Angiographie bei Migräne: Ursachen und Diagnostische Verfahren

Kopfschmerzen sind ein weit verbreitetes Leiden, von dem fast jeder Mensch ein- bis mehrmals im Jahr betroffen ist. Die Internationale Kopfschmerzgesellschaft unterscheidet mehr als 200 verschiedene Arten von Kopfschmerzen. Diese können sich in Art, Intensität und Ursache stark unterscheiden. Aktuell sind Kopfschmerzen auch in der Presse präsent, insbesondere im Zusammenhang mit der Sinusthrombose, die in seltenen Fällen als mögliche Nebenwirkung der Covid-19-Impfung von AstraZeneca diskutiert wird.

Arten von Kopfschmerzen

Grundsätzlich lassen sich Kopfschmerzen in zwei Hauptgruppen einteilen: primäre und sekundäre Kopfschmerzen.

  • Primäre Kopfschmerzen: Diese Kopfschmerzen treten ohne erkennbare Ursache auf. Beispiele hierfür sind Spannungskopfschmerzen, Migräne und Clusterkopfschmerzen. Bei Patient:innen mit primären Kopfschmerzen sind die Befunde in der neurologischen und neuroradiologischen Diagnostik in der Regel unauffällig.
  • Sekundäre Kopfschmerzen: Diese Kopfschmerzen sind ein Symptom einer anderen zugrunde liegenden Erkrankung. Sie können beispielsweise nach Kopfverletzungen, bei Infektionen, als Nebenwirkung von Medikamenten, bei Schädigungen der Halswirbelsäule, bei Hirntumoren oder bei Erkrankungen von Hals, Augen, Ohren, Nase, Nasennebenhöhlen oder den Zähnen auftreten. Patient:innen mit sekundären Kopfschmerzen weisen meist eine in der Bildgebung darstellbare Pathologie auf.

Diagnostische Verfahren bei Kopfschmerzen

Die Magnetresonanztomographie (MRT) ist bei der Abklärung von Kopfschmerzen das Verfahren der Wahl. Sie ermöglicht eine kontrastreiche Darstellung subtiler Hirnstrukturen ohne Röntgenstrahlung. In hochakuten Situationen oder bei Kontraindikationen für eine MRT-Untersuchung kann die Computertomographie (CT) eingesetzt werden, obwohl diese mit einer höheren Strahlenbelastung verbunden ist.

Symptome und Ursachen von Kopfschmerzen

Art der KopfschmerzenUrsachen/Beispiele
Primäre KopfschmerzenSpannungskopfschmerzen, Migräne, Clusterkopfschmerzen
Sekundäre KopfschmerzenKopf- und/oder Halswirbelsäulen-Verletzungen (z.B. Schädelhirntrauma, Blutungen), Gefäßstörungen im Bereich des Kopfes oder Halses (z.B. Schlaganfall, Sinus- bzw. Venenthrombosen), Tumore, Zufuhr oder Entzug bestimmter Substanzen, Infektionen, Bluthochdruck
Beispiel für sekundäre KHSinus- bzw. Venenthrombose (Leitsymptom: akute bis chronische Kopfschmerzen)

Angiographie bei Kopfschmerzen

Die Angiographie ist ein bildgebendes Verfahren, das zur Darstellung von Blutgefäßen eingesetzt wird. Dabei werden die Gefäße mit einem Kontrastmittel gefüllt, um sie mittels Röntgen, Magnetresonanztomographie (MR-Angiographie) oder Computertomographie (CT-Angiographie) sichtbar zu machen. Je nach Art der untersuchten Gefäße unterscheidet man zwischen Angiographie der Arterien (Arteriografie), Angiographie der Venen (Phlebografie) und Angiographie der Lymphabflussbahnen (Lymphografie).

Wann wird eine Angiographie bei Kopfschmerzen eingesetzt?

Eine Angiographie kann bei Kopfschmerzen eingesetzt werden, um Gefäßerkrankungen als Ursache der Beschwerden auszuschließen oder zu bestätigen. Dies ist insbesondere dann relevant, wenn der Verdacht auf eine der folgenden Erkrankungen besteht:

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  • Gefäßdissektionen: Akut einsetzende Kopfschmerzen können ein typisches Symptom einer Carotis-Dissektion sein, einer Aufspaltung der Halsschlagaderwand. Eine Angiographie kann hier helfen, die Diagnose zu sichern.
  • Aneurysmen: Aneurysmen sind Aussackungen der Hirnarterien, die platzen und zu einer Subarachnoidalblutung führen können. Die MR-Angiographie kann Aneurysmen gut darstellen.
  • Sinusvenenthrombosen: Bei Verdacht auf eine Sinusvenenthrombose, eine Verstopfung der Hirnvenen, kann eine Angiographie zur Diagnosesicherung beitragen.
  • Arteriovenöse Malformationen (AVM): AVMs sind angeborene Gefäßmissbildungen, die zu Blutungen oder epileptischen Anfällen führen können. Eine Angiographie kann die genaue Struktur der AVM darstellen.

Fallbeispiel: Jonas D. und seine AVM

Jonas D. ist ein Beispiel für einen Patienten, bei dem eine Angiographie zur Diagnose und Behandlungsplanung einer AVM eingesetzt wurde. Er erlitt einen epileptischen Anfall und wurde im Krankenhaus untersucht. Eine Computertomographie zeigte eine große Raumforderung in seinem Kopf. Die Ärzte vermuteten ein Angiom (AVM). Im Klinikum Stuttgart wurde eine Angiographie durchgeführt, um ein genaues Bild von Jonas D.´s Gehirn zu erhalten. Die Angiographie bestätigte die Diagnose einer 6,5 Zentimeter großen Arteriovenösen Malformation im linken Schläfenlappen. Anschließend wurden Embolisationen durchgeführt, um das Angiom zu verkleinern, gefolgt von einer Operation zur vollständigen Entfernung der AVM.

Ablauf einer Angiographie

Bei der konventionellen Angiographie wird in der Regel unter örtlicher Betäubung ein dünner Kunststoffschlauch (Katheter) in die zu untersuchende Arterie, Vene oder das Lymphgefäß eingeführt und bis kurz vor den zu untersuchenden Gefäßabschnitt vorgeschoben. Nach der Injektion des Kontrastmittels wird die entsprechende Körperregion geröntgt. Eine spezielle Form ist die digitale Subtraktionsangiografie (DSA), bei der sowohl vor als auch nach der Kontrastmittelverteilung Aufnahmen gemacht werden. Ein Computer entfernt identische Bereiche auf beiden Bildern, sodass die kontrastmittelgefüllten Gefäße besonders deutlich sichtbar sind. Bei einer Angiographie mittels Computertomografie (CT-Angiografie) oder mittels Kernspintomografie / Magnetresonanztomografie (MR-Angiografie) wird das Kontrastmittel meist über eine Armvene oder Armarterie verabreicht. Für die Time-of-Flight-MR-Angiografie (TOF-Angiografie) wird kein Kontrastmittel benötigt, da hier die Bilder durch die Magnetisierung von frisch einströmendem Blut erstellt werden.

Risiken einer Angiographie

Die Angiographie ist eine relativ komplikationslose Untersuchung. Bei der Injektion des Kontrastmittels kann es zu einem Wärmegefühl oder einem unangenehmen Geschmack im Mund kommen. In seltenen Fällen reagieren Personen überempfindlich auf das Kontrastmittel oder entwickeln eine allergische Reaktion. Eine Gefäßpunktion kann zu Blutungen, Blutergüssen, einer Thrombose oder Embolie, zu Gefäßverletzungen oder Infektionen führen.

Was ist nach einer Angiographie zu beachten?

Nach der Angiographie sollten Sie sich schonen und möglichst viel trinken, um das verabreichte Kontrastmittel schnell auszuscheiden. Außerdem sollten Sie in den folgenden Tagen schwere körperliche Arbeit meiden. Falls Sie plötzlich Schwindel, Kopfschmerzen, Übelkeit oder Herzrasen verspüren, benachrichtigen Sie bitte umgehend einen Arzt.

Migräne: Eine spezielle Form von Kopfschmerz

Migräne ist eine häufige primäre Kopfschmerzerkrankung, die etwa zwölf bis 14 Prozent der Bevölkerung betrifft. Charakteristisch für die Migräne sind einseitige, oft pulsierende Kopfschmerzen, die über vier bis 72 Stunden andauern können. Viele Patienten leiden zusätzlich unter Übelkeit, Erbrechen sowie Licht- und Lärmempfindlichkeit. Bei einem Teil der Betroffenen gehen den Kopfschmerzen neurologische Symptome voraus (Aura), die sich über Sehstörungen, Kribbeln oder Sprachstörungen äußern können.

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Ursachen und Auslöser von Migräne

Als Auslöser von Migräneattacken spielen vor allem Stress, Hormonschwankungen, Schlafstörungen oder bestimmte Nahrungsmittel sowie Wetterumschwünge und starke Lichtreize eine Rolle. Die Pathophysiologie beruht auf komplexen neurovaskulären Reaktionen. Trotz der subjektiv starken Schmerzen steht Migräne nicht mit strukturellen Schäden im Gehirn in Verbindung.

Diagnostik bei Migräne

Die Diagnostik erfolgt primär klinisch anhand der typischen Symptome und der Krankengeschichte. Bildgebende Untersuchungen mittels MRT werden im Fall der Migräne nur in bestimmten Situationen durchgeführt, wie bei atypischen Verläufen, erstmaligem Auftreten im höheren Alter, ungewöhnlichen Begleitsymptomen oder dem Vorliegen von Red-Flag-Symptomen.

Migräneformen

Es gibt verschiedene Formen von Migräne, darunter:

  • Episodische Migräne (ohne Aura): Mindestens fünf Attacken mit bestimmten Kriterien bezüglich Dauer, Charakteristika und Begleitsymptomen.
  • Episodische Migräne (mit Aura): Mindestens zwei Attacken mit reversiblen Aurasymptomen und bestimmten Kriterien.
  • Chronische Migräne: Kopfschmerz an ≥15 Tagen/Monat seit >3 Monaten, der die Kriterien für Migräne erfüllt.
  • Vestibuläre Migräne: Migräne mit Schwindel.
  • Basilarismigräne: Migräne mit Hirnstammsymptomen während der Aura.
  • Retinale Migräne: Vorübergehende einseitige Erblindung.
  • Familiäre hemiplegische Migräne: Migräne mit einseitiger Parese oder zerebellären Symptomen im Rahmen der Aura.
  • Menstruelle Migräne: Migräneattacken im Zusammenhang mit der Menstruation.

Therapie von Migräne

Die Therapie von Migräne umfasst sowohl die Akutbehandlung von Attacken als auch die Prophylaxe zur Reduktion der Attackenfrequenz.

  • Akuttherapie: Schmerzmittel (z.B. Ibuprofen, Paracetamol), Triptane (z.B. Sumatriptan, Zolmitriptan), Antiemetika (z.B. Metoclopramid, Domperidon).
  • Prophylaxe: Betablocker (z.B. Metoprolol), Antidepressiva (z.B. Amitriptylin), Antikonvulsiva (z.B. Topiramat), CGRP-Antikörper, Magnesium.

Kopfschmerzen und Hirntumore

Kopfschmerzen können auch ein Symptom von Hirntumoren sein. Allerdings sind primäre Hirntumore relativ selten. Typische Begleitsymptome von Hirntumoren sind:

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  • Morgendliche Kopfschmerzen, die mit Übelkeit und Erbrechen einhergehen.
  • Neu auftretende epileptische Anfälle ohne vorherige Epilepsie.
  • Schleichende neurologische Ausfälle wie Sprachstörungen, Sehstörungen, Gangunsicherheit oder Koordinationsprobleme.
  • Persönlichkeitsveränderungen, Konzentrationsstörungen oder Gedächtnisprobleme.

Die MRT wird bei atypischem Verlauf oder erstmaligem Auftreten von Kopfschmerzen nach dem 50. Lebensjahr, fokal-neurologischen Symptomen, systemischen Grunderkrankungen, deutlicher Veränderung oder Verschlechterung eines bekannten Kopfschmerzmusters sowie Kopfschmerzen, die sich im Liegen verschlimmern oder durch Valsalva-Manöver verstärken, durchgeführt, um den Verdacht auf einen Hirntumor zu überprüfen.

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