überdehnung des N. suprascapularis zwischen den beiden Befestigungspunkten des Nerven.
Andere Ursachen
- Strahlenschäden: Auch Strahlenschänden nach Tumorbestrahlung kommen vor.
- Motoneuronerkrankungen und Rückenmarkprozesse: Während für komplette Akzessoriusparesen Motoneuronerkrankungen und Rückenmarkprozesse verantwortlich sind, betrifft die häufigste Läsion ausschließlich den Anteil, der den M. trapezius versorgt.
- Syringomyelie: Syringomyelie, und Poliomyelitis können die Vorderhornzellen des N.
Symptome und Diagnose
Die Symptome einer Schädigung des Nervus accessorius können vielfältig sein und hängen von der Schwere und dem Ort der Schädigung ab. Typische Symptome sind:
- Schmerzen: Schmerzen im Nacken-, Schulter- und Armbereich
- Schwäche oder Lähmung: Lähmungen der Kopfdrehung und Schulterhebung.
- Eingeschränkte Beweglichkeit: Die Schulter kann auf der betroffenen Seite nicht angehoben werden. Die Hebung des Arms über die Horizontale ist durch die fehlerhafte Skapulaposition behindert.
- Atrophie: Bei der Inspektion zeigt sich auf der betroffenen Seite ein verändertes Schulterrelief mit Atrophie der oberen Trapeziusanteile.
- Verändertes Schulterrelief: Bei der Inspektion zeigt sich auf der betroffenen Seite ein verändertes Schulterrelief mit Atrophie der oberen Trapeziusanteile.
- Fehlstellung der Schulter: Vor allem die sekundären Veränderungen durch die Fehlstellung der Schulter nach Trapeziusparese können zu anhaltenden und therapieresistenten Schmerzsyndromen führen.
- Hängende Schulter: Die Schulter hängt tiefer als auf der gesunden Seite.
- Abstehendes Schulterblatt: Das Schulterblatt steht bei bestimmten Bewegungen ab.
Zur Diagnose einer Schädigung des Nervus accessorius werden verschiedene Untersuchungen eingesetzt:
- Klinische Untersuchung: Der Arzt untersucht die Funktion der Muskeln, die vom Nervus accessorius innerviert werden. Die Sternokleidomastoideusparese zeigt sich am besten, wenn der Patient aufgefordert wird, gegen Widerstand den Kopf von der kontralateralen Seite in Mittelposition zu drehen.
- Elektromyographie (EMG): Das EMG misst die elektrische Aktivität der Muskeln und kann helfen, eine Nervenschädigung zu identifizieren und deren Schweregrad zu bestimmen.
- Magnetresonanztomographie (MRT): Das MRT kann helfen, Tumoren, Entzündungen oder andere strukturelle Ursachen der Nervenschädigung zu identifizieren.
Behandlung
Die Behandlung von Schmerzen im Nervus accessorius richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache.
- Konservative Therapie: In vielen Fällen können konservative Maßnahmen wie Physiotherapie, Schmerzmittel und entzündungshemmende Medikamente die Beschwerden lindern. Vor allem die sekundären Veränderungen durch die Fehlstellung der Schulter nach Trapeziusparese können zu anhaltenden und therapieresistenten Schmerzsyndromen führen - ggf. kommen Ersatzoperationen in Frage. In diesen Fällen kann ein Behandlungsversuch mit Kortikosteroiden erfolgen.
- Operation: In einigen Fällen kann eine Operation erforderlich sein, um den Nervus accessorius zu dekomprimieren oder zu reparieren.
- Physiotherapie: Physiotherapie ist ein wichtiger Bestandteil der Behandlung, um die Muskelkraft und Beweglichkeit wiederherzustellen. Gebt nicht auf!!!
- Schmerzmittel: Schmerzmittel können helfen, die Schmerzen zu lindern.
- Kortikosteroide: In einigen Fällen kann ein Behandlungsversuch mit Kortikosteroiden erfolgen.
- Neuraltherapie: Während der Schwangerschaft kann die Neuraltherapie ohne gefährliche Nebenwirkungen helfen, die Symptome zu bessern.
Prognose
Die Prognose für die Genesung von einer Schädigung des Nervus accessorius hängt von der Ursache und dem Schweregrad der Schädigung ab. In einigen Fällen kann sich der Nerv von selbst erholen, während in anderen Fällen eine Operation oder andere Behandlungen erforderlich sind.
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- Erholung des Nervs: Wenn der Nerv nicht durchtrennt ist, besteht eine Chance daß er sich wieder erholt. Erholung bedeutet aber in den meisten Fällen daß der Nerv wieder nachwachsen muß. Ich weiß nicht wie lange Deine OP her ist. bei mir sind es jetzt mehr als 10 Monate, und erst in den letzten Monaten kommt die Muskelfunktion so langsam wieder. Ich gehe davon aus daß 2 Jahre bis zur Erholung nicht unrealistisch sind.
- Langwieriger Prozess: Und, leider, Geduld aufbringen. Es dauert lange, denn der Nerv muss erst von der Stelle wo er geschädigt wurde (meist durch Druck) wieder bis in den Muskel nachwachsen, was bei einer Wachstumsgeschwindigkeit von 1 mm pro Tag und einer angenommenen Strecke von 30 cm vom Hals bis zwischen die Schulterblätter schon ca. ein Jahr dauert.
- Training: Ich trainiere schon seit Mai 10 und bin mit den Fortschritten sehr zu frieden. Den Muskelaufbau finde ich am schwierigsten. Wenn man zu viel getan hat und Verspannungen bekommt, ziehen die die Schulter wieder nach vorne…. Es gibt halt unterschiedliche Grade der Schädigung. Kurzfristige Beleidigung: Nerv ist intakt aber funktioniert vorübergehend nicht. Höhergradige Druckschädigung: der Nerv stirbt erst mal ab, die Nervenhülle ist aber intakt, und der Nerv kann nachwachsen.
Differenzialdiagnose
Es ist wichtig, andere Ursachen für Nacken- und Schulterschmerzen auszuschließen, bevor eine Schädigung des Nervus accessorius diagnostiziert wird. Einige mögliche Differenzialdiagnosen sind:
- Zervikale Radikulopathie: Nervenwurzelreizung im Nackenbereich
- Rotatorenmanschettenriss: Riss der Muskeln und Sehnen, die das Schultergelenk umgeben
- Schleimbeutelentzündung: Entzündung der Schleimbeutel im Schultergelenk
- Arthrose: Verschleiß des Schultergelenks
- Fibromyalgie: Chronische Schmerzerkrankung, die den ganzen Körper betrifft
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