Die Alzheimer-Krankheit stellt eine der größten medizinischen und gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit dar. Mit der stetig wachsenden Zahl von Menschen, die an Demenz erkranken, rückt die Notwendigkeit effektiver Behandlungsmethoden immer stärker in den Fokus. Obwohl es derzeit keine Heilung für Alzheimer gibt, existieren verschiedene Medikamente und Therapieansätze, die den Krankheitsverlauf verlangsamen, Symptome lindern und die Lebensqualität der Betroffenen verbessern können. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die aktuellen durchblutungsfördernden Mittel und Behandlungsstrategien bei Alzheimer.
Einführung in die Alzheimer-Krankheit
Die Alzheimer-Krankheit ist die häufigste Ursache für Demenz, bei der Nervenzellen im Gehirn nach und nach absterben. Dies führt zu einem fortschreitenden Verlust kognitiver Fähigkeiten wie Gedächtnis, Sprache, Orientierung und Denkvermögen. Die genauen Ursachen der Alzheimer-Krankheit sind noch nicht vollständig geklärt, jedoch spielen Amyloid-Plaques und hyperphosphoryliertes Tau-Protein eine wesentliche Rolle bei der Pathogenese.
Frühzeitige Diagnose und ihre Bedeutung
Eine frühzeitige Diagnose der Alzheimer-Krankheit ist von entscheidender Bedeutung, um:
- Heilbare Erkrankungen rechtzeitig zu erkennen und zu behandeln.
- Bei nicht heilbaren Erkrankungen den Verlauf zu verlangsamen und vorhandene Ressourcen länger zu nutzen.
- Die veränderte Lebensplanung für sich oder gemeinsam zu gestalten und Vorsorgemaßnahmen zu veranlassen.
Der Weg zur Diagnose führt meist über den Hausarzt zum Facharzt (Neurologe, Psychiater oder Memoryklinik). Das Erkennen läuft über Ausschlussverfahren (internistische Abklärung, Gespräche mit den Betroffenen und den für sie Sorge tragenden), Tests und weitergehende Untersuchungsmöglichkeiten.
Medikamentöse Behandlungsansätze
Die medikamentöse Behandlung der Alzheimer-Krankheit zielt darauf ab, die Symptome zu lindern und den Krankheitsverlauf zu verlangsamen. Es gibt verschiedene Wirkstoffgruppen, die je nach Stadium und Beschwerden eingesetzt werden.
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Antikörper-Medikamente
Ein neuer Ansatz in der Alzheimer-Behandlung sind Antikörper-Medikamente, die direkt an einer der möglichen Krankheitsursachen ansetzen: schädliche Proteinablagerungen im Gehirn, sogenannte Amyloid-Plaques. Leqembi (Wirkstoff: Lecanemab) war das erste in der EU zugelassene Antikörper-Medikament zur Behandlung der Alzheimer-Krankheit, kurz darauf wurde auch Kisunla (Wirkstoff: Donanemab) zugelassen. Beide sind seit Herbst 2025 in Deutschland erhältlich.
Leqembi und Kisunla richten sich ausschließlich an Menschen im frühen Alzheimer-Stadium, also bei leichter kognitiver Beeinträchtigung (MCI) oder beginnender Demenz. Vor Beginn der Behandlung sind ein Gentest sowie der Nachweis von Amyloid-Ablagerungen (Liquoruntersuchung oder PET-Scan) erforderlich. Die Behandlung erfolgt in spezialisierten Zentren. Leqembi wird alle zwei Wochen als Infusion verabreicht, Kisunla alle vier Wochen.
Antidementiva
Antidementiva können helfen, den geistigen Abbau zu verlangsamen und die Selbstständigkeit länger zu erhalten. Es gibt zwei Wirkstoffgruppen, die je nach Stadium der Erkrankung zur Anwendung kommen: Acetylcholinesterase-Hemmer und Glutamat-Antagonisten. Aktuell sind in Deutschland vier Antidementiva zugelassen, davon drei Acetylcholinesterase-Hemmer und ein Glutamat-Antagonist. Die Alzheimer-Behandlung mit Antidementiva wird von den Leitlinien der medizinischen Fachgesellschaften empfohlen. In der Praxis werden zwei Drittel der Patienten über ein Jahr damit behandelt. Weniger als die Hälfte über zwei Jahre und länger.
Acetylcholinesterase-Hemmer
Acetylcholinesterase-Hemmer verbessern die Signalübertragung im Gehirn, indem sie den Abbau des Botenstoffs Acetylcholin hemmen. Sie kommen bei leichter bis mittelschwerer Alzheimer-Demenz zum Einsatz. Zu diesen Medikamenten gehören:
- Donepezil (z. B. Aricept®)
- Rivastigmin (z. B. Exelon®) - auch als Pflaster
- Galantamin (z. B. Reminyl®)
Cholinesterasehemmer können den Abbau der geistigen Leistungsfähigkeit leicht verzögern. Manche Menschen mit Demenz können sich dadurch Dinge etwas besser merken. Dies kann auch helfen, Alltagstätigkeiten wie Einkaufen oder Anziehen etwas länger selbst zu bewältigen.
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Glutamat-Antagonisten
Memantin wird bei mittelschwerer bis schwerer Alzheimer-Demenz verordnet. Es schützt Nervenzellen vor einer Überstimulation durch Glutamat, einen wichtigen Botenstoff im Gehirn. Memantin kann den Abbau geistiger Fähigkeiten bei manchen Menschen mit Demenz etwas verzögern. Es gibt auch Hinweise, dass mit Memantin alltagspraktische Fähigkeiten wie Zähneputzen, Anziehen oder das Fahren mit öffentlichen Verkehrsmitteln etwas länger erhalten bleiben. Zudem deuten Studien an, dass es starke Unruhe verringern und die Stimmung verbessern kann.
Ginkgo biloba
Neben Antidementiva kann auch der pflanzliche Wirkstoff Ginkgo biloba zur Unterstützung der kognitiven Funktionen eingesetzt werden. Der Extrakt aus den Blättern des Ginkgo-Baums gilt als gut verträglich, kann aber Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten haben. Deshalb sollte die Einnahme immer ärztlich abgeklärt werden. Laut der aktuellen S3-Leitlinie Demenzen gibt es Hinweise auf eine Wirksamkeit bei leichter bis mittelschwerer Alzheimer-Demenz.
Ginkgo ist ein pflanzliches Präparat, das aus Blättern des Ginkgo-biloba-Baums gewonnen wird. Dem Mittel werden unterschiedliche Wirkungen zugeschrieben, unter anderem, dass es die Durchblutung verbessert und Nervenzellen schützt. Ginkgo-Präparate können rezeptfrei gekauft werden. Bei Demenz-Erkrankungen kann die Ärztin oder der Arzt sie auch verschreiben. Einzelne Studien geben Hinweise, dass Ginkgo in der höchsten geprüften Dosierung (240 mg pro Tag) wirksam ist. Menschen mit leichter oder mittelschwerer Alzheimer-Demenz konnten dadurch alltägliche Verrichtungen wie Haushaltsarbeiten oder Körperpflege zumindest vorübergehend wieder besser bewältigen. Die Studien weisen auch darauf hin, dass Ginkgo in hoher Dosierung die Gedächtnisleistung verbessern und psychische Beschwerden lindern könnte. Allerdings ist unklar, wie groß dieser Effekt ist.
Medikamente gegen Begleitsymptome
Neben den spezifischen Alzheimer-Medikamenten werden auch Medikamente zur Behandlung von Begleitsymptomen eingesetzt, die die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen können.
Antidepressiva
Depressionen treten bei Menschen mit Demenz häufig auf und sollten behandelt werden, da sie sich negativ auf die Lebensqualität und die geistige Leistungsfähigkeit auswirken können. Die S3-Leitlinie Demenzen von Februar 2025 empfiehlt zur Behandlung von Depressionen bei Alzheimer-Demenz den Einsatz von Mirtazapin oder Sertralin. Die Auswahl des Medikaments sollte individuell erfolgen, da manche Antidepressiva unerwünschte Nebenwirkungen haben können - zum Beispiel ein erhöhtes Sturzrisiko oder eine verstärkte Blutungsneigung.
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Neuroleptika
Neuroleptika werden bei bestimmten Begleiterscheinungen der Alzheimer-Krankheit eingesetzt. Dazu gehören herausfordernde Verhaltensweisen wie plötzliche Wutausbrüche sowie Halluzinationen und Wahnvorstellungen. Wegen möglicher Nebenwirkungen ist der Einsatz von Neuroleptika mit Vorsicht zu bewerten.
Nicht-medikamentöse Therapieansätze
Bei allen Formen der Demenz sind nicht-medikamentöse Therapien sehr wichtig. In der Behandlung von Verhaltensänderungen stehen nicht-medikamentöse Therapieverfahren idealerweise an erster Stelle.
Kognitive Stimulation
Unser Denkvermögen kann trainiert werden. Das gilt für gesunde Menschen ebenso, wie für Demenzerkrankte. Sie sollten also unbedingt berücksichtigen, dass Demenzerkrankte ein Bedürfnis danach haben, ihre verbliebenen Fähigkeiten einzusetzen.
Ergotherapie und Physiotherapie
Bei der ergotherapeutischen Demenz-Therapie geht es in erster Linie darum, motorische Fähigkeiten zu erhalten und zu trainieren. Denn im Laufe der Erkrankung gehen selbst einfachste Fähigkeiten wie das Ankleiden und Kochen verloren. Ergotherapie fördert also sehr stark die Eigenständigkeit des Demenzerkrankten. Mit fortschreitender Erkrankung liegt der Fokus mehr auf der Körperwahrnehmung und einfachen Bewegungsabläufen. Einen sehr ähnlichen Ansatz verfolgt die physiotherapeutische Demenz-Therapie. Auch hier geht es darum, Mobilität zu erhalten und Bewegung zu fördern.
Milieutherapie
Je stärker eine dementielle Erkrankung fortschreitet, desto weniger sind Betroffene in der Lage, sich selbst der Umwelt anzupassen. Die Milieutherapie ist also keine Behandlung am Menschen, sondern betrifft die demenzgerechte Gestaltung der Umwelt der Erkrankten. Ein demenzgerecht gestaltetes Umfeld entfaltet dauerhaft seine therapeutische Wirkung. Insbesondere das Wohlbefinden können Sie durch die Milieutherapie steigen und in vielen Fällen sogar herausforderndes Verhalten verringern.
Psychotherapie und Verhaltenstherapie
Psychotherapie nimmt keinen direkten Einfluss auf den Verlauf der Krankheit. Dasselbe gilt für die Verhaltenstherapie als spezielle Form der Psychotherapie. Psychotherapie kann in erster Linie die Gedanken, Einstellungen und Bewertungen einer Person gegenüber der Diagnose Demenz verändern. Bei der Verhaltenstherapie geht es gezielt darum, einen guten Umgang mit der Demenz im Alltag zu finden.
Kunst- und Musiktherapie
Zeichnen, Malen und Gestalten sind nicht nur eine Beschäftigung, sondern auch eine Ausdrucksform. Sie erfordern motorisches Geschick, Konzentration und eine Auseinandersetzung mit eigenen Erinnerungen und Emotionen. Die aktive Musiktherapie setzt voraus, dass die Erkrankung ein aktives Musizieren, Tanzen oder Singen in Gruppen erlaubt. Außerdem sollte der Betroffene Freude an Musik haben. Die rezeptive Musiktherapie ist einfach umzusetzen und kann in allen Phasen der Erkrankung das Wohlbefinden steigern und Erinnerungen wecken. Idealerweise hört der Demenzerkrankte bewusst und ohne Ablenkung Musik, zu der er einen starken biografischen Bezug hat.
Selbsterhaltungstherapie (SET)
Hinter dem Kürzel SET verbirgt sich ein neuropsychologisch fundiertes Konzept zur Behandlung und Betreuung von Menschen mit Demenz. Kern dieser Therapie ist die Idee, dass Menschen mit Demenz besonders gefährdet sind, ihr Selbstbild und ihre Wahrnehmung von sich selbst als Person zu verlieren. Sie sollten einen respektvollen Umgang pflegen und nicht jedes Missgeschick oder Fehlverhalten kritisch zur Sprache zu bringen. Es dürfen sogar falsche Angaben bestätigt werden, wenn dies dem Ziel dient, Stabilität und Zuverlässigkeit zu vermitteln. Außerdem sollten Sie die betroffene Person aktiv ermutigen, Erledigungen selbst zu machen, Wünsche zu äußern und an Aktivitäten teilzunehmen.
Sprachtherapie
Für viele Demenzerkrankte wird es mit der Zeit immer schwieriger, mit anderen Menschen zu kommunizieren. Wortfindungsprobleme, schlechte Aussprache und mangelndes Sprachverständnis können aber gezielt mit sprach-therapeutischen Maßnahmen bekämpft werden. Außerdem können Logopäden bei auftretenden Schluckstörungen helfen, indem sie mit entsprechenden Übungen den Kau- und Schluckapparat trainieren.
Sensorische Therapie (Snoezelen)
Ist die Demenzerkrankung weiter fortgeschritten, wird die Auswahl relevanter Behandlungen und Aktivitäten immer kleiner. Dann wird vielleicht gerade jetzt die sensorische Therapie interessant. Bekannt wurde dieser Ansatz vor allem als „Snoezelen“. Beim Snoezelen geht es in erster Linie darum, einer Person möglichst vielfältige sinnliche Wahrnehmungen zu ermöglichen. Insbesondere der Sehsinn, Hörsinn, Geruchssinn und Tastsinn werden mit positiven Reizen angesprochen.
Tiergestützte Therapie
Hinter dem Begriff „tiergestützte Therapie“ verbirgt sich ganz einfach der Umgang mit Tieren. Also das Streicheln und die Interaktion mit Tieren unterschiedlichster Art. Dabei werden die sinnliche Wahrnehmung und die Sozialfähigkeit der demenzerkrankten Person angesprochen.
Präventive Maßnahmen
Demenziellen Erkrankungen kann laut der S3-Leitlinie »Demenzen« (Stand 2016) durch körperliche Bewegung und aktives geistiges und soziales Leben teilweise vorgebeugt werden. In der Fachzeitschrift »The Lancet« hat ein Team um Professor Dr. Gill Livingston vom University College London kürzlich zwölf beeinflussbare Risikofaktoren benannt, die mit der Entstehung von Demenz zusammenhängen können. Dies sind niedriger Bildungsstand, Hypertonie, schlechtes Hören, Rauchen, Übergewicht, Depression, Diabetes, mangelnde körperliche Aktivität und wenig Sozialkontakte - und nach neuen Erkenntnissen auch exzessiver Alkoholkonsum, Kopf- und Hirnverletzungen und Luftverschmutzung.
Körperliche Bewegung regt u.a. den Sauerstoffaustausch und die Durchblutung an und schützt vor Übergewicht und damit verbundenen Komplikationen. Geistige Regsamkeit ermöglicht längeren Widerstand gegen Zelluntergang und bietet mehr Kompensationsmöglichkeiten. Soziale Kontakte helfen gegen Isolation. Hobbies und Sinne anregendes verhindern Interessenverarmung und Antriebslosigkeit. Neugierde auf die Welt, sowie neue Eindrücke und Anforderungen halten das Gehirn leistungsfähig.
Herausforderungen und Ausblick
Die Behandlung der Alzheimer-Krankheit ist komplex und erfordert einen ganzheitlichen Ansatz, der sowohl medikamentöse als auch nicht-medikamentöse Therapien umfasst. Die Forschung in diesem Bereich schreitet stetig voran, und es gibt Hoffnung auf neue Medikamente und Therapieansätze, die den Krankheitsverlauf noch besser beeinflussen können.
Ein neuer Therapieansatz sind monoklonale Antikörper, die den Abbau von Beta-Amyloid-Ablagerungen im Gehirn fördern sollen. Damit greifen sie direkt in die Pathophysiologie der Alzheimer-Demenz ein. Die Zulassungsanträge in den USA und Europa liegen vor. Allerdings sahen externe Berater der US-amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA keinen Beleg für die Wirksamkeit. Kosten und klinischer Nutzen bleiben abzuwarten.
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