Laut Angaben des Bundesministeriums für Gesundheit konsumieren 7,9 Millionen Menschen der 18- bis 64-jährigen Bevölkerung in Deutschland Alkohol in gesundheitlich riskanter Menge. Bekannt ist, dass Alkohol süchtig machen kann, die Leber schädigt und auch das Krebsrisiko erhöht. Aber kaum jemand spricht von den Folgen von Alkohol auf die Nerven und das Gehirn. Dieser Artikel beleuchtet die vielfältigen Auswirkungen von Alkohol auf das Nervensystem, von akuten Effekten bis hin zu langfristigen Schäden, und bietet einen umfassenden Überblick über dieses wichtige Gesundheitsthema.
Alkohol: Ein gesellschaftlich akzeptiertes Nervengift
Alkohol, insbesondere Ethanol, ist in unserer Gesellschaft weit verbreitet und wird oft aus Genuss, zur Entspannung oder in sozialen Kontexten konsumiert. Viele Menschen trinken Alkohol z. B. aus Genuss, aus Streben nach Vergnügen oder aufregenden Erlebnissen, aber auch als Bewältigungsstrategie, um mit Ängsten, schlechten Gefühlen und Stress umzugehen. In geringen Mengen wirkt Alkohol entspannend, angstlösend und stimulierend. Außerdem kann er kurzfristig die Stimmungslage verbessern, hilft bei der Überwindung von Unsicherheit sowie Angst und distanziert von negativen Gefühlen. Ein weiterer Beweggrund, Alkohol zu trinken, sind soziale Einflüsse. So ist in Deutschland Alkoholkonsum akzeptiert und sogar wie ein Ritual in zahlreiche Traditionen eingebunden. Am Geburtstag wird zum Beispiel häufig mit Sekt angestoßen. Ebenfalls haben die Familie wie auch der Freundeskreis, die Schule und das Arbeitsumfeld einen Einfluss auf das Trinkverhalten.
Alkohol gelangt vorwiegend über die Schleimhaut des Dünndarms ins Blut. So verteilt sich der Alkohol innerhalb weniger Minuten im Blutkreislauf und schließlich im gesamten Körperwasser. Da der menschliche Körper größtenteils aus Wasser besteht, sind die meisten Gewebe im Körper und damit Organe wie das Herz, Gehirn und Muskeln dem Alkohol ausgesetzt. In stark durchblutete Organe wie die Leber und das Gehirn gelangt der Alkohol schneller als in weniger stark durchblutete Organe. Alkohol aus einem leeren Magen gelangt schneller in den Blutkreislauf als aus einem vollen Magen. Alles, was die Durchblutung steigert, beschleunigt die Aufnahme von Alkohol. Dazu gehören warme Getränke (z.B. Punsch oder Glühwein), Zucker (z.B. bei Likören) oder Kohlensäure. Auch Medikamente beeinflussen die Aufnahme von Alkohol. Frauen nehmen im Vergleich zu Männern bei gleichen Trinkmengen mehr Alkohol auf. Grund dafür ist, dass sie einen geringeren Wasseranteil im Körper aufweisen (Frauen 51 Prozent, Männer 65 Prozent). Wenn sich Alkohol in weniger Wasser verteilt, bedeutet das, dass die Alkoholkonzentration höher liegt. Übergewichtige und ältere Personen haben auch einen geringeren Wasseranteil im Körper als normalgewichtige und jüngere Personen.
Alkohol ist ein Zellgift. Nimmt man ihn auf, verteilt er sich im ganzen Körper. Manche Organe sind empfindlicher für die Wirkung von Alkohol als andere, beispielsweise das Gehirn. Dort beeinflusst Alkohol verschiedene Botenstoffe, die dafür zuständig sind, Informationen zwischen Nervenzellen zu übermitteln. Alkohol wirkt sich hemmend oder dämpfend auf die Informationsübertragung aus. Die Wahrnehmung und das Reaktionsvermögen sind verlangsamt, wenn man Alkohol getrunken hat. Durch die Aufnahme von Alkohol wird über einen Einfluss auf Botenstoffe auch das Belohnungssystem im Gehirn aktiviert. In geringen Mengen wirkt Alkohol dadurch stimmungshebend, entspannend und angstlösend. Ein Wohlgefühl entsteht. In großen Mengen wirkt Alkohol betäubend. Die hemmende Wirkung lässt in der Regel wieder nach, wenn der Alkohol im Körper abgebaut ist. Alkohol hat aber nicht nur Einfluss auf physiologische Prozesse im Gehirn. Das Gehirn „merkt“ sich, wie Alkoholkonsum in einer bestimmten Situation z. B. entspannend gewirkt hat. Dann kann schon ein Geruch oder eine bestimmte Person, die an eine solche Situation erinnert, das Verlangen nach Alkohol auslösen.
Ein geringer Teil des Alkohols wird ausgeatmet sowie über die Haut und die Nieren ausgeschieden. Den Großteil jedoch baut die Leber ab. Sie wandelt Alkohol durch Enzyme in Acetaldehyd und dann weiter in Essigsäure um, die der Körper ausscheiden kann. Der Abbau beginnt bereits in der Schleimhaut des Magens, bevor der Alkohol ins Blut gelangt.Während dieses Vorgangs sinkt der Alkoholgehalt im Blut: bei Frauen durchschnittlich um 0,13 Promille, bei Männern um 0,15 Promille pro Stunde. D. Die Leber übernimmt viele wichtige Funktionen innerhalb unseres Stoffwechsels.
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Nach einer Befragung zum Alkoholkonsum der Bevölkerung in Deutschland im Jahr 2021 haben etwa 71 Prozent der Erwachsenen zwischen 18 und 64 Jahren innerhalb der vorangegangenen 30 Tage Alkohol konsumiert. Der Anteil der Männer lag bei rund 75, der der Frauen bei 66 Prozent. Einen vollständig risikofreien Alkoholkonsum gibt es nicht. Auch geringe Trinkmengen können zu gesundheitlichen Problemen beitragen. Daher empfehlen sowohl die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) als auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE), am besten gar keinen Alkohol zu konsumieren. Als risikoarm wird eine Trinkmenge bezeichnet, bei der das Risiko von schädlichen Folgen für die körperliche und psychische Gesundheit relativ gering ist. Die DGE legte 2024 den aktuellen Schwellenwert für einen risikoarmen Alkoholkonsum mit weniger als 27 Gramm reinen Alkohol pro Woche fest. Das entspricht etwas mehr als einem Liter Bier oder 0,3 Liter Wein. Dieser Wert kann aber nur zur groben Orientierung dienen. Die alkoholbezogenen Schwellenwerte gelten nur für gesunde Erwachsene.
Akute Auswirkungen von Alkohol auf das Nervensystem
Wie sehr Alkohol die Nerven schädigt, wird klar, wenn man betrunken ist: Man reagiert verlangsamt, hat eine gestörte Koordination und später dann Erinnerungslücken. Dies gibt bereits einen Vorgeschmack auf die potenziellen Langzeitschäden von Alkohol für das Nervensystem.
Alkohol wirkt im Nervensystem vor allem auf die Außenhaut der einzelnen Nervenzellen ein. Diese Membranen erfüllen normalerweise zahlreiche wichtige Aufgaben, werden durch den Alkohol allerdings blockiert. Dadurch verändert sich die Reiz- und Signalübertragung. Genauer gesagt werden verschiedene Rezeptoren (GABA und NMDA) stimuliert bzw. blockiert, wodurch die Informationsweiterleitung zwischen den Zellen heruntergefahren wird. Während auf der einen Seite die Informations- und Reizweiterleitung durch die Alkoholwirkung gehemmt wird, kommen aktivierende Hormone auf Touren. So werden Endorphine und andere Botenstoffe wie Dopamin und Serotonin ausgeschüttet, die dem Betroffenen ein euphorisches Hochgefühl verleihen. Auf diese Weise geraten das Nervensystem und der Neurotransmitter-Haushalt völlig durcheinander. Je häufiger dies passiert, desto größer wird das Risiko, ein Suchtgedächtnis, und damit verbunden eine Alkoholkrankheit, zu entwickeln. Dabei kommt es zu dauerhaften Umstrukturierungen im Gehirn, die das Verlangen nach dem konsumierten Wirkstoff auch nach einer erfolgreichen Suchttherapie immer wieder aufflackern lassen.
Die akuten Auswirkungen von Alkohol auf das Nervensystem sind vielfältig und umfassen:
- Beeinträchtigung der kognitiven Funktionen: Alkohol beeinträchtigt das Bewusstsein, das Gedächtnis und das Denkvermögen.
- Verlangsamte Reaktionszeit: Die Wahrnehmung und das Reaktionsvermögen sind verlangsamt, wenn man Alkohol getrunken hat. Auch schwere Verkehrsunfälle sind unter Einfluss von Alkohol häufiger, denn er beeinträchtigt auch die Bewegungsfähigkeit (Motorik) und das Reaktionsvermögen.
- Koordinationsstörungen: Alkohol beeinträchtigt die Koordination und das Gleichgewicht.
- Enthemmung: Erhöhter Alkoholkonsum beeinträchtigt die Selbstkontrolle und Kritikfähigkeit. Alkohol wirkt enthemmend und erhöht zudem die Bereitschaft zu aggressivem Verhalten. Dies kann unter Umständen dazu führen, dass Betroffene gewalttätig werden oder andere Straftaten begehen. Beispiele dafür sind Sachbeschädigung, Raub, sexuelle Gewalt, Körperverletzung, verbale Gewalt und Mobbing. Ein übermäßiger Alkoholkonsum erhöht nicht nur die Gewaltbereitschaft gegenüber anderen, sondern auch das Risiko, selbst Opfer von Gewalt zu werden.
- Stimmungsänderungen: In geringen Mengen wirkt Alkohol dadurch stimmungshebend, entspannend und angstlösend. Ein Wohlgefühl entsteht. In großen Mengen wirkt Alkohol betäubend. Auch kann Alkohol nicht nur psychische Erkrankungen auslösen. Auch umgekehrt können bestehende seelische Erkrankungen den Konsum von Alkohol begünstigen. Zu den Erkrankungen, die häufig zusammen mit übermäßigem Alkoholkonsum auftreten, zählen: Depressionen, Angststörungen, Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung (ADHS) und Persönlichkeitsstörungen.
Diese Effekte sind dosisabhängig, was bedeutet, dass sie mit zunehmendem Alkoholkonsum stärker werden.
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Langzeitfolgen von Alkoholkonsum für das Nervensystem
Regelmäßiger und übermäßiger Alkoholkonsum kann zu einer Vielzahl von langfristigen Schäden am Nervensystem führen. Diese Schäden können sowohl das zentrale Nervensystem (Gehirn und Rückenmark) als auch das periphere Nervensystem (Nerven außerhalb des Gehirns und Rückenmarks) betreffen.
Schädigung des Gehirns
Schon eine Flasche Bier am Tag lässt die graue sowie die weiße Substanz im Gehirn schrumpfen, wenn Sie über einen langen Zeitraum regelmäßig konsumieren. Bei der grauen Substanz handelt es sich um die Großhirnrinde (oder Cortex), die rund 20 Milliarden Nervenzellkörper beherbergt. Im Inneren des Großhirns befinden sich ihre Zellfortsätze (Axone), die aufgrund ihrer helleren Farbe weiße Substanz genannt werden. Beide Substanzen sind wesentliche Bestandteile des zentralen Nervensystems und steuern nahezu alle Hirnfunktionen. Ohne sie kann das Gehirn nicht normal arbeiten. Die Veränderungen, die Alkohol in den Gehirnsubstanzen verursacht, sind jedoch nicht linear: Je mehr man trinkt, desto schneller schrumpft das Gehirn. Ein Beispiel: Erhöht eine 50-jährige Person ihren täglichen Alkoholkonsum von einem 0,25l Glas Bier auf eine 0,5l Flasche Bier, entsprechen die Veränderungen im Gehirn einer Alterung von zwei Jahren. Es ist normal, dass die Zellstrukturen sich etwa im Alter von 50 Jahren langsam abbauen. Die Blütezeit des Gehirns ist dann in der Regel schon vorbei. Doch, je mehr Alkohol Sie konsumieren, desto schneller bauen sich die Zellstrukturen ab.
Im Gehirn verursacht ein regelmäßiger Konsum hoher Alkoholmengen außerdem Veränderungen, die das Risiko einer Demenzerkrankung stark erhöhen. Dabei handelt es sich um eine Krankheit, die eine fortschreitende Abnahme der geistigen Leistungsfähigkeit hervorruft. Betroffene Menschen können dadurch häufig kein selbstbestimmtes Leben mehr führen und sind auf Hilfe im Alltag angewiesen. Studien zeigen, dass sich das Demenzrisiko deutlich erhöht, wenn man regelmäßig viel Alkohol trinkt. Personen ab 45 Jahren, die mehr als 24 Gramm reinen Alkohol (ca. 250 ml Wein) am Tag trinken, sind besonders gefährdet.
Zu den neurologischen Folgekrankheiten und Syndrome eines erhöhten Alkoholkonsums, die durch Schädigungen der Nervenzellen des zentralen Nervensystems entstehen, ähneln den typischen Symptomen der Betrunkenheit, sind allerdings dann chronisch. „Alles in allem kann man sagen, dass die neurologischen Langzeitfolgen des Alkoholkonsums enorm sind. Sie treten oft nicht in Erscheinung, weil sie natürlich zusammen mit anderen alkoholinduzierten Krankheiten auftreten, die meistens als Todesursache im Vordergrund stehen. Verstirbt ein Alkoholiker an einer Leberzirrhose, bleibt in den Köpfen hängen, dass Alkohol die Leber schädigt, selbst wenn der Betroffene über viele Jahre zuvor an einer Alkoholdemenz litt“, erklärt Prof. Frank Erbguth et al.; Alkoholenzephalopathie.
Ein hoher Alkoholkonsum kann das Nervensystem direkt oder indirekt negativ beeinflussen. So ist unter anderem davon auszugehen, dass Ethanol einzelne Bestandteile der peripheren Nerven direkt schädigt. Das betrifft beispielsweise die Schutzschicht der Zellen (Myelinscheiden) sowie die Nervenzellfortsätze (Axone). Diese Form der Schädigung kommt bei einer Polyneuropathie vor, kann aber auch direkt im Gehirn auftreten. Daneben gibt es einige indirekte Möglichkeiten, wie Alkohol einen negativen Einfluss auf das Nervensystem ausübt. So leiden viele Alkoholsüchtige unter einer Mangelversorgung mit Thiamin sowie anderen wichtigen B-Vitaminen (vor allem B1 und B12), die für die Bildung der Schutzschicht von Nervenzellen essenziell sind. Eine Unterversorgung führt demnach dazu, dass die empfindlichen Nervenzellen praktisch schutzlos sind und folglich noch stärker auf den schädlichen Einfluss der toxischen Substanz reagieren. Die für Nerven und Zellen schädliche Alkoholwirkung kann bei Betroffenen viele Symptome und Erkrankungen hervorrufen. Besonders ungünstig ist dabei, dass viele typische Symptome aufgrund von Nervenschäden von den Betroffenen häufig zunächst ignoriert oder infolge des Alkoholrausches gar nicht wahrgenommen werden.
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Zu den häufigsten neurologischen Erkrankungen, die durch chronischen Alkoholkonsum verursacht werden, gehören:
- Alkoholische Demenz: Diese Form der Demenz ist durch einen fortschreitenden Verlust der kognitiven Funktionen gekennzeichnet, einschließlich Gedächtnis, Sprache und Urteilsvermögen.
- Wernicke-Enzephalopathie: Diese akute neurologische Störung wird durch einen Mangel an Thiamin (Vitamin B1) verursacht und äußert sich durch Verwirrung, Koordinationsstörungen und Augenbewegungsstörungen.
- Korsakow-Syndrom: Dieses chronische neurologische Syndrom tritt häufig als Folge der Wernicke-Enzephalopathie auf und ist durch Gedächtnisverlust, Konfabulation (Erfinden von Geschichten) und Persönlichkeitsveränderungen gekennzeichnet.
- Zerebelläre Degeneration: Diese Erkrankung führt zu Koordinationsstörungen, Gangunsicherheit und Zittern.
Schädigung des peripheren Nervensystems (Polyneuropathie)
Häufig unterschätzt, weil im Krankheitsbild zunächst wenig „imposant“, ist die Polyneuropathie. Sie entsteht durch Schädigung der peripheren Nerven durch den Alkohol. Sie kann auch andere Gründe haben (z. B. Diabetes), bei etwa jedem fünften Betroffenen ist sie allerdings alkoholbedingt. Anfänglich äußert sie sich durch ein unangenehmes Kribbeln in den Beinen, im Vollbild bringt sie Dauerschmerzen mit sich und beeinträchtigt die Lebensqualität enorm.
Die Polyneuropathie bzw. alkoholische Polyneuropathie wird entweder direkt durch einen erhöhten und chronischen Alkoholkonsum oder indirekt durch einen Vitamin B1- oder einen Vitamin B12-Mangel ausgelöst und umfasst Nervenschädigungen des peripheren Nervensystems. Betroffen sein können die motorischen Nerven (Zuckungen & Krämpfe der Muskeln, Muskelschwäche), das vegetative Nervensystem (Herzrasen, Ödeme, Magen-Darm-Beschwerden) oder die sensiblen Nerven (Kribbeln / Schmerzen in den Beinen, Taubheitsgefühle, Störungen der Druck- und Temperaturwahrnehmung, Gangunsicherheit).
Weitere indirekte Schädigungen des Nervensystems
Alkohol führt zur Entzündung von Nervengewebe. Er erhöht die Zahl entzündungsfördernder Zytokine, die die Blut-Hirn-Schranke (BHS) überwinden und Entzündungen im Gehirn verursachen können. Auch begünstigt er die Inflammation durch Verschiebung der Neurotransmitterspiegel. So ist beispielsweise bekannt, dass Alkohol den Glutamatspiegel über die Hemmung des N-Methyl-D-Aspartat (NMDA)-Rezeptors erhöht. Hohe Konzentrationen von Glutamat im Gehirn können neurotoxisch wirken und neuronale Schäden verursachen. Wenn es durch Alkoholmissbrauch zu einer Leberschädigung kommt, führen die dann anfallenden neurotoxischen Substanzen wiederum zu einer Gehirnschädigung („hepatische Enzephalopathie“).
Thiamin, auch bekannt als Vitamin B1, ist entscheidend für gesunde Nerven, denn es wird zur Bildung von Nukleinsäuren und Neurotransmittern benötigt. Der Körper ist nicht in der Lage, Thiamin selbst zu produzieren, es muss mit der Nahrung aufgenommen werden. Alkoholabhängige Menschen sind oft mangelernährt und nehmen per se zu wenig Thiamin auf. Es gab sogar schon Versuche, Thiamin dem Bier beizusetzen. Doch der Effekt ist gering, denn Alkohol unterbindet die Thiaminaufnahme und -verwertung im Körper. So gelingt die Aufnahme dieses B-Vitamins aus dem Darm nicht mehr, weil dafür sowohl Energie als auch ein normaler pH-Wert benötigt wird, Letzterer ist bei Alkoholismus reduziert. Darüber hinaus behindert Alkohol die Fähigkeit der Zellen, Thiamin zu verwerten. Alkohol wird im Körper zu Acetaldehyd verstoffwechselt. Dieses Abbauprodukt von Ethanol führt dosisabhängig zum Absterben von Nervenzellen (neuronaler Zelltod).
Alkoholprobleme erkennen und behandeln
Alkoholprobleme können sich unterschiedlich äußern und unterschiedlich schwer sein. Vielleicht hat das Trinken schon Folgen nach sich gezogen. Wann spricht man von problematischem Konsum? Eine direkte Folge von zu viel Alkoholkonsum kennen viele: den Kater am nächsten Morgen.
Wer Alkohol konsumiert, macht sich nicht immer bewusst, wie häufig und wie viel er trinkt. Unsere Gesundheitsinformationen können eine gesundheitsbezogene Entscheidung unterstützen.
Hinweise auf einen problematischen Alkoholkonsum können sein:
- Kontrollverlust: Schwierigkeiten, den Alkoholkonsum zu kontrollieren oder zu reduzieren.
- Entzugserscheinungen: Auftreten von Entzugserscheinungen wie Zittern, Schwitzen, Angstzuständen oder Schlafstörungen beim Versuch, den Alkoholkonsum zu reduzieren oder zu beenden.
- Toleranzentwicklung: Notwendigkeit, größere Mengen Alkohol zu konsumieren, um die gleiche Wirkung zu erzielen.
- Vernachlässigung von Verpflichtungen: Vernachlässigung von Arbeit, Schule oder Familie aufgrund des Alkoholkonsums.
- Fortsetzung des Konsums trotz negativer Folgen: Fortsetzung des Alkoholkonsums trotz bekannter gesundheitlicher, sozialer oder beruflicher Probleme.
Ein positiver Aspekt an alkoholbedingten Nervenschädigungen ist die hohe Regenerationsquote der betroffenen Nerven, sobald der Alkoholkonsum eingeschränkt oder sogar völlig eingestellt wird.
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