Alzheimer verzögern: Ernährung und aktuelle Studien im Fokus

Die Alzheimer-Krankheit stellt eine der größten gesundheitlichen Herausforderungen unserer Zeit dar. Bisher gibt es keine Heilung, und auch die Behandlung mit Medikamenten ist begrenzt. Umso wichtiger ist es, Strategien zu finden, die das Fortschreiten der Krankheit verlangsamen und die Lebensqualität der Betroffenen verbessern können. In diesem Zusammenhang rückt die Ernährung zunehmend in den Fokus der Forschung.

Alzheimer im Frühstadium verzögern - ist das möglich?

Eine beginnende Alzheimer-Erkrankung äußert sich durch eine nachlassende Hirn- und Gedächtnisleistung, wobei vor allem das Kurzzeitgedächtnis betroffen ist. PatientInnen und ihre Angehörigen bemerken diese Veränderungen oft schon lange, bevor die eigentliche Demenz ausbricht. „Durch Untersuchungen des Hirnwassers und Kernspintomographie-Aufnahmen des Gehirns, die eine für Alzheimer typische Schrumpfung des Hippocampus sichtbar machen, lässt sich dieses Frühstadium gut feststellen“, erklärt Tobias Hartmann, Professor für Demenzprävention der Universität des Saarlandes.

Die LipiDiDiet-Studie: Ein Hoffnungsschimmer?

Die europäische Studie LipiDiDiet untersuchte, ob ein spezielles medizinisches Nahrungsmittel den Verlauf einer Alzheimer-Erkrankung im frühen Stadium verzögern kann. Die Ergebnisse waren vielversprechend: Bei den Versuchspersonen, die dieses Mittel über einen längeren Zeitraum einnahmen, ließ die geistige Leistungsfähigkeit deutlich langsamer nach als in einer Kontrollgruppe, die ein Placebo erhielt. An der Studie nahmen 311 Patienten an elf Kliniken teil, die über drei Jahre beobachtet wurden.

Studiendesign und Ergebnisse

Die LipiDiDiet-Studie ist ein großes europäisches Forschungskonsortium, das 1999 gegründet wurde, um die therapeutischen und präventiven Auswirkungen von Nahrungsfetten auf die neuronale und kognitive Leistung bei Alterung, Alzheimer und vaskulärer Demenz zu untersuchen. Koordiniert wird LipiDiDiet von Tobias Hartmann, Universität des Saarlandes. Leiter des Arbeitspakets der klinischen Studie ist Hilkka Soininen, University of Eastern Finland in Kuopio.

Erste Zwischenergebnisse wurden bereits in den vergangenen Jahren veröffentlicht, jedoch zeigten sich die deutlichen Unterschiede zwischen den Studienteilnehmern und der Kontrollgruppe erst nach drei Jahren Behandlungszeit. Die Kontrollgruppe erhielt ein Placebo-Mittel, das im Geschmack, in der Konsistenz und Farbe identisch war, ohne dass PatientInnen, MedizinerInnen oder WissenschaftlerInnen wussten, wer das Placebo oder das Multinährstoffgetränk erhielt.

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Verlangsamung des Veränderungsprozesses im Gehirn

„Bei den Patienten mit dem Nährstoffcocktail konnte der Veränderungsprozess im Gehirn deutlich verlangsamt werden. Noch wichtiger war, dass die Hirnleistung während der drei Jahre zwischen 40 bis 70 Prozent weniger nachließ als bei den nicht behandelnden Probanden“, erläutert Hartmann. Die positiven Effekte zeigten sich besonders deutlich bei Teilnehmern, die in einem sehr frühen Alzheimer-Stadium mit der Behandlung begannen. Zudem nahmen die Wirkungen im Laufe der Behandlungszeit zu und weiteten sich nicht nur auf das Gedächtnis, sondern auch auf andere kognitive Bereiche aus. Die Probanden konnten zum Beispiel alltägliche Herausforderungen, wie Rechnungen bezahlen, sich den Weg merken oder auch mit Notfällen umgehen, besser bewältigen als die Kontrollgruppe.

Zusammensetzung des Nährstoffcocktails

Das in der Studie verwendete Nährstoffgemisch enthält eine spezielle Kombination aus essenziellen Fettsäuren, Vitaminen und anderen Nährstoffen. Dazu zählen Docosahexaensäure (DHA), Eicosapentaensäure (EPA), Uridinmonophosphat, Cholin, die Vitamine B12, B6, C, E und Folsäure sowie Phospholipide und Selen. Frühere präklinische Forschungen haben gezeigt, dass diese Nährstoffe eine Reihe von für Alzheimer typische Hirnveränderungen reduzieren können.

Ernährungsempfehlungen zur Vorbeugung und Verlangsamung von Alzheimer

Obwohl es kein einzelnes Lebensmittel gibt, das Alzheimer verhindern kann, deuten zahlreiche Studien darauf hin, dass eine ausgewogene Ernährung das Risiko einer Demenzerkrankung senken und den Verlauf positiv beeinflussen kann.

Die mediterrane Ernährung als Vorbild

Ein bewährtes Vorbild ist die traditionelle Mittelmeerküche mit viel Obst, Gemüse, Hülsenfrüchten, fettem Seefisch und Olivenöl. Studien zeigen, dass sie das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes senken kann - und zugleich die Hirngesundheit verbessert.

  • Polyphenole: Diese natürlichen Stoffe, die Pflanzen ihre Farbe geben, sind in Obst, Gemüse und kaltgepresstem Olivenöl enthalten.
  • Omega-3-Fettsäuren: Sie unterstützen die Zellgesundheit und sind in fettem Seefisch wie Thunfisch, Dorade oder Sardelle enthalten. Alternativ können Walnüsse, Chiasamen, Leinsamen und Avocados konsumiert werden.
  • Nüsse: Sie liefern wichtige pflanzliche Proteine, Mineralstoffe und Vitamine.

Die MIND-Diät

Die MIND-Diät (Mediterranean-DASH Intervention for Neurodegenerative Delay) kombiniert Elemente der mediterranen Ernährung und der DASH-Diät (Dietary Approaches to Stop Hypertension) und zielt speziell darauf ab, die Hirngesundheit zu fördern.

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Was man vermeiden sollte

Aktuelle Studien deuten darauf hin, dass stark verarbeitete Lebensmittel das Risiko, an einer Demenz zu erkranken, deutlich erhöhen können. Dazu zählen unter anderem Fast Food, Fertigpizza, Dosenravioli, Instantsuppen oder Mikrowellengerichte. Diese Lebensmittel können Übergewicht, eine gestörte Darmflora und geschädigte Nervenzellen begünstigen.

Empfehlungen für eine hirngesunde Ernährung

  • Frisch kochen: So oft wie möglich frisch kochen und industriell hergestellte Produkte meiden.
  • Obst und Gemüse: Diese liefern Vitamine und sekundäre Pflanzenstoffe, die Entzündungen entgegenwirken. Besonders Beeren, Äpfel und Birnen gelten als förderlich für die Gedächtnisleistung.
  • Gesunde Fette: Oliven- oder Rapsöl, Nüsse und fettem Seefisch stärken die Zellmembranen im Gehirn.
  • Polyphenole: Diese wirken gegen sogenannten „oxidativen Stress“ und sind in Olivenöl, Heidelbeeren oder rotem Traubensaft enthalten.
  • Ausreichend trinken: Trinken Sie ausreichend Wasser oder ungesüßten Tee.

Weitere Faktoren zur Demenzprävention

Neben der Ernährung spielen auch andere Lebensstilfaktoren eine wichtige Rolle bei der Prävention und Verlangsamung von Demenzerkrankungen:

  • Körperliche Aktivität: Regelmäßige Bewegung fördert die Durchblutung des Gehirns und kann die kognitive Funktion verbessern.
  • Geistige Aktivität: Fordern Sie Ihr Gehirn heraus, indem Sie lesen, Rätsel lösen, neue Fähigkeiten erlernen oder sich an kreativen Aktivitäten beteiligen.
  • Soziale Kontakte: Pflegen Sie soziale Kontakte und bleiben Sie aktiv in Ihrer Gemeinschaft.
  • Guter Schlaf: Ausreichend Schlaf ist wichtig, damit das Gehirn Schadstoffe abbauen kann.
  • Hörgesundheit: Eine Hörhilfe kann entscheidend sein, um am sozialen Leben teilzuhaben und sollte frühzeitig in Anspruch genommen werden.

Herausforderungen bei der Ernährung von Demenzpatienten

In fortgeschrittenen Stadien der Demenz kann es schwierig sein, eine gesunde Ernährung umzusetzen. Hier ist es vor allem wichtig, auf eine ausreichende Kalorien- und Flüssigkeitsaufnahme zu achten. Bestimmte Ernährungsformen sollten weniger eine Rolle spielen als die Lebensqualität, die ja auch durch den Genuss altvertrauter Gerichte gewinnt. Bei manifester Demenz ist es oft wichtiger, dass die Betroffenen überhaupt ausreichend Nahrung und Flüssigkeit zu sich nehmen, da Hunger- und Durstgefühl abnehmen. In späteren Stadien ist Unterstützung bei der Nahrungsaufnahme notwendig. Grundsätzlich gilt: in Gesellschaft schmeckt es besser!

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