Albumin ist ein essentielles Protein mit vielfältigen Funktionen im Körper, von denen der Transport von Stoffen und die Aufrechterhaltung des Flüssigkeitshaushaltes die wichtigsten sind. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über Albumin, seine Bedeutung, Normwerte in verschiedenen Körperflüssigkeiten (Serum, Urin, Liquor) sowie Ursachen und Folgen von veränderten Albuminwerten.
Was ist Albumin?
Albumin ist ein Protein, das hauptsächlich in den Leberzellen (Hepatozyten) produziert wird und etwa 60 Prozent des Gesamteiweißes im Blutserum ausmacht. Es spielt eine entscheidende Rolle bei der Aufrechterhaltung des kolloidosmotischen Drucks, dem Transport verschiedener Substanzen und der Abpufferung des pH-Wertes. Der Name Albumin leitet sich vom lateinischen Wort "albus" (weiß) ab. Der Körper ist auf eine ausreichende Zufuhr von Eiweiß über die Nahrung (Milch, Eier, Fleisch) angewiesen, um eine adäquate Albuminproduktion sicherzustellen.
Albumin und der kolloidosmotische Druck
Die Bluteiweiße, insbesondere Albumin, tragen wesentlich zum kolloidosmotischen Druck bei. Dieser Druck ist wichtig für das Gleichgewicht zwischen den gelösten Teilchen (Kolloiden) innerhalb und außerhalb der Zellen. Albumin ist der wichtigste Faktor zur Aufrechterhaltung dieses Drucks. Ein sinkender kolloidosmotischer Druck führt zu einem vermehrten Austritt von Plasmawasser aus den Zellen und somit zur Bildung von Ödemen.
Albumin als Transportprotein
Albumin fungiert als Transportprotein für eine Vielzahl von Substanzen im Blutkreislauf, darunter:
- Hormone (z.B. Kortisol, Thyroxin)
- Vitamine (z.B. Vitamin D)
- Fettsäuren
- Bilirubin (Abbauprodukt des roten Blutfarbstoffs)
- Enzyme
- Aminosäuren (Bausteine von Proteinen)
- Elektrolyte (Magnesium, Calcium)
- Metalle (Kupferionen)
- Medikamente (Blutverdünner, Immunsuppressiva, Antibiotika)
Es verteilt auch Medikamente wie Antibiotika und Blutverdünner im Körper.
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Wann bestimmt man das Albumin?
Die Bestimmung des Albuminwertes erfolgt in verschiedenen klinischen Situationen, darunter:
- Chronische Lebererkrankungen (Leberzirrhose, Fettleber, akute Hepatitis, toxische Leberschädigung)
- Eiweißverlust über die Nieren (nephrotisches Syndrom) oder den Magen-Darm-Trakt (exsudative Enteropathie)
- Abklärung von Wasseransammlungen im Gewebe (Ödeme)
- Proteinmangelernährung (z.B. Kwashiorkor)
- Verbrennungen oder exsudative Hauterkrankungen (Dermatitis)
- Verdacht auf Nierenschädigung, insbesondere bei erhöhter Konzentration im Urin
Der Arzt kann das Albumin im Blutserum, Urin und Nervenwasser (Liquor) bestimmen. Hierfür sind folgende Proben erforderlich:
- 20 ml Spontanurin (Morgenurin) oder 24-Stunden-Sammelurin
- 1 ml Blutserum
- Drei steril entnommene Liquorproben
Bei Notfällen, insbesondere bei großen Blutverlusten, kann Albumin zur Volumenstabilisierung eingesetzt werden, da es Wasser binden und so den Kreislauf stabilisieren kann.
Albumin: Normwerte
Die Albumin-Normwerte variieren je nach Alter und Körperflüssigkeit:
Serum-Albumin
| Alter | Normwert (mg/dl) |
|---|---|
| Bis 4 Tage | 2800 - 4400 |
| 5 Tage bis 13 Jahre | 3800 - 5400 |
| 14 bis 17 Jahre | 3200 - 4500 |
| Ab 18 Jahre | 3500 - 5200 |
Albumin im Urin
- Morgenurin (ab 3 Jahren): unter 20 mg/l
- 24-Stunden-Sammelurin: weniger als 30 mg/d
Bei erhöhten Albuminwerten im Urin unterscheidet man zwischen Mikro- und Makroalbuminurie:
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- Mikroalbuminurie: 20 bis 200 mg/l im Morgenurin bzw. 30 bis 300 mg/Tag im Sammelurin
- Makroalbuminurie: >200 mg/l im Morgenurin bzw. >300 mg/Tag im Sammelurin
Albumin im Liquor
Der Albumin-Liquorwert wird in Relation zum Serum-Albuminwert betrachtet. Der Arzt berechnet den Quotienten aus dem Albuminwert im Serum und dem Albuminwert im Liquor.
| Alter | Albuminquotient Liquor/Serum (x0,001) |
|---|---|
| Neugeborene | < 28 |
| Säuglinge im 1. Monat | < 15 |
| Säuglinge im 2. Monat | < 10 |
| Säuglinge im 3. Monat | < 5 |
| Kinder zwischen 4 Monaten und 6 Jahren | < 3,5 |
| Kinder zwischen 6 und 15 Jahren | < 5 |
| über 15 und bis 40 Jahre | < 6,5 |
| über 40 Jahre | < 8 |
Wann ist das Albumin erniedrigt? (Hypoalbuminämie)
Ein zu niedriger Albuminwert im Blut (Hypoalbuminämie) kann folgende Ursachen haben:
- Entglittene Leberzirrhose
- Akute Hepatitis
- Toxische Leberschädigung
- Amyloidosen (Ablagerung veränderter Eiweiße im Körper)
- Proteinverlust über die Niere (nephrotisches Syndrom) oder den Magen-Darm-Trakt (exsudative Enteropathie)
- Mangel- oder Unterernährung (z.B. Kwashiorkor)
- Verbrennungen oder exsudative Hauterkrankungen (z.B. Dermatitis)
- Flüssigkeitsüberschuss (Hyperhydratation, z.B. durch Infusionstherapie oder in der Schwangerschaft)
- Fortgeschrittene Krebserkrankungen
- Erblicher Albuminmangel (An- bzw. Hypalbuminämie)
- Darmverschluss
Ein niedriger Albuminwert im Urin oder Liquor hat keine Bedeutung. Viele Medikamente binden an Albumin. Durch eine niedrigere Konzentration kommt es zu einer verstärkten Wirkung des aktiven freien Anteils bei Hypalbuminämie.
Wann ist das Albumin erhöht?
Ein erhöhter Albuminwert im Blut kann auf Flüssigkeitsmangel (Dehydratation) zurückzuführen sein, beispielsweise durch Erbrechen, vermehrtes Wasserlassen oder Durchfall. Dies ist jedoch nur ein relativer Anstieg im Vergleich zur Flüssigkeitsmenge.
Ein erhöhter Albuminwert im Urin kann auf Bluthochdruck oder Diabetes mellitus mit Nierenschädigung (hypertonische bzw. diabetische Nephropathie) hinweisen.
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Eine erhöhte Konzentration an Albumin im Nervenwasser bzw. ein erhöhter Albuminquotient Liquor/Serum kann auf folgende Erkrankungen hindeuten:
- Hirnhautentzündung (Meningitis)
- Guillain-Barré-Syndrom
- Hirninfarkt
- Hirn- oder Rückenmarkstumor
- Schädel-Hirn-Trauma
Was tun bei verändertem Albumin?
Hypoalbuminämie
Die Behandlung einer Hypoalbuminämie richtet sich nach der Grunderkrankung. Bei Eiweißverlust über die Niere können entwässernde Medikamente oder Medikamente gegen Bluthochdruck (Sartane, ACE-Hemmer) eingesetzt werden. Bei ausgeprägtem Albuminmangel kann eine Albuminersatzlösung (5 bis 20 Prozent Albumin) verabreicht werden.
Albuminurie
Bei erhöhter Albuminausscheidung im Urin wird der Arzt überprüfen, ob der Albuminverlust regelmäßig auftritt. Hierfür werden innerhalb von sechs bis acht Wochen drei oder mehr Albuminbestimmungen durchgeführt. Bei Mikroalbuminurie sind zwei- bis dreimal jährliche Kontrollen notwendig. Bei Makroalbuminurie muss die Ursache der Nierenschädigung abgeklärt werden.
Definitionen der Proteinurie im 24 Stunden-Sammelurin:
- Mikroalbuminurie: 30 - 300 mg/ 24 Stunden
- Makroalbuminurie: > 300 mg/ 24 Stunden
Weitere Formen der Proteinurie:
- Transiente Proteinurie: Verschwindet mit Ursache (Fieber, körperliche Anstrengung)
- Orthostatische Proteinurie: Auftreten nur im Stehen
- Persistierende asymptomatische Proteinurie: meist bei Kindern (ggf. Tubulotoxische Nephropathie)
Erhöhtes Albumin im Liquor
Bei erhöhtem Albuminwert im Liquor bzw. erhöhtem Albuminquotienten Liquor/Serum wird der Arzt mithilfe weiterer Untersuchungen die Ursache abklären und eine geeignete Behandlung einleiten.
Mögliche Ursachen einer Blut-Liquor-Schrankenstörung:
- Leichtgradig (Q <10 x 10-3): Multiple Sklerose, HIV-Encephalitis, Zoster-Ganglionitis, alkoholische Polyneuropathie
- Mittelgradig (Q <20 x 10-3): Virale Meningitis, diabetische Polyneuropathie, Hirninfarkt, Großhirnatrophie
- Schwergradig (Q bis 50 x 10-3): GBS, Mb. Bannwarth, HSV-Encephalitis, tuberkulöse und eitrige Meningitis
Methoden zur Albuminbestimmung
- Photometrischer Farbtest (Bromkresolgrün-Methode): Albumin bindet Bromkresolgrün (BCG) bei einem pH-Wert von 4,1 zu einem blaugrünen Komplex, dessen Farbintensität direkt proportional zur Albuminkonzentration ist (Material: Serum).
- Immunturbidimetrie: Die Bestimmung eines löslichen Antigens mittels Turbidimetrie beruht auf der Reaktion des Antigens mit spezifischem Antiserum unter Bildung unlöslicher Komplexe (Material: Liquor, Serum, Urin).
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