Kopfschmerzen und Migräne können den Alltag erheblich beeinträchtigen und sowohl Schmerzen als auch Einschränkungen verursachen. Auch die ständige Sorge vor der nächsten Attacke stellt für viele Betroffene eine Belastung dar. Gut informiert zu sein, kann helfen, Kopfschmerzen und Migräne besser zu verstehen und damit umzugehen. Der Austausch mit anderen Betroffenen kann ebenfalls eine wertvolle Unterstützung sein.
Was ist Migräne?
Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die sich durch wiederkehrende Kopfschmerzattacken äußert. Die Migräne ist die häufigste Kopfschmerzform, die zum Arztbesuch führt. In Deutschland sind etwa 10 Millionen Menschen von Migräne betroffen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zählt Migräne zu den am schwersten behindernden Erkrankungen des Menschen.
Symptome der Migräne
Anders als bei Spannungskopfschmerzen, sind bei einer Migräne nicht nur der Kopf betroffen. Die Symptome der Migräne sind vielfältig und betreffen den ganzen Körper. Zu den Hauptsymptomen gehören:
- Starke, pulsierende Kopfschmerzen: Diese treten meist auf einer Seite des Kopfes auf und verschlimmern sich bei körperlicher Bewegung. Der Kopfschmerz ist meist halbseitig oder beidseits im Stirn- und Schläfenbereich betont, hat eine mittlere bis hohe Intensität, fühlt sich stechend oder pochend an und verstärkt sich schon bei leichter körperlicher Belastung.
- Übelkeit und Erbrechen: Fast alle Migräniker berichten, dass ihnen während und oft schon vor Migräneattacken übel ist. Viele Betroffene übergeben sich auch.
- Licht- und Lärmempfindlichkeit: Im Zusammenhang mit Migräne sind Erkrankte oft besonders empfindlich gegenüber Licht, lauten Geräuschen oder sogar Gerüchen. Dies führt meist zu dem Bedürfnis, sich in einen dunklen, stillen Raum zurückzuziehen.
- Appetitlosigkeit
Manchmal beginnt die Attacke mit Aura-Symptomen, das sind neurologische Ausfälle wie flimmernde Sehstörungen, Wortfindungsstörungen, Sprachstörungen, Kribbel-Missempfindungen, Lähmungen und Störungen der Wachheit bis zur Bewusstlosigkeit.
Phasen einer Migräneattacke
Eine Migräne mit Aura läuft meist in fünf Phasen ab:
Lesen Sie auch: Mehr über AMAN erfahren
- Prodromalphase: Stunden oder sogar Tage vor der Attacke treten Müdigkeit und manchmal Blässe ein, manchmal gepaart mit Heißhunger, Übelkeit und Konzentrationsstörungen.
- Aura-Phase: Kurz vor Beginn der Kopfschmerzen kommen die bewusst wahrgenommenen Aura-Symptome hinzu: Sehstörungen (meist in Form eines Flimmerns, verschwommenen Sehens, Lichtblitzen, Zickzacklinien oder Gesichtsfeldeinschränkungen), Missempfindungen wie Kribbeln oder Taubheit in Armen und Beinen, seltener Sprachstörungen.
- Kopfschmerzphase: Die Kopfschmerzphase ist der Teil der Migräneattacke, die auch Betroffene ohne Aura durchleiden. Die heftigen Kopfschmerzen halten ohne Behandlung für mindestens vier Stunden an und können sogar bis zu drei Tage andauern.
- Auflösungsphase: Nach den Kopfschmerzen folgt die Auflösungsphase, in der sich oft Symptome zeigen, die der Anfangsphase konträr gegenüberstehen. Während die Kopfschmerzen abnehmen, setzt beispielsweise völlige Appetitlosigkeit ein.
- Erholungsphase: Zuletzt kommt die Erholungsphase, in der keine Symptome mehr vorhanden sind, die Betroffenen aber brauchen, um sich von der Erschöpfung der Attacke zu regenerieren.
Die Dauer eines Migräneanfalls liegt insgesamt bei maximal einer Woche - wobei nur drei Tage davon mit Schmerzen einhergehen.
Ursachen und Auslöser
Die genauen Ursachen der Migräne sind noch nicht vollständig geklärt. Diskutiert werden die Rolle von Botenstoffen, ein veränderter Blutfluss im Gehirn sowie entzündungsähnliche Prozesse. Vermutlich wirken verschiedene Dinge zusammen, und erbliche Faktoren spielen eine Rolle.
Es gibt eine Reihe von Faktoren, die eine Attacke auslösen können. Die sogenannten Trigger, die eine Migräne auslösen können, sind sehr individuell. Zu den häufigsten Triggern gehören:
- Stress: Besonders bei unregelmäßigem Tagesablauf, emotionalem Stress oder auch nach einer anstrengenden, stressigen Zeit treten Migräneanfälle auf.
- Schlafmangel: Zu wenig Schlaf oder ein unregelmäßiger Schlafrhythmus erhöhen das Risiko.
- Flüssigkeitsmangel: Häufig beginnen Migräneanfälle, wenn zu wenig getrunken wurde.
- Hormonelle Schwankungen: Viele Frauen berichten von Migräneanfällen kurz vor und während der Menstruation.
- Ernährung: Bestimmte Lebensmittel gelten als Auslöser, wie zum Beispiel Rotwein. Aber auch der Verzicht auf Lebensmittel kann Anfälle triggern. So kann beispielsweise Fasten Migräne fördern.
- Wetter und Reizüberflutung: Migräne kann außerdem durch Überflutung mit Licht- und Lärmreizen ausgelöst werden.
Chronische Migräne
Wird die Migräne immer häufiger und geht eine Migräneattacke nahezu ohne Pause in die nächste über, kann aus der Episodischen Migräne eine Chronische Migräne werden. Laut WHO ist eine schwere Migräne eine der am stärksten einschränkenden Erkrankungen. Bei einer chronischen Migräne bestehen seit 3 Monaten oder länger Kopfschmerzen an mindestens 15 Tagen im Monat, davon 8 oder mehr Tage mit Migräne.
Diagnose der Migräne
Um eine Migräne zu diagnostizieren, erkundigt sich der Arzt zunächst nach den Beschwerden des Patienten. Unter anderem wird nach der Häufigkeit und Dauer der Anfälle, Art und Stärke der Kopfschmerzen und nach Begleitsymptomen gefragt. Ein Kopfschmerztagebuch kann helfen, diese Fragen zu beantworten. Meist kann bereits auf diese Weise Migräne diagnostiziert werden. Es ist wichtig, die Erkrankung von anderen Kopfschmerzen oder weiteren Krankheiten abzugrenzen. Ist das allein anhand der Beschwerden nicht möglich, können eine bildgebende Untersuchung oder weitere Tests nötig werden.
Lesen Sie auch: Ursachen, Diagnose und Behandlung der AIDP
Behandlung der Migräne
Leider ist eine Migräne - auch aufgrund der unklaren Entstehungsmechanismen - aktuell nicht heilbar. Zum Glück lassen sich aber immerhin die Symptome gut behandeln. Bei Verdacht auf eine Migräne, beziehungsweise auch nach Sicherung der Diagnose, sollte man sich zunächst in einer ärztlichen Praxis beraten lassen. Die Therapiemethoden sind vielfältig und für verschiedene Menschen eignen sich oft unterschiedliche Ansätze - von Medikation über Prävention bis hin zu Hausmitteln hilft bei Migräne vieles.
Medikamentöse Behandlung
Die medikamentöse Behandlung der Migräne zielt darauf ab, die Symptome während einer akuten Attacke zu lindern und die Häufigkeit und Schwere zukünftiger Attacken zu reduzieren.
Akuttherapie
Zur Linderung akuter Migräne-Anfälle werden Schmerzmittel wie Ibuprofen, Paracetamol oder Acetylsalicylsäure sowie koffeinhaltige Kombinationspräparate eingesetzt.
Bei besonders heftigen Migräneattacken können Triptane Abhilfe schaffen. Auch diese Medikamente wirken als Akutbehandlung der Kopfschmerzen bei Migräneanfällen schmerzlindernd und können, wenn nötig, mit anderen Arzneimitteln zusammen eingenommen werden. Notwendig ist eine Behandlung mit Triptanen vor allem dann, wenn andere Schmerzmittel keine Wirkung zeigen. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass sie an höchstens zehn Tagen im Monat eingenommen werden dürfen, da sie sonst Kopfschmerzen durch Schmerzmittel-Übergebrauch verursachen können.
Gegen Übelkeit helfen zum Beispiel Metoclopramid und Domperidon.
Lesen Sie auch: Diagnose und Behandlung von akuter schlaffer Lähmung
Die neue Wirkstoffgruppe der Gepante kann eingesetzt werden, wenn Schmerzmittel oder Triptane nicht wirksam sind oder nicht vertragen werden. Außerdem ist die Remote Electrical Neuromodulation eine Ergänzung oder Alternative zur Standardtherapie - etwa dann, wenn etwas gegen Medikamente spricht.
Prophylaxe
Bei häufigen oder schweren Migräne-Attacken können Medikamente helfen vorzubeugen (Prophylaxe). Dafür kommen beispielsweise bestimmte Betablocker oder Krampflöser wir Topiramat oder das Antidepressivum Amitriptylin infrage. Welche Mittel wann helfen, muss mit einem Arzt besprochen werden.
Seit einigen Jahren ist in Deutschland eine besondere Antikörpertherapie zur Vorbeugung von Attacken bei chronischer Migräne zugelassen. Die ist gut wirksam, kommt aber nicht für jeden infrage. Ähnlich verhält es sich mit der neuen Wirkstoffgruppe der Gepante.
Die sogenannte Remote Electrical Neuromodulation (REN) ist eine weitere Möglichkeit, einer Migräne vorzubeugen oder sie zu behandeln. Dabei werden Nervenfasern außerhalb der Migräneschmerzregion stimuliert. In der Folge schüttet das Gehirn Botenstoffe aus - und der eigentliche Migränekopfschmerz wird unterdrückt.
Nicht-medikamentöse Behandlung
Neben der medikamentösen Behandlung gibt es eine Reihe von nicht-medikamentösen Maßnahmen, die helfen können, Migräne zu lindern oder vorzubeugen:
- Regelmäßiger Sport und Entspannungsübungen: Diese können helfen, Stress abzubauen und die allgemeine Gesundheit zu verbessern.
- Akupunktur: Die Daten zur Wirksamkeit von Akupunktur sind widersprüchlich.
- Vermeidung von Triggern: Es ist wichtig, die individuellen Auslöser der Migräne zu identifizieren und diese so gut wie möglich zu vermeiden.
- Regelmäßiger Schlafrhythmus: Auf einen regelmäßigen Schlafrhythmus achten.
- Ausreichende Flüssigkeitszufuhr: Häufig beginnen Migräneanfälle, wenn zu wenig getrunken wurde.
- Bewusste Pausen einplanen: Auf schnelle Wechsel von An- zu Entspannung verzichten.
- Ruhe und Dunkelheit: Migränebetroffene leiden während eines Anfalls oft unter Überempfindlichkeit. Vielen hilft es, sich dann in einen abgedunkelten, stillen Raum zurückzuziehen.
- Kühlung: Wie auch bei anderen Kopfschmerzarten ist ein feuchtes Tuch oder eine kühle Auflage häufig eine akute Hilfe bei Migräne.
- Stimulation des Nervus trigeminus: Mithilfe eines speziellen Geräts, das auf die Stirn geklebt wird, kann der für Schmerz verantwortliche Nerv des Gesichts stimuliert werden, was die Schmerzen lindert.
- Migräne-Apps: Migräne-Apps können dabei helfen, Trigger zu meiden und Migräne-Attacken vorzubeugen.
Spezielle Situationen
Auch Kinder können von Migräne betroffen sein. Für sie sind aber nicht alle Medikamente zugelassen. Schmerzmittel müssen in der Dosierung entsprechend angepasst werden. Auch aufgrund der möglichen Nebenwirkungen sollte eine Behandlung mit Medikamenten bei ihnen immer genau mit der Kinderärztin oder dem Kinderarzt abgestimmt sein.
Auch in der Schwangerschaft lässt sich Migräne behandeln. In jedem Fall sollte eine Therapie dann mit einer Ärztin oder einem Arzt abgesprochen werden, um Schäden am Ungeborenen durch Medikamente zu vermeiden. Glücklicherweise verlieren viele betroffene Frauen während der Schwangerschaft vorübergehend ihre Migräne.
Leben mit Migräne
Migräne ist eine chronische Erkrankung, die nicht heilbar ist. Sie kann aber heute so gut behandelt werden, dass die Lebensqualität der Betroffenen weniger eingeschränkt wird. Jeder Betroffene muss lernen, mit dieser Erkrankung zu leben. Dazu gehört, modifizierbare Auslöser für Attacken nach Möglichkeit zu reduzieren und sich auf der anderen Seite einzugestehen, dass schwere Attacken zu einer reellen Minderung der Leistungsfähigkeit führen.
Ein Austausch mit anderen Betroffenen kann Patienten mit chronischer Migräne guttun. Dafür kann man sowohl online als auch vor Ort nach geeigneten Gruppen suchen.
tags: #akute #chronische #migrane