Aluminium und Demenz: Ein Überblick über Studien und aktuelle Forschung

Aluminium, ein allgegenwärtiges Leichtmetall, ist in den Fokus der öffentlichen Diskussion geraten, da es in einer Vielzahl von Produkten des täglichen Lebens vorkommt, von Deodorants und Kosmetika bis hin zu Lebensmitteln und Verpackungsmaterialien. Insbesondere wurde ein möglicher Zusammenhang zwischen Aluminium und dem erhöhten Risiko für Brustkrebs und Alzheimer-Demenz untersucht. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über den aktuellen Stand der Forschung zu diesem Thema, wobei besonderes Augenmerk auf die Rolle von Aluminium bei der Entstehung von Demenz liegt.

Die Allgegenwärtigkeit von Aluminium

Aluminium ist das dritthäufigste Element und das häufigste Metall in der Erdkruste. Es kommt natürlich in mineralischer Form als Gestein vor und findet seinen Weg in unsere Nahrungskette, beispielsweise in Gemüse wie Pilze, Spinat und Salat, sowie in unser Trinkwasser. Im menschlichen Körper ist Aluminium ein "nicht-essenzielles Spurenelement", das heißt, es ist vorhanden, aber nicht lebensnotwendig. Im Durchschnitt befinden sich etwa 50 bis 150 Milligramm Aluminium im Körper eines Erwachsenen, hauptsächlich in den Knochen und im Lungengewebe. Der Körper scheidet einen Großteil des aufgenommenen Aluminiums über den Urin wieder aus.

Aluminium wird in Form von Aluminiumsalzen in Lebensmitteln und Kosmetika verwendet. Um es für verschiedene Produkte zu verarbeiten, werden Aluminiumlegierungen eingesetzt, die jedoch schwerer zu recyceln sind, da das Aluminium beim Einschmelzen mit anderen Metallen seine typischen Eigenschaften verliert. Die Gewinnung von Aluminium ist zudem mit Umweltbelastungen verbunden, wie der Rodung von Wäldern und der Entstehung von giftigem Rotschlamm bei der Aufbereitung des Erzes.

Aluminium in unserem Alltag

Aluminium ist ein vielseitiges Metall, das in einer Vielzahl von Alltagsprodukten enthalten ist:

  • Verpackungen: Alufolie, Konservendosen, Getränkedosen
  • Transport: Autos, Flugzeuge
  • Haushalt: Kochtöpfe, Küchenutensilien
  • Kosmetika: Deodorants (Antitranspirantien), Lippenstifte, Make-up
  • Medikamente: Antazida (Mittel gegen Sodbrennen), Impfstoffe

Grenzwerte und Risikobewertung

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat einen Grenzwert für die wöchentliche Aufnahme von Aluminium festgelegt. Seit einer Risikobewertung aus dem Jahr 2008 geht die EFSA davon aus, dass ein Mensch pro Kilogramm Körpergewicht bis zu einem Milligramm Aluminium pro Woche aufnehmen kann. Dieser Wert wird von Verbraucherzentralen kritisiert, da viele Menschen diesen Grenzwert überschreiten. Die WHO gab 2011 einen neuen, vorläufigen Grenzwert von zwei Milligramm wöchentlich pro Kilogramm eines Erwachsenen heraus, der von weiten Teilen der Bevölkerung nicht überschritten werde.

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Die deutsche Trinkwasserverordnung legt den Grenzwert für Aluminium im Trinkwasser bei maximal 0,2 Milligramm pro Liter fest. Es ist wichtig zu beachten, dass Aluminiumverbindungen auch in Lebensmittelzusatzstoffen und Kosmetika enthalten sein können.

Mögliche Gesundheitsrisiken

Ein zu hoher Aluminiumgehalt im Blut kann Nieren, Leber und Knochen schädigen. Besonders gefährlich ist die lösliche Form des Aluminiums, die sich in Kontakt mit Säure und Salz bildet. Forscher vermuten, dass sich Aluminium in dieser Form an Zellen binden und in hohen Dosen krank machen kann. Tierversuche haben gezeigt, dass hohe Dosen von Aluminium gesundheitsschädliche Auswirkungen haben können.

Aluminium und Brustkrebs

Antitranspirantien, die Aluminium enthalten, stehen im Verdacht, den Aluminiumgehalt im Körper zu erhöhen und möglicherweise Brustkrebs auszulösen. Einige Studien deuten auf einen Zusammenhang zwischen Aluminium und Brustkrebs hin, da bei Frauen mit Brustkrebs ein höherer Aluminiumgehalt im Brustgewebe festgestellt wurde. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat jedoch 2020 eine neue Bewertung zu Antitranspirantien herausgegeben, in der diese als weitgehend unbedenklich eingestuft werden, da nur ein geringer Teil der enthaltenen Aluminiumsalze in den Körper eindringt. Das Deutsche Krebsinformationszentrum (DKFZ) spricht aluminiumhaltigen Deos, wenn überhaupt, nur einen kleinen Effekt zu.

Aluminium und Alzheimer

Aluminium steht im Verdacht, das Risiko für die Entwicklung von Alzheimer-Demenz zu erhöhen. Wissenschaftler haben bei Alzheimerpatienten wiederholt hohe Aluminiumkonzentrationen im Gehirn und im Blut gefunden. Es ist jedoch noch nicht abschließend geklärt, ob es sich dabei um eine Begleiterscheinung der Krankheit handelt oder ob Aluminium einer von mehreren Faktoren ist, die den Ausbruch der Krankheit verursachen können. Das BfR hält Aluminium als alleinigen Auslöser von Alzheimer für unwahrscheinlich.

Dialyse-Enzephalopathie

In den 1970er-Jahren trat bei Nierenpatienten, die regelmäßig Dialyse erhielten, eine Erkrankung namens Dialyse-Enzephalopathie auf. Diese Patienten zeigten neurologische Symptome wie Sprachstörungen, Krampfanfälle, Halluzinationen und Verwirrtheit bis hin zur Demenz. Die Ursache wurde in hohen Aluminiumkonzentrationen in der Dialyselösung gefunden. Seitdem wird das Wasser für die Dialyse nicht mehr mit Aluminium angereichert, und die Erkrankung ist verschwunden.

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Wie man die Aluminiumaufnahme reduzieren kann

Obwohl die Aufnahme von Aluminium durch Lebensmittel oder Trinkwasser im Alltag nur begrenzt steuerbar ist, gibt es einige Maßnahmen, die man ergreifen kann, um die Belastung zu reduzieren:

  • Abwechslungsreiche und gesunde Ernährung: Vermeiden Sie hohe Dosen Aluminium durch Lebensmittel wie Salat, Spinat, Kakao oder Pilze.
  • Lebensmittel richtig lagern: Bewahren Sie Lebensmittel nicht in Alufolie auf, sondern verwenden Sie stattdessen Boxen aus Edelstahl. Vermeiden Sie den Kontakt von salz- und säurehaltigen Lebensmitteln mit Alufolie.
  • Grillen ohne Aluminium: Verzichten Sie beim Grillen auf Alu-Grillschalen und verwenden Sie stattdessen wiederverwertbare Grill-Schalen aus Edelstahl.
  • Fertiggerichte vermeiden: Vermeiden Sie Fertig- und Fischgerichte in Aluminium-Schalen und verwenden Sie stattdessen Auflaufformen mit Deckel.
  • Inhaltsstoffe prüfen: Achten Sie auf Aluminiumverbindungen in der Zutatenliste von verarbeiteten Lebensmitteln (E-Nummern).
  • Reinigung von Aluminium-Utensilien: Reinigen Sie Espressokocher und andere Haushaltsutensilien aus Aluminium nicht in der Spülmaschine, da das Spülmittel das Aluminium angreifen kann.
  • Kosmetika wählen: Achten Sie beim Kauf von Kosmetika wie Make-up und Lippenstifte auf den Aluminiumgehalt und vermeiden Sie Produkte mit Aluminiumverbindungen.
  • Deodorants ohne Aluminium: Verzichten Sie auf Antitranspirant-Deos mit Aluminiumchlorohydrat, insbesondere nach der Rasur.
  • Zahnpasta ohne Aluminium: Vermeiden Sie Zahnpasta mit aufhellender Wirkung, die Aluminiumfluorid enthalten kann.
  • Säuglingsnahrung: Stillen Sie Säuglinge, wenn möglich, bis zum sechsten Lebensmonat und füttern Sie sie dann mit normaler Kost.
  • Kinderknete: Verwenden Sie Knete mit Zitronensäure statt Alaun oder stellen Sie die Knete selbst her.
  • Medikamente: Sprechen Sie mit Ihrem Arzt über Alternativen ohne Aluminium, wenn Sie Medikamente gegen Sodbrennen (Antazida) einnehmen müssen.

Aktuelle Forschung und neue Erkenntnisse

Die Forschung zur Rolle von Aluminium bei der Entstehung von Alzheimer-Demenz ist weiterhin aktiv. Eine aktuelle Studie italienischer Wissenschaftler von der Katholischen Universität in Rom hat einen neuen Zusammenhang zwischen Alzheimer und Aluminium entdeckt. Die Arbeitsgruppe um Pasquale de Sole hat festgestellt, dass das sogenannte Ferritin, ein Speichereiweiß des menschlichen Körpers, beim Alzheimer-Patienten gleich siebenmal so viel Aluminium wie beim Gesunden trägt. Diese Beobachtung unterstützt die Vermutung, dass Alzheimer-Patienten stärker mit Aluminium belastet sind als gesunde Vergleichspersonen.

Die Wissenschaftler vermuten, dass Ferritin nicht nur Eisen speichert, sondern auch den Konzentrationsspiegel anderer Metalle reguliert, indem es sie an sich bindet. Eine Überladung mit Metallionen kann zu schweren gesundheitlichen Konsequenzen führen, einschließlich der Zerstörung von Gehirnzellen.

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