Alzheimer-Spezifische Symptome: Ein umfassender Überblick

Die Alzheimer-Krankheit, benannt nach dem deutschen Psychiater und Neuropathologen Alois Alzheimer, ist eine fortschreitende neurodegenerative Erkrankung, die die häufigste Ursache für Demenz darstellt. Sie manifestiert sich durch einen allmählichen Abbau kognitiver Fähigkeiten und betrifft weltweit Millionen von Menschen. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die spezifischen Symptome der Alzheimer-Krankheit, von den ersten Anzeichen bis hin zu den fortgeschrittenen Stadien, sowie Informationen zu Risikofaktoren, Diagnose und aktuellen Therapieansätzen.

Einführung in die Alzheimer-Krankheit

Alzheimer ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die hauptsächlich das Gedächtnis, das Denken und das Verhalten beeinflusst. Sie ist die häufigste Ursache für Demenz bei älteren Erwachsenen und betrifft schätzungsweise 24 Millionen Menschen weltweit. Die Alzheimer-Krankheit macht etwa 50-70% aller Demenzen aus, wobei etwa 1 von 10 Personen über 65 und fast ein Drittel der Personen über 85 betroffen sind.

Die Alzheimer-Krankheit ist nicht nur eine medizinische Herausforderung, sondern auch eine gesellschaftliche. Im Jahr 2018 lebten in Deutschland geschätzt knapp 1,6 Millionen Menschen ≥ 65 Jahre mit Demenz - die meisten (mindestens zwei Drittel) von ihnen mit Alzheimer-Krankheit. Ohne Therapiedurchbruch könnte sich die Anzahl der Fälle im Jahr 2030 auf bis zu 1,9 Millionen und im Jahr 2050 auf bis zu 2,8 Millionen erhöhen.

Frühe Anzeichen und Symptome

Die ersten Anzeichen von Alzheimer können subtil sein und oft mit normalem Altern verwechselt werden. Es ist wichtig, diese frühen Warnzeichen zu erkennen, um frühzeitig handeln zu können. Eine Abklärung durch Fachärzt*innen bringt Klarheit und eröffnet wichtige Chancen für Behandlung und Begleitung.

Hier sind 10 typische Frühwarnzeichen, auf die Sie achten sollten:

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  1. Gedächtnisverlust, der das tägliche Leben stört: Eines der häufigsten Anzeichen ist das Vergessen kürzlich erlernter Informationen, wichtiger Termine oder Ereignisse. Betroffene stellen immer wieder die gleichen Fragen und sind zunehmend auf Gedächtnishilfen oder Familienmitglieder angewiesen.
  2. Herausforderungen bei der Planung oder Lösung von Problemen: Menschen mit Alzheimer können Schwierigkeiten haben, einen Plan zu entwickeln und zu befolgen oder mit Zahlen zu arbeiten. Möglicherweise fällt es ihnen schwer, ein bekanntes Rezept zu befolgen oder den Überblick über die monatlichen Rechnungen zu behalten.
  3. Schwierigkeiten, vertraute Aufgaben zu erledigen: Es kann schwierig sein, alltägliche Aufgaben zu erledigen, wie z.B. zu einem vertrauten Ort zu fahren, eine Einkaufsliste zu organisieren oder sich an die Regeln eines Lieblingsspiels zu erinnern.
  4. Verwirrung mit Zeit oder Ort: Menschen mit Alzheimer können den Überblick über Daten, Jahreszeiten und den Lauf der Zeit verlieren. Es kann sein, dass sie Schwierigkeiten haben, etwas zu verstehen, wenn es nicht sofort geschieht, oder vergessen, wo sie sind oder wie sie dorthin gekommen sind.
  5. Schwierigkeiten beim Verstehen visueller Bilder und räumlicher Beziehungen: Dies kann zu Gleichgewichtsstörungen oder Lesestörungen führen. Möglicherweise haben sie auch Schwierigkeiten, Entfernungen einzuschätzen und Farbe oder Kontrast zu bestimmen, was zu Problemen beim Autofahren führen kann.
  6. Neue Probleme mit Wörtern beim Sprechen oder Schreiben: Menschen mit Alzheimer haben möglicherweise Schwierigkeiten, einem Gespräch zu folgen oder daran teilzunehmen. Es kann sein, dass sie mitten im Gespräch innehalten und nicht wissen, wie sie weitermachen sollen, oder dass sie sich wiederholen. Sie haben möglicherweise Probleme mit dem Wortschatz, haben Schwierigkeiten, einen vertrauten Gegenstand zu benennen, oder verwenden den falschen Namen.
  7. Dinge verlegen und die Fähigkeit verlieren, Schritte zurückzuverfolgen: Eine Person, die an Alzheimer leidet, kann Dinge an ungewöhnlichen Orten ablegen. Es kann sein, dass sie Dinge verlieren und nicht in der Lage sind, die Schritte zurückzugehen, um sie wiederzufinden. Er oder sie kann andere des Diebstahls beschuldigen, insbesondere wenn die Krankheit fortschreitet.
  8. Vermindertes oder schlechtes Urteilsvermögen: Menschen mit Alzheimer können im Umgang mit Geld ein schlechtes Urteilsvermögen an den Tag legen oder der Körperpflege oder Sauberkeit weniger Aufmerksamkeit schenken.
  9. Rückzug von der Arbeit oder sozialen Aktivitäten: Infolgedessen ziehen sie sich möglicherweise von Hobbys, sozialen Aktivitäten oder anderen Engagements zurück. Möglicherweise fällt es ihnen schwer, mit einer Lieblingsmannschaft oder -aktivität Schritt zu halten.
  10. Stimmungs- und Persönlichkeitsveränderungen: Sie können verwirrt, misstrauisch, deprimiert, ängstlich oder ängstlich werden. Zu Hause, mit Freunden oder außerhalb ihrer Komfortzone können sie schnell verärgert sein.

Es ist wichtig zu beachten, dass nicht jede Veränderung Alzheimer bedeutet. Bestimmte neuropsychiatrische Symptome wie zum Beispiel Depressionen und Psychosen treten bei Frauen mit Alzheimer-Demenz häufiger auf als bei Männern.

Symptome in verschiedenen Krankheitsstadien

Die Symptome von Alzheimer variieren je nach Stadium der Krankheit. Die Krankheit verläuft fortschreitend, und die Symptome verschlimmern sich mit der Zeit.

Mildes Stadium

Im milden Stadium können Symptome wie Gedächtnisverlust, Schwierigkeiten bei der Wortfindung und Probleme bei der Planung auftreten. Betroffene haben oft Schwierigkeiten, sich an neue Informationen zu erinnern, und zeigen Gedächtnis- und Orientierungsprobleme.

Moderates Stadium

In der moderaten Phase können Symptome wie erhöhte Verwirrung, Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben sowie Verhaltensänderungen auftreten. Zunehmende Verwirrung und Desorientierung, Beeinträchtigung des Urteilsvermögens, verschiedene Verhaltensänderungen (z.B. Aggressivität) sowie vermehrte Kommunikationsprobleme sind typisch.

Spätes Stadium

In den späteren Stadien der Krankheit können auch körperliche Symptome auftreten. Dazu gehören Schwierigkeiten beim Gehen, Unfähigkeit, die Blase oder den Darm zu kontrollieren, unkontrollierte Muskelzuckungen und schließlich der Verlust der Fähigkeit, mit anderen zu interagieren. Im Spätstadium der Erkrankung folgen Beeinträchtigungen der Motorik.

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Spezifische Symptombereiche

Die Alzheimer-Krankheit manifestiert sich in verschiedenen Symptombereichen, die im Folgenden näher erläutert werden.

Kognitive Beeinträchtigungen

  • Gedächtnisverlust: Schwierigkeiten, sich an kürzlich geführte Gespräche, Ereignisse oder Namen zu erinnern.
  • Sprachstörungen (Aphasie): Schwierigkeiten beim Sprechen oder Finden der richtigen Worte.
  • Probleme beim Verstehen visueller Bilder und räumlicher Beziehungen: Schwierigkeiten, Entfernungen einzuschätzen und Farben oder Kontraste zu bestimmen.
  • Beeinträchtigtes Urteilsvermögen: Schwierigkeiten, kluge Entscheidungen zu treffen oder Situationen richtig zu verstehen.
  • Desorientierung: Verwirrung bezüglich Zeit, Ort und Personen.
  • Schwierigkeiten beim Planen und Organisieren: Probleme, Aufgaben zu strukturieren und zu erledigen.

Nicht-kognitive Symptome

  • Verhaltensänderungen: Unruhe, Reizbarkeit, Aggressivität, Angst, Depression.
  • Psychiatrische Symptome: Wahnvorstellungen, Halluzinationen.
  • Schlafstörungen: Gestörter Schlaf-Wach-Rhythmus.
  • Motorische Störungen: Schwierigkeiten beim Gehen, unkontrollierte Muskelzuckungen (in späteren Stadien).

Geschlechtsspezifische Unterschiede

Bestimmte neuropsychiatrische Symptome wie Depressionen und Psychosen treten bei Frauen mit Alzheimer-Demenz häufiger auf als bei Männern. Eine Studie wertete insgesamt 62 Studien mit 21.554 Patienten aus, darunter 61,2 Prozent Frauen. Hinsichtlich des Vorliegens von NPS und deren allgemeiner Schwere gab es der Studie zu Folge keine Unterschiede zwischen Frauen und Männern. Doch spezifische Symptome traten vor allem beim weiblichen Geschlecht auf. Mit ihrer Übersichtsarbeit erbrachte die Forschergruppe damit weitere Beweise für eine höhere Symptomlast bei Frauen mit AD, die bereits in früheren anderen Studien festgestellt wurde, sowie für einen stärkeren Schweregrad der Apathie bei Männern mit AD.

Risikofaktoren

Zu den wichtigsten Risikofaktoren für Alzheimer gehören:

  • Alter: Das Risiko steigt mit zunehmendem Alter.
  • Familiäre Vorbelastung: Demenzerkrankungen und neurologische Erkrankungen bei Angehörigen ersten Grades erhöhen das Risiko. Eine positive Familienanamnese, also das Auftreten neurodegenerativer Erkrankungen in der Familie, stellt den wichtigsten Risikofaktor für Alzheimer-Demenz dar. Ist bei einem Angehörigen ersten Grades (z.B. Mutter oder Vater) eine schwere neurodegenerative Erkrankung aufgetreten, v.a. eine Erkrankung mit frühem Beginn, ist das Risiko einer Alzheimer-Demenz bis zu 3-fach erhöht.
  • Genetische Faktoren: Die Genotyp-Variante des Apolipoprotein E4 (ApoE4) ist ein bekannter Risikofaktor.
  • Gesundheitszustände: Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und andere chronische Erkrankungen können das Risiko erhöhen.
  • Lebensstilfaktoren: Rauchen, unausgewogene Ernährung und mangelnde körperliche Aktivität können das Risiko beeinflussen.

Diagnose

Die Diagnose von Alzheimer basiert auf einer Kombination aus:

  • Klinischen Bewertungen: Beurteilung der kognitiven Funktionen und des Verhaltens.
  • Gedächtnistests: Überprüfung des Gedächtnisses und anderer kognitiver Fähigkeiten.
  • Bildgebenden Verfahren: MRT (Magnetresonanztomographie) des Kopfes, um andere Ursachen auszuschließen und Veränderungen im Gehirn zu erkennen.
  • Liquoruntersuchung: Analyse der Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit auf spezifische Biomarker.
  • PET-Scans: Amyloid-PET zur Erkennung von Amyloid-Plaques im Gehirn.

Es ist wichtig, andere Formen der Demenz auszuschließen, wie z.B. vaskuläre Demenz, Lewy-Körper-Demenz, frontotemporale Demenz, Depression mit „Pseudodemenz“, Hypothyreose, Delir und „Altersvergesslichkeit“.

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Pathophysiologie der Alzheimer-Krankheit

Die Alzheimer-Krankheit ist durch spezifische Veränderungen im Gehirn gekennzeichnet, die zum Abbau von Nervenzellen und neuronalen Verbindungen führen.

  • Hirnatrophie: Schrumpfung des Gehirngewebes, insbesondere im parieto-temporalen und frontalen Kortex.
  • Synapsenverlust: Verlust von Verbindungen zwischen Nervenzellen, was zur Verminderung cholinerger Innervation im Nucleus basalis Meynert führt.
  • Amyloidplaques: Ansammlungen von extrazellulären Proteinfragmenten, bekannt als Aβ-Plaques.
  • Neurofibrilläre Degeneration: Intrazelluläre Ansammlungen von hyperphosphoryliertem Tau-Protein.
  • Immunologische Veränderungen: Beteiligung aktivierter Mikrogliazellen.

Bei der Alzheimer-Krankheit blockieren Beta-Amyloid- und Tauproteine den neuronalen Informationsaustausch und führen zum Absterben der Nervenzellen. Die Ursache der Eiweißablagerungen ist bislang nicht vollständig entschlüsselt.

Therapieansätze

Es gibt derzeit keine Heilung für Alzheimer, aber es gibt verschiedene Therapieansätze, die darauf abzielen, die Symptome zu lindern und den Krankheitsverlauf zu verlangsamen.

  • Medikamentöse Therapie:
    • Acetylcholinesterase-Hemmer: Rivastigmin, Donepezil, Galantamin zur Verbesserung der kognitiven Funktionen im frühen bis mittleren Stadium.
    • Memantin: Wirkt auf den Glutamat-Stoffwechsel und wird bei fortschreitenden kognitiven Beeinträchtigungen und starken Persönlichkeitsveränderungen eingesetzt.
    • Ginkgo-biloba-Extrakt: Eine rezeptfreie Substanz, die in einigen Studien geringe positive Effekte auf kognitive Funktionen und Aktivitäten des täglichen Lebens gezeigt hat.
  • Psychosoziale Interventionen:
    • Kognitive Stimulation: Übungen und Aktivitäten zur Förderung der kognitiven Funktionen.
    • Ergotherapie: Training von Alltagsfähigkeiten.
    • Musiktherapie: Einsatz von Musik zur Verbesserung des Wohlbefindens und der Stimmung.
    • Realitätsorientierungstraining: Unterstützung bei der Orientierung in Zeit, Ort und Person.
    • Multisensorische Verfahren: Einsatz verschiedener Sinnesreize zur Förderung des Wohlbefindens.
  • Umfeldgestaltung und Pflege:
    • Anpassung der Wohnumgebung: Schaffung einer sicheren und vertrauten Umgebung.
    • Schulung von Angehörigen: Unterstützung und Beratung für Familienmitglieder.
    • Betreuungsangebote: Tagespflege, Kurzzeitpflege und andere Entlastungsangebote für pflegende Angehörige.

Die TREND-Studie zur Früherkennung

Die TREND-Studie hat sich zum Ziel gesetzt, Symptome der Alzheimer- und Parkinson-Erkrankung möglichst früh zu erkennen. Seit 2009 werden mehr als 1.100 Personen im Alter von 50 bis 80 Jahren alle zwei Jahre nach modernsten Kriterien der Wissenschaft untersucht.

Ergebnisse der TREND-Studie

  • Depression und Alzheimer: Die Tübinger Wissenschaftler fanden heraus, dass bei depressiven Menschen die Menge der Antikörper gegen Amyloid-beta1-42 im Blut reduziert ist.
  • Wortfindung und Hirnaktivität: Mit der funktionellen Nahinfrarot-Spektroskopie (fNIRS) konnte das Forscherteam eine Änderung unterschiedlicher Hirnprozesse mit steigendem Alter belegen. Bei der Suche nach Wörtern senkte das Alter der Versuchsteilnehmer die Aktivität in Bereichen der Sprachzentren, wohingegen die Aktivität in Bereichen der Aufmerksamkeits- und Handlungssteuerung zunahm. Interessanterweise war ein höherer Bildungsstand mit einer erhöhten Aktivität der Sprachzentren und tendenziell mit geringer Aktivität in den Arealen der Aufmerksamkeits- und Handlungssteuerung verbunden.

Prävention

Obwohl es keine garantierte Möglichkeit gibt, Alzheimer zu verhindern, können bestimmte Lebensstiländerungen und Maßnahmen das Risiko möglicherweise verringern:

  • Gesunde Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse und gesunden Fetten.
  • Regelmäßige körperliche Aktivität: Bewegung fördert die Durchblutung des Gehirns und kann das Risiko verringern.
  • Geistige Aktivität: Kognitives Training und lebenslanges Lernen können die geistige Leistungsfähigkeit erhalten.
  • Soziale Interaktion: Teilnahme an sozialen Aktivitäten und Pflege von sozialen Kontakten.
  • Vermeidung von Risikofaktoren: Kontrolle von Bluthochdruck, Diabetes und anderen chronischen Erkrankungen.

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