Zusammenhang zwischen Übergewicht und Alzheimer: Eine umfassende Analyse

Einführung

Der Begriff Demenz beschreibt einen Abbau der geistigen Leistungsfähigkeit, der mit einer Abnahme der Gedächtnisleistung und des Denkvermögens einhergeht. Es ist wichtig zu betonen, dass Vergesslichkeit allein noch keine Demenz bedeutet. Betroffene leiden häufig zusätzlich unter Sprachstörungen, Orientierungslosigkeit, Unberechenbarkeit und Depressionen. Demenz kann durch eine Vielzahl von Erkrankungen und Ursachen verursacht werden. Eine der bekanntesten Formen ist die Alzheimer-Demenz, bei der typische Abbauprozesse im Gehirn stattfinden. In den letzten Jahren hat die Forschung zunehmend den Zusammenhang zwischen Übergewicht und dem Risiko, an Alzheimer zu erkranken, untersucht. Dieser Artikel beleuchtet die aktuellen Erkenntnisse und analysiert die komplexen Zusammenhänge zwischen Körpergewicht und kognitiver Gesundheit.

Studienergebnisse zum Zusammenhang von Übergewicht und Demenzrisiko

Schwedische Studie an Männern

Eine schwedische Forschungsgruppe der Universitätsklinik in Göteborg veröffentlichte die Ergebnisse einer groß angelegten Studie, die den Zusammenhang zwischen dem Gewicht und dem Demenzrisiko untersuchte. Die Wissenschaftler beobachteten von 1970 bis 1998 insgesamt 7.402 Männer im Alter von 47 bis 55 Jahren zu Beginn der Studie (1970 bis 1973). Die Forscher verglichen die BMI-Werte (Body Mass Index) von Menschen mit Demenz mit denen von "gesunden" Männern. Der BMI setzt das Körpergewicht ins Verhältnis zur Körpergröße und dient der Beurteilung von Normal-, Unter- oder Übergewicht. Ein BMI zwischen 18,5 und 25 kg/m2 gilt als normalgewichtig, während Werte über 25 als übergewichtig gelten.

Die Ergebnisse der Studie zeigten, dass Männer mit einem BMI zwischen 22,5 und 25 (also im Normalgewichtsbereich) am seltensten eine Demenz entwickelten. Oberhalb dieser BMI-Werte stieg das Demenzrisiko mit zunehmendem Gewicht deutlich an. Personen mit einem BMI über 30 (starkes Übergewicht) waren im Beobachtungszeitraum 2,5-mal häufiger von einer Demenz betroffen. Dies deutet auf einen Zusammenhang zwischen Körpergewicht und Demenzrisiko hin. Die Studie zeigte, dass übergewichtige Männer im Vergleich zu normalgewichtigen Männern deutlich häufiger an Demenz erkrankten.

"Million Women Study" aus Großbritannien

Ein Forscherteam um Sarah Floud von der Universität Oxford untersuchte Daten von 1.136.846 Frauen in Großbritannien, um Widersprüche aus früheren Studien zu klären. Die Frauen waren zu Beginn der Studie (1996-2001) durchschnittlich 56 Jahre alt und nicht an Demenz erkrankt. Die Probandinnen der "Million Women Study" gaben Auskunft über ihre Körpergröße, ihr Gewicht sowie ihre tägliche Kalorienaufnahme und körperliche Aktivität. Frauen, die weniger als einmal pro Woche Sport trieben, wurden als "inaktiv" eingestuft, alle anderen als "aktiv". Der BMI wurde wie folgt eingestuft: unter 20 als untergewichtig, 20 bis 24,9 als empfehlenswert, 25 bis 29,9 als übergewichtig und ab 30 als fettleibig.

Die Forscher verfolgten die Entwicklung der Teilnehmerinnen bis 2017 anhand von Daten des staatlichen Gesundheitssystems. Nach 15 Jahren hatten 18.695 Frauen im Durchschnittsalter von 77 Jahren eine Demenzdiagnose erhalten. Die Ergebnisse deuten auf ein erhöhtes Demenzrisiko bei Fettleibigkeit im mittleren Alter hin: Frauen, die zu Beginn der Studie fettleibig waren, hatten ein um 21 Prozent höheres Risiko, an Demenz zu erkranken, als Frauen mit einem "empfehlenswerten" BMI.

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Interessant war der zeitliche Verlauf in Bezug auf andere Faktoren und die zweite Frage der Studie: Eine niedrige Kalorienzufuhr und wenig Bewegung waren nur im ersten Jahrzehnt der Studie mit einem erhöhten Demenzrisiko verbunden. Danach schwächte sich der Zusammenhang allmählich ab und näherte sich schließlich dem Nullpunkt. Die Autoren dieser und anderer Studien gehen davon aus, dass dieser kurzfristige Zusammenhang die Folge einer präklinischen Demenz ist.

Studie zu leichter kognitiver Beeinträchtigung

Eine weitere Studie untersuchte den Zusammenhang zwischen dem BMI und dem Fortschreiten einer leichten Demenz zu Morbus Alzheimer oder anderen Formen von schwerer Demenz. Die Wissenschaftler beobachteten insgesamt 245 Patienten mit leichter kognitiver Beeinträchtigung im Durchschnittsalter von 74 Jahren über einen Zeitraum von etwa zweieinhalb Jahren. Die Hälfte der Patienten wies in dieser Zeit eine stabile geistige Leistungsfähigkeit auf. Etwa zwei Drittel der Personen, deren Zustand sich verschlechterte, entwickelten Morbus Alzheimer, während das restliche Drittel eine andere Form von Demenz entwickelte. Diejenigen, deren kognitive Beeinträchtigungen sich verschlimmerten, hatten einen signifikant niedrigeren BMI (durchschnittlich 23,81) als diejenigen, deren Zustand unverändert blieb (durchschnittlich 25,47).

Die Neurologin Dr. warnt jedoch: "Der Schluss, dass Übergewicht nun plötzlich empfohlen werden könnte, ist falsch. Einerseits bleibt das erhöhte kardiovaskuläre Risiko bei Übergewicht eine unveränderte Tatsache. Und zweitens zeigt unsere Beobachtungsstudie zwar einen statistischen, aber noch keinen kausalen Zusammenhang."

Schwedisches Zwillingsregister

Eine Auswertung des Schwedischen Zwillingsregisters in Neurology (2011; 76: 1568-1574) ergab, dass Menschen, die im mittleren Alter übergewichtig oder adipös sind, später häufiger an einer Demenz erkranken. Eine Demenz im Alter kann als Folge verschiedener Erkrankungen auftreten. Neben Morbus Alzheimer, an dessen Pathogenese Übergewicht kaum beteiligt sein dürfte, gehört auch die vaskuläre Demenz dazu. Sie ist eine Folge der Atherosklerose in den zerebralen Arterien. Da Übergewicht zweifellos die Verkalkung der Blutgefäße begünstigt, sind die Ergebnisse von Weili Xu vom Karolinska Institut in Stockholm biologisch plausibel.

Die Forscherin wertete Daten von 8.534 Zwillingen aus dem Schwedischen Zwillingsregister aus, die heute über 65 Jahre alt sind, und ermittelte Daten zum BMI im mittleren Lebensalter. Sie fand eine klare und "dosisabhängige" Assoziation zwischen dem BMI und dem späteren Demenzrisiko, wobei nicht zwischen den verschiedenen Demenzursachen unterschieden wurde. Bereits für den Übergewichtsbereich (BMI 25 bis 30) ermittelte die Forscherin ein um 71 Prozent erhöhtes Risiko (Odds Ratio 1,71; 95-Prozent-Konfidenzintervall 1,30-2,25). Adipöse Personen (BMI >30) hatten ein fast vierfach erhöhtes Risiko (Odds Ratio 3,88; 2,12-7,11). Insgesamt waren 39 Prozent aller Demenzpatienten im mittleren Alter übergewichtig gewesen. Unter den Personen ohne Demenz lag der Anteil nur bei 26 Prozent.

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Als die Forscherin einzelne Zwillingspaare gegenüberstellte, von denen der eine dement war und der andere nicht, verschwand die Assoziation mit dem früheren Körpergewicht. Das spreche dafür, dass neben genetischen Faktoren auch frühe Umweltfaktoren, gemeint ist der Lebensstil, für die Entwicklung der Demenz verantwortlich seien, schreibt die Autorin. Laut Xu sind derzeit weltweit 1,6 Milliarden Menschen übergewichtig.

Mögliche Mechanismen: Wie Übergewicht das Demenzrisiko beeinflusst

Die genauen Mechanismen, über die Übergewicht das Demenzrisiko beeinflusst, sind noch nicht vollständig geklärt. Es gibt jedoch verschiedene Theorien und Forschungsergebnisse, die mögliche Zusammenhänge aufzeigen:

Beschleunigung der Alzheimer-Pathologie

Eine US-Studie der Washington University School of Medicine in St. Louis deutet darauf hin, dass Übergewicht die Entwicklung von Alzheimer beschleunigen könnte. Die Forschenden konzentrierten sich auf Blutbiomarker, also Eiweiße im Blut, die Hinweise auf Veränderungen im Nervengewebe und Eiweißablagerungen im Gehirn geben. Zudem führten sie Gehirnscans durch, um mögliche Amyloid-Ablagerungen sichtbar zu machen. Entgegen der anfänglichen Annahme, dass fettleibige Menschen besser geschützt seien, zeigten die Ergebnisse, dass bei Menschen mit starkem Übergewicht die krankhaften Veränderungen im Blut und im Gehirn deutlich schneller zunahmen als bei nicht fettleibigen Teilnehmenden. Die Autoren vermuten, dass die anfangs niedrigen Werte bei fettleibigen Menschen auf deren höheres Blutvolumen zurückzuführen sind.

Viszerales Fett und Alzheimer

Ein Forschungsteam hat eine bestimmte Art von Körperfett mit den abnormalen Proteinen im Gehirn entdeckt, die mit Alzheimer in Verbindung gebracht werden. Die Bildung des Fettes steht im Zusammenhang mit dem BMI (Body-Mass-Index). Vor allem viszerale Fette (tief verborgenes Fett, das die Organe umgibt) erklären die durch Fettleibigkeit bedingte erhöhte Alzheimer-Pathologie. Bei subkutanen Fetten (das Fett unter der Haut) konnte kein Zusammenhang hergestellt werden.

Kardiovaskuläre Risikofaktoren

Übergewicht ist oft mit anderen kardiovaskulären Risikofaktoren wie Bluthochdruck, hohen Blutzucker- oder Cholesterinwerten verbunden. Diese Faktoren belasten die Gefäße und den Stoffwechsel und können Entzündungen oder schädliche Ablagerungen im Gehirn fördern. Atherosklerose, eine Folge von Übergewicht, kann zu vaskulärer Demenz führen, da sie die Durchblutung des Gehirns beeinträchtigt.

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Kognitive Reserve

Übergewicht kann die kognitive Reserve schwächen, also die Widerstandskraft des Gehirns gegenüber Schäden. Eine geringere kognitive Reserve bedeutet, dass das Gehirn anfälliger für altersbedingte Veränderungen und Erkrankungen wie Alzheimer ist.

Weitere Risikofaktoren für Demenz

Neben Übergewicht gibt es eine Reihe weiterer Faktoren, die das Risiko, an Demenz zu erkranken, erhöhen können. Es ist wichtig zu beachten, dass das Demenzrisiko deutlich steigt, wenn mehrere Risikofaktoren gleichzeitig vorliegen. Zu den wichtigsten Risikofaktoren gehören:

  • Erhöhtes Cholesterin: Vor allem bei Menschen unter 65 Jahren kann erhöhtes Cholesterin die Ablagerung von schädlichen Proteinen wie Amyloid-beta und verändertem Tau im Gehirn fördern, beides typische Merkmale der Alzheimer-Krankheit.
  • Psychische Gesundheit: Anhaltende Niedergeschlagenheit, sozialer Rückzug und mangelnde Selbstfürsorge belasten nicht nur die Seele, sondern auch das Gehirn.
  • Kopfverletzungen: Schwere oder wiederholte Kopfverletzungen erhöhen das Risiko für Demenzerkrankungen wie Alzheimer und die chronisch-traumatische Enzephalopathie (CTE).
  • Bewegungsmangel: Wer sich im Alltag kaum bewegt, erhöht sein Risiko, an einer Demenz zu erkranken.
  • Typ-2-Diabetes: Typ-2-Diabetes zählt zu den am besten belegten Risikofaktoren für Demenz.
  • Rauchen: Rauchen erhöht das Risiko für Alzheimer und vaskuläre Demenz - vor allem durch die negativen Auswirkungen auf Herz, Gefäße und Gehirn.
  • Bluthochdruck: Bluthochdruck im mittleren Lebensalter erhöht das Risiko für alle Demenzformen, insbesondere für die vaskuläre Demenz.
  • Alkohol: Wer regelmäßig viel Alkohol trinkt, riskiert den Verlust der grauen Masse im Gehirn und damit ein höheres Risiko für alle Formen der Demenz.
  • Soziale Isolation: Soziale Isolation kann das Risiko erhöhen, an Demenz zu erkranken, da das Gehirn Anregung durch Gespräche, Begegnungen und gemeinsame Aktivitäten benötigt.
  • Luftverschmutzung: Feine Partikel aus Abgasen, Industrie, Holz- und Kohleöfen können Entzündungen auslösen, die Gefäße schädigen und langfristig die geistige Gesundheit beeinträchtigen.
  • Sehschwäche: Wenn das Sehvermögen nachlässt und nicht ausgeglichen wird, gehen dem Gehirn wichtige Reize verloren.

Präventionsmaßnahmen und Empfehlungen

Obwohl die genauen Ursachen der Alzheimer-Krankheit noch nicht vollständig verstanden sind, gibt es eine Reihe von Maßnahmen, die ergriffen werden können, um das Demenzrisiko zu senken. Dazu gehören:

  • Gesunde Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten kann dazu beitragen, das Gewicht zu kontrollieren und das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen zu senken.
  • Regelmäßige Bewegung: Regelmäßige körperliche Aktivität fördert die Durchblutung des Gehirns, stärkt Nervenzellen und begünstigt den geistigen Abbau.
  • Geistige Anregung: Geistige Anregung in jungen Jahren schützt das Gehirn - besonders durch den Aufbau sogenannter kognitiver Reserven.
  • Soziale Interaktion: Regelmäßige soziale Kontakte und die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben halten das Gehirn wach und leistungsfähig.
  • Kontrolle der Risikofaktoren: Die Behandlung von Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Diabetes und erhöhtem Cholesterin kann dazu beitragen, das Demenzrisiko zu senken.
  • Vermeidung von schädlichen Substanzen: Der Verzicht auf Rauchen und übermäßigen Alkoholkonsum ist wichtig für die Gesundheit des Gehirns.
  • Früherkennung und Behandlung von Seh- und Hörproblemen: Die Behandlung von Seh- und Hörproblemen kann dazu beitragen, dem Gehirn wichtige Reize zu erhalten.

Medikamentöse Behandlungen von Fettleibigkeit und deren potenzielle Auswirkungen auf Alzheimer-Biomarker

Die Forschung auf dem Gebiet der medikamentösen Behandlung von Fettleibigkeit hat in den letzten Jahren erhebliche Fortschritte gemacht. Cyrus Raji, leitender Autor einer Studie, die den Zusammenhang zwischen Adipositas und Alzheimer anhand von Blutbiomarkern nachwies, wies darauf hin, dass es vielversprechende Medikamente gibt, die Fettleibigkeit sehr wirksam behandeln können. Dies eröffnet die Möglichkeit, in zukünftigen Studien die Wirkung von Medikamenten zur Gewichtsreduktion auf Alzheimer-Biomarker zu verfolgen. Es ist jedoch wichtig zu betonen, dass weitere Forschung erforderlich ist, um die langfristigen Auswirkungen dieser Medikamente auf das Demenzrisiko zu verstehen.

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