Alzheimer-Risiko und Totgeburt: Ein umfassender Überblick

Die komplexe Beziehung zwischen Schwangerschaftskomplikationen wie Totgeburten und dem späteren Auftreten von Krankheiten wie Alzheimer rückt zunehmend in den Fokus der medizinischen Forschung. Dieser Artikel beleuchtet die aktuellen Erkenntnisse zu diesem Thema und betrachtet auch verwandte Aspekte wie das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen nach Fehlgeburten und die ethischen Fragen der Präimplantationsdiagnostik.

Erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen nach Fehl- und Totgeburten

Aktuelle Studien deuten darauf hin, dass Frauen, die Fehlgeburten oder Totgeburten erlitten haben, ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen tragen. Eine Metaanalyse von 23 Artikeln, die relevante Studien aus medizinisch-wissenschaftlichen Datenbanken bis zum 30. Mai 2023 einschloss, ergab, dass mit jeder weiteren Fehlgeburt das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen insgesamt, für eine koronare Herzkrankheit (KHK) oder einen Schlaganfall um 5-8 % stieg. Die Ergebnisse zeigen, dass sowohl Fehlgeburten als auch Totgeburten mit einem höheren Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, KHK, Schlaganfälle und Todesfälle durch kardiovaskuläre Erkrankungen assoziiert sind.

Die psychische Belastung durch Fehlgeburten

Fehlgeburten sind ein häufiges Ereignis, von dem etwa zehn bis 20 Prozent aller Schwangeren betroffen sind. Für die betroffenen Frauen stellt ein Abort eine enorme psychische Belastung dar. Eine britisch-belgische Studie zeigte, dass 29 Prozent der Betroffenen nach einem Monat an posttraumatischem Stress litten, und bei 18 Prozent war dies noch nach neun Monaten der Fall. Hinzu kommt, dass Fehlgeburten oft ein Tabuthema sind, was es erschwert, darüber zu sprechen.

Ursachen und Anzeichen einer Fehlgeburt

Eine Fehlgeburt liegt vor, wenn eine Schwangerschaft vor der 24. Schwangerschaftswoche endet oder das Ungeborene weniger als 500 Gramm wiegt und nicht lebensfähig ist. Stirbt das Kind nach diesem Zeitraum, spricht man von einer Totgeburt. Die häufigste Ursache für eine Fehlgeburt ist ein Gendefekt beim Embryo oder Fötus. Eine Fehlgeburt kann sich durch Blutungen und krampfartige Unterbauchschmerzen äußern, durch die der Körper der Frau das ungeborene Kind ausstößt.

Risikofaktoren für Fehlgeburten

Das Risiko für eine Fehlgeburt hängt von verschiedenen Faktoren ab:

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  • Alter der Mutter und des Vaters: Je älter die Eizelle ist, desto größer ist das Risiko, dass genetische Veränderungen vorkommen. Das Risiko steigt mit zunehmendem Alter der Mutter.
  • Vorangegangene Fehlgeburten: Bei zwei vorangegangenen Fehlgeburten besteht ein erhöhtes Risiko, einen weiteren Abort zu erleiden.
  • Häufige Schwangerschaften: Mehrere Geburten können zu einer Gebärmutterhalsschwäche führen.

Mögliche Ursachen für einen Abort

  • Gendefekte: Schäden im Erbgut sind die häufigste Ursache.
  • Hormonstörungen: Schilddrüsenunterfunktion, Eizellreifungsstörungen oder Gelbkörperschwäche können eine Rolle spielen.
  • Anatomische Fehlbildungen: Fehlbildungen der Spermien, der Plazenta oder der Gebärmutter können eine Fehlgeburt verursachen.
  • Immunologische Störungen: Das Immunsystem der Mutter kann die befruchtete Eizelle angreifen.
  • Mangelernährung: Ein Eisenmangel kann die Sauerstoffversorgung des Kindes beeinträchtigen.
  • Gerinnungsstörungen: Blutgerinnsel können die Versorgung des Embryos beeinträchtigen.
  • Psychische Belastungen: Stress kann das Risiko erhöhen.

Anzeichen einer Fehlgeburt

  • Blutungen aus der Scheide
  • Ziehende, Wehen-ähnliche Schmerzen im Unterbauch

Bei diesen Symptomen sollte sofort ein Arzt aufgesucht werden.

Umgang mit einer Fehlgeburt

Nach einer Fehlgeburt ist es wichtig, sich ausreichend Zeit für die Verarbeitung und für die Trauer zu nehmen. Untersuchungen können helfen, die Ursache herauszufinden, um das Risiko für weitere Fehlgeburten zu minimieren.

Langfristige Auswirkungen von Fötusverlust auf die Gesundheit der Mutter

Eine Metaanalyse von 45 Studien mit Millionen von Teilnehmerinnen hat ergeben, dass eine Totgeburt, aber nicht eine Fehlgeburt, das Risiko für das spätere Auftreten einer kardiovaskulären Erkrankung, von Typ-2-Diabetes und Nierenkrankheiten bei der Mutter erhöht.

Studienergebnisse im Detail

  • Eine Totgeburt war mit einem um 56 % erhöhten Risiko für ischämische Herzkrankheiten, einem um 71 % erhöhten Risiko für zerebrovaskuläre Erkrankungen, einem um 86 % erhöhten Risiko für Kreislaufstörungen bzw. kardiovaskuläre Erkrankungen, einem um 16 % erhöhten Risiko für Typ-2-Diabetes und einem um 97 % erhöhten Risiko für Nierenkrankheiten assoziiert.
  • Eine Fehlgeburt war nicht mit diesen langfristigen gesundheitlichen Auswirkungen assoziiert.
  • Weder eine Fehlgeburt noch eine Totgeburt war mit negativen langfristigen Auswirkungen auf die psychische Gesundheit assoziiert.

Die Autoren der Studie betonten, dass der Verlust des Fötus eines der verheerendsten unerwünschten Ereignisse in der Schwangerschaft ist. Sie kamen zu dem Schluss, dass ihre Ergebnisse auf eine Gruppe von Frauen mit hohem Risiko für eine Folgeerkrankung aufmerksam machen, denen eine engmaschige Überwachung und Primärprävention zugutekommen könnte.

Präimplantationsdiagnostik (PID) und ethische Fragen

Die Präimplantationsdiagnostik (PID) ist ein Gentest am Embryo, der in Deutschland in Ausnahmefällen zugelassen ist, nämlich dann, wenn zum Beispiel Totgeburten oder schwere Erbkrankheiten verhindert werden können. In anderen Ländern Europas ist die Regelung weniger strikt.

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Anwendung der PID zur Risikominimierung von Brustkrebs

In den Niederlanden und Belgien testen Ärzte beispielsweise auf das Vorhandensein eines bestimmten Risikogens für Brustkrebs (BRCA1 und BRCA2). Diese Gene erhöhen das Brustkrebsrisiko der Genträgerin erheblich. Durch die Entnahme einer Zelle des Embryos während einer künstlichen Befruchtung kann festgestellt werden, ob diese veränderte Genform vorliegt.

Ethische Bedenken und rechtliche Einschränkungen in Deutschland

In Deutschland ist die PID nur bei einem hohen Risiko für eine sehr schwere Krankheit oder eine Totgeburt erlaubt. Brustkrebs gilt zwar als schwere Erkrankung, ist aber behandelbar und immer häufiger auch heilbar. Zudem handelt es sich bei den Brustkrebsgenen um Risikogene, nicht um definitive Krankheitsgene. Das bedeutet, dass Trägerinnen dieser Gene nicht unbedingt erkranken müssen.

Die Befürchtung in Deutschland ist, dass eine zu liberale Handhabung der PID zu einer Situation führen könnte, in der Embryonen aufgrund von Risikogenen für Krankheiten wie Diabetes oder Alzheimer selektiert werden. Dies wird aus ethischen Gründen abgelehnt.

Studie zum Alter der Mutter und Geburtsrisiken

Eine retrospektive Studie im American Journal of Epidemiology untersuchte mehr als 124.000 Kinder aus finnischen Familien. Die Forscher verglichen Geburten derselben Mütter in unterschiedlichem Alter, um den Einfluss des Alters auf die Geburtsrisiken zu isolieren.

Das Ergebnis: Innerhalb derselben Familie steigerte ein höheres Alter der Mutter nicht das Risiko, früh zu gebären oder das Risiko eines geringen Geburtsgewichts. Die wahren Ursachen für erhöhte Geburtsrisiken könnten eher die individuellen Lebensumstände und Verhaltensweisen der Eltern sein.

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