Die Carotisstenose, auch Halsschlagaderverengung genannt, ist eine Erkrankung, bei der es zu einer Verengung der Halsschlagadern kommt. Diese Arterien spielen eine entscheidende Rolle bei der Versorgung des Gehirns mit Blut. Eine Verengung kann zu einer Minderdurchblutung des Gehirns führen und das Risiko für einen Schlaganfall erhöhen.
Was ist eine Carotisstenose? Definition und Anatomie
Die Arteria carotis communis, auch Halsschlagader genannt, verläuft rechts und links seitlich am Hals und versorgt den Kopf mit Blut. Sie teilt sich an der sogenannten Carotisgabel in die Arteria carotis interna und Arteria carotis externa auf. Die Arteria carotis externa versorgt das Gesicht, während die Arteria carotis interna das Gehirn mit Blut versorgt.
Bei einer Carotisstenose handelt es sich um eine Verengung (Stenose) der Halsschlagader. Diese Verengung entsteht meist im Bereich der Carotisgabel. Sie kann symptomlos verlaufen oder sich durch verschiedene neurologische Ausfälle bemerkbar machen. Eine Stenose der Arteria carotis ist mit einem erhöhten Schlaganfallrisiko vergesellschaftet. Jährlich erleiden in Deutschland circa 250.000 Menschen einen Schlaganfall. Ein Viertel davon passieren, weil sich die Halsschlagadern krankhaft verändert haben (cerebrovasculäre Insuffizienz).
Ursachen und Risikofaktoren: Wie entsteht eine Halsschlagaderverengung?
Die häufigste Ursache einer Carotisstenose ist die Atherosklerose, auch bekannt als Arterienverkalkung oder Arterienverhärtung. Die Atherosklerose ist eine entzündliche Reaktion der Gefäßwand, bei der sich Ablagerungen (Plaques) aus Blutfetten, Thromben (Blutpfropfen), Bindegewebe und Kalk an den Gefäßwänden bilden. Diese Plaques verengen das Gefäß und können den Blutfluss behindern.
Verschiedene Risikofaktoren begünstigen die Entstehung einer Atherosklerose und somit auch einer Carotisstenose:
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- Alter: Das Risiko einer Carotisstenose steigt mit zunehmendem Alter.
- Geschlecht: Männer sind häufiger betroffen als Frauen.
- Bluthochdruck (arterielle Hypertonie): Erhöhter Blutdruck schädigt die Gefäßwände und fördert die Entstehung von Plaques.
- Erhöhte Blutfette (Hyperlipidämie): Hohe Cholesterin- und Triglyceridwerte im Blut begünstigen die Ablagerung von Fetten in den Gefäßwänden.
- Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit): Diabetes schädigt die Gefäße und erhöht das Risiko für Atherosklerose.
- Rauchen: Nikotinkonsum schädigt die Gefäßwände und fördert die Entstehung von Plaques.
- Adipositas: Übergewicht ist oft mit anderen Risikofaktoren wie Bluthochdruck, erhöhten Blutfetten und Diabetes verbunden.
- Genetische Veranlagung / familiäre Vorbelastung
- Hyperfibrinogämie: erhöhte Fibrinogenkonzentration im Blut und dadurch bedingte beschleunigte Blutkörperchensenkungsgeschwindigkeit bei normaler Blutgerinnung
- Entzündungen: durch Bakterien oder durch rheumatische Erkrankungen
Der Lebensstil hat einen großen Einfluss auf die Entstehung einer Carotisstenose. Wer sich gesund ernährt, ausreichend bewegt und nicht raucht, erkrankt wahrscheinlich seltener oder zumindest später an einer Carotisstenose als Menschen, die einen ungesunden Lebensstil pflegen.
Symptome: Wie bemerkt man eine Carotisstenose?
Viele Verengungen der Halsschlagader sind asymptomatisch und werden zufällig, zum Beispiel bei Screening-Untersuchungen, entdeckt. Die Carotisstenose kann sich aber auch durch sensible oder motorische Ausfälle äußern. Diese nennt man transitorische ischämische Attacken (TIA). Diese Attacken entstehen durch unzureichende Durchblutung des Gehirns, die neurologische Defizite verursacht. Diese Defizite bilden sich innerhalb von 24 Stunden zurück, wobei 90% aller TIAs weniger als 60 Minuten dauern. Tun sie das nicht, spricht man von einem Schlaganfall.
Die typischen Symptome, die auftreten können, sind:
- Sehstörungen auf einem Auge der betroffenen Seite mit plötzlicher vorübergehender Blindheit (sog. Amaurosis fugax = flüchtige Blindheit)
- Einseitige Lähmungen von Arm und/oder Bein
- Lähmung des Gesichts und Armes oder Ungeschicklichkeit der Hand (auf der gegenüberliegenden Seite der betroffenen Ader)
- Gefühlsstörungen in Gesicht, Hand oder halbseitig
- Sprachstörungen
- Vorübergehende Schwäche oder Missempfindungen einer Körperseite (transiente ischämische Attacke)
Schwindel gehört nicht zu den Zeichen einer Carotisstenose, da das Gleichgewichtsorgan von anderen Gefäßen versorgt wird (den sog. Vertebralarterien).
Es ist wichtig zu beachten, dass die Symptome oft nur kurzzeitig auftreten und nicht ernst genommen werden. Doch sie können Vorboten eines Schlaganfalls sein.
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Diagnose: Wie kann eine Halsschlagader-Stenose festgestellt werden?
Die Diagnose wird normalerweise mittels Duplexsonographie (Ultraschall) gestellt. Mit ihr können die oberflächlich verlaufenden hirnversorgenden Gefäße mit einer hohen Treffsicherheit begutachtet werden. Es ist eine strahlen- und schmerzfreie Methode, die Halsschlagader auf ihren Stenosegrad und ihre Beschaffenheit zu untersuchen.
Zur weiteren Therapieplanung oder bei Unklarheiten werden auch Magnetresonanztomographie (MRT) oder Computertomographie (CT) eingesetzt. Bei der Mehrzahl der Patienten untersuchen wir zusätzlich die Gefäße im Hals- und/oder Schädelbereich, ohne zu operieren (Angiographie). Das gibt uns unter anderem Aufschluss über Knick- und Schleifenbildung, nachgeschaltete Engstellen, Gefäßvarianten, die Höhe der Carotisgabelung und die Länge der Engstelle. Das sind Details, die bei der Operationsplanung bedeutsam sein können. All diese Informationen liefert die Magnetresonanzangiographie, die bei Patienten mit magnetisierbaren Implantaten und bei Platzangst nicht eingesetzt werden darf. Die früher übliche, mit einer Arterienpunktion und Kontrastmittelinjektion verbundene konventionelle Angiographie wird lediglich noch angewandt, um zwischen einer höchstgradigen Verengung und einem vollständigen Verschluss der Halsschlagader zu unterscheiden, oder falls sich sonographischer und magnetresonanzgiographischer Befund unerklärlich unterscheiden.
Um das Risiko während der Narkose und Operation sowie in der Phase danach abschätzen zu können und so gering wie nur möglich zu halten, können Zusatzuntersuchungen nötig und sollten wichtige Begleiterkrankungen medikamentös austherapiert sein.
Therapie: Wie wird eine Carotisstenose behandelt?
Das Ziel der Behandlung einer Carotisstenose ist, einen Schlaganfall zu verhindern und die Blutversorgung des Gehirns sicherzustellen. Die Therapie hängt vom Schweregrad der Stenose, den Symptomen und den individuellen Risikofaktoren des Patienten ab.
Konservative Behandlung
Bei einer geringen Verengung der Arteria carotis sind regelmäßige Ultraschallkontrollen ausreichend. Die weitere Verengung des Gefäßes kann durch eine Veränderung des Lebensstils verlangsamt werden. Durch den Verzicht auf Zigaretten, einer Reduktion des Körpergewichts und ausreichende Bewegung kann man das Fortschreiten der Atherosklerose eindämmen.
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Medikamentöse Behandlung
- Thrombozytenaggregationshemmer: Durch die Gabe von Blutplättchenaggregationshemmern (z.B. Acetylsalicylsäure) kann verhindert werden, dass sich Blutgerinnsel bilden und die Gefäße verstopfen.
- Antihypertensiva: Die richtige Einstellung von Blutdruck durch Antihypertensiva wirkt dem Fortschreiten der Atherosklerose entgegen.
- Lipidsenker: Die richtige Einstellung der Blutfettwerte durch Lipidsenker wirkt dem Fortschreiten der Atherosklerose entgegen.
Operative Behandlung
Zur Behandlung der Carotisstenose stehen die chirurgische Endarteriektomie (TEA/CEA) und das endovaskuläre Stenting zur Verfügung.
Carotis-Endarteriektomie (CEA)
Bei der Carotis-Endarteriektomie wird in Vollnarkose oder Regionalanästhesie durchgeführt. Der Operateur legt die verengte Halsschlagader über einen Hautschnitt am Hals frei. Dann wird das Gefäß aufgeschnitten und die Ablagerungen in der Arterie werden entfernt. Anschließend wird wieder eine korrekte Verbindung zwischen den Gefäßen hergestellt. Das genaue Operationsausmaß muss anhand des individuellen Befundes angepasst werden.
Wann immer möglich führen wir die Operation an der Halsschlagader in regionaler Betäubung (Regionalanästhesie, am wachen Patienten) durch. Ohne dass der Patient Schmerzen verspürt bleibt es so möglich, die Funktion des Gehirns über die gesamte Operationsdauer und unmittelbar danach zu überprüfen. Sollte eine Vollnarkose notwendig sein, benutzen wir technische Geräte zur neurologischen Überwachung (z.B. somatisch evozierte Potenziale, SEPs). Die Qualität der Gefäßrekonstruktion wird auf dem Operationstisch mit einer Kontrastmitteldarstellung (Angiografie) des OP-Gebietes und der Hirngefäße gesichert.
Endovaskuläres Stenting
Beim endovaskulären Stenting wird ein Ballonkatheter in das betroffene Gefäß eingeführt. Dann wird das Gefäß mittels eines Ballons auf gedehnt und eine Gefäßstütze (Stent) eingesetzt. Dadurch kann die Durchblutung wieder gewährleistet werden.
Wann, ob und für wen diese Eingriffe empfohlen werden, hängt von zahlreichen Faktoren ab, wie Patientenalter, Stenosegrad, Begleiterkrankungen und Geschlecht. Ob eher der Stent oder die Operation das sichere und auf lange Frist erfolgsversprechende Verfahren ist, muss individuell abgewogen und ausführlich besprochen werden. Vereinfachend kann man sagen, dass die aktuelle Datenlage der Operation (vor allem bezüglich der durch den Eingriff bedingten Schlaganfälle) den Vorzug vor dem Stent gibt, bei bestimmten Patienten kann jedoch auch die Stentangioplastie die Therapie der Wahl sein.
Vorbeugende Operation
Ja. Beseitigt man die krankhafte Verengung mit Hilfe einer gefäßchirurgischen Operation, können Lähmungen, Seh- und Sprachstörungen vorgebeugt werden, weitere TIAs ausbleiben und das Risiko eines erneuten Hirninfarktes nach einem bereits stattgefundenen Schlaganfall sinken. Voraussetzung für die Operation ist eine diagnostizierte hochgradige Stenose, also eine Verengungsstelle einer oder beider Halsschlagadern. Andere mögliche Ursachen der Minderdurchblutung des Gehirns müssen ausgeschlossen oder zusätzlich bestmöglich behandelt werden.
Was ist nach der Operation zu beachten?
Nach der Operation bleiben die Patienten in der Regel vier bis fünf Tage im Krankenhaus. Das Nahtmaterial muss nicht entfernt werden, da wir ausschließlich intrakutane resorbierbare Nähte verwenden, die zu einem schönen kosmetischen Ergebnis führen. Neben der direkten Kontaktaufnahme mit dem nachbehandelnden Arzt erhalten die Patienten am Entlassungstag den fertigen Arztbrief, so dass der Informationsfluss und damit die Versorgung der Patienten lückenlos sind.
Daher sollten nach dem Aufenthalt im Krankenhaus ein paar Maßnahmen getroffen werden, um das Risiko für das Wiederauftreten einer weiteren Verengung der Halsschlagader zu verringern. Zwar kann eine bereits vorhandene Gefäßverkalkung (im nicht operierten Bereich) nicht mehr rückgängig gemacht werden, allerdings kann aber ihr Fortschreiten erheblich verlangsamt oder sogar vollkommen gestoppt werden. Eine entscheidende Bedeutung hat hierbei das konsequente Ausschalten möglicher Risikofaktoren und eine Veränderung des Lebensstils. Wichtige Punkte sind hierbei, mit dem Rauchen aufzuhören und das Erreichen gesunder Blutzucker-, Blutdruck- und Blutfettwerte - beispielsweise durch Bewegung, eine gesündere Ernährung oder Medikamente. Bei Übergewicht sollte nach Möglichkeit Normalgewicht erreicht werden.
Nach einer Operation kann zur Vorbeugung weiterer Verengungen oder Verschlüsse der Blutgefäße das blutverdünnende Medikament Acetylsalicylsäure eingenommen werden. Wird dieses nicht vertragen, kann alternativ Clopidogrel eingesetzt werden.
Spezialisten für eine Halsschlagader-OP
Die Diagnose der Carotisstenose erfolgt häufig durch den Hausarzt bei einer Screeninguntersuchung. Die Diagnose kann aber auch von anderen Ärzten (z.B. Internisten) bei einer Ultraschalluntersuchung gestellt werden. Die Halsschlagader OP wird von Fachärzten für Gefäßchirurgie durchgeführt. Viele Patienten sind darum auf der Suche nach der besten Klinik in Ihrer Nähe.
Schlaganfall ist kein Schicksalsschlag
Mit vielen intensiven Schulungen verbreiten wir die Erkenntnis, dass die Behandlung des Schlaganfalls bereits vor Eintreffen im Krankenhaus beginnt. Es reicht nicht, dass die Rettungskräfte das wissen - die breite Bevölkerung muss darauf aufmerksam gemacht werden. Denn: Je schneller die richtige Diagnose gefunden wird, desto besser sind die Behandlungsmöglichkeiten im Akutkrankenhaus und in der nachfolgenden Rehabilitation.
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