Achillessehnenbeschwerden: Ursachen, Behandlung und Prävention

Die Achillessehne, die stärkste Sehne des menschlichen Körpers, verbindet die Wadenmuskulatur mit dem Fersenbein und ermöglicht uns das Gehen, Laufen und Springen. Trotz ihrer Robustheit ist sie anfällig für Verletzungen und Entzündungen, die oft mit Schmerzen und Bewegungseinschränkungen einhergehen. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome, Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten von Achillessehnenbeschwerden, um Betroffenen ein umfassendes Verständnis dieser Problematik zu vermitteln.

Anatomie und Funktion der Achillessehne

Die Achillessehne (Tendo calcanei) ist die Endsehne des dreibauchigen Wadenmuskels (Musculus triceps surae), der sich aus dem zweiköpfigen Zwillingswadenmuskel (M. gastrocnemius) und dem Schollenmuskel (M. soleus) zusammensetzt. Ihre Hauptaufgabe besteht darin, die Kraft der Wadenmuskulatur auf das Fersenbein zu übertragen, wodurch die Streckung des Fußes im Sprunggelenk und somit der aufrechte Gang ermöglicht wird. Beim Laufen wirkt ein Vielfaches des Körpergewichts auf die Achillessehne, bei Sprungbelastungen sogar noch höhere Kräfte.

Ursachen von Achillessehnenbeschwerden

Achillessehnenbeschwerden können durch eine Vielzahl von Faktoren ausgelöst werden, wobei Über- und Fehlbelastungen eine zentrale Rolle spielen.

Überlastung

Intensive sportliche Aktivitäten wie Laufen, Sprinten oder Ballsportarten, insbesondere bei unzureichender Aufwärmung oder zu schneller Steigerung der Trainingsintensität, können die Achillessehne überlasten. Auch monotone Belastungen, wie sie beispielsweise bei bestimmten Berufsgruppen auftreten, können zu einer Reizung der Sehne führen.

Fehlbelastung

Fußfehlstellungen wie Senk-, Knick-, Platt- oder Hohlfuß können die Achillessehne zusätzlich belasten und das Risiko von Beschwerden erhöhen. Auch ungeeignetes Schuhwerk, insbesondere Schuhe mit mangelnder Dämpfung oder fehlender Stabilität, kann zu einer Fehlbelastung der Sehne führen.

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Weitere Risikofaktoren

Weitere Faktoren, die Achillessehnenbeschwerden begünstigen können, sind:

  • Verkürzte Wadenmuskulatur
  • Mangelnde Flexibilität
  • Höheres Alter
  • Vorherige Achillessehnenruptur (Re-Ruptur)
  • Bestimmte Medikamente (z.B. Kortison, Fluorchinolone)
  • Systemische Erkrankungen (z.B. Spondylarthritis)

Symptome von Achillessehnenbeschwerden

Die Symptome von Achillessehnenbeschwerden können vielfältig sein und je nach Ausmaß und Art der Erkrankung variieren. Typische Anzeichen sind:

  • Schmerzen: Die Schmerzen treten meist im Bereich der Achillessehne, etwa zwei bis sechs Zentimeter oberhalb des Fersenbeins, auf. Sie können dumpf, stechend oder brennend sein und sich bei Belastung verstärken. Oftmals kommt es zu Anlaufschmerzen nach Ruhephasen.
  • Steifigkeit: Das Sprunggelenk kann sich steif anfühlen, insbesondere am Morgen oder nach längeren Ruhephasen.
  • Schwellung: Im Bereich der Achillessehne kann es zu einer Schwellung kommen, die mit einer Überwärmung einhergehen kann.
  • Druckschmerz: Die Achillessehne ist bei Druck schmerzhaft, insbesondere an der Innenseite des unteren Sehnenabschnitts.
  • Krepitation: Bei Bewegung des Sprunggelenks kann ein Knirschen oder Reiben über der Achillessehne zu spüren oder zu hören sein.
  • Funktionsverlust: In schweren Fällen kann es zu einem Funktionsverlust der Wadenmuskulatur kommen, der sich durch eine eingeschränkte Beweglichkeit und Kraft äußert.
  • Tastbare Knotenbildung: Bei chronischem Verlauf kann sich vernarbtes Gewebe bilden, das als Knotenbildung tastbar ist.

Diagnose von Achillessehnenbeschwerden

Die Diagnose von Achillessehnenbeschwerden erfolgt in der Regel anhand einer gründlichen Anamnese, einer körperlichen Untersuchung und gegebenenfalls bildgebenden Verfahren.

Anamnese

Der Arzt wird Fragen zu den Beschwerden stellen, wie z.B. deren Lokalisation, Art und Auslöser. Auch Vorerkrankungen, sportliche Aktivitäten und eingenommene Medikamente werden erfragt.

Körperliche Untersuchung

Bei der körperlichen Untersuchung tastet der Arzt die Achillessehne ab, um Schwellungen, Druckschmerzhaftigkeit und Verhärtungen festzustellen. Zudem wird die Beweglichkeit des Sprunggelenks geprüft und auf Fehlstellungen des Fußes geachtet.

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Bildgebende Verfahren

In einigen Fällen können bildgebende Verfahren wie Ultraschall, Röntgen oder Magnetresonanztomographie (MRT) eingesetzt werden, um die Diagnose zu sichern und andere Erkrankungen auszuschließen.

  • Ultraschall: Hiermit können Verdickungen, Entzündungen und Flüssigkeitsansammlungen im Bereich der Achillessehne dargestellt werden.
  • Röntgen: Eine Röntgenuntersuchung kann knöcherne Veränderungen wie Fersensporn oder Haglund-Exostose sichtbar machen.
  • MRT: Die MRT ist besonders geeignet, um Weichteilstrukturen wie die Achillessehne und ihre Umgebung detailliert darzustellen. Sie kann Teilrisse, degenerative Veränderungen und Entzündungen erkennen.

Behandlung von Achillessehnenbeschwerden

Die Behandlung von Achillessehnenbeschwerden richtet sich nach der Ursache und dem Ausmaß der Erkrankung. In den meisten Fällen ist eine konservative Therapie ausreichend, operative Eingriffe sind nur selten erforderlich.

Konservative Therapie

  • Schonung: Vermeiden Sie belastende Aktivitäten, die die Achillessehne reizen.
  • Kühlung: Kühlen Sie den betroffenen Bereich mehrmals täglich für 15-20 Minuten mit Eis oder Kühlpacks, um Schwellungen und Schmerzen zu reduzieren.
  • Kompression: Ein Kompressionsverband kann helfen, Schwellungen zu vermeiden.
  • Hochlagerung: Lagern Sie den Fuß hoch, um die Durchblutung zu fördern und Schwellungen zu reduzieren.
  • Schmerzmittel: Entzündungshemmende Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Diclofenac können zur Linderung von Schmerzen und Entzündungen eingenommen oder als Salbe aufgetragen werden.
  • Physiotherapie: Physiotherapeutische Übungen, insbesondere exzentrisches Training, sind ein wichtiger Bestandteil der Behandlung. Sie helfen, die Achillessehne zu stärken, die Flexibilität zu verbessern und die Wadenmuskulatur zu dehnen.
  • Einlagen: Bei Fußfehlstellungen können orthopädische Einlagen helfen, die Belastung der Achillessehne zu reduzieren.
  • Bandagen: Spezielle Bandagen können die Achillessehne entlasten und stabilisieren.
  • Stoßwellentherapie: Diese Methode nutzt hochenergetische Schallwellen, um die Durchblutung zu fördern und die Heilung zu beschleunigen.
  • Injektionstherapie: In einigen Fällen können Injektionen mit Kortison oder Platelet-Rich Plasma (PRP) zur Schmerzlinderung und Entzündungshemmung eingesetzt werden. Allerdings ist der Einsatz von Kortison aufgrund möglicher Nebenwirkungen umstritten.

Operative Therapie

Eine Operation kommt nur in seltenen Fällen infrage, wenn die konservative Therapie nicht erfolgreich ist. Es gibt verschiedene operative Verfahren, die je nach Art und Ausmaß der Schädigung eingesetzt werden können:

  • Entfernung von entzündetem Gewebe: Bei einer Entzündung der Achillessehnenhülle (Peritendinitis) kann das entzündete Gewebe operativ entfernt werden.
  • Sehnenspaltung: Bei einer Degeneration der Achillessehne (Tendinose) kann die Sehne gespalten und das geschädigte Gewebe entfernt werden.
  • Sehnenverlängerung: In seltenen Fällen kann eine Verlängerung der Achillessehne erforderlich sein, um die Spannung auf die Sehne zu reduzieren.
  • Sehnenrekonstruktion: Bei einem Achillessehnenriss wird die Sehne operativ genäht oder rekonstruiert.

Nachbehandlung

Nach einer konservativen oder operativen Behandlung ist eine konsequente Nachbehandlung wichtig, um die volle Funktionsfähigkeit der Achillessehne wiederherzustellen. Die Nachbehandlung umfasst in der Regel:

  • Ruhigstellung: Nach einer Operation wird der Fuß in der Regel für einige Wochen in einer Orthese ruhiggestellt.
  • Physiotherapie: Physiotherapeutische Übungen werden eingesetzt, um die Beweglichkeit und Kraft des Sprunggelenks wiederherzustellen.
  • Belastungssteigerung: Die Belastung des Fußes wird schrittweise gesteigert, um die Achillessehne langsam an die normale Belastung zu gewöhnen.

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