Die Diagnose Demenz stellt das Leben der Betroffenen und ihrer Familien vor große Herausforderungen. Gespräche werden schwieriger, vertraute Abläufe funktionieren nicht mehr wie gewohnt und der Alltag wird anstrengender. Es gibt jedoch Möglichkeiten, den Alltag zu erleichtern und ein stabiles Miteinander zu schaffen.
Einführung
Die Betreuung von Menschen mit Demenz, insbesondere mit der Alzheimer-Krankheit, erfordert viel Geduld, Verständnis und Anpassungsfähigkeit. Angehörige stehen oft vor der Aufgabe, den Alltag so zu gestalten, dass er den Bedürfnissen des Erkrankten gerecht wird und gleichzeitig die eigene Gesundheit und Lebensqualität nicht zu kurz kommen. Dieser Artikel soll pflegenden Angehörigen Orientierung, praktische Anregungen und Hilfe zur Selbstfürsorge bieten.
Kommunikation und Interaktion
Menschen mit Demenz haben zunehmend Schwierigkeiten, sich an Dinge zu erinnern und Gesprächen zu folgen. Es ist wichtig, langsam und deutlich zu sprechen, einfache Sätze zu verwenden und komplizierte Begriffe zu vermeiden. Auch wenn Alltagsgespräche irgendwann unmöglich werden, bleibt der Austausch wichtig. Musik, gemeinsame Aktivitäten und das Betrachten alter Fotoalben können eine schöne gemeinsame Erfahrung sein, ohne den Erkrankten unter Druck zu setzen.
Tipps für die Kommunikation:
- Langsam und deutlich sprechen: Verwenden Sie einfache Sätze und vermeiden Sie komplizierte Begriffe.
- Blickkontakt halten: Zeigen Sie Ihre Aufmerksamkeit und Wertschätzung.
- Geduldig sein: Wiederholen Sie Informationen bei Bedarf und geben Sie dem Erkrankten Zeit, zu antworten.
- Nonverbale Kommunikation nutzen: Achten Sie auf Mimik, Gestik und Körpersprache.
- Positive Atmosphäre schaffen: Vermeiden Sie Kritik und Konfrontation.
Routinen und Tagesstruktur
Am einfachsten ist es, sich an bereits vertraute Abläufe zu halten, wie zum Beispiel Aufstehen, Frühstücken, Anziehen oder Duschen. Diese Routinen geben der erkrankten Person Sicherheit und Vertrautheit. Eine klare Tagesstruktur kann helfen, Orientierung zu geben: Tageslicht, frische Luft und feste Abläufe am Tag, Ruhe und gedimmtes Licht am Abend. Aktivitäten, die Angst auslösen könnten, sollten behutsam und in kleinen Schritten vorbereitet werden. So behält die erkrankte Person die Übersicht über die Situation, und Angst und Panik entstehen weniger schnell.
Gestaltung des Tagesablaufs:
- Feste Zeiten für Mahlzeiten, Aktivitäten und Ruhephasen: Dies gibt dem Erkrankten ein Gefühl von Sicherheit und Vorhersehbarkeit.
- Vertraute Rituale beibehalten: Diese geben dem Erkrankten Halt und Orientierung.
- Angenehme Aktivitäten einplanen: Gemeinsame Spaziergänge, Musik hören oder einfache Spiele können den Tag bereichern.
- Überforderung vermeiden: Planen Sie nicht zu viele Aktivitäten ein und achten Sie auf dieSignale des Erkrankten.
Ernährung
Eine Demenzerkrankung kann das Ess- und Trinkverhalten deutlich verändern. Manche Menschen vergessen zu essen und nehmen deshalb nicht ausreichend Nahrung zu sich. Andere wiederum essen scheinbar ohne Hemmungen - oft bevorzugt Süßes. Auch das Gefühl für Hunger und Durst nimmt ab, wodurch das Risiko für Mangelernährung und Flüssigkeitsmangel steigt. Im späteren Verlauf treten häufig Koordinationsprobleme sowie Kau- oder Schluckbeschwerden auf. Eine ruhige Umgebung, feste Essenszeiten und vertrautes Geschirr geben Orientierung.
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Tipps für die Ernährung:
- Feste Essenszeiten: Bieten Sie regelmäßige Mahlzeiten und Snacks an.
- Ruhige Umgebung: Vermeiden Sie Ablenkungen und Stress während der Mahlzeiten.
- Vertrautes Geschirr: Verwenden Sie Geschirr, das dem Erkrankten bekannt ist und das er gut handhaben kann.
- Ausgewogene Ernährung: Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Nährstoffen und Flüssigkeit.
- Anpassung der Konsistenz: Bei Kau- und Schluckbeschwerden kann es notwendig sein, die Konsistenz der Nahrung anzupassen.
Körperpflege
Menschen mit Alzheimer oder anderen Demenzerkrankungen brauchen häufig mehr Zeit zum Anziehen. Sie tun sich schwer, sich Kleidung herauszusuchen oder wählen die falsche Kleidung für Wetter und Jahreszeit. Ermutigen Sie die oder den Erkrankten dennoch immer, sich selbst morgens anzuziehen. Halten Sie das Angebot klein, also lieber weniger Kleidung, dafür welche, leicht kombinierbar ist. Laute Wassergeräusche, helles Licht oder intensive Düfte von Pflegeprodukten können Stress auslösen. Diese Ängste zu verstehen und mögliche Auslöser zu vermeiden, kann für Angehörige ein erster Schritt sein, das Baden und Duschen angenehmer zu gestalten.
Tipps für die Körperpflege:
- Angenehme Atmosphäre schaffen: Vermeiden Sie Stress und Hektik.
- Sicherheit gewährleisten: Sorgen Sie für eine sichere Umgebung mit Haltegriffen und rutschfesten Matten.
- Vertraute Produkte verwenden: Verwenden Sie Produkte, die der Erkrankte kennt und mag.
- Schrittweise Anleitungen geben: Erklären Sie jeden Schritt der Körperpflege langsam und deutlich.
- Selbstständigkeit fördern: Ermutigen Sie den Erkrankten, so viel wie möglich selbst zu tun.
Umgang mit schwierigen Verhaltensweisen
Menschen mit Demenz entwickeln im Laufe der Krankheit häufig Verhaltensweisen, die von Angehörigen als schwierig, ungewöhnlich oder störend empfunden werden und oft eine starke Belastung darstellen. Dazu gehören beispielsweise:
- Unruhe und Umherwandern: Demenzkranke Menschen verlieren in der Regel das Kurzzeitgedächtnis, die Welt um sie herum ist ständig neu und fremd. Das verunsichert sie sehr und löst Unruhe in ihnen aus. Bewegung ist aber auch ein menschliches Grundbedürfnis.
- Wiederholtes Fragen: Menschen mit Demenz haben häufig große Angst davor, verlassen zu werden und allein zu sein. Für sie ist eine Person, die den Raum verlässt, für immer verschwunden.
- Aggressives Verhalten: Überforderung, Schmerzen oder Angst können zu aggressivem Verhalten führen.
- Verlust der Orientierung: Die Betroffenen finden sich oft in ihrer Umgebung nicht mehr zurecht, haben das Gefühl, am falschen Ort zu sein und wissen nicht, welche Tages- oder Jahreszeit gerade ist oder was als nächstes passiert.
Tipps für den Umgang mit schwierigen Verhaltensweisen:
- Verständnis zeigen: Versuchen Sie, die Ursachen für das Verhalten zu verstehen.
- Ruhe bewahren: Reagieren Sie gelassen und vermeiden Sie Konfrontationen.
- Ablenkung suchen: Bieten Sie dem Erkrankten eineAlternative an, um ihn abzulenken.
- Sicherheit geben: Vermitteln Sie dem Erkrankten ein Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit.
- Professionelle Hilfe suchen: Wenn Sie mit dem Verhalten des Erkrankten überfordert sind, suchen Sie professionelle Hilfe.
Selbstfürsorge für Angehörige
Die Betreuung und Pflege von Menschen mit Demenz ist eine enorm beanspruchende Aufgabe - und oft überfordernd, wenn noch andere Pflichten bestehen, man einen Job oder eigene Kinder hat. All das sorgt dafür, dass Angehörige oft langfristig und kontinuierlich am Limit ihrer Kräfte sind. Da ist es nur natürlich, dass man leichter reizbar oder ausfällig wird, erschöpft ist oder sich in gewissen Situationen nicht mehr unter Kontrolle hat. Deswegen ist es sehr wichtig, als Angehöriger auch auf sich selbst zu achten und selbstfürsorglich dafür zu sorgen, nicht in so eine Überbeanspruchung zu geraten. Ansonsten kann die Pflege langfristig nicht geleistet werden, weil die eigene Gesundheit darunter leidet. Das bedeutet: Holen Sie sich Hilfe, allein können Sie das nicht schaffen. Bauen Sie genügend Pausen und Erholungsphasen ein, entpflichten Sie sich von bestimmten Aufgaben. Planen Sie systematisch: Wer kann wo unterstützen - familiär sowie professionell?
Tipps für die Selbstfürsorge:
- Eigene Bedürfnisse erkennen und ernst nehmen: Nehmen Sie sich Zeit für sich selbst und tun Sie Dinge, die Ihnen guttun.
- Unterstützung suchen: Holen Sie sich Hilfe von Familie, Freunden oder professionellenAnbietern.
- Pausen einlegen: Planen Sie regelmäßige Pausen ein, um sich zu erholen und neue Kraft zu tanken.
- Entspannungstechniken erlernen: Autogenes Training oder andere entspannende Techniken können helfen, den Alltag besser zu bewältigen.
- Selbsthilfegruppen besuchen: Der Austausch mit anderen pflegenden Angehörigen kann sehr hilfreich sein.
Hilfsangebote und Unterstützung
Es gibt zahlreiche Hilfsangebote und Unterstützungsmöglichkeiten für pflegende Angehörige von Menschen mit Demenz. Dazu gehören:
- Beratungsstellen: Die Alzheimer Gesellschaft und andere Organisationen bieten umfassende Beratung und Information an.
- Selbsthilfegruppen: Hier können sich Angehörige austauschen und gegenseitig unterstützen.
- Tagespflegeeinrichtungen: Diese bieten eine stundenweise Betreuung von Menschen mit Demenz an.
- Kurzzeitpflege: Diese ermöglicht Angehörigen eine Auszeit von der Pflege.
- Ambulante Pflegedienste: Diese unterstützen bei der Pflege zu Hause.
- Pflegeheime: Diese bieten eine umfassende Betreuung und Pflege für Menschen mit Demenz an.
Die Rolle der Musik
Viele Menschen, die vorher gar nicht gesprochen haben, kamen durch die Musik wieder mit ihren Angehörigen ins Gespräch. Playlisten für den mp3-Player mit den Lieblingsliedern der Betroffenen aus dem jungen Erwachsenenalter sind unheimlich wertvoll. Auch bei dem Sprechen über die Vergangenheit ist es wichtig, die Erkrankten nicht unter Druck zu setzen oder zu forcieren, wenn Dinge eben nicht mehr erinnert werden können. Da das Langzeitgedächtnis aber länger erhalten bleibt, kann es eine schöne gemeinsame Erfahrung sein, beispielsweise alte Lieder zu hören, gemeinsam zu tanzen, Fotoalben anzuschauen. Aber nicht als Aufgabe oder Training, sondern weil es Freude bereitet.
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Technische Hilfen
In manchen Fällen kann auch ein GPS-Ortungssystem hilfreich sein, wenn Menschen mit Demenz die Orientierung verlieren. Es gibt Herdabschaltautomatiken, Notknöpfe und Steckdosensicherungen, die den Alltag sicherer machen können. Pflegeberatungsstellen können hier sehr differenziert Auskunft geben.
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