Alzheimer: Ursachen, Symptome, Behandlung und Wege zur Bewältigung des geistigen Verfalls

Die Alzheimer-Krankheit ist die häufigste Form der Demenz und betrifft Millionen von Menschen weltweit. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die Alzheimer-Krankheit, einschließlich ihrer Ursachen, Symptome, Diagnose, Behandlung und der Bedeutung von Prävention und Unterstützung für Betroffene und ihre Familien.

Einführung in Demenz und Alzheimer

Demenz ist ein Sammelbegriff für eine Vielzahl von Erkrankungen, die zu einem Verlust von Denk- und Gedächtnisleistungen führen. Die Alzheimer-Krankheit ist die häufigste Ursache für Demenz, auf die 60 bis 70 % aller Fälle entfallen. Laut der Deutschen Alzheimer Gesellschaft (DAlzG) lebten Ende 2021 in Deutschland rund 1,8 Millionen Menschen mit Demenz.

Was ist die Alzheimer-Krankheit?

Die Alzheimer-Krankheit, auch als „Demenz vom Alzheimer-Typ“ oder „Morbus Alzheimer“ bezeichnet, ist eine fortschreitende neurodegenerative Erkrankung des Gehirns. "Neurodegenerativ" bedeutet, dass Zellen des Nervensystems nach und nach geschädigt werden und absterben bzw. ihre Funktion nicht mehr erfüllen können. Alois Alzheimer beschrieb die Krankheit erstmals 1906.

Ursachen der Alzheimer-Krankheit

Die genauen Ursachen der Alzheimer-Krankheit sind noch nicht vollständig geklärt. Es wird angenommen, dass mehrere Faktoren zusammenwirken, darunter genetische Veranlagung, Alter und Umweltfaktoren.

Proteinablagerungen im Gehirn

Ein Kennzeichen der Alzheimer-Krankheit sind spezielle Veränderungen im Gehirn, insbesondere die Ansammlung von zwei Proteinen: Beta-Amyloid und Tau-Protein.

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  • Beta-Amyloid: Beta-Amyloid ist ein Protein, das normalerweise im Gehirn vorkommt. Bei Alzheimer wird dieses Protein fehlerhaft verarbeitet und bildet Klumpen oder Ablagerungen, sogenannte Plaques. Diese Plaques wirken wie Straßensperren auf den Informationswegen des Gehirns.
  • Tau-Protein: Im Inneren der Gehirnzellen gibt es Strukturen, die wie Schienen für den Transport von Nährstoffen und anderen wichtigen Substanzen vorgesehen sind. Diese Strukturen werden durch das Tau-Protein stabilisiert. Bei Alzheimer verändert sich das Tau-Protein und bildet knäuelartige Fasern, sogenannte Fibrillen.

Weitere Faktoren

Neben den Proteinablagerungen spielen auch andere Faktoren eine Rolle bei der Entstehung der Alzheimer-Krankheit, darunter:

  • Genetische Faktoren: In etwa einem Prozent aller Alzheimer-Fälle handelt es sich um eine Erbkrankheit, die sogenannte familiäre Alzheimer-Demenz (FAD).
  • Alter: Das Alter ist der wichtigste Risikofaktor für die Alzheimer-Krankheit. Die meisten Betroffenen sind älter als 65 Jahre.
  • Weitere Risikofaktoren: Es gibt eine Reihe von Faktoren, die das Risiko für die Entwicklung von Demenzerkrankungen und kognitiven Abbauprozessen erhöhen können, darunter Diabetes, Bluthochdruck, erhöhter Cholesterinspiegel, Rauchen, Depressionen, Übergewicht, wenig soziale Kontakte und Schwerhörigkeit.

Symptome der Alzheimer-Krankheit

Die Symptome der Alzheimer-Krankheit beginnen schleichend und verschlechtern sich allmählich. Zunächst fallen Beeinträchtigungen des Kurzzeitgedächtnisses auf. Betroffene können sich neue Informationen nicht mehr einprägen oder finden abgelegte Gegenstände nicht wieder. Hinzu kommen Wortfindungsstörungen und Orientierungslosigkeit.

Hauptsymptome

Die Hauptsymptome der Alzheimer-Krankheit umfassen:

  • Gedächtnisstörungen: Vergesslichkeit ist oft eines der ersten und auffälligsten Anzeichen von Alzheimer. Betroffene vergessen kürzlich zurückliegende Ereignisse, wichtige Termine oder Namen.
  • Orientierungsprobleme: Alzheimer-Patienten können außerdem die örtliche und zeitliche Orientierung verlieren. Sie vergessen, wo sie sind und wie sie dorthin gekommen sind. Typisch sind auch Schwierigkeiten mit der Uhrzeit, der Jahreszeit oder der zeitlichen Einordnung in Kategorien wie „gestern“, „heute“ und „morgen“.
  • Sprachstörungen (Aphasie): Bei einer Alzheimererkrankung sind Störungen der Kommunikation und der Sprache ein charakteristisches Symptom. Wortfindungsstörungen sind klassische Alzheimer-Anzeichen im Bereich Kommunikation und Sprache. Demenzerkrankte benennen Dinge plötzlich anders und sagen zum Beispiel „Hand-Uhr“ statt „Armbanduhr“.
  • Schwierigkeiten bei der Ausführung gewohnter Alltagsaufgaben: Menschen mit Alzheimer kann es zunehmend schwerfallen, gewohnte Alltagsaufgaben zu erledigen. Im fortgeschrittenen Stadium haben viele Patienten auch Schwierigkeiten bei alltäglichen Ritualen wie Essen und Trinken oder der Körperpflege.
  • Veränderungen in Verhalten, Stimmung und Persönlichkeit: Eine Alzheimer-Krankheit kann mit Veränderungen in Verhalten, Stimmung und Persönlichkeit der Patienten einhergehen. Für die Betroffenen wird es immer schwieriger, ihre Gefühle zu kontrollieren. Starke Gefühlsausbrüche, beispielsweise in Form von Wut und Aggression, können im Pflegealltag sehr herausfordernd sein.
  • Vermindertes Urteilsvermögen: Verhältnismäßige Entscheidungen zu treffen, bereitet Menschen mit Alzheimer zunehmend Schwierigkeiten.

Weitere Symptome

Weitere mögliche Symptome der Alzheimer-Krankheit sind:

  • Probleme mit dem räumlichen Denken
  • Fehlinterpretationen von Informationen
  • Unruhe und Umherwandern
  • Schlafstörungen
  • Halluzinationen

Stadien der Alzheimer-Krankheit

Die Alzheimer-Krankheit ist chronisch und verläuft in verschiedenen Stadien, wobei die Dauer der einzelnen Stadien je nach Einzelfall variiert.

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Frühstadium (leichtes Stadium)

Im frühen Stadium von Alzheimer, auch als Stadium 2 bekannt, sind die Störungen noch relativ gering. Allerdings ist das Kurzzeitgedächtnis bereits beeinträchtigt, und es fällt den Betroffenen schwer, sich zu konzentrieren und Gesprächen zu folgen. Sie benötigen Unterstützung bei finanziellen Angelegenheiten oder Behördengängen. Dinge werden verlegt, Informationen nicht behalten.

Mittleres Stadium (mittelschweres Stadium)

Im mittleren Stadium nehmen die Sprach- und Orientierungsprobleme sowie die Vergesslichkeit zu, und der Tag-Nacht-Rhythmus kann gestört sein. Häufig stellt sich im mittleren Stadium auch eine massive Unruhe ein. Viele Betroffene neigen dazu, aus der Wohnung zu laufen, eine sogenannte Hinlauftendenz. Für viele Angehörige ist es besonders schwierig, wenn der Erkrankte ihren Namen nicht mehr weiß oder sie für eine andere Person hält. Außerdem kann es zu aggressivem Verhalten und Wutausbrüchen kommen.

Spätstadium (schweres Stadium)

Im Endstadium von Alzheimer sind die meisten Patienten teilnahmslos. Essen und Trinken ist nicht mehr selbstständig möglich. Die Betroffenen erkennen meist vertraute Personen nicht mehr, verlieren die Fähigkeit zu sprechen und ihre Bewegungen zu koordinieren. Verschiedene Faktoren im Endstadium von Alzheimer schwächen zudem das Immunsystem der Patienten. In der Folge sind sie anfälliger für Infektionskrankheiten, die dann oftmals tödlich enden.

Diagnose der Alzheimer-Krankheit

Eine frühzeitige Diagnose bei Alzheimer ist in vieler Hinsicht wichtig, auch wenn die Krankheit an sich bislang nicht heilbar ist. Sie bildet die Grundlage für alle weiteren Maßnahmen, die im nächsten Schritt getroffen werden sollten.

Anlaufstellen

Erste Anlaufstelle zur Abklärung von Auffälligkeiten ist in der Regel der Hausarzt. Neurologen sind Spezialisten für Erkrankungen des Nervensystems, einschließlich des Gehirns. In vielen Krankenhäusern gibt es spezielle Gedächtnissprechstunden oder ganze Gedächtnisambulanzen, die auf die Frühdiagnostik bei beginnenden Gedächtnisproblemen spezialisiert sind.

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Diagnoseverfahren

Die Diagnostik bei einer Alzheimer-Krankheit umfasst in der Regel mehrere Untersuchungen und spezielle Tests. Das ist wichtig, denn die Symptome des Patienten müssen gründlich bewertet und abgeklärt werden.

  • Kognitive Tests und psychometrische Tests: Im Rahmen von verschiedenen Demenz-Tests wird die geistige Leistungsfähigkeit untersucht. Dabei absolvieren Patienten kleinere Aufgaben und beantworten Fragen. Besonders bekannt sind dabei Kurztests wie der Mini-Mental-Status-Test (MMST), der Montreal Cognitive Assessment Test (MoCA) oder der DemTect.
  • Shulmann-Uhrentest: Beim Uhren-Zeichen-Test nach Shulmann handelt es sich um einen Schnell-Test, um dementielle Erkrankungen festzustellen.
  • Untersuchungen des Nervenwassers (Liquor): Besonders wichtig sind Untersuchungen des Nervenwassers (Liquor), in dem sich charakteristische Eiweißveränderungen nachweisen lassen.
  • Blutuntersuchungen: Blutuntersuchungen helfen, andere Ursachen der Symptome wie zum Beispiel Infektionen, Vitaminmangel oder eine Schilddrüsenunterfunktion auszuschließen.
  • Bildgebende Verfahren: Bildgebende Verfahren wie die Magnetresonanztomographie (MRT) können typische Schrumpfungen bestimmter Gehirnbereiche sichtbar machen, während spezielle PET-Scans Amyloid-Ablagerungen bereits früh erkennen können.

Differenzialdiagnose

Zur Diagnosestellung einer Demenz gehört der Ausschluss zahlreicher anderer Erkrankungen und die korrekte differenzialdiagnostische Einordnung der Demenz-Art. Für die Diagnose „Demenz“ muss eine gewisse Schwere der Symptome erreicht sein. Ist dies nicht der Fall, wird eine „milde kognitive Beeinträchtigung“ diagnostiziert.

Behandlung der Alzheimer-Krankheit

Obwohl die Alzheimer-Krankheit nicht heilbar ist, gibt es verschiedene Therapie- und Behandlungsmöglichkeiten, die das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen und die Lebensqualität der Betroffenen verbessern können.

Medikamentöse Therapie

Bei Alzheimer zielen Medikamente auf einen Ausgleich von Botenstoffmangeln. Cholinesterasehemmer und Memantin sind gängige Medikamente, die den Abbau der geistigen Fähigkeiten bei leichter und mittelschwerer Demenz etwas verzögern können.

Seit 2023 stehen zudem zwei Antikörper zur ursächlichen Behandlung der frühen Alzheimer-Demenz zur Verfügung: Lecanemab und Aducanumab. Diese Medikamente bauen aktiv Amyloid-Plaques ab, die bei der Entstehung der Krankheit eine zentrale Rolle spielen. Lecanemab hat in Studien gezeigt, dass es den kognitiven Abbau binnen 18 Monaten um 27 % verlangsamen kann.

Es ist wichtig zu beachten, dass diese Medikamente nicht für alle Patienten geeignet sind und mit Nebenwirkungen verbunden sein können.

Nicht-medikamentöse Therapie

Neben der medikamentösen Behandlung spielen nicht-medikamentöse Therapien eine wichtige Rolle. Dazu gehören:

  • Gezieltes Gedächtnistraining: Gezieltes Gedächtnistraining kann den Abbau kognitiver Fähigkeiten verlangsamen.
  • Kognitive und körperliche Aktivierung: Geistige und körperliche Aktivierung, Ergotherapie, Musiktherapie und Gehirntraining können helfen, die kognitiven Fähigkeiten zu erhalten und die Lebensqualität zu verbessern.
  • Ergotherapie: Ergotherapie kann Betroffenen helfen, ihre Alltagsfähigkeiten zu erhalten und zu verbessern.
  • Musiktherapie: Musiktherapie kann die Stimmung verbessern und die Kommunikation fördern.
  • Körperliche Aktivität: Regelmäßige körperliche Aktivität kann die Durchblutung des Gehirns verbessern und die kognitiven Funktionen unterstützen.
  • Anpassung des Wohnraums: Kleine Orientierungs- und Erinnerungshilfen im Wohnraum können Betroffenen und Angehörigen den Pflegealltag erleichtern.

Unterstützung für Angehörige

Für pflegende Angehörige ist Beratung und Unterstützung besonders wichtig, da sie oft über Jahre hinweg eine enorme Belastung tragen. Selbsthilfegruppen und Beratungsstellen wie die Deutsche Alzheimer Gesellschaft bieten wertvolle Hilfe.

Leben mit Alzheimer

Das Leben mit Alzheimer stellt Betroffene und ihre Familien vor große Herausforderungen. Es ist wichtig, sich frühzeitig mit der Erkrankung auseinanderzusetzen und Vorkehrungen zu treffen.

Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht

Eine Patientenverfügung stellt sicher, dass die medizinischen Wünsche des Patienten auch in unerwarteten Situationen respektiert werden und bewahrt so seine Selbstbestimmung. Sie greift in Situationen, in denen der Patient aufgrund von Krankheit oder Verletzung nicht in der Lage ist, sie selbst auszudrücken.

Mit einer Vorsorgevollmacht oder einer Betreuungsverfügung lässt sich regeln, wer später Aufgaben in der Versorgung übernehmen und Entscheidungen treffen soll.

Pflegegrad

Wenn sich ein Unterstützungsbedarf abzeichnet, sollte der mögliche Anspruch auf einen Pflegegrad geprüft werden. Denn mit diesem stehen der betroffenen Person verschiedene Leistungen der Pflegeversicherung zu, die ihren Pflegealltag erleichtern sollen.

Kommunikation und Umgang

Wenn Sie einen Menschen mit Demenz zuhause pflegen, müssen Sie einen Weg finden, wie Sie langfristig gut miteinander kommunizieren und leben können.

Beschäftigung und Aktivitäten

Wenn Alzheimer-Patienten über die Zeit den Umgang mit alltäglichen Dingen verlernen, wird die Auswahl an Aktivitäten im Alltag immer kleiner. Das Bedürfnis nach Beschäftigung bleibt jedoch. Kleinere Aufgaben und Übungen für die Person mit Alzheimer schaffen auch Ihnen als Pflegeperson kleine Pausen.

Prävention der Alzheimer-Krankheit

Obwohl Alzheimer bisher nicht bei allen Menschen verhindert werden kann, deuten Studien darauf hin, dass bestimmte Faktoren das Erkrankungsrisiko senken können. Zu den wichtigsten präventiven Maßnahmen gehören:

  • Regelmäßige körperliche Bewegung: Bewegung fördert die Durchblutung des Gehirns und unterstützt die Gesundheit von Nervenzellen.
  • Gesunde Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung, insbesondere mediterrane Kost, kann das Risiko für Alzheimer senken.
  • Geistige Aktivität: Geistige Aktivität, wie z.B. Lesen, Kreuzworträtsel lösen oder das Erlernen neuer Fähigkeiten, kann die kognitiven Funktionen stärken.
  • Pflege sozialer Kontakte: Soziale Kontakte undInteraktionen können das Gehirn aktiv halten und das Demenzrisiko senken.
  • Kontrolle von Risikofaktoren: Die Kontrolle von Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Diabetes und erhöhter Cholesterinspiegel kann das Demenzrisiko reduzieren.

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