Alzheimer-Krankheit: Ursachen, Symptome, Diagnose und Therapie

Die Alzheimer-Krankheit ist eine fortschreitende neurodegenerative Erkrankung des Gehirns, die vorwiegend im Alter auftritt und mit einer fortschreitenden Abnahme von Hirnfunktionen einhergeht. Sie ist die häufigste Form der Demenz und macht etwa 65 % aller Demenz-Fälle aus. Die Krankheit beginnt oft mit geringer, anscheinend zufälliger Vergesslichkeit und endet im Verlust des Verstandes.

Was ist Demenz?

Als Demenz bezeichnen Ärzte eine geistige Behinderung, die entstanden ist, weil das Hirn geschädigt wurde. "Die Erinnerung ist das einzige Paradies, aus welchem wir nicht getrieben werden können", schrieb der deutsche Dichter Jean Paul im Jahre 1812.

Entdeckung und Namensgebung

Die Alzheimer-Krankheit wurde erstmals im Jahr 1906 durch den Arzt Alois Alzheimer (1864-1915) an der Patientin Auguste Deter diagnostiziert und als Erkrankung organischen, nicht psychischen Ursprungs beschrieben, unabhängig davon etwa zur gleichen Zeit von Oskar Fischer an der psychiatrischen Klinik in Prag. Alois Alzheimer hielt einen Vortrag, der ihn später berühmt machen sollte. Er beschreibt eine bis dahin unbekannte Form der Demenz, das "eigenartige Krankheitsbild" seiner Patientin Auguste Deter. Er vermutete, dass es eine biologische Ursache für die dokumentierten Veränderungen gegeben hatte. Und tatsächlich: Alzheimer erkannte, dass die Hirnrinde dünner gewesen war als üblich. Er fand auch Eiweißablagerungen in Form von Plaques. Und er konnte ungewöhnliche Bündel von sogenannten Neurofibrillen nachweisen: Dabei hatten sich Fasern in Nervenzellen verknäuelt.

Verbreitung und Risikogruppen

Im Jahr 2019 waren weltweit fast 47 Millionen Menschen an Demenz erkrankt, schätzt der Dachverband Alzheimer's Disease International (ADI). Da der Anteil der Älteren in der Bevölkerung der westlichen Industrienationen immer mehr zunimmt, steigt auch die Häufigkeit der Personen mit Alzheimer.

Man schätzt, dass bei den 65-Jährigen etwa 2 % betroffen sind. Bei den 70-Jährigen sind es bereits 3 %, bei den 75-Jährigen 6 % und bei den 85-Jährigen zeigen etwa 20 % Symptome der Krankheit. Bei den über 85-Jährigen nimmt der Anteil der Betroffenen wieder ab, da die zuvor Erkrankten dieses Lebensalter selten erreichen. In Deutschland leiden aktuell mehr als 900.000 Menschen unter einer Demenzerkrankung, 650.000 davon unter Morbus Alzheimer. Pro Jahr werden etwa 200.000 neue Demenzerkrankungen diagnostiziert, davon sind ca. Im Jahr 2006 waren weltweit etwa 26,6 Millionen Menschen von der Alzheimer-Krankheit betroffen.

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Ursachen und Risikofaktoren

Die genauen Ursachen der Alzheimer-Krankheit sind noch nicht vollständig erforscht. Die Krankheit entsteht durch das Absterben der Nervenzellen und eine Schrumpfung des Gehirns (Hirnatrophie).

Proteinablagerungen im Gehirn

Im Gehirn von Menschen mit Alzheimer lagern sich schädliche Proteine wie Amyloid-beta ab. Im gesunden Gehirn entsteht normalerweise ein Eiweiß namens Beta-Amyloid aus einem Vorläuferprotein (APP). Statt harmlosen Beta-Amyloids entstehen giftige Beta-Amyloid-Proteine, die verklumpen und sich als unlösliche Ablagerungen zwischen den Nervenzellen festsetzen. Diese Ablagerungen werden Plaques genannt. Die Plaques verhindern, dass die Gehirnzellen mit Nahrung versorgt werden können. Deshalb sterben die Gehirnzellen ab.

Im Inneren der Gehirnzellen sorgt ein weiteres Protein, das Tau-Protein, für die Stabilität und Nährstoffversorgung. Tau-Proteine sind normalerweise die "Bauarbeiter" in deinen Nervenzellen - sie sorgen für Stabilität und Nährstoffversorgung. Die veränderten Tau-Proteine sammeln sich und bilden unlösliche Fasern (Tau-Fibrillen). Wenn sowohl Amyloid-Plaques als auch Tau-Fibrillen im Gehirn auftreten, entsteht der typische Alzheimer-Schaden.

Obwohl schon Alois Alzheimer vor fast 120 Jahren Amyloid-Plaques und Tau-Fibrillen im Gehirn seiner Patientin Auguste Deter als Ursache der „Krankheit des Vergessens“ vermutete, gibt es bis heute keinen Beweis dafür. So ist es beispielsweise gelungen, mit modernen Antikörper-Medikamenten die Amyloid-Plaques zu entfernen und damit den Krankheitsverlauf etwas zu verzögern - dauerhaft aufhalten lässt sich der kognitive Abbau jedoch nicht. Auch weiß die Wissenschaft bis heute nicht, warum sich die Oligomere, Plaques und Fibrillen bilden. Zum Teil vermuten Forscherinnen und Forscher, dass die Ablagerungen ein Nebenprodukt anderer Vorgänge sein könnten, deren Ursachen noch nicht bekannt sind.

Rolle der Gliazellen

Neben den Ablagerungen von Amyloid und Tau kommen Fehlfunktionen bestimmter Zellen als mögliche Auslöser der Alzheimer-Krankheit in Frage. Im Fokus stehen hier insbesondere die Gliazellen, die etwa 90 Prozent aller Gehirnzellen ausmachen. Aufgabe der Gliazellen ist es, die Nervenzellen im Gehirn zu schützen und zu unterstützen, damit die Signalübertragung - und damit unser Denken und Handeln - reibungslos funktioniert. An der Signalübertragung selbst sind Gliazellen nicht beteiligt.

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Mikrogliazellen spielen eine wichtige Rolle im Immunsystem unseres Gehirns. Wie eine Gesundheitspolizei sorgen sie dafür, dass schädliche Substanzen wie Krankheitserreger zerstört und abtransportiert werden. Astrozyten sind Gliazellen mit gleich mehreren wichtigen Aufgaben, unter anderem versorgen sie das Gehirn mit Nährstoffen, regulieren die Flüssigkeitszufuhr und helfen bei der Regeneration des Zellgewebes nach Verletzungen. Astrozyten stehen im Verdacht, an der Verbreitung der giftigen Amyloid-beta-Oligomere und Tau-Fibrillen beteiligt zu sein.

Genetische Faktoren

Es gibt eine genetische Komponente in der Verursachung der Alzheimer-Krankheit. Etwa fünf bis zehn Prozent der Betroffenen zeigen eine familiäre Häufung, die auf Mutationen des Presenilin 1-Gens auf Chromosom 14, des Presenilin 2-Gens auf Chromosom 1 oder Mutation des APP-Gens auf Chromosom 21 zurückzuführen sind. Es gibt aber noch eine andere Form von Alzheimer - eine, bei der die Krankheit oft schon früher auftaucht: Hier verursacht ein genetischer Fehler (Mutation) die Krankheit. Die Mutation sorgt dafür, dass mehr Amyloid aus den Hüllen der Nervenzellen herausgeschnitten wird. Mehr Amyloid-Klumpen führen dann zu Plaques und das nicht erst im Alter.

Isländische Wissenschaftler haben zudem eine andere Mutation entdeckt, die das Gegenteil bewirken kann: Wer diese Genveränderung hat, bei dem entstehen weniger Amyloid-Klumpen als üblich und schützen so vor Alzheimer.

Weitere Risikofaktoren

Risikofaktoren sind Diabetes, Bluthochdruck und hohe Cholesterinwerte. Experten sprechen auch von einem "neuro-degenerativen Prozess". Allerdings können Betroffene versuchen, den Krankheitsverlauf zu verlangsamen - indem sie jene Faktoren meiden oder beheben, die das Gehirn zusätzlich schädigen: erhöhten Blutdruck, ungesunde Cholesterin-Werte, zu viel Blutzucker, Fettleibigkeit, Bewegungsmangel und Depressionen.

Symptome und Verlauf

Alzheimer schleicht sich ins Leben. Zunächst treten leichte Gedächtnisprobleme und Orientierungsschwierigkeiten auf. Vergesslichkeit kann ein Anzeichen für Alzheimer sein, muss es aber nicht. Es gehört zum Älterwerden dazu, öfter etwas zu vergessen oder sich langsamer zu erinnern.

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Die Alzheimer-Krankheit kann in drei Schritten verlaufen. Im ersten Schritt verlieren die Patienten langsam ihr Gedächtnis und können nicht mehr so gut lernen. Im zweiten Schritt können sie nicht mehr richtig sprechen und verlieren oft die Orientierung, weil sie nicht mehr richtig sehen, fühlen, riechen und schmecken können. Im dritten Schritt können sie überhaupt nicht mehr sprechen, erinnern sich an nichts mehr und können ihren Körper nicht mehr beherrschen. Bis zum dritten und letzten Schritt der Alzheimer-Krankheit dauert es meistens 8 bis 15 Jahre.

Frühe Symptome

  • Mit leichter Vergesslichkeit beginnt es: Die Betroffenen verlegen ihre Brille oder finden ihre Geldbörse nicht. Sie erkennen Orte nicht wieder, an denen sie schon einmal waren. Beim Reden verlieren sie den Faden.
  • Das Kurzzeitgedächtnis funktioniert nicht mehr richtig, was zu Konzentrations- und Orientierungsproblemen führt.
  • Gleichzeitig treten erste Verhaltensveränderungen auf: Stimmungsschwankungen, Angst oder plötzliche Wutausbrüche werden häufiger.

Fortgeschrittene Symptome

  • Je weiter die Alzheimer-Demenz fortschreitet, je weiter das Gehirn geschädigt wird, umso mehr Fähigkeiten verlieren die Betroffenen: So können immer weniger assoziieren, zum Beispiel dass Schuhe und Socken an die Füße gehören oder was mit Messer, Gabel und Löffel zu tun ist.
  • Selbst vertraute Personen werden von den Dementen nicht mehr immer wiedererkannt, und die eigene Wohnung wird ihnen fremd.
  • Die Alzheimer-Patienten vernachlässigen mitunter auch ihr Äußeres. Und Verfolgungswahn oder Halluzinationen können sich einstellen.
  • Es fällt ihnen immer schwerer, alltägliche Dinge zu meistern.
  • Im mittleren Stadium wird die Hirnrinde bereits sichtbar geschrumpft, und die Ventrikel (Hohlräume im Gehirn) vergrößern sich. Betroffene vergessen ihren eigenen Namen und erkennen Angehörige nicht mehr.
  • Besonders belastend sind die starken Persönlichkeitsänderungen: Ruhige Menschen werden plötzlich unruhig und aggressiv, während andere völlig apathisch werden.

Späte Symptome

  • Patienten, die das Stadium der schweren Demenz erreichen, sind völlig pflegebedürftig.
  • Sie werden zunehmend inkontinent, müssen gefüttert werden.
  • Nach und nach verschwindet auch die Fähigkeit zu gehen, die Gefahr von Stürzen steigt.
  • Wenn dann jene Areale im Gehirn versagen, die für die Bewegung zuständig sind, wird der Patient bettlägerig und immer schwächer.
  • Verminderung des aktiven Wortschatzes auf ca.

Diagnose

Die Forschung geht davon aus, dass die für Alzheimer typischen molekularen Prozesse im Gehirn Jahre oder Jahrzehnte vor dem Auftreten der ersten Symptome beginnen. Treten irgendwann Symptome auf, lässt sich nicht mehr feststellen, wo die Krankheit begonnen hat.

Stadien der Alzheimer-Krankheit

Alzheimer wurde in verschiedene Stadien eingeteilt, die von dem Grad der kognitiven Störungen abhängig sind. Bis zu diesem Stadium bekommt der Patient die nachlassende Leistung seines Gehirns mit und versucht das zu vertuschen.

Bedeutung der Früherkennung

Zu den frühen Symptomen gehören Gedächtnisprobleme, Schwierigkeiten beim Planen oder Problemlösen, Verwirrung über Zeit oder Ort und Veränderungen in der Persönlichkeit oder Stimmung. Sie sind oft schwer einzuschätzen, so dass dieser Vortrag wichtige Informationen zu den Chancen der Früherkennung bietet.

Gedächtnisambulanzen

Neben der Differerentialdiagnostik eine weitere die Aufgabe von Gedächtnisambulanzen auch darin bestehe, neue Therapien in die breite Versorgung zu überführen.

Therapie

So oder so: Die Alzheimer-Krankheit lässt sich nicht heilen, weil bei dieser Erkrankung Nervenzellen geschädigt und zerstört werden. Da die Schädigung des Gehirns nicht rückgängig gemacht werden kann, sind diese Demenzen nicht heilbar. Es gibt aber auch Demenzformen, bei denen andere Grunderkrankungen die Ursache für die Beschwerden sind. Das können Hirnverletzungen sein, Depressionen, Durchblutungsstörungen, Vitaminmangel oder Alkoholmissbrauch.

Allerdings können Betroffene versuchen, den Krankheitsverlauf zu verlangsamen - indem sie jene Faktoren meiden oder beheben, die das Gehirn zusätzlich schädigen: erhöhten Blutdruck, ungesunde Cholesterin-Werte, zu viel Blutzucker, Fettleibigkeit, Bewegungsmangel und Depressionen. Außerdem gibt es Medikamente, die helfen können, das Gedächtnis ein wenig länger aufrechtzuerhalten.

Medikamentöse Therapie

Mit modernen Antikörper-Medikamenten ist es beispielsweise gelungen, die Amyloid-Plaques zu entfernen und damit den Krankheitsverlauf etwas zu verzögern - dauerhaft aufhalten lässt sich der kognitive Abbau jedoch nicht.

Nicht-medikamentöse Therapie

Zusätzlich sollten Ärzte und Angehörige versuchen, das Wohlbefinden und das Selbstwertgefühl der Erkrankten so lange wie möglich zu erhalten. Eine Maxime lautet: Fordern, aber nicht überfordern! So kann sich ein Alzheimer-Patient als Versager fühlen, wenn straffes Gedächtnistraining nicht klappt. Besser ist es, über die geschaute Fernsehsendung zu sprechen, ein Fotoalbum anzusehen, Anekdoten aufzufrischen oder Handtücher zu falten.

Das ist wichtig, weil Alzheimer-Patienten zwar intellektuell nicht mehr so leistungsfähig sind, aber ihre Gefühle wahrnehmen. Bis zu ihrem Tod sind sie sehr empfänglich für atmosphärische und emotionale Eindrücke. Wenn man also mit Alzheimer-Patienten spricht, ist der Tonfall wichtig, die Stimme - und weniger das Gesagte. Der Patient spürt genau, ob man ihn mag oder vielleicht unbewusst ablehnt.

Kombinationstherapien

Sie sieht u.a. in Kombinationstherapien die Zukunft der Demenztherapie, hält aber gleichzeitig ein flächendeckendes Bevölkerungsscreening unter den gegebenen Umständen (noch) nicht für sinnvoll.

Prävention

Studien zeigen: Ein gesunder Lebensstil mit Bewegung, geistiger Aktivität, sozialem Austausch und gesunder Ernährung kann das Risiko senken.

Umgang mit Alzheimer-Patienten

Menschen können sich nicht gegenseitig mit der Alzheimer-Krankheit anstecken. Daher ist kein spezieller Schutz im täglichen Umgang mit Patientinnen und Patienten in der Pflege nötig.

Lebenserwartung

Die Lebenserwartung bei Alzheimer variiert individuell: Studien zeigen eine durchschnittliche Lebenserwartung nach Diagnosestellung von 4,8 Jahren für Menschen mit Demenz insgesamt. Dieser Durchschnittswert kann kann individuell stark abweichen. Demenzerkrankungen wie Alzheimer selbst sind nicht direkt tödlich, führen jedoch zu einem fortschreitenden Abbau körperlicher und geistiger Funktionen, einschließlich der motorischen Fähigkeiten. Im späten Stadium ist der Körper meist stark geschwächt, sodass das Risiko für Infektionen, wie beispielsweise Lungenentzündungen, steigt.

Forschung und Ausblick

Überall auf der Welt arbeiten Forscherinnen und Forscher daran, Antworten darauf zu finden, wie Alzheimer entsteht, wie es verhindert oder geheilt werden kann. In der jüngeren Vergangenheit und aktuell sind bahnbrechende medizinische Innovationen in der Demenzdiagnostik und -therapie zu verzeichnen. Dazu zählen beispielsweise Blutbiomarker sowie neue anti-dementive Therapien mit Wirkstoffen gegen Amyloid, Tau oder Inflammation.

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