Alzheimer-Demenz im späten Stadium: Symptome, Verlauf und Behandlung

Die Alzheimer-Demenz ist eine fortschreitende neurodegenerative Erkrankung, die mit einem Verlust der geistigen Funktionen wie Denken, Erinnern, Orientierung und Verknüpfen von Denkinhalten einhergeht und dazu führt, dass alltägliche Aktivitäten nicht mehr selbstständig durchgeführt werden können. Die Alzheimer-Krankheit ist die häufigste Form der Demenz, gefolgt von vaskulärer Demenz und den eher seltenen Varianten (Lewy-Körperchen-Demenz, Parkinson-Demenz, frontotemporale Demenz).

Einführung

Die Alzheimer-Krankheit ist eine fortschreitende Erkrankung, die sich im Laufe der Zeit verschlimmert. Die Symptome können stark variieren und das Erscheinungsbild der Krankheit ändert sich während ihres Verlaufs und unterscheidet sich auch zwischen einzelnen Patienten. Dennoch gibt es charakteristische Kennzeichen. Die Erkrankung wird in verschiedene Stadien unterteilt, wobei das späte Stadium die schwerste Form darstellt.

Stadien der Alzheimer-Demenz

Die Alzheimer-Krankheit verschlimmert sich mit der Zeit. Die Stufen geben einen Überblick, wie sich Fähigkeiten während des Verlaufs der Krankheit verändern. Man unterscheidet drei Stadien:

  • Frühes Stadium: Im Vordergrund stehen Störungen des Kurzzeitgedächtnisses: Fragen wiederholen sich, Verabredungen werden vergessen, der Herd bleibt eingeschaltet. Zugleich bestehen Schwierigkeiten des Denkens. Anspruchsvolle Tätigkeiten können nicht mehr ausgeübt werden. Das Nachlassen der Leistungsfähigkeit wird unter beruflichen Anforderungen früher bemerkbar als in häuslicher Umgebung. Bei den meisten Betroffenen verliert die Sprache an Präzision. Die Wortfindung ist erschwert, der Informationsgehalt der Mitteilungen nimmt ab. Störungen der Wahrnehmung räumlicher Verhältnisse äußern sich in Unsicherheiten beim Autofahren, beim Anziehen oder bei handwerklichen Arbeiten. Das Orientierungsvermögen in ungewohnter Umgebung ist erschwert.

  • Mittleres Stadium: Allmählich erreichen die Einschränkungen des Gedächtnisses und des Denkvermögens einen Grad, der die Patienten von fremder Hilfe abhängig werden lässt. Auch in vertrauter Umgebung fällt das Zurechtfinden schwer. Unterstützung wird nötig im Bad, beim Aufsuchen der Toilette, beim An- und Auskleiden und bei den Mahlzeiten. Die Sprache wird einsilbiger und inhaltsarm. Zunehmend verblasst die Erinnerung an frühere Ereignisse, sogar an die eigene Lebensgeschichte. Häufige Begleitsymptome sind wahnhafte Befürchtungen, ziellose Unruhe, Störungen des Tag-Nacht-Rhythmus, verminderte Beherrschung von Gefühlsreaktionen und Harninkontinenz.

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  • Spätes Stadium: Hilfe ist nun bei allen Verrichtungen des täglichen Lebens nötig. Der sprachliche Ausdruck beschränkt sich auf wenige Wörter. Die Fähigkeit, Gefühle wahrzunehmen und zu äußern ist dagegen weitgehend erhalten. Erst jetzt treten ausgeprägte körperliche Symptome auf, wie Gangunsicherheiten, Krampfanfälle, Schluckstörungen und ein zunehmender Verlust der Kontrolle über die Blasen- und Darmfunktion. Die Patienten werden anfälliger für Infektionen. Es kann zu gefährlichen Stürzen kommen. Die häufigste Todesursache ist eine Lungenentzündung.

Die mittlere Krankheitsdauer, vom Auftreten erster Symptome an gerechnet, beträgt pro Stadium ca. drei Jahre, also ungefähr neun Jahre. Demenz hat viele Gesichter. Bei der Erkrankung spielen Stadien und Verläufe, aber auch die Persönlichkeit, deren Biografie und deren aktuelle Lebensbedingungen eine Rolle. So ist immer nur eine generelle Beschreibung möglich. Trotzdem gibt es viele typische Anzeichen. Demenzen entwickeln sich in der Regel schleichend. Rückwirkend betrachtet gibt es häufig einen Vorspann von 10 - 20 Jahren, in denen die Personen aus dem Gleichgewicht geraten, es ihnen jedoch recht gut gelingt, Einbußen zu kompensieren.

Symptome im späten Stadium der Alzheimer-Demenz

Im späten Stadium, auch als „Welt der Schutzlosigkeit“ bezeichnet, ist die Übernahme der Pflege und Hilfe im Alltag notwendig. Auch das Langzeitgedächtnis ist nun betroffen. Selbst nahe Personen werden zum Teil nicht mehr erkannt. Die Sprache besteht nur noch aus wenigen Worten oder Lauten. Bewegungen oder Laute werden oft monoton wiederholt. Die Betroffenen haben häufig Angst vor dem Alleinsein. Aufgrund von Gangunsicherheit oder Bettlägerigkeit sind sie den sie umgebenden Reizen völlig ausgeliefert. Die Kontrolle über Blase und Darm geht verloren. Es besteht die Neigung zu Schluckstörungen, Krampfanfällen und Infektionen.

Im Endstadium sind die Erkrankten vollständig auf Pflege angewiesen. Typische Veränderungen:

  • Verlust der Sprache - nur noch einzelne Wörter oder Laute, keine sinnvolle Kommunikation mehr
  • Selbst engste Familienmitglieder werden nicht mehr erkannt
  • Völlige Orientierungslosigkeit, leben nur noch im unmittelbaren Moment
  • Inkontinenz - Kontrolle über Blase und Darm gehen verloren
  • Schluckstörungen, die die Nahrungsaufnahme erschweren

Im Endstadium haben Menschen mit Demenz ein zunehmend geschwächtes Immunsystem und werden anfälliger für Infektionen.

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Detaillierte Symptombeschreibung

Im späten Stadium der Alzheimer-Demenz erfahren Betroffene tiefgreifende Veränderungen in verschiedenen Bereichen:

Kognitive Fähigkeiten

Die kognitiven Fähigkeiten sind stark beeinträchtigt. Das Langzeitgedächtnis ist betroffen, und selbst nahe Familienmitglieder werden möglicherweise nicht mehr erkannt. Die Fähigkeit, sich an vergangene Ereignisse zu erinnern, schwindet, und die Betroffenen leben zunehmend im gegenwärtigen Moment.

Sprachliche Fähigkeiten

Die sprachlichen Fähigkeiten sind stark reduziert. Die Kommunikation beschränkt sich auf wenige Wörter oder Laute, und die Fähigkeit, sinnvolle Gespräche zu führen, geht verloren. Bewegungen oder Laute werden oft monoton wiederholt.

Orientierung

Die Orientierung ist stark beeinträchtigt. Betroffene sind völlig orientierungslos und können sich weder in vertrauter Umgebung noch in Bezug auf Zeit und Raum zurechtfinden.

Körperliche Fähigkeiten

Im späten Stadium kommt es zu einem zunehmenden körperlichen Abbau. Die Kontrolle über Blase und Darm geht verloren (Inkontinenz), und es treten häufig Schluckstörungen auf, die die Nahrungsaufnahme erschweren. Gangunsicherheit und Bettlägerigkeit sind häufige Begleiterscheinungen. Krampfanfälle können auftreten.

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Verhaltensänderungen

Verhaltensänderungen sind im späten Stadium der Alzheimer-Demenz häufig. Betroffene können Angst vor dem Alleinsein haben und sind den sie umgebenden Reizen völlig ausgeliefert. Es kann zu Veränderungen des Charakters und des Benehmens kommen, einschließlich Misstrauen und Wahnvorstellungen.

Immunsystem

Im Endstadium der Alzheimer-Demenz ist das Immunsystem oft geschwächt, was die Betroffenen anfälliger für Infektionen macht. Atemwegsinfekte und Lungenentzündungen treten häufig auf.

Ursachen und Risikofaktoren

Die Ursachen der Alzheimer-Krankheit sind noch nicht vollständig geklärt. Es gibt jedoch eine Reihe von Risikofaktoren, die das Risiko einer Erkrankung erhöhen können:

  • Alter: Das Alter ist der wichtigste Risikofaktor für die Alzheimer-Krankheit. Das Risiko steigt mit zunehmendem Alter.
  • Genetische Faktoren: In einigen Familien tritt die Alzheimer-Krankheit gehäuft auf, was auf eine genetische Veranlagung hindeutet.
  • Weitere Risikofaktoren: Weitere Risikofaktoren sind Herzkreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Übergewicht, Rauchen und mangelnde körperliche Aktivität.

Diagnose

Die Diagnose der Alzheimer-Demenz wird in der Regel anhand einer Kombination aus verschiedenen Untersuchungen gestellt:

  • Krankengeschichte und körperliche Untersuchung: Der Arzt erhebt die Krankengeschichte des Patienten und führt eine körperliche Untersuchung durch.
  • Neuropsychologische Tests: Neuropsychologische Tests werden eingesetzt, um die kognitiven Fähigkeiten des Patienten zu überprüfen.
  • Bildgebende Verfahren: Bildgebende Verfahren wie Magnetresonanztomographie (MRT) und Computertomographie (CT) können eingesetzt werden, um Veränderungen im Gehirn festzustellen.
  • Liquoruntersuchung: Eine Liquoruntersuchung kann durchgeführt werden, um bestimmte Biomarker im Nervenwasser zu bestimmen, die auf eine Alzheimer-Krankheit hindeuten können.

Behandlung

Die Alzheimer-Demenz ist bislang nicht heilbar. Der geistige Abbau kann jedoch verzögert werden, um Betroffenen so lange wie möglich einen selbstständigen Alltag zu ermöglichen. Die symptomatische Behandlung besteht zumeist aus verschiedenen Bausteinen:

  • Nicht-medikamentöse Behandlung: Ergotherapie, Logotherapie, Orientierungstraining, Verhaltenstherapie etc.
  • Medikamentöse Behandlung: Je nach Einzelfall mit Antidepressiva, Neuroleptika und/oder mit Antidementiva, die die Gedächtnisstörungen lindern oder stabilisieren. Bei leichter bis mittelschwerer Alzheimer-Demenz verschreiben Ärzte häufig Acetylcholinesterase-Hemmer, die den Abbau des Botenstoffs Acetylcholin im Gehirn hemmen und den Allgemeinzustand der Betroffenen verbessern können. Ist die Alzheimer-Krankheit bereits weiter fortgeschritten, können Glutamat-Antagonisten zum Einsatz kommen. Diese drosseln die Glutamat-Ausschüttung im Gehirn und können sich ebenfalls positiv auf die Kognition auswirken.

In der Therapie der Alzheimer-Erkrankung geben Antikörper-Wirkstoffe, die sich gegen die Ablagerungen des Amyloid-beta-Proteins im Gehirn richten, Anlass zur Hoffnung. Sie greifen direkt in den Krankheitsprozess ein, statt nur Symptome zu lindern. Solch neuartige monoklonale Antikörper könnten die degenerativen Veränderungen im Gehirn verlangsamen. In den USA sind erste Vertreter dieser Arzneimittelklasse bereits zugelassen. Ein weiterer Forschungsansatz beschäftigt sich mit den seneszenten Zellen - also mit Hirnzellen, die nicht mehr funktionieren, aber auch nicht absterben und sich schädlich auf das Hirngewebe auswirken können. Die Wirkstoffklasse der Senolytika könnte womöglich in der Lage sein, diese Zellen zu beseitigen, ohne gesunde Zellen in Mitleidenschaft zu ziehen.

Umgang mit Betroffenen im späten Stadium

Der Umgang mit Menschen im späten Stadium der Alzheimer-Demenz erfordert viel Geduld, Verständnis und Einfühlungsvermögen. Es gibt einige einfache Regeln, die den Umgang etwas erleichtern können:

  • Informieren Sie sich über die Krankheit: Niemand kann etwas für eine Demenzerkrankung. Wenn man weiß, welches Verhalten Folge der Krankheit ist, erleichtert es den Umgang mit dem betroffenen Menschen.
  • Nehmen Sie Hilfe in Anspruch: Die Betreuung und Pflege eines an Demenz erkrankten Angehörigen kann körperlich und seelisch belastend sein. Überlasten Sie sich nicht. Je früher Sie Hilfsangebote nutzen, desto besser können Sie auf Ihren Angehörigen und seine krankheitsbedingten Bedürfnisse eingehen.
  • Zeigen Sie ihre Zuneigung: Jeder Mensch braucht Zuwendung und Aufmerksamkeit. Menschen, die an Demenz erkrankt sind, brauchen häufiger deutliche Zeichen von Zuwendung wie ein Lächeln, ein Lob, eine liebevolle Berührung oder eine Umarmung.
  • Nehme Sie Gefühle ernst und gehen Sie darauf ein: Menschen mit Demenz können sich oft verbal nicht mehr so gut ausdrücken, aber ihre Gefühlswelt bleibt erhalten. Sie lassen ihren Gefühlen oftmals freien Lauf. Versuchen Sie, diese Gefühle wahr zu nehmen, darauf einzugehen und ggfs. sie zu erwidern.
  • Ruhe, Freundlichkeit und Geduld: Demenziell erkrankte Menschen nehmen bis zuletzt mit sehr feinen Antennen die Gefühle ihres Gegenübers wahr. Nutzen Sie diese Möglichkeit, auf nonverbale Art zu kommunizieren und in Kontakt zu treten. Die Sprache sollte klar, in kurzen Sätzen und langsam sein. Wenn man diesen Grundsatz beachtet, schafft es der Erkrankte, den Worten zu folgen und zu verstehen. Es dauert halt nur etwas länger.
  • Stellen Sie sich auf die Vergesslichkeit ein: Da die Erinnerung meist nur noch aus dem Langzeitgedächtnis abrufbar ist, lassen Sie sich auch zum 100. Mal aus dieser Zeit erzählen. Animieren Sie den Erkrankten sogar dazu.
  • Nutzen Sie die vorhandenen Fähigkeiten und Möglichkeiten: Verschaffen Sie sich einen Überblick, was der Erkranke noch kann. Festigen Sie sein Selbstbewusstsein und sein Selbstvertrauen, indem Sie ihm lösbare Aufgaben stellen.
  • Keine Konfrontation mit dem Versagen: Menschen mit Demenz merken meist selbst, dass sie Fehler machen. Sie werden ratlos, wütend oder verzweifeln sogar. Verstärken Sie dies nicht, sondern beruhigen Sie ihn und lenken ab.

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