Die Parkinson-Krankheit ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die vor allem durch Bewegungsstörungen gekennzeichnet ist, aber auch eine Vielzahl von nicht-motorischen Symptomen verursacht. Ein Kennzeichen der Erkrankung ist der Verlust von Nervenzellen in der Substantia nigra, einem Bereich des Mittelhirns, der eine wichtige Rolle bei der Steuerung von Bewegungen spielt.
Ursachen und Risikofaktoren
Die Parkinson-Krankheit wird über ihre klinischen Symptome definiert: verminderte bzw. verlangsamte Bewegungen (Hypokinese), wachsende Erhöhung des Muskeltonus (Rigor), Ruhetremor, Haltungsinstabilität. Weitere klassische Parkinsonsymptome sind Maskengesicht, Speichelfluss, Rückenschmerzen und vieles mehr. Bereits vor dem Auftreten motorischer Symptome können neuropsychiatrische und autonome Störungen auftreten. Im fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung kann sich auch eine Demenz entwickeln. Beweisend für die Diagnose Morbus Parkinson ist eine Besserung der Symptome nach einer L-Dopa-Einnahme.
Die genauen Ursachen der Parkinson-Krankheit sind noch nicht vollständig geklärt. Es gibt jedoch eine Reihe von Risikofaktoren, die die Entstehung der Erkrankung begünstigen können. Dazu gehören:
- Alter: Die Häufigkeit der Parkinson-Krankheit steigt mit zunehmendem Alter. Zwischen 65 und 75 Jahren sind rund ein Prozent der Bevölkerung betroffen, bei den 75- bis 85-jährigen sind es rund 4,5 Prozent.
- Geschlecht: Männer sind häufiger betroffen als Frauen.
- Genetische Faktoren: In einigen Fällen kann die Parkinson-Krankheit familiär gehäuft auftreten.
- Umweltfaktoren: Es gibt Hinweise darauf, dass bestimmte Umweltfaktoren wie Pestizide oder Schwermetalle das Risiko für die Entwicklung der Parkinson-Krankheit erhöhen können.
- Oxidativer Stress: An der Entstehung neurodegenerativer Prozesse sind verschiedene Faktoren beteiligt, zum Beispiel oxidativer und nitrosativer Stress, erhöhte Entzündungsaktivität im Gehirn, Energiemangel der Nervenzellen als Folge einer Fehlfunktion der Mitochondrien, erhöhte Homocysteinkonzentrationen und gesteigerte Aktivität von Glutamatrezeptoren mit daraus resultierender Übererregbarkeit der Nervenzellen. Nervenzellen im Hirnstamm wie die dopaminergen Neuronen in der Substantia Nigra sind in besonderem Maße anfällig gegenüber Schädigungsfaktoren. Die Nervenzellen im Hirnstammbereich haben besonders lange und stark verzweigte Axone, deren metabolische Versorgung einen hohen Aufwand bedeutet. Sie reagieren deshalb besonders empfindlich auf Störungen des Zellstoffwechsels.
- Darmgesundheit: In den letzten Jahren gibt es immer mehr Hinweise, dass die Erkrankung möglicherweise im Nervensystem des Darms ihren Anfang nimmt.
Symptome
Die Symptome der Parkinson-Krankheit können von Person zu Person unterschiedlich sein. Die häufigsten Symptome sind:
- Tremor: Zittern, meist in Ruhe.
- Rigor: Muskelsteifheit.
- Akinese/Bradykinese: Verlangsamung der Bewegungen.
- Posturale Instabilität: Gleichgewichtsstörungen.
Weitere mögliche Symptome sind:
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- Maskengesicht: Verminderte Mimik.
- Speichelfluss.
- Rückenschmerzen.
- Depressionen.
- Schlafstörungen.
- Kognitive Beeinträchtigungen.
- Verstopfung.
- Geruchsstörungen.
Bereits vor dem Auftreten motorischer Symptome können neuropsychiatrische und autonome Störungen auftreten. Im fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung kann sich auch eine Demenz entwickeln.
Diagnose
Die Diagnose der Parkinson-Krankheit wird in der Regel anhand der klinischen Symptome gestellt. Ein wichtiger diagnostischer Hinweis ist die Besserung der Symptome nach der Einnahme von L-Dopa, einem Medikament, das den Dopaminmangel im Gehirn ausgleicht.
In einigen Fällen können auch bildgebende Verfahren wie die Magnetresonanztomographie (MRT) oder die Positronenemissionstomographie (PET) eingesetzt werden, um die Diagnose zu unterstützen oder andere Erkrankungen auszuschließen.
Eine neue Methode zum Nachweis von Alpha-Synuclein-Ablagerungen in den peripheren Nerven der Haut ist die RT-QuIC (real-time quaking-induced conversion assay). Diese Methode erwies sich in einer Studie als sensitiver als die Immunhistochemie (IHC).
Therapie
Die Parkinson-Krankheit ist ursächlich nicht heilbar. Die Behandlung zielt darauf ab, die Symptome zu lindern und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern.
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Die wichtigsten Therapieansätze sind:
- Medikamentöse Therapie: Es gibt verschiedene Medikamente, die die Dopaminwirkung im Gehirn verstärken oder den Dopaminmangel ausgleichen können. Das am häufigsten eingesetzte Medikament ist L-Dopa.
- Tiefe Hirnstimulation: Bei diesem Verfahren werden Elektroden in bestimmte Hirnbereiche implantiert, um die Funktion der Basalganglien zu modulieren.
- Physiotherapie: Physiotherapie kann helfen, die Beweglichkeit und das Gleichgewicht zu verbessern.
- Ergotherapie: Ergotherapie kann helfen, die Alltagskompetenzen zu erhalten und zu verbessern. Susanne Tuschkan, Ergotherapeutin im DVE (Deutscher Verband der Ergotherapeuten e.V.) erklärt: "Tanzen wirkt sich auf die motorischen Fähigkeiten ebenso positiv aus, wie auf die Lebensfreude und -qualität.". Sie hat in der Münchner Schön-Klinik ein Gruppenkonzept, Tanzen für Parkinsonkranke, eingeführt.
- Logopädie: Logopädie kann helfen, Sprach- und Schluckstörungen zu behandeln.
- Psychotherapie: Psychotherapie kann helfen, Depressionen und andere psychische Probleme zu bewältigen.
Mikronährstoffe
Die Funktionsfähigkeit des Gehirns ist in hohem Maße abhängig von einer ausreichenden Versorgung mit Mikronährstoffen. Mikronährstoffe sind wichtig für den Energiestoffwechsel der Nervenzellen, für den antioxidativen Schutz, für die Begrenzung der Entzündungsaktivität, für die Regulierung der Nervenerregbarkeit, für die Bildung von Myelin, der Synapsen und Dendriten und vieles mehr.
Über den Zusammenhang zwischen Morbus Parkinson und Mikronährstoff-Defiziten wurden zahlreiche Studien publiziert.
- B-Vitamine: Die B-Vitamine sind von grundlegender Bedeutung für die Funktionsfähigkeit des zentralen Nervensystems und zur Prävention neurodegenerativer Erkrankungen.
- Ein Abfall der Vitamin-B1-Spiegel kann zu einer schnelleren Degeneration der dopaminergen Neurone bei Parkinson-Patienten führen. Eine niedrige Vitamin-B1-Aufnahme, 2 bis 8 Jahre vor der Diagnosestellung eines Morbus Parkinsons, sei mit Störungen des Geruchssinns assoziiert, die wiederum mit einem erhöhten Risiko für Morbus Parkinson einhergehen.
- Vitamin B2 könne den oxidativen Stress, die mitochondriale Dysfunktion, die Entzündungsaktivität im Gehirn sowie das neurotoxische Potenzial von Glutamat vermindern.
- Eine Supplementierung von Vitamin B3 das Voranschreiten der Parkinsonerkrankung verlangsamen konnte.
- Bei Parkinson-Patienten, die mit L-Dopa behandelt werden, sollte auch auf die Vitamin-B6-Versorgung geachtet werden. Ein Vitamin-B6-Mangel bei Parkinson-Patienten mit einem erhöhten Sturzrisiko verbunden sein kann.
- Höhere Vitamin-B12-Spiegel zu Beginn der Parkinsonerkrankung mit einem niedrigeren Risiko für eine Demenzentwicklung fünf Jahre nach der Parkinson-Diagnose verbunden waren.
- Vitamin C: Niedrige Vitamin-C-Spiegel können die Absorption von L-Dopa beeinträchtigen. Vitamin C kann auch die Toxizität von L-Dopa vermindern und die Bioverfügbarkeit im Gehirn verbessern.
- Vitamin E: Eine hohe Zufuhr von Vitamin E im Vergleich zu einer geringen Aufnahme das Risiko für Morbus Parkinson reduzieren konnte.
- Vitamin D: Die Serumkonzentration von 25(OH)D negativ mit dem Schweregrad der Parkinsonerkrankung assoziiert war. Der Vitamin-D-Status war auch wichtig für den Erhalt der kognitiven Funktionen. Niedrige Vitamin-D-Konzentrationen begünstigten das Voranschreiten der Erkrankung.
- Glutathion: Eine Verminderung der Glutathionkonzentration im Plasma mit der Wahrscheinlichkeit für das Auftreten von Parkinson assoziiert war.
- Selen: Höhere Blutspiegel von Selen einen Schutzeffekt gegen Morbus Parkinson haben könnten.
Tanzen als Therapie
Tanzen als Therapieform bietet damit allen Involvierten etwas, bringt Bewegung in den starren Alltag; die an Parkinson Erkrankten und Angehörige oder Partner fühlen sich lebendig, leicht und durch die Musik beschwingt.
Forschung
Die Forschung zur Parkinson-Krankheit ist sehr aktiv. Es werden ständig neue Erkenntnisse über die Ursachen, die Entstehung und die Behandlung der Erkrankung gewonnen. Ein Schwerpunkt der aktuellen Forschung liegt auf der Entwicklung von Therapien, die den Krankheitsverlauf verlangsamen oder sogar aufhalten können.
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Leben mit Parkinson
Die Parkinson-Krankheit kann das Leben der Betroffenen und ihrer Angehörigen stark beeinträchtigen. Es gibt jedoch viele Möglichkeiten, die Lebensqualität zu verbessern. Dazu gehören:
- Eine gute medizinische Versorgung.
- Eine aktive Lebensweise mit regelmäßiger Bewegung.
- Eine gesunde Ernährung.
- Soziale Kontakte und Unterstützung.
- Selbsthilfegruppen.