Amitriptylin zur Behandlung chronischer Migräne: Dosierung, Wirkung und Anwendung

Amitriptylin ist ein trizyklisches Antidepressivum, das zur Behandlung verschiedener Erkrankungen eingesetzt wird, darunter Depressionen, neuropathische Schmerzen und chronische Spannungskopfschmerzen. Es hat sich auch als wirksam bei der Migräneprophylaxe erwiesen. Dieser Artikel befasst sich mit der Anwendung von Amitriptylin bei chronischer Migräne, einschliesslich Dosierung, Wirkungsweise, Anwendungshinweisen und wichtigen Überlegungen.

Was ist Amitriptylin und wie wirkt es?

Amitriptylin gehört zur Gruppe der trizyklischen Antidepressiva. Es beeinflusst die Signalübertragung im Gehirn, indem es die Wirkungsdauer von stimmungsaufhellend wirkenden Botenstoffen (Neurotransmittern) wie Serotonin und Noradrenalin verlängert. Akut hemmt Amitriptylin die neuronale Aufnahme dieser Neurotransmitter, wodurch deren Konzentration im synaptischen Spalt erhöht wird. Es beeinflusst auch den Acetylcholin-Kreislauf im Gehirn. Die schmerzlindernde Wirkung von Amitriptylin wird auf den Einfluss auf die Serotonin-Konzentration zurückgeführt.

Dosierung von Amitriptylin bei chronischer Migräne

Die Dosierung von Amitriptylin wird in der Regel von einem Arzt langsam erhöht und auf eine für den Patienten passende Erhaltungsdosis eingestellt. Für die einzelnen Dosierungsschritte stehen Arzneimittel mit verschiedenen Wirkstoffstärken zur Verfügung.

Allgemeine Hinweise zur Dosierung:

  • Erwachsene: Die Anfangsdosis beträgt üblicherweise 10-25 mg am Abend. Die Dosis kann schrittweise erhöht werden, bis eine wirksame Dosis erreicht ist. Einzeldosen von mehr als 75 mg werden nicht empfohlen.
  • Ältere und geschwächte Patienten: Sie müssen in Absprache mit ihrem Arzt eventuell die Einzel- oder die Gesamtdosis reduzieren oder den Dosierungsabstand verlängern.
  • Kinder: Zur Behandlung von Bettnässen nehmen Kinder von sechs bis zehn Jahren täglich 10 mg bis 20 mg eine bis anderthalb Stunden vor dem Schlafengehen ein, Kinder ab elf Jahren 25 mg bis 50 mg.

Wichtige Hinweise:

  • Die Dosierung richtet sich nach dem Anwendungsgebiet und wird etwa bei neuropathischen Schmerzen oft niedriger gewählt als bei einer Depression.
  • Eine vom Arzt verordnete Dosierung kann von den Angaben der Packungsbeilage abweichen. Da der Arzt sie individuell abstimmt, sollte das Arzneimittel daher nach seinen Anweisungen angewendet werden.
  • Die Höchstdosis sollte nicht überschritten werden. Bei AMITRIPTYLIN neuraxpharm 8,84 mg Filmtabletten sollte eine Dosis von 15 Tabletten pro Tag nicht überschritten werden. Bei AMITRIPTYLIN-neuraxpharm 40 mg/ml Lsg.z.Einnehmen sollte eine Dosis von 75 Tropfen pro Tag nicht überschritten werden.

Anwendungshinweise

  • Art der Anwendung: Amitriptylin wird meist in Form von Tabletten eingesetzt, teilweise auch mit verzögerter Wirkstofffreisetzung. Außerdem gibt es Amitriptylin-Tropfen und Injektionslösungen. Die Tabletten werden unzerkaut mit Flüssigkeit (z.B. 1 Glas Wasser) eingenommen. Bei niedriger Amitriptylin-Dosierung beziehungsweise verzögerter Wirkstofffreisetzung erfolgt die Einnahme meist abends, da vor allem zu Therapiebeginn Müdigkeit auftreten kann. Die Tropfen werden in Wasser oder auf Zucker gegeben.
  • Dauer der Anwendung: Die Anwendungsdauer richtet sich nach Art der Beschwerde und/oder Dauer der Erkrankung und wird deshalb nur vom Arzt bestimmt.
  • Einnahme vergessen: Setzen Sie die Einnahme zum nächsten vorgeschriebenen Zeitpunkt ganz normal (also nicht mit der doppelten Menge) fort.
  • Überdosierung: Es kann zu einer Vielzahl von Überdosierungserscheinungen kommen, unter anderem zu Krämpfen, Bewusstseinsstörungen und Atemstörungen. Setzen Sie sich bei dem Verdacht auf eine Überdosierung umgehend mit einem Arzt in Verbindung.
  • Absetzen: Durch plötzliches Absetzen können Probleme oder Beschwerden auftreten. Deshalb sollte die Behandlung langsam, das heißt mit einem schrittweisen Ausschleichen der Dosis, beendet werden. Lassen Sie sich dazu am besten von Ihrem Arzt oder Apotheker beraten.

Gegenanzeigen

Amitriptylin sollte nicht eingenommen werden bei:

  • Überempfindlichkeit gegen die Inhaltsstoffe
  • Herzinfarkt, der erst kurze Zeit zurückliegt
  • Gestörter Herzschlag bei der Überleitung vom Vorhof zur Kammer (AV-Block)
  • Herzrhythmusstörungen mit unregelmäßiger Schlagfolge
  • Koronare Herzkrankheit (Durchblutungsstörungen des Herzmuskels)
  • Schwere Lebererkrankung
  • Gleichzeitiger Behandlung mit Monoaminooxidase-Hemmern (MAO-Hemmern)
  • Kinder unter 6 Jahren (bestimmte Darreichungsformen)

Besondere Vorsicht ist geboten bei:

  • Älteren Patienten ab 65 Jahren: Die Behandlung sollte mit dem Arzt gut abgestimmt und sorgfältig überwacht werden, z.B. durch engmaschige Kontrollen. Die erwünschten Wirkungen und unerwünschten Nebenwirkungen des Arzneimittels können in dieser Gruppe verstärkt oder abgeschwächt auftreten.
  • Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren: In dieser Altersgruppe sollte das Arzneimittel nur bei bestimmten Anwendungsgebieten eingesetzt werden.
  • Schwangerschaft und Stillzeit: Wenden Sie sich an Ihren Arzt. Es spielen verschiedene Überlegungen eine Rolle, ob und wie das Arzneimittel in der Schwangerschaft angewendet werden kann. Von einer Anwendung in der Stillzeit wird nach derzeitigen Erkenntnissen abgeraten. Eventuell ist ein Abstillen in Erwägung zu ziehen.

Wichtige Hinweise

  • Reaktionsvermögen: Vorsicht: Das Reaktionsvermögen kann auch bei bestimmungsgemäßem Gebrauch beeinträchtigt sein. Achten Sie vor allem darauf, wenn Sie am Straßenverkehr teilnehmen oder Maschinen (auch im Haushalt) bedienen, mit denen Sie sich verletzen können.
  • Alkohol: Vermeiden Sie die Einnahme von Alkohol.
  • Engwinkelglaukom: Patienten mit Engwinkelglaukom haben ein erhöhtes Risiko - besonderes im akuten Anfall.
  • Allergien: Vorsicht bei Allergie gegen Bindemittel (z.B. Carboxymethylcellulose mit der E-Nummer E 466)!
  • Lactoseintoleranz: Vorsicht bei einer Unverträglichkeit gegenüber Lactose. Wenn Sie eine Diabetes-Diät einhalten müssen, sollten Sie den Zuckergehalt berücksichtigen.

Nebenwirkungen

Nebenwirkungen sind unerwünschte Wirkungen, die bei bestimmungsgemäßer Anwendung des Arzneimittels auftreten können. Zu den häufigsten Nebenwirkungen von Amitriptylin zählen:

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  • Magen-Darm-Beschwerden: Verstopfung, Übelkeit, Durchfälle, Erbrechen, Mundtrockenheit, Zungenödem, Gewichtszunahme
  • Störungen des Salzhaushaltes: Natriummangel, Durstgefühl
  • Psychische Veränderungen: Müdigkeit, aggressives Verhalten, Verwirrtheit, vermindertes sexuelles Verlangen, Antriebssteigerung, leichte Form der Manie, krankhaft gesteigerte Aktivität oder Heiterkeit (Manie), Angst, Schlaflosigkeit, Albtraum, Schläfrigkeit
  • Neurologische Beschwerden: Zittern, Schwindel, Kopfschmerzen, Benommenheit, Sprachstörungen, Konzentrationsstörung, Geschmacksstörung, Missempfindungen, Störung der Bewegungskoordination (Ataxie), Krampfanfälle
  • Sehstörungen: Störung der Nah- und Ferneinstellung des Auges (Akkommodation), Pupillenerweiterung
  • Weitere: Gefühl der "verstopften Nase", Ohrengeräusche (Tinnitus), Schwitzen, Überempfindlichkeitsreaktionen der Haut, orthostatische Hypotonie (Kreislaufstörungen aufgrund niedrigen Blutdrucks), Bluthochdruck (Hypertonie) durch Arzneimittel, Herzklopfen, Pulsbeschleunigung, gestörter Herzschlag bei der Überleitung vom Vorhof zur Kammer (AV-Block), Erregungsleitungsstörung des Herzens (Schenkelblock), Kreislaufzusammenbruch (Kreislaufkollaps), Herzmuskelschwäche durch Medikamente (arzneimittelinduzierte Herzinsuffizienz), Gallenabflussstörung durch Medikamente (arzneimittelinduzierte Cholestase), Störungen beim Wasserlassen, Harnverhalt, gestörtes Anschwellen des männlichen Gliedes (erektile Dysfunktion), Milchabsonderung aus der Brust (Galaktorrhoe), EKG-Veränderung (anormales EKG), EKG-Veränderung (verlängerte QRS-Zeit), EKG-Veränderung (verlängertes QT-Intervall), erhöhter Augeninnendruck

Bemerken Sie eine Befindlichkeitsstörung oder Veränderung während der Behandlung, wenden Sie sich an Ihren Arzt oder Apotheker.

Wechselwirkungen

Amitriptylin kann mit verschiedenen anderen Arzneimitteln in Wechselwirkung treten. Sie sollten deswegen generell vor der Behandlung mit einem neuen Arzneimittel jedes andere, das Sie bereits anwenden, dem Arzt oder Apotheker angeben. Das gilt auch für Arzneimittel, die Sie selbst kaufen, nur gelegentlich anwenden oder deren Anwendung schon einige Zeit zurückliegt.

Zu den wichtigsten Wechselwirkungen gehören:

  • Monoaminooxidase-Hemmer (MAO-Hemmer): Die gleichzeitige Anwendung von Amitriptylin und MAO-Hemmern kann zu einem potenziell lebensbedrohlichen Serotonin-Syndrom führen.
  • Sympathomimetika: Amitriptylin kann die Wirkung von Adrenalin, Ephedrin und Phenylephrin (Sympathomimetika) auf das Herz verstärken.
  • Zentral wirksame Blutdrucksenker: Amitriptylin verstärkt die Wirkung zentral wirksamer Blutdrucksenker (z.B. Clonidin, Methyldopa).
  • Anticholinergika: Amitriptylin verstärkt die Wirkung von Anticholinergika (z.B. Tolterodin, Oxybutynin).
  • CYP-Enzym-Hemmer: Bei gleichzeitiger Einnahme von Hemmstoffen bestimmter Leberenzyme (z.B. Anti-Pilzmittel wie Fluconazol und Terbinafin, aber auch andere Antidepressiva wie Fluoxetin, Paroxetin und Bupropion) kann es zu vermehrten Amitriptylin-Nebenwirkungen kommen.
  • Andere zentral dämpfende Arzneimittel: Andere zentral dämpfende Arzneimittel (z.B. Benzodiazepine) und Alkohol verstärken die sedierende Wirkung von Amitriptylin.

Lagerung

  • Das Arzneimittel muss vor Hitze geschützt im Dunkeln (z.B. im Umkarton) aufbewahrt werden.
  • Nach Anbruch/Zubereitung darf das Arzneimittel höchstens 6 Monate verwendet werden!
  • Das Arzneimittel muss nach Anbruch/Zubereitung bei Raumtemperatur im Dunkeln (z.B. im Umkarton) aufbewahrt werden!

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