Die wachsende Besorgnis über die Auswirkungen von Zucker auf die Gesundheit hat zu einem verstärkten Interesse an alternativen Süßungsmitteln geführt. Stevia, ein natürlicher Süßstoff aus der Pflanze Stevia rebaudiana, wird oft als gesunde Alternative angepriesen. Doch wie sieht es mit den Auswirkungen von Stevia und anderen Süßstoffen auf die Alzheimer-Krankheit und die kognitive Funktion aus? Dieser Artikel beleuchtet die aktuelle Forschungslage und gibt einen Überblick über die potenziellen Risiken und Vorteile.
Zucker und seine Folgen für das Gehirn
Ein hoher Zuckerkonsum wird zunehmend mit negativen Auswirkungen auf die Hirngesundheit in Verbindung gebracht. Prof. Frank Erbguth von der Deutschen Hirnstiftung betont, dass ein dauerhaft erhöhter Blutzuckerspiegel durch zu viele Mahlzeiten und ständiges Snacken die Entstehung neurologischer Erkrankungen, insbesondere Demenz und Schlaganfälle, begünstigen kann.
Der Pro-Kopf-Verbrauch von Zucker in Deutschland lag im Jahr 2021/22 bei 33,2 kg, was fast dem Doppelten der empfohlenen Menge entspricht. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt, dass maximal 10 % der Energie aus Zucker stammen sollte, was bei einem durchschnittlichen Kalorienbedarf von 2000 kcal etwa 50 Gramm pro Tag oder 18 kg pro Jahr entspricht.
Zu hohe Blutzuckerspiegel können die Hirngefäße schädigen und zu Ablagerungen an den Gefäßwänden führen. Dies kann die Blutzufuhr und die Versorgung der Gehirnzellen mit Nährstoffen beeinträchtigen und letztendlich zu einer vaskulären Demenz führen, der zweithäufigsten Ursache von Demenz nach der Alzheimer-Krankheit.
Die Rolle von Insulin bei Alzheimer
Insulin, ein Hormon, das bei der Aufnahme von Zucker und Kohlenhydraten ausgeschüttet wird, spielt eine wichtige Rolle bei der Regulierung des Blutzuckerspiegels und der Energieversorgung der Zellen. Im Gehirn ist Insulin an der Kommunikation der Nerven- und Gehirnzellen beteiligt.
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Bei Alzheimer-Patienten wurden jedoch niedrige Insulinspiegel im Gehirn festgestellt. Wissenschaftler vermuten, dass Insulin die für Erinnerungen zuständigen Zellen im Gehirn vor Schäden durch die alzheimertypischen Ablagerungen schützt. Gleichzeitig kann eine Insulinresistenz der Nervenzellen aufgrund beschädigter Insulinrezeptoren auftreten.
Es wird angenommen, dass sowohl der Insulinmangel im Gehirn als auch die Ablagerungen durch einen chronisch erhöhten Insulinspiegel im Rest des Körpers verursacht werden. Ein dauerhaft erhöhter Insulinspiegel kann die Blut-Hirn-Schranke schädigen und den Insulinmangel im Gehirn verursachen. Die Ablagerungen gelten als Ergebnis chronischer Entzündungsprozesse, die ebenfalls durch einen hohen Insulinspiegel verursacht werden können.
Süßstoffe als Alternative?
Um den Zuckerkonsum zu reduzieren, greifen viele Menschen auf Süßstoffe zurück. Stevia, Saccharin, Aspartam, Sucralose und Xylit sind nur einige der auf dem Markt erhältlichen Optionen. Doch sind diese Süßstoffe wirklich eine gesunde Alternative, insbesondere im Hinblick auf die Alzheimer-Krankheit?
Eine Studie in der Fachzeitschrift "Neurology" untersuchte den Einfluss des Konsums künstlicher Süßstoffe auf das Gedächtnis und die Denkfähigkeit von über 12.000 Erwachsenen über einen Zeitraum von acht Jahren. Die Ergebnisse deuteten darauf hin, dass bestimmte Süßstoffe, wie Aspartam, Sorbit, Xylit und Saccharin, den Abbau im Gedächtnis beschleunigen können, insbesondere bei Menschen unter 60 Jahren und bei Diabetikern.
Die Vielkonsumenten von Süßstoffen zeigten einen um bis zu 62 Prozent schnelleren Abbau der Denkleistung als diejenigen, die kaum Süßstoffe verwendeten. Dies entspricht einer rechnerischen Alterung des Gehirns um etwa 1,6 Jahre.
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Von den sieben getesteten Süßstoffen fiel nur Tagatose positiv auf, da bei diesem Süßstoff kein negativer Einfluss auf Denken oder Erinnerungsvermögen nachgewiesen werden konnte.
Stevia im Fokus
Stevia wird aus den Blättern der südamerikanischen Staudenpflanze Stevia rebaudiana gewonnen und ist seit 2011 in der EU als Süßungsmittel zugelassen. Es ist 200-300 Mal süßer als Zucker und wird vom Körper nicht verstoffwechselt, wodurch es den Blutzuckerspiegel nicht erhöht. Dies macht Stevia zu einer potenziell geeigneten Option für Diabetiker.
Allerdings kann Stevia einen bitteren bis lakritzartigen Geschmack haben, der gewöhnungsbedürftig ist. Außerdem werden die Stevioglykoside in einem aufwendigen chemischen Verfahren gewonnen, bei dem auch umweltschädliche Aluminiumsalze verwendet werden. Der Großteil der Stevioglykoside wird in China hergestellt.
Weitere Süßstoffe und ihre potenziellen Risiken
Neben Stevia gibt es noch weitere Süßstoffe, die mit potenziellen Risiken für die Gesundheit in Verbindung gebracht werden:
- Xylit (Birkenzucker): Eine Studie der Cleveland Clinic in den USA deutete darauf hin, dass erhöhte Werte des Süßstoffes Xylit im Körper ein Risiko für schwere Herzerkrankungen und Schlaganfälle darstellen könnten.
- Erythrit: Eine ältere Studie deutete auf ähnliche Gesundheitsgefahren im Zusammenhang mit dem Süßstoff Erythrit hin. Beide Zuckeraustauschstoffe könnten die Bildung von Blutgerinnseln begünstigen.
- Aspartam: Die WHO stufte Aspartam im Sommer 2023 als "möglicherweise krebserregend" ein.
Natürliche Alternativen zu Zucker
Neben Süßstoffen gibt es auch natürliche Alternativen zu Zucker, wie zum Beispiel:
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- Honig
- Ahornsirup
- Apfelmus
- Kokosblütenzucker
Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass auch diese Alternativen Zucker enthalten und daher in Maßen konsumiert werden sollten. Agavendicksaft beispielsweise enthält einen hohen Anteil an Fructose, der bei übermäßigem Konsum die Entstehung von Übergewicht begünstigen kann.
Praktische Tipps zur Reduzierung des Zuckerkonsums
Um den Zuckerkonsum zu reduzieren und die Hirngesundheit zu fördern, können folgende Tipps hilfreich sein:
- Vermeiden Sie Fertigprodukte: Kochen Sie mit frischen Zutaten, um die Kontrolle über die zugesetzte Zuckermenge zu behalten.
- Reduzieren Sie den Konsum von gesüßten Getränken: Trinken Sie Wasser, ungesüßten Tee oder selbstgemachte Limonaden.
- Achten Sie auf versteckten Zucker: Lesen Sie die Zutatenliste von Lebensmitteln sorgfältig durch und vermeiden Sie Produkte mit hohem Zuckergehalt.
- Verwenden Sie natürliche Süßungsmittel in Maßen: Experimentieren Sie mit Honig, Ahornsirup oder Apfelmus als Alternative zu Zucker.
- Integrieren Sie komplexe Kohlenhydrate in Ihre Ernährung: Bevorzugen Sie Vollkornprodukte, Gemüse und Hülsenfrüchte gegenüber raffinierten Kohlenhydraten.
- Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung: Eine Ernährung, die reich an Obst, Gemüse, gesunden Fetten und Proteinen ist, kann dazu beitragen, den Blutzuckerspiegel stabil zu halten und die Hirngesundheit zu fördern.