Hirnvenenthrombose: Pille, Risiko und andere Faktoren

Die Hirnvenenthrombose (HVT) ist eine seltene, aber potenziell schwerwiegende Erkrankung, die durch ein Blutgerinnsel in den Venen des Gehirns verursacht wird. Dies kann zu einem Blutstau, erhöhtem Hirndruck und in schweren Fällen zu Schlaganfällen führen. Während die HVT insgesamt selten ist, gibt es bestimmte Risikofaktoren, die die Wahrscheinlichkeit einer solchen Thrombose erhöhen können. Einer dieser Risikofaktoren ist die Einnahme oraler Kontrazeptiva, insbesondere in Kombination mit anderen Faktoren wie Übergewicht.

Orale Kontrazeptiva und das erhöhte Thromboserisiko

Es ist allgemein anerkannt, dass orale Kontrazeptiva, auch bekannt als die Pille, das Risiko für venöse Thromboembolien (VTE) erhöhen können. Dies bezieht sich hauptsächlich auf tiefe Venenthrombosen in den Becken- und Beinvenen sowie auf Lungenembolien. Studien haben gezeigt, dass je nach Zusammensetzung der Pille das Risiko einer VTE unterschiedlich stark erhöht sein kann.

Die Auswirkungen von oralen Kontrazeptiva auf die Hirnvenen sind jedoch weniger bekannt. Eine in JAMA Neurology veröffentlichte Fall-Kontroll-Studie untersuchte den Zusammenhang zwischen der Einnahme oraler Kontrazeptiva und dem Auftreten von Sinusthrombosen, einer speziellen Form der HVT, bei der die Blutleiter (Sinus) im Gehirn betroffen sind.

Die Rolle von Adipositas

Die Studie ergab, dass Anwenderinnen oraler Kontrazeptiva ein erhöhtes Risiko haben, eine Sinusthrombose zu erleiden, die einen Schlaganfall auslösen kann. Besonders deutlich war das Risiko bei adipösen Frauen, bei denen es beinahe 30-fach häufiger zu der venösen Abflussstörung aus dem Gehirn kam. Es wurde festgestellt, dass Adipositas allein das Risiko einer Sinusthrombose um das 2,63-fache erhöht. In Kombination mit der Einnahme oraler Kontrazeptiva stieg das Risiko jedoch dramatisch an. Adipöse Frauen, die orale Kontrazeptiva einnahmen, hatten ein 29,26-fach erhöhtes Risiko für eine Sinusthrombose. Interessanterweise hatten adipöse Frauen, die keine oralen Kontrazeptiva einnahmen, kein erhöhtes Risiko, ebenso wenig wie adipöse Männer.

Die Studie zeigte auch eine Dosis-Wirkungs-Beziehung zwischen der Einnahme oraler Kontrazeptiva und dem Risiko einer Sinusthrombose. Normalgewichtige Anwenderinnen oraler Kontrazeptiva (BMI unter 25) hatten ein fünffach erhöhtes Risiko. Bei einem Body-Mass-Index von 25 bis 30 stieg das Risiko auf das 11,87-fache, und bei einem BMI über 30 wurde das bereits erwähnte 29,26-fache Risiko ermittelt.

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Mögliche Auswirkungen auf andere Erkrankungen

Die Ergebnisse der Studie legen nahe, dass orale Kontrazeptiva möglicherweise ein in früheren Studien gefundenes leicht erhöhtes allgemeines Schlaganfallrisiko erklären könnten. Darüber hinaus könnte es auch eine Beziehung zur idiopathischen intrakraniellen Hypertension (IIH) geben, einer Erkrankung, die durch erhöhten Hirndruck ohne erkennbare Ursache gekennzeichnet ist. Da die IIH häufiger bei Frauen und bei Frauen mit Übergewicht auftritt, könnte ein Zusammenhang mit der Einnahme oraler Kontrazeptiva plausibel sein.

Symptome und Diagnose

Die Sinusthrombose ist ein seltenes Ereignis: In Europa ist sie für weniger als ein Prozent aller Schlaganfälle verantwortlich. Die Mehrzahl der Patienten ist jünger als 40 Jahre, etwa 75 Prozent sind weiblich und eine Adipositas gehört zu den bekannten Risikofaktoren. Die Symptome einer Sinusthrombose können vielfältig sein und von Kopfschmerzen über Krampfanfälle bis hin zu Schlaganfällen reichen. Die Diagnose kann schwierig sein, da die Symptome unspezifisch sein können. In der Regel ist eine Kernspinuntersuchung (MRT) erforderlich, um die Diagnose zu bestätigen.

Behandlung und Prävention

Wird eine Sinusthrombose diagnostiziert, ist eine rasche Behandlung entscheidend. Die Behandlung umfasst in der Regel die Gabe von blutverdünnenden Medikamenten (Antikoagulation), um die Bildung weiterer Blutgerinnsel zu verhindern und die Auflösung des bestehenden Gerinnsels zu fördern. In den meisten Fällen lassen sich Sinusvenenthrombosen erfolgreich behandeln, häufig mit vollständiger Wiederherstellung.

Zur Prävention einer Sinusthrombose ist es wichtig, Risikofaktoren wie Rauchen, Übergewicht und die Einnahme oraler Kontrazeptiva (insbesondere in Kombination mit anderen Risikofaktoren) zu vermeiden. Frauen, die orale Kontrazeptiva einnehmen, sollten sich der potenziellen Risiken bewusst sein und mit ihrem Arzt über alternative Verhütungsmethoden sprechen, insbesondere wenn sie übergewichtig sind oder andere Risikofaktoren aufweisen.

Weitere Risikofaktoren und Ursachen

Neben der Einnahme oraler Kontrazeptiva und Adipositas gibt es weitere Risikofaktoren und Ursachen für Hirnvenenthrombosen:

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  • Hormonelle Faktoren: Schwangerschaft, Wochenbett und Hormonersatztherapie können das Risiko erhöhen.
  • Thrombophilie: Angeborene oder erworbene Neigung zur Blutgerinnselbildung.
  • Bluterkrankungen: Sichelzellanämie, Polycythaemia vera.
  • Gefäßentzündungen: Vaskulitiden, Autoimmunerkrankungen.
  • Infektionen: Mittelohrentzündung, Mandelentzündung, Hirnhautentzündung, Sepsis.
  • Impfung: In sehr seltenen Fällen kann die Impfung gegen das Coronavirus (insbesondere mit Vektorimpfstoffen) eine Hirnvenenthrombose verursachen.

Symptome einer Hirnvenenthrombose

Die Symptome einer Hirnvenenthrombose können vielfältig sein und variieren je nach Lage und Ausdehnung des Blutgerinnsels. Zu den häufigsten Symptomen gehören:

  • Kopfschmerzen: Oft das erste und häufigste Symptom.
  • Epileptische Anfälle: Krampfanfälle können auftreten.
  • Neurologische Ausfälle: Lähmungen, Sprachstörungen, Sehstörungen.
  • Bewusstseinsstörungen: Von Verwirrtheit bis hin zu Koma.
  • Übelkeit und Erbrechen: Insbesondere bei erhöhtem Hirndruck.

Diagnose einer Hirnvenenthrombose

Die Diagnose einer Hirnvenenthrombose erfordert in der Regel eine bildgebende Untersuchung des Gehirns. Die Magnetresonanztomographie (MRT) mit Kontrastmittel ist die Methode der Wahl, da sie die Blutgefäße und mögliche Gerinnsel gut darstellen kann. In einigen Fällen kann auch eine Computertomographie (CT) mit Kontrastmittel eingesetzt werden.

Behandlung einer Hirnvenenthrombose

Die Behandlung einer Hirnvenenthrombose zielt darauf ab, die Bildung weiterer Blutgerinnsel zu verhindern und das bestehende Gerinnsel aufzulösen. Die wichtigsten Behandlungsmaßnahmen sind:

  • Antikoagulation: Die Gabe von blutverdünnenden Medikamenten wie Heparin oder oralen Antikoagulanzien.
  • Behandlung der Grunderkrankung: Bei einer infektiösen Hirnvenenthrombose ist eine antibiotische Therapie erforderlich.
  • Symptomatische Behandlung: Medikamente gegen Kopfschmerzen, Krampfanfälle oder erhöhten Hirndruck.
  • In schweren Fällen: Katheterbasierte Rekanalisation des thrombosierten Gefäßes oder operative Entlastung des Hirndrucks.

Prognose einer Hirnvenenthrombose

Die Prognose einer Hirnvenenthrombose ist im Allgemeinen gut, insbesondere wenn die Erkrankung frühzeitig erkannt und behandelt wird. Etwa drei Viertel der Patienten erholen sich vollständig oder nahezu vollständig. In einigen Fällen können jedoch neurologische Spätfolgen wie Lähmungen oder Sprachstörungen zurückbleiben.

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