Alzheimer einfach erklärt: Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten

Alzheimer ist eine fortschreitende Erkrankung des Gehirns, die vor allem ältere Menschen betrifft und durch den Abbau geistiger Fähigkeiten gekennzeichnet ist. Im Laufe der Zeit verlieren Betroffene zunehmend ihre Selbstständigkeit und verändern sich in ihrem Verhalten und Wesen. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die Alzheimer-Krankheit, ihre Ursachen, Symptome, Stadien und Behandlungsmöglichkeiten, um ein besseres Verständnis für diese komplexe Erkrankung zu ermöglichen.

Was ist Alzheimer?

Alzheimer ist die häufigste Form der Demenz und betrifft vor allem Menschen über 80 Jahre. Charakteristisch sind fortschreitende Gedächtnisstörungen, Orientierungsprobleme und Persönlichkeitsveränderungen durch das Absterben von Nervenzellen. Die Erkrankung verläuft in verschiedenen Stadien und ist in über 97 % der Fälle nicht erblich bedingt.

Die Alzheimer-Krankheit ist eine fortschreitende neurodegenerative Erkrankung des Gehirns und mit 60 bis 80 % die häufigste Form einer Demenz. Benannt nach dem deutschen Neurologen Alois Alzheimer, der sie 1906 erstmals beschrieb, führt sie zu einem langsamen, aber stetigen Verlust kognitiver Fähigkeiten. Das Kennzeichen der Erkrankung ist das fortschreitende Absterben von Nervenzellen und deren Verbindungen. Im Gehirn von Alzheimer-Kranken finden sich typische Eiweißablagerungen: die sogenannten Beta-Amyloid-Plaques und Tau-Fibrillen. Diese "Eiweißmüllhaufen" lagern sich um die Nervenzellen herum ab, schädigen sie und führen schließlich zu deren Absterben, was zum charakteristischen Gehirnabbau führt.

Ursachen und Risikofaktoren

Die genauen Ursachen der Alzheimer-Krankheit sind noch nicht vollständig erforscht. Es wird angenommen, dass mehrere Faktoren zusammenwirken, um die Entstehung der Krankheit zu begünstigen.

Eiweißablagerungen im Gehirn

Im Gehirn von Menschen mit Alzheimer lagern sich schädliche Proteine wie Amyloid-beta ab. Bei der Alzheimer-Krankheit wird dieses Protein jedoch fehlerhaft verarbeitet und bildet Klumpen oder Ablagerungen. Diese sogenannten Plaques sind wie Straßensperren auf den Informationswegen des Gehirns. Im Inneren der Gehirnzellen gibt es Strukturen, die wie Schienen für den Transport von Nährstoffen und anderen wichtigen Substanzen vorgesehen sind. Diese Strukturen werden durch das Tau-Protein stabilisiert. Bei Alzheimer verändert sich das Tau-Protein und bildet knäuelhafte Fasern, sogenannte Fibrillen.

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Genetische Veranlagung

Die Krankheit Alzheimer kann genetisch vererbt werden, doch bei nur 3 Prozent der Erkrankungen bildet die genetische Komponente den alleinigen Auslöser. Ja, aber nur bei circa einem Prozent aller Alzheimer-Fälle handelt es sich um eine Erbkrankheit. Dabei spricht die Medizin von einer sogenannten familiären Alzheimer-Demenz, kurz FAD. Hier liegt das eigene Erkrankungsrisiko bei 50 Prozent, wenn ein Elternteil an dieser speziellen Alzheimer-Form erkrankt ist.

Jeder Mensch erbt von seinen Eltern zwei Kopien des ApoE-Gens, das in verschiedenen Varianten vorkommt. Die Variante ApoE4 erhöht das Alzheimer-Risiko und kann die Nebenwirkungen von Leqembi verstärken. Eine Kopie von ApoE4 (von einem Elternteil vererbt) bedeutet ein erhöhtes Risiko, ist aber behandelbar. Zwei Kopien von ApoE4 (von beiden Elternteilen vererbt) bedeuten ein stark erhöhtes Risiko für Hirnschwellungen und Hirnblutungen.

Weitere Risikofaktoren

Es gibt eine Reihe an Faktoren, die das Risiko für die Entwicklung von Demenzerkrankungen und kognitiven Abbauprozessen erhöhen können.

  • Alter über 65 Jahre
  • Diabetes mellitus („Zuckerkrankheit“)
  • Erhöhter Cholesterinspiegel
  • Rauchen
  • Depressionen
  • Bluthochdruck
  • Übergewicht
  • Wenige soziale Kontakte
  • Schwerhörigkeit
  • Geringe Bildung

Symptome der Alzheimer-Krankheit

Bei einer Alzheimererkrankung können verschiedene Symptome je nach Stadium der Erkrankung auftreten. Die Symptome entwickeln sich in der Regel langsam und verschlechtern sich zunehmend über mehrere Jahre. Zu Beginn kann der Verlauf ganz schleichend, nahezu unmerklich sein. Die Alzheimer-Krankheit kann bei jedem etwas unterschiedlich verlaufen.

  • Gedächtnisverlust: Vergesslichkeit ist oft eines der ersten und auffälligsten Anzeichen von Alzheimer. Betroffene vergessen wichtige Informationen, wiederholte Ereignisse und alltägliche Begebenheiten. Sie haben Schwierigkeiten, sich an kürzlich zurückliegende Ereignisse zu erinnern, während ältere Erinnerungen zunächst noch erhalten bleiben können.
  • Orientierungsschwierigkeiten: Alzheimer-Patienten können außerdem die örtliche und zeitliche Orientierung verlieren. Sie vergessen, wo sie sind und wie sie dorthin gekommen sind. Typisch sind auch Schwierigkeiten mit der Uhrzeit, der Jahreszeit oder der zeitlichen Einordnung in Kategorien wie „gestern“, „heute“ und „morgen“.
  • Sprachstörungen: Bei einer Alzheimererkrankung sind Störungen der Kommunikation und der Sprache ein charakteristisches Symptom. Die Medizin spricht dann von einer sogenannten Aphasie. Wortfindungsstörungen sind klassische Alzheimer-Anzeichen im Bereich Kommunikation und Sprache. Demenzerkrankte benennen Dinge plötzlich anders und sagen zum Beispiel „Hand-Uhr“ statt „Armbanduhr“.
  • Beeinträchtigung des Denkvermögens: Der fortschreitende kognitive Abbau macht es Betroffenen mit Alzheimer zunehmend schwer, allgemeine Informationen richtig einzuordnen. So ist es möglich, dass Menschen mit Alzheimer beispielsweise ihren Standort, einzelne Gegenstände, andere Personen oder gesprochene Worte falsch beziehungsweise anders interpretieren, weil sie es nicht mehr in den richtigen Kontext setzen können.
  • Schwierigkeiten bei der Ausführung von Alltagsaufgaben: Menschen mit Alzheimer kann es zunehmend schwerfallen, gewohnte Alltagsaufgaben zu erledigen. Im fortgeschrittenen Stadium haben viele Patienten auch Schwierigkeiten bei alltäglichen Ritualen wie Essen und Trinken oder der Körperpflege. Ein ungepflegtes Erscheinungsbild bei Patienten ist oftmals ein Ausdruck von fehlenden Fähigkeiten, beispielsweise nicht mehr weiß, wie er seinen Haarkamm bedienen soll.
  • Veränderungen in Verhalten, Stimmung und Persönlichkeit: Eine Alzheimer-Krankheit kann mit Veränderungen in Verhalten, Stimmung und Persönlichkeit der Patienten einhergehen. Verhältnismäßige Entscheidungen zu treffen, bereitet Menschen mit Alzheimer zunehmend Schwierigkeiten. Die Ursache dahinter ist ein vermindertes Urteilsvermögen. Für die Betroffenen wird es immer schwieriger, ihre Gefühle zu kontrollieren. Die Symptome der Alzheimer-Krankheit können die psychische Gesundheit von Patienten stark beeinträchtigen. Starke Gefühlsausbrüche, beispielsweise in Form von Wut und Aggression, können im Pflegealltag sehr herausfordernd sein.

Stadien der Alzheimer-Krankheit

Die Krankheit Alzheimer lässt sich anhand der Ausbreitung der Proteinablagerungen im Gehirn und der emotionalen, sozialen und kognitiven Beeinträchtigungen in Stadien einteilen.

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  1. bis 2. Die ersten Ablagerungen bilden sich im Gehirn.
  2. bis 4. Die Ablagerungen breiten sich weiter aus und betreffen insbesondere den Hippocampus und die Amygdala.
  3. bis 6. Die letzten Stadien beschreiben die fortgeschrittene Demenz mit Ablagerungen im Frontal-, Parietal- und Temporallappen.

Zusätzlich zu dieser Einteilung kann eine Unterteilung in Stadien stattfinden, die den Verlauf von Alzheimer mit Blick auf die Beeinträchtigungen der Betroffenen beschreiben:

  • Leichte kognitive Beeinträchtigung: In diesem Stadium werden die ersten Einschränkungen des Kurzzeitgedächtnisses sichtbar (Amnesie).
  • Leichtgradige Demenz: Zu den Symptomen gehören die Apraxie, sensorische Aphasie und Agnosie. Hier bemerken die Patientinnen und Patienten zunehmend ihre Beeinträchtigungen. Viele versuchen diese in dieser Phase zu verbergen.
  • Mittelschwere Demenz: Die Beeinträchtigungen nehmen stark zu und die Betroffenen können ihrem Alltag nicht mehr ohne Hilfe nachgehen. Neben den Alltagsfähigkeiten lässt das Langzeitgedächtnis nach, wodurch sie sich nicht mehr an ihr Alter oder die Namen von Bezugspersonen erinnern können, ebenso wie die Sprechfähigkeit (motorische Aphasie).
  • Schwere Demenz: Im letzten Stadium kommen zusätzlich die Apathie, Bettlägerigkeit, Inkontinenz sowie Inappetenz (fehlender Appetit) zum Krankheitsbild hinzu.

Die durchschnittliche Krankheitsdauer beträgt neun Jahre, wovon jedes Stadium circa drei Jahre andauert.

Diagnose von Alzheimer

Eine frühe Diagnose bei Alzheimer ist in vieler Hinsicht wichtig, auch wenn die Krankheit an sich bislang nicht heilbar ist. Sie bildet die Grundlage für alle weiteren Maßnahmen, die im nächsten Schritt getroffen werden sollten. Gerade zu Beginn führen frühe Anzeichen wie Vergesslichkeit oftmals zu Konflikten. Zu wissen, dass sich hinter diesen Anzeichen eine beginnende Alzheimer-Krankheit verbirgt, schafft mehr Verständnis und kann somit auch Konflikten vorbeugen. Das Wissen und der offene Austausch über die Erkrankung ist also in vielen Fällen sehr wertvoll.

Die Diagnostik bei einer Alzheimer-Krankheit umfasst in der Regel mehrere Untersuchungen und spezielle Tests. Das ist wichtig, denn die Symptome des Patienten müssen gründlich bewertet und abgeklärt werden.

  • Kognitive Tests und psychometrische Tests: Im Rahmen von verschiedenen Demenz-Tests wird die geistige Leistungsfähigkeit untersucht. Dabei absolvieren Patienten kleinere Aufgaben und beantworten Fragen. Besonders bekannt sind dabei Kurztests wie der Mini-Mental-Status-Test (MMST), der Montreal Cognitive Assessment Test (MoCA) oder der DemTect, der speziell zur Demenz-Erkennung entwickelt wurde.
  • Shulmann-Uhrentest: Beim Uhren-Zeichen-Test nach Shulmann handelt es sich um einen Schnell-Test, um dementielle Erkrankungen festzustellen.
  • Untersuchungen des Nervenwassers (Liquor): Besonders wichtig sind Untersuchungen des Nervenwassers (Liquor), in dem sich charakteristische Eiweißveränderungen nachweisen lassen.
  • Blutuntersuchungen: Blutuntersuchungen helfen, andere Ursachen der Symptome wie zum Beispiel Infektionen, Vitaminmangel oder eine Schilddrüsenunterfunktion auszuschließen.
  • Bildgebende Verfahren: Bildgebende Verfahren wie die Magnetresonanztomographie (MRT) können typische Schrumpfungen bestimmter Gehirnbereiche sichtbar machen, während spezielle PET-Scans Amyloid-Ablagerungen bereits früh erkennen können.

Behandlungsmöglichkeiten

Zwar kann die Krankheit Alzheimer bis heute nicht geheilt werden, dennoch stehen verschiedene Therapiemöglichkeiten zur Linderung der Symptome zur Verfügung.

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Medikamentöse Therapie

  • Cholinesterasehemmer: Diese Medikamente sollen den Informationsaustausch von Nervenzellen anregen und so Demenz-Symptome lindern.
  • Memantin: Der Wirkstoff soll verhindern, dass ein Überschuss an Glutamat das Gehirn schädigt. Denn bei Alzheimer-Demenz sammelt sich vermutlich zu viel Glutamat im Gehirn an, was zum Absterben von Nervenzellen führt.
  • Extrakte aus den Blättern des Ginkgo-Baumes: Sie sollen die Durchblutung fördern und Nervenzellen schützen.
  • Amyloid-Antikörper: Einige Antikörper werden als Infusion verabreicht und greifen gezielt an Strukturen an, die im Zusammenhang mit der Erkrankung stehen. Da mit jedem Medikament und dessen Wirkstoffen Risiken wie Nebenwirkungen auftreten können, werden die Patientinnen und Patienten zunächst gründlich diagnostiziert und anschließend von einem Fachärzteteam betreut. Darüber hinaus stehen zwei sogenannte monoklonale Antikörper bereit, die 2025 in der Europäischen Union zugelassen wurden: Donanemab (Kisunla) und Lecanemab (Legembi). Lecanemab ist ein Antikörper, der die schädlichen Plaques im Gehirn erkennt und zur Beseitigung markiert. In Studien konnte der kognitive Abbau binnen 18 Monaten um 27 % verlangsamt werden.

Nicht-medikamentöse Therapie

Neben der medikamentösen Alzheimer-Behandlung spielen nicht-medikamentöse Therapien eine wichtige Rolle. Dazu gehören geistige und körperliche Aktivierung, Ergotherapie, Musiktherapie und Gehirntraining. Die richtige Art des Umgangs und eine bedarfsgerechte Gestaltung der Wohnung können das Leben mit der Erkrankung erleichtern.

Zu den nicht medikamentösen Behandlungsmöglichkeiten gehören:

  • Gedächtnis- und Orientierungsübungen
  • Gemeinsame Alltagsaktivitäten
  • Kunst-, Aroma-, Tier- und Musiktherapie
  • Körperliche Aktivitäten
  • Massagen
  • Angehörigenschulungen

Unterstützung für Betroffene und Angehörige

Für pflegende Angehörige ist Beratung und Unterstützung besonders wichtig, da sie oft über Jahre hinweg eine enorme Belastung tragen. Selbsthilfegruppen und Beratungsstellen wie die Deutsche Alzheimer Gesellschaft bieten wertvolle Hilfe. Unsere Lotsin bietet Unterstützung für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen, die sich mit vielen neuen Herausforderungen und Fragen auseinandersetzen müssen. Sie hilft dabei, den richtigen Anlaufpunkt innerhalb der St. Augustinus Gruppe zu finden, und vermittelt Kontakte zu passenden Angeboten, Beratungsstellen und Unterstützungsdiensten.

Prävention von Alzheimer

Obwohl Alzheimer bisher nicht bei allen Menschen verhindert werden kann, deuten Studien darauf hin, dass bestimmte Faktoren das Erkrankungsrisiko senken können. Zu den wichtigsten präventiven Maßnahmen gehören regelmäßige körperliche Bewegung, gesunde Ernährung (insbesondere mediterrane Kost), geistige Aktivität und die Pflege sozialer Kontakte. Studien zeigen: Ein gesunder Lebensstil mit Bewegung, geistiger Aktivität, sozialem Austausch und gesunder Ernährung kann das Risiko senken.

Leben mit Alzheimer

Alzheimer verändert das Leben. Aber es nimmt nicht sofort alles, was den Menschen ausmacht. Erinnerungen mögen verblassen, der Alltag sich verändern - doch der Mensch bleibt. Trotz der Diagnose ist ein Leben mit Sinn, Freude und Verbindung möglich. Gerade deshalb ist es wichtig, sich frühzeitig mit der Krankheit auseinanderzusetzen. Kleine Veränderungen im Alltag, Routinen, liebevolle Unterstützung und Geduld helfen dabei, Orientierung zu geben. Wer versteht, was gerade geschieht, kann bewusster handeln. Ein guter Weg ist es, die eigenen Stärken bewusst auszubauen - und mit den Schwächen möglichst gelassen und kreativ umzugehen. Was gut gelingt oder Freude macht, darf und soll intensiviert werden. Gleichzeitig ist es wichtig, mit den Einschränkungen liebevoll umzugehen - nicht als persönliches Scheitern, sondern als Teil der Krankheit. Alzheimer nimmt viel, aber es gibt Wege, Selbstbestimmung zu erhalten und neue Formen von Alltag und Nähe zu gestalten. Dieser Weg ist nicht einfach - aber niemand muss ihn allein gehen.

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