Alzheimer und der Zusammenhang mit Schleim im Gehirn: Ursachen, Symptome und innovative Therapieansätze

Die Alzheimer-Krankheit, die etwa 70 Prozent aller Demenzerkrankungen ausmacht, ist durch einen fortschreitenden Verlust von Gehirnfunktionen gekennzeichnet. Dieser Artikel beleuchtet die vielfältigen Aspekte von Alzheimer, von den anfänglichen kognitiven Beeinträchtigungen bis hin zu den tiefgreifenden körperlichen Symptomen und den neuesten Fortschritten in Diagnostik und Therapie.

Einführung

Das Gehirn, die Steuerungszentrale des Körpers, ist bei Demenzerkrankungen wie Alzheimer zunehmend beeinträchtigt. Während in den frühen Phasen Gedächtnislücken, Wortfindungsstörungen und Orientierungsprobleme im Vordergrund stehen, entwickeln Patient:innen im fortgeschrittenen Stadium oft körperliche Schwierigkeiten.

Körperliche Symptome im Verlauf der Demenz

Motorische Einschränkungen und Körperhaltung

Patient:innen mit fortgeschrittener Demenz entwickeln häufig Schwierigkeiten beim Gehen oder können plötzlich nicht mehr laufen. Der Gang ist unsicher und schwankend, was das Sturzrisiko erhöht. Dazu kommen grobmotorische Einschränkungen und Schwierigkeiten bei der Koordination. Die Körperhaltung ist eingesunken, weil Betroffene nicht mehr in der Lage sind, den Kopf aufrecht zu halten. Diese schiefe Körperhaltung geht mit einem teilnahmslosen Gesichtsausdruck einher, die Gesichtszüge wirken wie eingefroren. Allmählich kommt es auch zum Verlust der Feinmotorik, was bedeutet, dass Tätigkeiten, die Geschicklichkeit erfordern, ohne Unterstützung nicht mehr möglich sind, wie das Essen mit Messer und Gabel, das An- und Ausziehen von Kleidung und das tägliche Waschen und Zähneputzen.

Inkontinenz und Schluckstörungen

Harn- und/oder Stuhlinkontinenz schränken die Selbstständigkeit bei fortgeschrittener Demenz weiter ein. Betroffene verlieren aufgrund der Veränderungen im Gehirn die Kontrolle über Blase und Darm und sind oft nicht fähig, den Weg zur Toilette zu finden. Schluckstörungen (Dysphagien) treten ebenfalls häufig auf, da die neurologische Steuerung der am Schluckvorgang beteiligten Muskeln eingeschränkt ist. Dies erhöht das Risiko für Lungenentzündungen (Aspirationspneumonie) und kann zu Nahrungsverweigerung, Dehydrierung und Mangelernährung führen.

Schlaf-Wach-Rhythmus und Anfälligkeit für Infektionen

Demenzkranke leiden oft unter einem gestörten Schlaf-Wach-Rhythmus, was zu nächtlichem Umherwandern, Unruhe und Verwirrung führt. Im Endstadium der Demenz sind Betroffene vollständig auf Pflege angewiesen und werden anfälliger für Infektionen, insbesondere Lungenentzündungen, die nicht selten zum Tod führen.

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Die Rolle des Darms und des Mikrobioms

Das Mikrobiom und seine Bedeutung für das Gehirn

Das Mikrobiom, die Gesamtheit der Mikroorganismen im Darm, ist unabdinglich für eine gesunde Hirnentwicklung und -erhaltung. Bei älteren Menschen kommt es oft zu einer Verarmung der Darmflora. Es gibt mehr Bakterien im Darm als Körperzellen. Die Anzahl der Gene des Mikrobioms übertrifft die eigenen Gene bei Weitem.

Der Zusammenhang zwischen Darmflora und Alzheimer

Forschungsergebnisse belegen einen engen Zusammenhang zwischen einer chronisch kranken Darmflora und der Entwicklung einer Alzheimer-Demenz. Veränderungen im Darm tragen zu vermehrter Amyloid-Ablagerung im Gehirn bei, was die Informationsübertragung zwischen den Nervenzellen beeinträchtigt. Antibiotika können die Darmflora drastisch verändern und zu Übergewicht führen. Nach jedem Antibiotikaeinsatz sollte ein Wiederaufbau der gesunden Darmflora erfolgen.

Der "löchrige Darm" und seine Auswirkungen auf das Gehirn

Wenn bestimmte Keime in der Dickdarmflora keine Ballaststoffe erhalten, können sie die schützende Schleimschicht nicht mehr bilden und beginnen, die Schleimhaut des Darms aufzuessen, was zu einem "löchrigen Darm" führt. Dadurch gelangen Keime und Entzündungsproteine ungehindert in die Blutbahn und verursachen chronische Entzündungen im Körper und im Gehirn. Vom "löchrigen Darm" ist es nur ein kurzer Schritt zum "löchrigen Gehirn", bei dem die Blut-Hirn-Schranke durchlässig wird und Entzündungsstoffe in den Hippocampus gelangen, der für Gedächtnis und Erinnerung wichtig ist.

Therapieansätze zur Heilung des Darms

Eine umfassende Therapie von Gehirnerkrankungen beinhaltet zwingend auch eine Heilung des Darms und die Wiederherstellung eines reichhaltigen Mikrobioms im Dickdarm. Eine individualisierte Nahrungsumstellung und die Gabe von Prä- und Probiotika können helfen, das Mikrobiom wiederherzustellen. Die persönliche Darmflora ist so einzigartig wie ein Fingerabdruck, daher ist eine genaue Analyse des Stuhls notwendig, um die passenden Prä- und Probiotika auszuwählen.

Die Bedeutung des Darmschleims (Mucus)

Der Darmschleim ist die erste Verteidigungslinie gegen schlechte Bakterien im Darm. Veränderungen des Darmschleims können das Gleichgewicht der Bakterien im Darm beeinflussen und möglicherweise auch neurologische Erkrankungen beeinflussen. Ein verminderter Darmschleimschutz kann Menschen mit neurologischen Erkrankungen anfälliger für Magen-Darm-Probleme machen und die Symptome von neurologischen Erkrankungen verschlimmern.

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Amyloid-Plaques und ihre Rolle bei Alzheimer

Entstehung und Auswirkungen von Beta-Amyloid

Beta-Amyloid wird aus einem größeren Vorläuferprotein abgespalten. An das Peptid lagern sich weitere Peptidfragmente an, so dass Ablagerungen entstehen, die die Funktion der Nervenzellen beeinträchtigen und diese schließlich zerstören. Laut der Alzheimer Forschung Initiative e.V. kann das Gehirn bei schweren Demenz-Formen so um mehr als 25 Prozent an Volumen verlieren. Erste Veränderungen im Gehirn zeigen sich bereits bis zu 25 Jahre vor den ersten Symptomen.

Risikofaktoren für Alzheimer

Es gibt bestimmte Faktoren, die das Risiko, an Alzheimer zu erkranken, erhöhen. Neben dem Alter und genetischen Faktoren spielen auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen eine Rolle, da das Gehirn über den Blutkreislauf mit Sauerstoff und wichtigen Nährstoffen versorgt wird. Ein übermäßiger Alkoholgenuss, Rauchen sowie Übergewicht erhöhen das Erkrankungsrisiko ebenfalls. Auch Diabetes wird im Zusammenhang mit Alzheimer diskutiert. Depressionen, Schlafmangel sowie schwere Kopfverletzungen gelten ebenfalls als mögliche Risikofaktoren.

Fortschritte in Diagnostik und Therapie

Neue Antikörper zur ursächlichen Behandlung

Seit diesem Jahr stehen zwei Antikörper zur ursächlichen Behandlung der frühen Alzheimer-Demenz zur Verfügung. Diese bauen aktiv Amyloid-Plaques ab, die bei der Entstehung der Krankheit eine zentrale Rolle spielen. Derartige Therapien können jedoch nur wirken, wenn sie zum richtigen Zeitpunkt zum Einsatz kommen. Voraussetzung ist eine frühe Diagnose.

Früherkennung durch Nasenuntersuchung

Forscher haben einen Weg gefunden, um das träge Lymphsystem im Alter wieder zu aktivieren. Da Alzheimer bis heute nicht heilbar ist, liegt die Hoffnung in Therapien, die ein Fortschreiten der Krankheit verzögern oder aufhalten. Die Menge der Ablagerungen in der Nasenschleimhaut ist sehr stark mit der Tau-Proteinmenge im Gehirn verknüpft. Eine Früherkennung per Nasenuntersuchung könnte darin bestehen, dass der Patient die Farbsubstanz in Tablettenform oder per Nasenspray bekommt.

Prävention von Alzheimer

Da Alzheimer derzeit nicht heilbar ist, kommt der Prävention eine besondere Bedeutung zu. Ein gesunder Lebensstil mit Rauchverzicht, hoher körperlicher Aktivität sowie einer gesunden Ernährung ist besonders wichtig. Übergewicht solle vermieden und die Blutdruck- sowie Blutzuckerwerte regelmäßig überprüft werden.

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Die Stadien der Alzheimer-Krankheit

Frühe Phase (MCI)

In dieser frühen Phase treten leichte Beeinträchtigungen des Denkens und Erinnerns auf, die im Alltag zunächst kaum einschränken. Menschen mit MCI nehmen Veränderungen manchmal selbst wahr, doch oft fällt sie zuerst Angehörigen auf.

Mittlere Phase

In diesem Stadium zeigt sich zunehmend Vergesslichkeit im Alltag, insbesondere was das Kurzzeitgedächtnis betrifft. Es wird schwieriger, neue Informationen zu behalten. Gespräche sind anstrengender - oft fehlen Worte oder der Gedanke geht verloren. Gegenstände wie Schlüssel oder Brille werden häufiger verlegt. Hinzu kommen erste Probleme mit der Orientierung in Raum und Zeit. Viele alltägliche Aufgaben gelingen noch gut. Viele Menschen mit Demenz merken nun deutlich, dass etwas nicht stimmt und versuchen, ihre Schwierigkeiten zu verstecken.

Späte Phase

Jetzt wird die Krankheit deutlich sichtbar. Neben dem Kurzzeitgedächtnis ist nun auch das Langzeitgedächtnis beeinträchtigt. Viele Erinnerungen an das eigene Leben treten in den Hintergrund. Orientierungsprobleme treten auch in vertrauter Umgebung auf. Bekannte Gesichter werden nicht mehr erkannt. Es kommt zu tiefgreifenden Veränderungen im Verhalten und im Wesen. Die Orientierungslosigkeit und Hilflosigkeit der Betroffenen schlägt oft in Misstrauen, Reizbarkeit, Nervosität und aggressive Ausbrüche um. Der Tag-Nacht-Rhythmus gerät aus dem Gleichgewicht, was zu Schlafstörungen führen kann. In diesem Stadium ist eine selbstständige Lebensführung nicht mehr möglich.

Endstadium

Im Endstadium sind die Erkrankten vollständig auf Pflege angewiesen. Typische Veränderungen sind der Verlust der Sprache, das Nichterkennen von Familienmitgliedern, völlige Orientierungslosigkeit, Inkontinenz und Schluckstörungen. Im Endstadium haben Menschen mit Demenz ein zunehmend geschwächtes Immunsystem und werden anfälliger für Infektionen.

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