Viele junge Mediziner zieht es nach dem abgeschlossenen Medizinstudium ins Ausland. Doch auch erfahrene Ärzte oder sogar Medizinstudierende möchten gern andere Gesundheitssysteme kennen lernen und mehr Erfahrungen sammeln. Dieser Artikel beleuchtet die Möglichkeiten und Bedingungen für Neurologen, in Irland zu arbeiten, insbesondere im Hinblick auf Gehalt, Arbeitsbedingungen und das irische Gesundheitssystem.
Gehaltsaussichten für Neurologen im internationalen Vergleich
Ein wichtiger Aspekt bei der Entscheidung für eine Arbeitsstelle im Ausland ist das Gehalt. Im internationalen Vergleich zeigt sich ein deutliches Gehaltsgefälle für Ärzte. Die mobile Bank N26 hat in ihrem Studien-Preisindex ermittelt, dass junge Ärztinnen und Ärzte in Deutschland bei ihrem Berufseinstieg mit einem Bruttojahresgehalt von rund 82.000 Euro rechnen können. Global betrachtet können sich Ärztinnen und Ärzte in der Schweiz (200.000 Euro), den USA (160.000 Euro) und Island (156.000 Euro) über die höchsten Bruttojahresgehälter beim Berufseinstieg freuen.
Innerhalb der Europäischen Union gibt es ebenfalls erhebliche Unterschiede. In Belgien erhalten junge Medizinerinnen und Mediziner 153.000 Euro Bruttojahresgehalt - Spitzenreiter in der EU. Wesentlich schlechter sieht es für junge Ärztinnen und Ärzte in Osteuropa aus: In Rumänien liegt das durchschnittliche Bruttojahresgehalt beim Berufseinstieg bei knapp 34.000 Euro - Schlusslicht innerhalb der EU.
Wo verdient man als Arzt weltweit am meisten? Zunächst möchte ich den Blick auf die Einstiegsgehälter lenken. Denn diese weisen je nach Land schon große Unterschiede auf:
| Land | Mittleres Einstiegsgehalt von Ärzten in Euro |
|---|---|
| Schweiz | 200.000 |
| USA | 159.000 |
| Island | 156.000 |
| Belgien | 153.000 |
| Australien | 130.000 |
| Norwegen | 126.000 |
| Kanada | 125.000 |
| Irland | 123.000 |
| Neuseeland | 117.000 |
| Dänemark | 114.000 |
| Finnland | 111.000 |
| Singapur | 102.000 |
| Vereinigte Arabische Emirate | 100.000 |
| Japan | 98.000 |
| Südkorea | 95.000 |
| Österreich | 95.000 |
| Niederlande | 91.000 |
| Deutschland | 82.000 |
| Schweden | 76.000 |
| China | 74.000 |
| Saudi-Arabien | 68.000 |
| Frankreich | 64.000 |
| Chile | 63.000 |
| Israel | 62.000 |
| Südafrika | 60.000 |
| Spanien | 53.000 |
| Polen | 49.000 |
| Griechenland | 49.000 |
| Litauen | 46.000 |
| Nigeria | 42.000 |
| Tschechien | 42.000 |
| Bulgarien | 35.000 |
| Malaysia | 35.000 |
| Jamaika | 34.000 |
| Rumänien | 34.000 |
| Indonesien | 23.000 |
| Türkei | 22.000 |
| Ukraine | 21.000 |
| Russland | 17.000 |
| Indien | 12.000 |
Quelle: “Der Studien-Preisindex 2022”
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Wie sieht die weitere Entwicklung des Einkommens aus - mit mehr Berufserfahrung und in höheren Positionen? Diese Frage hat eine andere Studie erforscht. Die Resultate sind insgesamt weniger umfangreich. Zum Beispiel fehlen Nationen wie die Schweiz. Dennoch zeigt sich, dass das Einkommen teils erheblich ansteigen kann:
| Land | Durchschnittsgehalt von Ärzten in Euro |
|---|---|
| USA | 327.000 |
| Kanada | 254.000 |
| Deutschland | 149.000 |
| Vereinigtes Königreich | 113.000 |
| Frankreich | 86.000 |
| Italien | 60.000 |
| Spanien | 56.000 |
| Brasilien | 45.000 |
| Portugal | 41.000 |
| Argentinien | 20.000 |
| Mexiko | 18.000 |
Quelle: “Medscape International Physician Compensation Report 2023”
Gehalt als Neurologe in Irland
In Irland können Neurologen mit einem Bruttomonatsgehalt von etwa 10.000 bis 12.000 Euro rechnen. Eine deutsche Assistenzärztin in einer Klinik in Ballanisloe in Irland verdiente pro Monat 6000 Euro netto. Hierzu kann man sich noch die Arbeitserfahrung anrechnen lassen, was noch mehr Gehalt einbringt. Obwohl die Lebenshaltungskosten in Irland etwas höher sind als in Deutschland, gleicht das das hohe Gehalt schnell wieder aus. Dazu gehört ebenfalls, etwas mehr Geld fürs Wohnen ausgeben zu müssen.
Es ist wichtig zu beachten, dass von diesem Bruttogehalt noch Abzüge für Sozialversicherung und Lohnsteuer anfallen. Die tatsächliche Höhe der Abzüge hängt von der individuellen Situation ab.
Gehaltsvergleich mit anderen Ländern
Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern liegt das Gehalt für Neurologen in Irland im oberen Mittelfeld. In Deutschland beispielsweise können angestellte Ärzte in der Neurologie mit einem Bruttomonatsgehalt von etwa 10.000 bis 15.000 Euro rechnen. In der Deutschschweiz sind es etwa 20.000 Franken brutto monatlich, wobei jedoch die Lebenshaltungskosten deutlich höher sind. In Frankreich liegt das Gehalt für Neurologen zwischen 6.000 und 10.000 Euro brutto monatlich.
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Ein Blick über den europäischen Tellerrand zeigt, dass in Saudi-Arabien und den Emiraten Neurologen mit einem Nettomonatsgehalt zwischen 13.000 und 18.000 Euro rechnen können. Zudem übernehmen die Arbeitgeber dort in der Regel die Kosten für eine Wohnung, Krankenversicherung und einen Heimflug pro Jahr.
Weitere finanzielle Aspekte
Neben dem reinen Gehalt spielen auch andere finanzielle Aspekte eine Rolle. So sind die Lebenshaltungskosten in Irland tendenziell höher als in Deutschland, insbesondere in Dublin. Auch die Kosten für ein Medizinstudium sind in Irland vergleichsweise hoch. Laut einer Studie müssen Medizinstudierende in Irland mit Studienkosten von rund 39.000 Euro rechnen.
Arbeitsbedingungen für Neurologen in Irland
Neben dem Gehalt sind auch die Arbeitsbedingungen ein wichtiger Faktor bei der Wahl des Arbeitsortes. In Irland arbeiten Neurologen in der Regel in einem Team, welches aus einem Consultant (Chefarzt), Resident (Oberarzt), SHOs (Assistenzärzte) und Interns (Assistent im ersten Jahr) besteht. Das Team macht am Vormittag zusammen Visite und teilt danach die unterschiedlichen Aufgaben auf. Die Teams in Irland sind alle sehr multikulturell, was dazu führt, dass eigene Akzente und Aussprachen kreiert werden.
Die Arbeitszeiten in Irland unterscheiden sich deutlich zu den Zeiten in Deutschland. Diese sind regelmäßig und nicht mit Überstunden wie in Deutschland gekoppelt. Dennoch müssen Ärzte und Ärztinnen Dienste leisten, welche 24 Stunden gehen können, woraufhin ein normaler Stationstag folgt.
Das irische Gesundheitssystem
Das Gesundheitssystem in Irland ist staatlich organisiert. Die Menschen sind zu 80-90 % gesetzlich versichert. Obwohl das Arzt Gehalt relativ hoch ist, scheinen die Gelder dafür woanders zu fehlen - und zwar in den Kliniken. Die Kapazitäten, um Interventionen in einer sinnvollen Frist oder Untersuchungen bereitzustellen, sind nicht vorhanden. Darüber hinaus sind die Infrastrukturen so schlecht ausgebaut, dass vielen Menschen der Zugang zu dem Gesundheitssystem fehlt. Dazu kommt, dass viele nicht rechtzeitig ins Krankenhaus kommen. Ferner gibt es in Irland ländliche Gebiete, die noch immer keine Elektrizität oder einen Telefonanschluss haben. Manche Krankenhäuser sind des Weiteren in einem schlechten Zustand, da dort ebenfalls Sparmaßnahmen getroffen werden: Sechs-Bett-Zimmer mit Bad auf dem Gang, enge und mit Unterlagen zugestellte Gänge, und Farbe, welche von den Wänden abblättert.
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Bürokratische Hürden und Vorbereitung
Falls man bereits ein Vorstellungsgespräch hat, sollte man sich nicht wundern: oftmals dauern diese nur fünf bis zehn Minuten und kreisen um die Frage, weswegen man nach Irland gehen möchte und welche Erfahrungen man bisher machte. Bürokratische Hürden sind daraufhin gegeben, da man sich beispielsweise bei der irischen Ärztekammer anmelden muss. Die Registrierung kann hierbei länger dauern, bis zu zwei Wochen, was allerdings für EU-Mitglieder der Regelfall ist. Beginnt man dann zu arbeiten, sind Laboruntersuchungen davor nicht notwendig, da sie sowieso in Irland noch einmal gemacht werden.
Sollte man schon ein paar Tage vor Arbeitsbeginn da sein, ist die Beantragung der PPS-Nummer empfehlenswert. Dazu benötigt man die eigene Sozialversicherungsnummer, den Führerschein und den Pass. Darüber hinaus ist ein Brief vonnöten, welcher an die irische Adresse geschickt wurde. Mit dieser PPS-Nummer ist es dann möglich, ein irisches Bankkonto zu eröffnen. Sollte man erst später nach Irland kommen und hat keine Zeit, vor Arbeitsbeginn seine PPS-Nummer zu beauftragen, wird der erste Lohn mit der “Emergency Tax” abgerechnet. Das bedeutet, dass einem einiges abgezogen wird. Dies erhält man allerdings im nächsten Monat wieder zurück. Relevant ist bei der “Tax” zudem, dass man den Brief des Tax-Offices einer Kontrolle unterziehen lässt. Denn es gibt drei “Tax-Reliefs”, also Gutschriften, womit man mehr Gehalt netto herausbekommt.
Vor- und Nachteile der Arbeit als Neurologe in Irland
Um Erfahrungen im eigenständigen Arbeiten zu sammeln, ist Irland der ideale Standort, um als MedizinerIn ins Ausland zu gehen. Außerdem kann man schnell zusätzliches Geld verdienen, beispielsweise, um sein Bafög endlich zu begleichen. Berücksichtigt werden sollte hingegen, dass die Ausbildung nicht so stattfindet wie in Deutschland. Dazu kommt, dass man als frischgebackener Arzt oder junge Ärztin in Irland keinen normalen Stationsalltag kennen lernt und sich eventuell manchmal überfordert fühlt. Als Medizinstudierender nach Irland zu gehen lohnt sich auch nicht, zumindest dann nicht, wenn der Fokus auf der Fortbildung nicht auf dem Kennenlernen des Landes liegt.
Vorteile:
- Vergleichsweise hohes Gehalt im europäischen Vergleich
- Regelmäßige Arbeitszeiten ohne übermäßige Überstunden
- Multikulturelle Teams
- Möglichkeit, Erfahrungen im eigenständigen Arbeiten zu sammeln
- Schönes Land mit vielfältiger Natur und freundlichen Einwohnern
Nachteile:
- Höhere Lebenshaltungskosten als in Deutschland
- Mögliche bürokratische Hürden bei der Anerkennung der Qualifikation
- Defizite im Gesundheitssystem, insbesondere in Bezug auf Infrastruktur und Kapazitäten
- Ausbildung findet nicht so strukturiert statt wie in Deutschland