Jeder dritte Diabetiker ist davon betroffen, dass der chronisch erhöhte Blutzucker seine Nerven angegriffen hat. Die diabetische Polyneuropathie ist eine der wichtigsten Folgeerkrankungen des Diabetes. Mindestens jeder vierte Diabetiker ist von einer klinisch relevanten distalen symmetrischen Polyneuropathie (DSP) betroffen. Die Häufigkeit der DSP bei Personen mit pathologischer Glucosetoleranz (IGT) ist mit 13,0 % geringfügig höher als bei normaler Glucosetoleranz mit 8,9 %. Die Häufigkeit der schmerzhaften Neuropathie bei Diabetikern beträgt auf Bevölkerungsebene rund 16 %.
Einführung
Die Polyneuropathie ist eine Erkrankung des peripheren Nervensystems, bei der mehrere Nerven geschädigt sind. Dies führt zu einer Störung der Nervenfunktion. Die Prävalenz der Polyneuropathie beläuft sich in Deutschland auf 2-3 % in der Allgemeinbevölkerung. In der Gruppe der über 55-Jährigen beträgt sie sogar 8 %. Eine häufige Ursache ist Diabetes mellitus, bei dem ein chronisch erhöhter Blutzucker die Nerven schädigen kann. Die diabetische Polyneuropathie (PNP) ist eine der wichtigsten Folgeerkrankungen des Diabetes.
Die distale, symmetrische sensible oder sensomotorische Polyneuropathie (DSPN) ist die häufigste Ausprägung der diabetischen Neuropathie. Mehr als 30 % aller Diabetikerinnen und Diabetiker leiden an einer DSPN, die in der Regel schleichend beginnt, chronisch fortschreitet und insbesondere an den distalen Abschnitten der unteren Extremitäten, seltener auch an den oberen, auftritt.
Alpha-Liponsäure ist eine Substanz, die im Körper natürlich vorkommt und eine wichtige Rolle im Energiestoffwechsel spielt. Sie wirkt als Antioxidans und kann Nervenzellen vor Schäden schützen. Studien haben gezeigt, dass Alpha-Liponsäure bei der Behandlung der diabetischen Polyneuropathie wirksam sein kann.
Ursachen und Symptome der Polyneuropathie
Als Polyneuropathie wird das Vorhandensein einer systemischen Erkrankung bezeichnet, bei der es zu Schädigungen des peripheren Nervensystems kommt. Als Folge ist die Funktion der betroffenen Nerven gestört. Da mehrere Nerven bzw. Nervenstrukturen beeinflusst sind, spricht man von Polyneuropathie (griechisch poly = mehrere).
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Epidemiologische Studien zeigen, dass die Häufigkeit der peripheren Neuropathie vor allem mit höherem Alter, zunehmender Diabetesdauer und unzureichender Diabeteseinstellung steigt.
Am häufigsten treten Beschwerden symmetrisch, im Bereich von Unterschenkel/Fuß bzw. Unterarm/Hand auf. Deshalb spricht man von einer strumpf- bzw. handschuhartigen Verteilung, wobei in der Regel Beine stärker betroffen sind als Arme.
Weitere mögliche Ursachen sind:
- Nierenschwäche
- Lebererkrankung
- Schilddrüsenunterfunktion
- Medikamente (z. B. Z. n. Chemotherapie)
- Mangelernährung
- Erregertoxikosen, z. B. Long- bzw. Post-COVID
Trotz umfassender Diagnostik bleibt nicht selten die Ursache unklar. In dem Fall spricht man von einer idiopathischen Polyneuropathie.
Typische neuropathische Symptome finden sich bei ca. 20 % der Diabetiker und umfassen stechende oder bohrende Schmerzen, Kribbeln in den Beinen, Missempfindungen und Taubheitsgefühl bevorzugt an Füßen und Unterschenkeln. Häufig werden die Schmerzen als brennend (burning feet= brennende Füße), bohrend, einschießend, krampfartig oder stechend (lanzinierend) typisiert. Charakteristisch ist, dass die Schmerzen des Nachts stärker werden sowie sich beim Gehen bessern. Schmerzen können auch durch Berührung ausgelöst (Allodynie) oder verstärkt (Hyperalgesie) werden.
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Die häufigste Form ist die vorwiegend distale sensible symmetrische Neuropathie (DSP). Sie beginnt schleichend und verläuft ohne Behandlung chronisch fortschreitend. Sie tritt bevorzugt am Fuß und Unterschenkel auf, offensichtlich weil längere Nervenfasern verletzlicher sind (längenbezogene Verteilung), seltener auch der oberen Extremitäten (strumpf- bzw. handschuhförmige Verteilung) mit typischen Symptomen wie Schmerzen, Kribbeln, Überempfindlichkeit und Taubheitsgefühl, die sich in der Regel von unten (Zehen, Füße, Unterschenkel) nach oben ausbreiten. Fachsprachlich nennt man dies dying-back-neuropathy, welches bedeutet, dass die Nervenfasern von dem körperfernen Ende aus rückwärts in ihren Leistungen nachlassen. Häufig sind sowohl die langsam leitenden, kleinkalibrigen markarmen oder marklosen Nervenfasern beteiligt als auch die schnell leitenden großkalibrigen Nervenfasern.
Neuropathische Schmerzen beeinträchtigen nachhaltig die Lebensqualität, insbesondere weil sie Schlafstörungen verursachen und die Leistungsfähigkeit herabsetzen. Objektive Marker der diabetischen Polyneuropathie wie herabgesetzte Nervenleitgeschwindigkeit (NLG) und Vibrationswahrnehmung wurden kürzlich als unabhängige Vorhersagefaktoren für eine erhöhte Sterblichkeit bei Typ 1 und Typ 2 Diabetikern erkannt.
Neuropathische Defizite wie Sensibilitätsstörungen (Reduktion bzw. Verlust der Schmerz-, Temperatur-, Berührungs-, Druck- oder Vibrationsempfindung) und fehlende Muskeleigenreflexe sind eindeutige Vorhersagefaktoren für die Entstehung von neuropathisch bedingte Fußgeschwüren (Fußulcera). Diese ihrerseits sind einer der wichtigsten Gründe, dass Diabetiker massiv häufiger in ein Krankenhaus müssen, arbeitsunfähig oder pflegebedürftig werden, an den unteren Extremitäten amputiert werden müssen und dass die Krankheitskosten so hoch sind.
Diagnose der Polyneuropathie
Die Diagnose der Polyneuropathie umfasst in der Regel folgende Schritte:
- Anamnese
- körperliche Untersuchung (inklusive Reflexe, Vibrationsempfindung)
- Laboranalysen (Blutzucker, Leberwerte, Nierenfunktion usw.)
- diverse Zusatzuntersuchungen - je nach verdächtigem Auslöser (z. B.
Behandlung der Polyneuropathie
Die Behandlung der Polyneuropathie zielt darauf ab, die Ursache zu behandeln, die Symptome zu lindern und Komplikationen zu vermeiden.
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Der primäre Ansatz zu einer kausalen Therapie basiert auf der Ausschaltung des krankheitsauslösenden Faktors Hyperglykämie durch möglichst normnahe Stoffwechseleinstellung. Mehrere randomisierte Studien (Oslo-Studie, Stockholm-Studie, DCCT) haben gezeigt, dass eine langfristige Nahe-Normoglykämie bei Typ 1 Diabetikern zu einer Reduktion des Risikos der Ausbildung der peripheren Neuropathie bzw. kardialen autonomen Neuropathie (Schädigung der Nerven am Herz-Kreislaufsystem) führt. Allerdings kommt es unter intensivierter Insulintherapie nicht zu einer gänzlichen Prävention der DSP. Inwieweit eine intensive Diabetestherapie langfristig das Risiko der DSP bei Typ 2 Diabetikern reduziert, lässt sich aufgrund der unterschiedlichen Datenlage (Kumamoto-Studie, UKPDS) derzeit nicht eindeutig beantworten. Dies gilt auch für die multifaktorielle Risikointervention (Steno Typ 2 Studie). Es besteht jedoch ein Konsens, dass bei allen Diabetestypen Risikofaktoren für die DSP (Rauchen, übermäßiger Alkoholkonsum) und assoziierte Begleiterkrankungen (Nephropathie, Retinopathie, pAVK, Hypertonie, Hyperlipidämie) erfasst und ggf. behandelt werden sollten.
Bei neuropathischen Schmerzen stehen vor allem Antidepressiva, Antiepileptika, schwache und als Ultima ratio starke Opioide sowie physikalische Maßnahmen im Vordergrund. Das Therapiearsenal wurde zuletzt durch das Antidepressivum Duloxetin und durch das Antiepileptikum Pregabalin, einen spezifischen Blocker der Kalziumkanäle, bereichert.
Alpha-Liponsäure als Therapieoption
Von den Therapiewegen, die pathogenetisch ansetzen, sprich gezielt einem Entstehungsmechanismus der diabetischen PNP entgegen wirken, kommt evidenzbasiert im klinischen Alltag bislang lediglich die Alpha-Liponsäure in Betracht.
Alpha-Liponsäure (Thioctsäure) ist eine bei höheren Lebewesen physiologisch vorkommende und im mitochondrialen Energiestoffwechsel der Zelle biologisch aktive Substanz, mit Coenzymfunktion. Alpha-Liponsäure wird nicht mehr zu den Vitaminen gezählt, da es keine echten Mangelerscheinungen gibt. Durch die Zufuhr von Alpha-Liponsäure lassen sich Neuropathien günstig beeinflussen. Alpha-Liponsäure ist ein Metallchelator und sollte daher nicht gleichzeitig mit Metallverbindungen (Eisen-, Magnesium- und Calciumprodukten, auch nicht mit Milch) eingenommen werden.
Alpha-Liponsäure ist ein Therapieansatz, der einem Entstehungsmechanismus der diabetischen Neuropathie entgegenwirkt. Eine umfangreiche Metaanalyse zum Nutzen von Alpha-Liponsäure mit Daten von über 1.200 Patienten ergab im Jahr 2004 einen signifikanten Rückgang der neuropathischen Symptome wie Schmerzen, Taubheit und Kribbelgefühle nach dreiwöchiger Infusionsbehandlung mit 600 mg Alpha-Liponsäure täglich. Zu den vier randomisierten placebokontrollierten klinischen Studien, die hierbei ausgewertet wurden, gehörte auch die Studie Symptomatic Diabetic Neuropathy (SYDNEY).
Für die Alpha-Liponsäure wurde eine Meta-Analyse von 4 Studien publiziert, die zeigt, dass die Infusionstherapie über 3 Wochen mit 600 mg/Tag (15 Infusionen) zu einem signifikanten Rückgang der neuropathischen Symptome wie Schmerzen, Parästhesien und Taubheitsgefühl führt. Die Responder-Raten lagen bei 52,7 % für Alpha-Liponsäure und 36,9 % für Placebo. Die SYDNEY 2-Studie zeigt, dass eine orale Therapie mit 600-1800 mg über 6 Wochen ebenfalls effektiv ist (unpublizierte Daten). Alpha-Liponsäure ist jedoch als rezeptfreie Substanz derzeit nicht erstattungsfähig.
Der Einsatz von Alpha-Liponsäure nicht als Infusion verabreicht, sondern als Tabletten war bislang noch nicht hinreichend untersucht. Professor Dan Ziegler vom Deutschen Diabetes-Zentrum und Kollegen untersuchten in einer Multicenter-Studie bei 181 Patienten mit symptomatischer Polyneuropathie die therapeutische Wirksamkeit und Sicherheit der Alpha-Liponsäure als Tabletten, wobei sie drei verschiedene Wirkstoffdosierungen mit Placebo verglichen. Nach einer einwöchigen Placebo-Gabe nahmen die Studienteilnehmer einmal täglich 600 mg, 1.200 mg, 1.600 mg Alpha-Liponsäure oder Placebo ein über 5 Wochen. Gemessen wurden die neuropathischen Beschwerden wie stechende oder brennende Schmerzen, Parästhesien (Kribbeln) oder Taubheitsgefühl mittels des Total Symptom Scores (TSS). Außerdem wurde erfasst, inwieweit sich die individuellen Symptome und der Befund bei der klinisch-neurologischen Untersuchung verändern. Das durchschnittliche Ausmaß aller Beschwerden verbesserte sich nach fünfwöchiger Behandlung signifikant in allen drei Wirkstoffgruppen und auch speziell bei brennenden und stechenden Schmerzen. Die Symptome besserten sich unter der höchsten Dosierung (1.800 mg Alpha-Liponsäure) schon binnen einer Woche, unter den beiden niedrigeren Dosierungen (600 und 1.200 mg) nach zwei Wochen. Die durchschnittliche Symptomabnahme war für alle drei Dosierungen ähnlich. Die Prozentzahl der Patienten mit einer Rückbildung der Symptome um mindestens 50 % nach 5 Wochen betrug unter 600-1800 mg/Tag 50-62 % im Vergleich zu 26 % unter Placebo. Unter Wirkstoffeinnahme kam es verglichen mit Placebo insbesondere unter 1200 und 1800 mg/Tag zu mehr Übelkeit, Erbrechen und Schwindel. Da sich die positiven Auswirkungen in den drei Dosierungen nicht unterscheiden und die niedrigste Dosis mit einmal täglich 600 mg Alpha-Liponsäure oral gut verträglich ist, erscheint diese Dosis in den meisten Fällen ausreichend.
Viele Patienten fragen sich, ob Sie sich mit Alpha-Liponsäure bei Polyneuropathie etwas Linderung verschaffen können. An vielen Stellen wird von großen Erfolgen durch die Alpha-Liponsäure berichtet. Alpha-Liponsäure kann bei Polyneuropathie durch Diabetes helfen. Bei anderen Ursachen der Polyneuropathie ist die Datenlage etwas unklar. Sicher ist, dass Infusionen mit Alpha-Liponsäure bessere Erfolgsaussichten haben als Kapseln. Leider gibt es bisher nur Forschungsergenisse zur kurzzeitigen Anwendung. Denn die Ursache der Polyneuropathie ist natürlich auch für die Behandlung entscheidend.
Die Spezialisten berichteten, dass die intravenöse Gabe von Alpha-Liponsäure bei diabetischer Polyneuropathie die Symptome nach drei Wochen etwas verbesserte. Auf einer Skala von 0 (kein Schmerz) bis 14,6 (dauernder Schmerz, Taubheitsgefühl, Brennen und Missempfindungen) wurde von einer Besserung um 2,8 Punkte berichtet. Wenn die Alpha-Liponsäure als Kapsel geschluckt wurde, statt sie als Infusion zu geben, gibt es laut den Experten ebenfalls eine gewisse Wirkung. Diese ist allerdings viel schwächer. Die Besserung betrug dann lediglich 1,8 Punkte auf der genannten Skala. Allerdings scheint die Kapsel dennoch eine gute Alternative zu sein, da tägliche Infusionen im Alltag recht schwierig zu bekommen sind. Allerdings gibt es lediglich Studienergebnisse dazu, was in kurzen Zeiträumen passiert.
Zur Frage, ob die Alpha-Liponsäure bei Polyneuropathie durch Chemotherapie hilft gibt es bisher nur sehr wenig Forschung. In der Arbeit stellen die Autoren fest, dass es noch zu wenig Forschung gibt um abschließende Aussagen treffen zu können. Man sollte allerdings als Krebspatient auf keinen Fall auf eigene Faust mit Alpha-Liponsäure experimentieren. Natürlich gibt es noch eine Vielzahl weiterer Ursachen für die Polyneuropathie.
Zunächst wirken die Ergebnisse der vorgestellten Studien vielleicht nicht sehr spektakulär. Denn in aller Regel wird die Polyneuropathie langsam immer schlimmer. Da die Alpha-Liponsäure relativ wenige Nebenwirkungen hat und auch nicht sehr teuer ist, ist es also durchaus denkbar, sie in Absprache mit Fachleuten einfach auszuprobieren. Falls Sie keinen Arzt oder Therapeuten finden, der Ihnen eine Infusion gibt, können Sie es durchaus auch mit Kapseln probieren, sofern Sie keine Medikamente nehmen, mit denen die Alpha-Liponsäure wechselwirkt. Wichtig ist, eine ausreichende Menge zu sich zu nehmen. Außerdem müssen Sie geduldig sein, Es ist keine Heilung über nacht zu erwarten. Wenn man zu viel Alpha-Liponsäure zu sich nimmt kommt es häufig zu Schwindel, Übelkeit und Erbrechen. Halten Sie sich deshalb an die angegebenen 600 mg.
Weitere Therapieoptionen
Neben der Alpha-Liponsäure gibt es noch weitere Therapieoptionen, die bei der Behandlung der Polyneuropathie eingesetzt werden können:
- Synthetische Therapieoptionen:
- Pregabalin: Pregabalin ist ein Gamma-Aminobuttersäure-Analogon. Es bindet an eine auxiliäre Untereinheit (Alpha-2-delta-Protein) von spannungsabhängigen Calciumkanälen im ZNS. Durch die Bindung werden die Kanäle geschlossen, damit der Calcium-Influx an den Nervenendigungen reduziert und die Freisetzung exzitatorischer Neurotransmitter wie Glutamat, Noradrenalin und Substanz P vermindert.
- Naturheilkundliche Therapieoptionen:
- Neurotrope Nährstoffe (Benfotiamin): Benfotiamin ist ein Prodrug des Thiamins. Die Substanz selber zeigt keine Vitamin-B1-Wirkung. Das Benfotiamin wird im Organismus schnell reduktiv zu physiologischem Vitamin B1 gespalten. Thiamin gehört zu den wasserlöslichen Vitaminen des B-Komplexes. Thiaminmangel führt im Serum und im Gewebe zu einem Anstieg der Pyruvat-, Ketoglutarat- und Lactatkonzentrationen sowie der Konzentration von Pentosephosphat. Benfotiamin hemmt die Kumulation von Lactat, Pyruvat und Alpha-Ketoglutarat. Mangelerscheinungen zeigen sich schnell in Glucose-abhängigen Organen, insbesondere im zentralen und peripheren Nervensystem. Das Vollbild des Thiaminmangels zeigt sich als Schädigungen der peripheren Nerven mit Hyperästhesien, Anästhesien, Abschwächung des Muskeltonus und mögliche Lähmung der Extremitäten.
- Neurotrope Nährstoffe (Uridinmonophosphat): Das Uridinmonophosphat (UMP) fördert die Proteinbiosynthese und trägt damit zu einer ausreichenden Enzymausstattung geschädigter Neuronen bei. Außerdem begünstigt es den schnellen Wiederaufbau wichtiger Membranbestandteile. Exogen zugeführtes Uridinmonophosphat wird im Magen-Darm-Trakt in Uridin umgewandelt, das darauf resorbiert wird. Aus dem Blutkreislauf gelangt das Uridin in die Nervenzellen und wird wieder in UMP oder auch in andere physiologisch aktive Uridin- und Cytidinphosphate umgewandelt.
- Neurotrope Nährstoffe (Calcium-EAP): Calcium-EAP ist das Calciumsalz der Substanz Ethyl-Amino-Phosphat (EAP), auch besser bekannt als Colamin-Phosphat oder „Membranschutzfaktor“.
- B-Vitamine:
- Vitamin B12: Um die Verbindung von Cobalamin und den Faser-Muskel-Schmerzen herzustellen, ist vorerst eine Betrachtung der Wirkung des B-Vitamins auf das Nervensystem notwendig. Dieses B-Vitamin ist unter anderem an der Bildung der Myelinschicht beteiligt. Die Myelinschicht ist eine Schutzhülle, die die Nervenzellen umgibt. Fehlt dieses Vitamin, kann diese Schutzschicht nicht mehr gebildet werden. Deshalb sind die Nerven reizenden Einflüssen schutzlos ausgesetzt und können geschädigt werden.
- Folsäure: Über den Homocysteinmetabolismus ist Folsäure sehr eng mit dem B12-Stoffwechsel verbunden. In einer japanischen Studie an 343 Patienten mit verschiedenen neurologischen Erkrankungen, hauptsächlich axonalen Neuropathien, zeigten 19,5 % niedrige Folsäurespiegel im Serum. Eine Folsäure-Therapie führte bei den betroffenen Patienten zu einer Besserung der neurologischen Symptome. Bei Patienten mit alkoholtoxischer Polyneuropathie wurde in 50 % der Fälle ein funktioneller Folsäuremangel nachgewiesen. Verschiedene Medikamente, z. B. Methotrexat und Antiepileptika, können über einen Folsäuremangel eine Polyneuropathie auslösen.
- Biochemie: Die Nr. 5 Kalium phosphoricum D6 und Nr. 7 Magnesium phosphoricum D6 sowie die Nr. Die Kombination aus Nr. 3 in der D12, Nr. 7 in der D6 und Nr.
- Des Weiteren:
- physikalische Therapien
- Physiotherapie
- Entgiftungs- und Ausleitungstherapien
- Säure-Basen-Haushalt inkl. Ernährung
In der Naturheilkunde existieren gute und vor allem nebenwirkungsarme bzw. -freie Therapiemöglichkeiten, um eine Polyneuropathie erfolgreich ganzheitlich zu behandeln. Dazu gehören insbesondere die Zufuhr von Alpha-Liponsäure, neurotrope Nährstoffe, B-Vitamine und Folsäure.
Medikamentöse Therapie
Zur symptomatischen medikamentösen Therapie der schmerzhaften diabetischen Neuropathie werden Duloxetin, Amitriptylin, Pregabalin bzw. Gabapentin, Opioide sowie Capsaicin eingesetzt. Die DDG Praxisempfehlungen propagieren einen Therapiealgorithmus auf Basis von Mono- und Kombinationstherapien. Das A und O ist Dr. Bönhof zufolge ein strategisches Vorgehen mit Nutzung sinnvoller Wirkstoffkombinationen und Dosiseskalationen.
Capsaicinpflaster
Eine Therapiestrategie, die inzwischen auch in deutschen Leitlinien Erstlinientherapie ist, stellen hoch dosierte Capsaicinpflaster dar, die alle zwei bis drei Monate für ca. 30 Minuten auf die am stärksten schmerzenden Hautareale appliziert werden, so der Forscher. Capsaicin bindet an die Schmerzrezeptoren in der Haut und führt zu einer chemischen Ablation der Nervenenden.
Tiefe (Hochfrequenz-)Rückenmarkstimulation
Deutlich höhere Ansprechraten (rund 90 %), bietet die tiefe (Hochfrequenz-)Rückenmarkstimulation, die bei Therapieresistenz erwogen werden kann. „Von so einer Responder-Rate können wir bei der medikamentösen Therapie nur träumen.“ Möglicherweise wirke sich die Neuromodulation auch positiv auf die Nervenfunktion aus.
Studienlage zur Alpha-Liponsäure
Jahre nach Zulassung der Alpha-Liponsäure (Thioctsäure) zur Behandlung der symptomatischen diabetischen Neuropathie ist für den Beginn nächsten Jahres der Start einer großen, randomisierten, plazebo-kontrollierten Phase-III-Studie geplant. "Eine definitive Aussage" über den Nutzen der in der Vergangenheit durchaus umstrittenen Substanz verspricht sich Prof. Peter Dyck von der Mayo Clinic in Rochester. Unter "rigorosen Effizienzkriterien" sollen Symptome und Nervenfunktion bei 500 Patienten (250 Plazebo, 250 Liponsäure) über "mindestens zwei Jahre" verfolgt werden.
Auf einem Pressegespräch anläßlich des "VI. International Symposium of the Autonomic Nervous System" in Phoenix (USA) nannte Dyck zwei Gründe,warum die wissenschaftliche Überprüfung der Liponsäure erst jetzt in Angriff genommen wird.
- Untersuchungen wie die 1993 veröffentlichte "Rochester Diabetic Neuropathy Study" haben gezeigt, daß jeder zweite Diabetiker Zeichen einer Neuropathie aufweist. Etwa 15 Prozent der Zuckerkranken leiden unterSymptomen ihrer Nervenschäden, und "ein paar Prozent", so Dyck, haben eine schwere Neuropathie.
- Angesichts der Vielfalt der Symptome und Ausprägungen der Neuropathie (siehe DÄ 23) hat es einer gehörigen Kraftanstrengung bedurft, bis sich internationale Experten auf einen Anforderungskatalog und einen einheitlichen Bewertungsmaßstab geeinigt haben, wie man überhaupt die Wirksamkeit eines Therapeutikums für die diabetische Polyneuropathie beurteilen sollte. Ihren Niederschlag hat diese Anstrengung in der "SaintPaul-Konsensus-Konferenz" gefunden. Um als wirksam beurteilt zu werden, muß ein Wirkstoff das Fortschreiten der Nervenschädigung zumindest in einem der drei Bereiche "subjektive Symptome", "Funktion der großen, myelinisierten Nervenfasern" oder "Funktion der kleinen Nervenfasern" signifikantverlangsamen können.
Die Hoffnung, daß die Alpha-Liponsäure diese Kriterien tatsächlich erfüllen könnte, ruht auf zwei Säulen. Zum einen gibt es einige aktuelle In-vitro-Untersuchungen und tierexperimentelle Hinweise auf eine antioxidative Schutzfunktion der Liponsäure. Laut Philip Low (Mayo Clinic) belegen neuere Untersuchungen, daß Diabetiker als indirekte Folge der Überzuckerung eine "schwere Beeinträchtigung der Abwehr gegen freie Sauerstoffradikale" aufweisen. Zudem gebe es gute Evidenzen, daß der Radikalüberschuß die Hyperglyk-ämiebedingte Ischämie noch verstärkt. Zumindest im Tiermodell zeigte Alpha-Liponsäure einen wirksamen Schutz vor oxidativen Nervenschäden.
Neben diesen Tierversuchen zeigen auch erste plazebokontrollierte Studien am Menschen, daß die AlphaLiponsäure zumindest eine kurzfristige positive Wirkung auf Symptome und einzelne Parameter der Nervenfunktionen hat. Zwei dieser Studien hat Dr. Dan Ziegler (Diabetes-Forschungsinstitut Düsseldorf)vorgestellt. Dabei zeigte sich in zwei der vier gemessenen Parameter ("Root Mean Square Successive Difference" (RMSSD) und Herzfrequenzvariation (HFV) im Niedrigfrequenzbereich) eine statistisch signifikante Verbesserung,während die Behandlung auf zwei weitere Parameter (HFV im Hochfrequenzbereich und die Dauer des QTcIntervalls) von Ziegler zwar als "Trend" eingestuft wurde, aber keine Signifikanz erreichte.
Um zu klären, ob die beobachteten Effekte auch die Prognose des Patienten beinflussen - Diabetiker mit autonomer Neuropathie haben eine bis sechsfach erhöhte Mortalität - seien jedoch "weitere Langzeitstudiennötig, die auch klinische Faktoren mit einschließen".
Einen weiteren Beleg für einen Nutzen der Alpha-Liponsäure hatte kürzlich die "Alpha-Lipoic-Acid in Diabetic Neuropathy" Studie (ALADIN) geliefert. In dieser Studie waren 260 Patienten in vier Gruppen drei Wochen lang wochentags mit einer Infusion von Plazebo oder 100, 600 oder 1 200 Milligramm Liponsäure behandelt worden. Erfaßt wurde der Einfluß der Infusionen auf Parästhesie, Schmerzen, Brennen oder Taubheit, deren jeweilige Stärke in die Berechnung eines Total-Symptom-Scores einfloß. Nach drei Wochen zeigten die mit 600 und 1 200 Milligramm behandelten Patienten eine etwa 65prozentige Besserung desScores, in der mit 100 Milligramm behandelten Gruppe zeigte sich allerdings kein Unterschied zu Plazebo.
Bemerkenswerterweise besserte auch die Plazebobehandlung den Symptom-Score um 30 Prozent. Dieser große Plazeboeffekt zeigt, wie unverzichtbar ein randomisiertes und doppelblindes Design ist, wenn eine Neuropathie-Studie überhaupt eine sinnvolle Aussage machen soll. Prof. Arnold Gries (Universität Düsseldorf) sieht die jüngeren Studien zur Alpha-Liponsäure als "Beleg für den Nutzen, den wir schon immer gesehenhaben".
Vergleich von Alpha-Liponsäure mit Pregabalin
Eine kleine Cross-over Studie bei Patienten mit chronisch neuropathischen Schmerzen im Rahmen einer Polyneuropathie zeigte eine Überlegenheit von Pregabalin gegenüber Alpha-Liponsäure (ALA).
In der Studie wurde die Kombination aus Alpha-Liponsäure und Pregabalin zur Behandlung neuropathischer Schmerzen aufgrund von peripheren Neuropathien mit den entsprechenden Monotherapien verglichen. In der randomisierten, doppelblinden, Cross-over-Studie der Phase III erhielten die Teilnehmer in zufälliger Reihenfolge orale ALA, Pregabalin oder deren Kombination über jeweils sechs Wochen. Der primäre Endpunkt war die mittlere tägliche Schmerzintensität, die mittels der NRS (Numeric rating scale) bestimmt wurde. Sekundäre Endpunkte waren die Lebensqualität, gemessen mittels SF-36 (Short Form 36 Fragebogen), die Schlafqualität , die Dosierung der Arzneimittel und unerwünschte Arzneimittelwirkungen.
Die Ergebnisse dieser kleinen Studie zeigen die Überlegenheit von Pregabalin gegenüber ALA bei Patienten mit chronisch-neuropathischen Schmerzen im Rahmen einer Polyneuropathie . Die Kombination aus ALA und Pregabalin war dabei nicht wirksamer als die Pregabalin-Monotherapie. Schon in früheren Studien hatte sich gezeigt, dass ALA nur eine relativ geringe Wirksamkeit bei neuropathischen Schmerzen im Rahmen von Polyneuropathien hat. Ein Nachteil der Studie ist die fehlende Placebo-Gruppe. Daher kann nicht mit Sicherheit unterstellt werden, dass ALA tatsächlich wirksam ist. Ein weiteres Problem ist die kurze Behandlungsdauer im Rahmen einer Cross-over-Studie, die nur sechs Wochen betrug. Insgesamt war jedoch erstaunlich, wie viele Patienten die Studie beendet haben. Die Implikation für die klinische Praxis ist, dass eine Kombination aus Pregabalin und ALA in der Behandlung von chronisch neuropathischen Schmerzen nicht empfohlen werden kann.
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