Alkohol ist in vielen Gesellschaften ein akzeptierter Bestandteil des sozialen Lebens. Doch die Auswirkungen auf das Gehirn und den Körper sind oft unterschätzt. Dieser Artikel beleuchtet die Fakten über die schädlichen Auswirkungen von Alkohol auf die Gehirnzellen, basierend auf aktuellen Forschungsergebnissen und Expertenmeinungen.
Einführung
Alkohol wird oft mit Geselligkeit und Entspannung in Verbindung gebracht. Die Realität sieht jedoch anders aus, denn Alkoholkonsum, insbesondere in großen Mengen und über längere Zeiträume, kann verheerende Auswirkungen auf das Gehirn haben. Dieser Artikel untersucht die Mechanismen, durch die Alkohol Gehirnzellen schädigt, die langfristigen Folgen und die Bedeutung von Abstinenz zur Vorbeugung dauerhafter Schäden.
Wie Alkohol Gehirnzellen schädigt
Alkohol wirkt auf verschiedene Weise schädlich auf das Gehirn. Hier sind einige der wichtigsten Mechanismen:
Fortschreitende Hirnschäden nach Alkoholentzug
Eine Studie eines internationalen Forscherteams unter Beteiligung des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit (ZI) hat gezeigt, dass Hirnschäden durch Alkohol auch nach einem Entzug noch mindestens sechs Wochen fortschreiten können. Dies bedeutet, dass die Schädigung des Gehirns nicht sofort aufhört, wenn man mit dem Trinken aufhört, sondern sich noch eine Weile fortsetzt.
Schädigung der weißen Substanz
Alkoholbedingte Schädigungen betreffen vor allem die weiße Substanz des Gehirns. Diese Substanz spielt eine wichtige Rolle für Lernen und Gedächtnisbildung, da sie überwiegend aus Nervenfasern besteht, die verschiedene Bereiche des Gehirns verbinden. Eine Schädigung der weißen Substanz kann daher zu erheblichen kognitiven Beeinträchtigungen führen.
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Mikrostrukturelle Schädigungen
Mithilfe spezieller Magnetresonanztomographie (MRT)-Methoden konnten Forscher deutliche mikrostrukturelle Schädigungen im Nervengewebe von Patienten nachweisen, die einen Alkoholentzug durchmachten. Überraschenderweise stellten sie fest, dass diese Schädigungen selbst über einen Zeitraum von mindestens sechs Wochen nach der Entgiftung noch fortschreiten.
Entzündungsreaktionen im Gehirn
Die Forscher vermuten, dass die fortschreitenden Schädigungen durch eine alkoholbedingte Entzündungsreaktion im Gehirn verursacht werden könnten. Diese Reaktion könnte auch für die hohe Rückfallrate von Patienten, insbesondere während der frühen Phase der Abstinenz, eine Rolle spielen.
Tierexperimentelle Bestätigung
Um Alkohol als ursächlichen Faktor der beobachteten Hirnveränderungen feststellen zu können, untersuchten die Forscher eine Gruppe von Ratten mit der gleichen Methodik. „Die Tiere zeigten im MRT genau die gleichen Hirnveränderungen wie die Patienten. Dies erlaubt es, den Ursachenzusammenhang klar festzustellen, was allein durch klinische Beobachtungen am Patienten nicht möglich gewesen wäre“, sagt Prof. Dr. Wolfgang Sommer.
Früher Beginn dauerhafter Schäden
Die kurze und eher gemäßigte Trinkperiode der Tiere deutet darauf hin, dass permanente Gehirndefizite nach übermäßigem Alkoholkonsum viel früher auftreten können, als derzeit angenommen. Da sich solche frühen Anzeichen von Gehirnschädigungen durch übermäßigen Alkoholkonsum mit Hilfe von Standard-MRT-Aufnahmen nicht erkennen lassen, arbeitet das Forscherteam an der Entwicklung einer MRT-basierten Screening-Methode zum Nachweis der Schädigung.
Auswirkungen auf die Gehirnstruktur und -funktion
Schrumpfung des Gehirns
Schon eine Flasche Bier am Tag kann bei regelmäßigem Konsum über einen langen Zeitraum dazu führen, dass die graue sowie die weiße Substanz im Gehirn schrumpfen. Die graue Substanz, die Großhirnrinde (Cortex), beherbergt rund 20 Milliarden Nervenzellkörper, während die weiße Substanz aus ihren Zellfortsätzen (Axonen) besteht. Beide Substanzen sind wesentliche Bestandteile des zentralen Nervensystems und steuern nahezu alle Hirnfunktionen.
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Beschleunigte Hirnalterung
Die Veränderungen, die Alkohol in den Gehirnsubstanzen verursacht, sind nicht linear: Je mehr man trinkt, desto schneller schrumpft das Gehirn. Ein Beispiel: Erhöht eine 50-jährige Person ihren täglichen Alkoholkonsum von einem 0,25l Glas Bier auf eine 0,5l Flasche Bier, entsprechen die Veränderungen im Gehirn einer Alterung von zwei Jahren.
Beeinträchtigung kognitiver Fähigkeiten
Alkohol beeinträchtigt auch andere kognitive Fähigkeiten wie Aufmerksamkeit, Orientierung oder die Geschwindigkeit der Informationsverarbeitung. Jüngere Studien weisen darauf hin, dass regelmäßiger Alkoholkonsum von bereits fünf bis sechs Standardgläsern pro Woche die kognitive Leistungsfähigkeit vermindert.
Erhöhtes Demenzrisiko
Im Gehirn verursacht ein regelmäßiger Konsum hoher Alkoholmengen außerdem Veränderungen, die das Risiko einer Demenzerkrankung stark erhöhen. Personen ab 45 Jahren, die mehr als 24 Gramm reinen Alkohol (ca. 250 ml Wein) am Tag trinken, sind besonders gefährdet.
Alkohol und seine Mechanismen
Thiaminmangel
Thiamin, auch bekannt als Vitamin B1, ist entscheidend für gesunde Nerven, denn es wird zur Bildung von Nukleinsäuren und Neurotransmittern benötigt. Alkoholabhängige Menschen sind oft mangelernährt und nehmen per se zu wenig Thiamin auf. Alkohol unterbindet die Thiaminaufnahme und -verwertung im Körper.
Bildung von Acetaldehyd
Alkohol wird im Körper zu Acetaldehyd verstoffwechselt. Dieses Abbauprodukt von Ethanol führt dosisabhängig zum Absterben von Nervenzellen (neuronaler Zelltod). Chronischer Alkoholkonsum führt daher zu neuronaler Degeneration.
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Neuroinflammation
Alkohol führt zur Entzündung von Nervengewebe. Er erhöht die Zahl entzündungsfördernder Zytokine, die die Blut-Hirn-Schranke (BHS) überwinden und Entzündungen im Gehirn verursachen können. Alkohol kann auch über die Aktivierung von Neuroimmunzellen (Mikroglia und Astrozyten) direkt eine neuronale Entzündung auslösen, die einen weiteren neurotoxischen Faktor darstellt.
Lebervermittelte Schädigung
Wenn es durch Alkoholmissbrauch zu einer Leberschädigung kommt, führen die dann anfallenden neurotoxischen Substanzen wiederum zu einer Gehirnschädigung („hepatische Enzephalopathie“).
Alkoholassoziierte Erkrankungen von Gehirn und Nerven
Polyneuropathie
Häufig unterschätzt ist die Polyneuropathie, die durch Schädigung der peripheren Nerven durch den Alkohol entsteht. Sie äußert sich anfänglich durch ein unangenehmes Kribbeln in den Beinen, im Vollbild bringt sie Dauerschmerzen mit sich und beeinträchtigt die Lebensqualität enorm.
Korsakow-Syndrom und Marchiafava-Bignami-Syndrom
Beim Korsakow-Syndrom oder dem extrem seltenen Marchiafava-Bignami-Syndrom nehmen die kognitiven Fähigkeiten ab, es kommt zu Sprachstörungen, unkontrollierten Bewegungen - und im Endstadium zu einer Demenz.
Gesellschaftliche Akzeptanz und Risiken
Hoher Alkoholkonsum in Deutschland
Laut Angaben des Bundesministeriums für Gesundheit konsumieren 7,9 Millionen Menschen der 18- bis 64-jährigen Bevölkerung in Deutschland Alkohol sogar in gesundheitlich riskanter Menge. Auch wenn der Trend offensichtlich zu weniger hochprozentigen alkoholischen Getränken geht, ist der Konsum zu hoch, regelmäßig und offensichtlich unbedacht.
Mythos vom gesunden Gläschen Wein
Der Mythos vom „gesunden Gläschen Wein“ ist nicht mehr länger zu halten. Eliminierte man den Fehler, stieg die Risikokurve auch bei kleinen Alkoholmengen schon an. Damit ist der Mythos, ein „bisschen“ Alkohol sei besser als Abstinenz, definitiv vom Tisch.
Alkohol und die Psyche
Psychische Auswirkungen
Alkohol kann die psychische Gesundheit schädigen. Er erhöht das Risiko, an Depressionen oder Angststörungen zu erkranken - und wenn solche Probleme bereits bestehen, können sie durch Alkohol noch schlimmer werden. Menschen, die regelmäßig trinken, leiden häufiger unter Stimmungsschwankungen, handeln unüberlegt und haben ein höheres Risiko, sich selbst zu verletzen oder suizidale Gedanken zu entwickeln.
Beeinträchtigung der Selbstkontrolle
Erhöhter Alkoholkonsum beeinträchtigt die Selbstkontrolle und Kritikfähigkeit. Alkohol wirkt enthemmend und erhöht zudem die Bereitschaft zu aggressivem Verhalten.
Alkohol in der Schwangerschaft
Schädliche Auswirkungen auf das Ungeborene
Besonders in der Schwangerschaft ist Alkohol sehr schädlich. Zum Schutz des ungeborenen Kindes sollte deshalb gänzlich auf Alkohol verzichtet werden. Andernfalls sind Entwicklungsschäden möglich: Das fetale Alkoholsyndrom ist die häufigste bekannte Ursache für geistige Behinderung bei Kindern.
Was bringt Alkoholverzicht?
Regeneration des Körpers
Alkoholfasten ist immer sinnvoll. Schon nach wenigen Tagen beginnt der Körper sich zu regenerieren. Außerdem hilft es, das eigene Trinkverhalten zu überdenken. Die ersten positiven Veränderungen sind bereits nach einer Woche sichtbar: Der Schlaf ist besser, man hat mehr Energie, ist konzentrierter und das Hautbild verbessert sich.
Positive Auswirkungen auf die Leber
Ein längerer Verzicht kommt vor allem der Leber zugute. Sie regeneriert sich und Fetteinlagerungen bilden sich zurück, wodurch sich die Leberwerte verbessern. Eine bereits bestehende Leberzirrhose lässt sich dadurch allerdings nicht heilen, aber der Prozess kann durch den Alkoholverzicht gestoppt werden.
Verbesserung des Herz-Kreislauf-Systems
Auch das Herz-Kreislauf-System wird gesünder, denn der Blutdruck sinkt und die Herzfrequenz normalisiert sich. Die Immunabwehr wird gestärkt und durch die fehlenden Kalorien bemerken viele auch einen Gewichtsverlust.
Mythen vs. Fakten
Die Menge macht's
Egal welche Art von Alkohol man trinkt, die Menge ist entscheidend. Wein und Bier sind nicht weniger schädlich als „harter“ Alkohol. Auch die Aussage, dass „durcheinandertrinken“ schneller betrunken macht, ist nicht richtig. Hier zählt auch die Menge.
Das gesunde Glas Rotwein ist ein Mythos
Immer mal wieder hört man, ein Glas Rotwein am Abend sei gesund. Dieser bekannte Glaube ist nicht bewiesen. Kein Alkohol ist immer das Beste für die Gesundheit.
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