Die Diagnostik von Demenzerkrankungen, insbesondere der Alzheimer-Krankheit, hat in den letzten Jahren erhebliche Fortschritte gemacht. Neue Forschungsergebnisse und Technologien ermöglichen eine frühere und genauere Diagnose, was für die Betroffenen und ihre Familien von entscheidender Bedeutung ist. Dieser Artikel beleuchtet den Ablauf eines Alzheimer-Tests beim Arzt, die verschiedenen Diagnoseverfahren und gibt einen Ausblick auf die Zukunft der Demenzdiagnostik.
Die Bedeutung einer frühen Diagnose
Die meisten Demenzerkrankungen beginnen schleichend und bleiben oft lange unbemerkt. Viele Menschen mit Gedächtnisstörungen sind stark verunsichert und versuchen, ihre Schwächen zu verbergen. Eine frühe Diagnose ist jedoch entscheidend, da sie den Betroffenen und ihren Familien ermöglicht, sich rechtzeitig mit der Erkrankung auseinanderzusetzen, Behandlungsoptionen zu prüfen und Vorkehrungen für die Zukunft zu treffen. Zudem können Medikamente, die den Verlauf der Alzheimer-Demenz günstig beeinflussen und die Symptome lindern, frühzeitig eingesetzt werden.
Der erste Schritt: Der Besuch beim Hausarzt
Wenn sich das Gedächtnis oder andere kognitive Fähigkeiten dauerhaft und auffällig verschlechtern, ist die erste Anlaufstelle meist die hausärztliche Praxis. Der Hausarzt kennt den Patienten in der Regel schon lange und kann Veränderungen gut einschätzen.
Das Anamnese-Gespräch
Zunächst findet ein Anamnese-Gespräch statt. Die Ärztin oder der Arzt fragt nach aktuellen Beschwerden, Vorerkrankungen, Medikamenten und möglichen Risikofaktoren. Dabei ist es wichtig, alle relevanten Informationen offen anzusprechen, auch wenn sie als unwichtig erscheinen.
Die körperliche Untersuchung
Im Anschluss an das Gespräch folgt eine allgemeine körperliche Untersuchung. Diese dient dazu, andere mögliche Ursachen für die Beschwerden auszuschließen, wie z.B. Durchblutungsstörungen oder Kreislaufprobleme, eine Unterfunktion der Schilddrüse (Hypothyreose) und ein Vitaminmangel z.B. an B12 oder Folsäure. Weiter können Erkrankungen der Nieren, der Leber und der Bauchspeicheldrüse zu einer Demenz führen. Auch Alkohol- bzw. Medikamentenmissbrauch können ähnliche Symptome verursachen.
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Kognitive Tests zur Beurteilung der geistigen Fähigkeiten
Kognitive oder auch neuropsychologische Tests können wichtige Hinweise auf das Vorliegen einer Demenzerkrankung geben. Sie helfen dem Arzt, die derzeitige geistige Leistungsfähigkeit des Patienten zu beurteilen und damit den Schweregrad der Demenz einzuordnen. Es gibt verschiedene Testverfahren, die je nach Fragestellung und Verdacht eingesetzt werden.
Mini-Mental-Status-Test (MMST)
Der MMST ist ein etablierter und weit verbreiteter Fragebogentest zur Demenz. Er umfasst verschiedene Aufgaben, die die Orientierung, Merkfähigkeit, Aufmerksamkeit, Erinnerungsfähigkeit und Sprache prüfen. Der Patient muss beispielsweise Fragen zur aktuellen Zeit und zum Raum beantworten, drei Worte nachsprechen und sich merken, einfache Rechenaufgaben lösen und Sprach- und Schreibtests absolvieren. Die Aufgaben sind bewusst einfach gehalten, so dass sie jeder geistig Gesunde bestehen würde. Ein Demenz-Kranker weist jedoch Lücken auf, die mit zunehmender Demenz immer deutlicher werden. Er wird häufig vom Hausarzt zur ersten Orientierung durchgeführt, er dauert nur ca. 10 Minuten.
Demenz-Detektion (DemTect)
Dieser Spezialtest zur Früherkennung ist dem MMST überlegen und wird daher häufig vom Gerontopsychiater/Neurologen durchgeführt. Er dauert ebenfalls etwa 10 Minuten. Der Test enthält fünf Aufgaben, die verschiedene kognitive Funktionen wie Kurzzeitgedächtnis, Langzeitgedächtnis, Sprachflüssigkeit und Aufmerksamkeit prüfen. Der Patient muss eine Wortliste wiederholen, Zahlen in Zahlwörter und umgekehrt umwandeln, möglichst viele Dinge in einem Supermarkt aufzählen und Zahlenreihen rückwärts wiederholen. Die Ergebnisse werden anhand einer Skala gewichtet, um festzustellen, ob eine kognitive Beeinträchtigung oder eine Demenz wahrscheinlich ist.
Uhren-Test
Bereits das einfache Zeichnen einer Uhr lässt eine Beurteilung des geistigen Zustands des Patienten zu. Aufgrund der zunehmenden visuell-räumlichen Orientierungsprobleme im Verlauf der Krankheit können die Ziffern und Zeiger oft nicht mehr richtig in einem vorgegebenen Kreis angeordnet werden. Der Patient erhält ein Blatt Papier mit einem großen Kreis darauf und wird gebeten, eine Uhr zu zeichnen und eine bestimmte Uhrzeit einzutragen. Der Arzt achtet dabei auf die Reihenfolge, in der der Patient vorgeht, ob ihm das Zeichnen Schwierigkeiten bereitet, wo er zögert und ob er häufig Korrekturen vornehmen muss. Die Auswertung erfolgt anhand verschiedener Skalen, wie z.B. nach Shulman, Sunderland oder Watson.
Weitere neuropsychologische Tests
Neben den genannten Tests gibt es noch eine Vielzahl weiterer neuropsychologischer Testverfahren, die je nach Bedarf eingesetzt werden können. Dazu gehören beispielsweise ausführliche Gedächtnistests, bei denen der Patient Wortlisten lernen und wiedergeben muss, sowie Tests zur Überprüfung der Aufmerksamkeit, Konzentration, Sprache und Exekutivfunktionen (z.B. Planungsfähigkeit, Problemlösungsfähigkeit).
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ADL-Skalen
ADL-Skalen (ADL: "Activities of Daily Living") messen die Auswirkungen der Demenz auf die Alltagsfähigkeiten. Der Test, der in verschiedenen Varianten existiert, misst, zu welchen Tätigkeiten des alltäglichen Lebens der Patient noch fähig ist.
CERAD-Test
Bei CERAD handelt es sich um eine Sammlung verschiedener kognitiver Test, mit dem einzelne Unterfunktionen der geistigen Leistungsfähigkeit genau geprüft werden können. Er wir nur von Spezialisten eingesetzt.
Bildgebende Verfahren: CT und MRT
Bei der Erstdiagnose der Demenz sollte zusätzlich entweder eine Computertomografie (CT) oder eine Magnetresonanztomografie (MRT) durchgeführt werden. CT und MRT erstellen Schichtaufnahmen des Gehirns und erlauben einen Einblick in den Aufbau des Gehirns. Diese bildgebenden Verfahren ermöglichen allein zwar nicht die Diagnose einer Demenz, können aber helfen, zwischen den einzelnen Formen zu unterscheiden. So können z.B. Veränderungen im Stirn- oder Schläfenlappen auf eine Frontotemporale Demenz hindeuten, während Durchblutungsstörungen, Gefäßveränderungen oder Schlaganfälle auf eine vaskuläre Demenz hinweisen können. Der Hauptgrund für die Erstellung von CT- und MRT-Bildern liegt jedoch in der frühzeitigen Erkennung von behandelbaren Ursachen einer Demenz. Dies kann z.B. ein Hirntumor oder eine krankhafte Erweiterung der Hohlräume im Gehirn sein.
Bluttests zur Alzheimer-Diagnostik: Ein vielversprechender Fortschritt
Dank der Fortschritte in der Forschung ist es mittlerweile möglich, die Alzheimer-Krankheit auch per Bluttest zu erkennen. Verschiedene Forschungsteams haben Bluttests entwickelt, mit denen Alzheimer zuverlässig erkannt werden kann. Diese Tests können ergänzend zu etablierten Verfahren wie der Liquoruntersuchung oder bildgebenden Verfahren eingesetzt werden. Sie dürfen jedoch nur von ausgewiesenen Expertinnen und Experten der Biomarker-Diagnostik durchgeführt werden. Aktuell gibt es in Deutschland keinen allgemein verfügbaren Bluttest zur Alzheimer-Diagnose. Die hier beschriebenen Verfahren befinden sich noch in der Forschung oder werden nur in spezialisierten Zentren eingesetzt.
Wie funktionieren Alzheimer-Bluttests?
Ein charakteristisches Merkmal der Alzheimer-Krankheit sind giftige Plaques aus dem Peptid Beta-Amyloid und ebenfalls giftige Ablagerungen des Proteins Tau. Es wird vermutet, dass diese beiden Proteinablagerungen die Kommunikation zwischen den Nervenzellen stören und dazu beitragen, dass diese absterben. Je nach Bluttest können nun unterschiedliche Nachweise im Blut erfolgen:
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Precivity AD-Bloodtest: Dieser US-amerikanische Test misst das Verhältnis zweier unterschiedlicher Beta-Amyloid-Peptide namens Beta-Amyloid-40 und Beta-Amyloid-42 im Blut. Das Peptid Beta-Amyloid-42 kommt häufiger in den Plaques und Zusammenlagerungen vor, wodurch sich das lösliche Verhältnis der beiden Peptide bei Menschen mit Alzheimer-Demenz verändert. Dieser Test richtet sich laut Hersteller an Menschen über 55 Jahren mit Anzeichen für eine leichte kognitive Einschränkung.
Elecsys pTau181-Test: Dieser Test der Firma Roche in Zusammenarbeit mit Eli Lilly misst ein chemisch verändertes Tau-Protein, das sogenannte pTau181. Es gilt als Indikator für die Alzheimer-Erkrankung. Mit Hilfe des Tests kann laut Hersteller früh und einfach der Grund für die kognitiven Defizite bestimmt werden. Erhärtet sich der Verdacht durch den Test, werden weitergehende Untersuchungen durch Spezialist*innen durchgeführt. Fällt der Test negativ aus, muss nach anderen Ursachen als Alzheimer für die kognitive Einbuße gesucht werden. Der Test könnte in der Zukunft flächendeckend zum Einsatz kommen.
Immuno-Infrarot-Sensor: Einen Nachweis weit vor dem Auftreten der ersten Symptome liefert der Bluttest, den Prof. Dr. Gerwert und sein Team der Ruhr-Universität Bochum gemeinsam mit dem Forscher Prof. Dr. Scheltens von der Universität Amsterdam entwickelt haben. Der Test misst mit Hilfe des Immuno-Infrarot-Sensor die für Alzheimer charakteristische Fehlfaltung des Peptids Beta-Amyloid, die der Bildung von Plaques vorausgeht und bereits vor dem Auftreten von Symptomen messbar ist. In bestimmten Fällen ist das mittlerweile möglich.
Vorteile und Grenzen von Bluttests
Der größte Vorteil von Alzheimer-Bluttests ist ihre einfache und kostengünstige Durchführung. Sie sind weniger invasiv als eine Liquoruntersuchung und können somit eine breitere Anwendung finden. Allerdings können Bluttests die etablierten Diagnoseverfahren bislang noch nicht ersetzen. Sie dienen vielmehr als ergänzendes Instrument, um den Verdacht auf Alzheimer zu erhärten oder auszuräumen und die Notwendigkeit weiterer Untersuchungen zu prüfen. Bluttests, vor allem mit prognostischer Qualität, können eine wichtige Rolle bei der Erforschung neuer Wirkstoffe in klinischen Studien spielen. Zum einen könnten so leichter Probandinnen und Probanden im symptomfreien Stadium gefunden werden.
Differenzialdiagnose: Abklärung anderer Erkrankungen
Zur Feststellung einer Demenz bei Alzheimer-Krankheit müssen andere Erkrankungen, die ebenfalls Anzeichen einer Demenz zeigen können, abgeklärt werden. Hierzu gehören u.a. eine Verengung der Hirngefäße und das Vorliegen von kleinen Gehirninfarkten (vaskuläre Demenz), eine Demenz mit Lewy-Körperchen, gut- und bösartige Hirntumore, AIDS, eine Parkinson-Krankheit, die Erbkrankheit Chorea Huntington. Immer wieder kommt es vor, dass Patienten mit depressiven Erkrankungen aufgrund der psychischen und körperlichen Verlangsamung für dement gehalten werden („Pseudodemenz"). Der Facharzt kann hier mit speziellen Untersuchungen und Tests in der Regel zwischen den beiden Krankheiten unterscheiden.
Die Zukunft der Demenzdiagnostik
Weltweit arbeiten Demenzforscherinnen und -forscher daran, die Diagnostik von Demenzerkrankungen zu verbessern. Ein wichtiges Ziel ist es, Demenzerkrankungen wie Alzheimer früher zu erkennen. Es befinden sich auch Bluttests in der Entwicklung, die den Erkrankungsbeginn bei symptomfreien Menschen mit Alzheimer über mehr als zehn Jahre vorhersagen können. Ein weiteres wichtiges Forschungsfeld ist die korrekte Abgrenzung von Demenzerkrankungen: Während die Alzheimer-Krankheit mittlerweile sehr gut zu Lebzeiten eindeutig diagnostiziert werden kann, sind andere, seltenere Demenzen diagnostisch nach wie vor eine Herausforderung, zum Beispiel die Frontotemporale Demenz oder die Chronisch Traumatische Enzephalopathie (CTE), die durch Kopfverletzungen hervorgerufen wird. Hier kann oft erst eine Untersuchung des Gehirns nach dem Tod endgültig Gewissheit bringen. Die Forschung arbeitet daran, auch diese Diagnosen frühzeitig und eindeutig zu ermöglichen.