Ashkan Gehirntumor Behandlung: Fortschritte und Kontroversen

Die Behandlung von Gehirntumoren, insbesondere des Glioblastoms, stellt eine der größten Herausforderungen in der Neuroonkologie dar. Trotz Fortschritten in anderen Bereichen der Krebsbehandlung sind die therapeutischen Erfolge bei Hirntumoren begrenzt. In diesem Artikel werden aktuelle Behandlungsmethoden, vielversprechende Therapieansätze und die damit verbundenen Kontroversen beleuchtet.

Ungewöhnliche Operationstechnik: Geigenspiel während der Hirntumor-OP

Ein bemerkenswertes Beispiel für innovative Behandlungsmethoden ist der Fall von Dagmar Turner, einer 53-jährigen Geigerin, die am Londoner King’s College Hospital operiert wurde, während sie Geige spielte. Bei der Patientin wurde 2013 ein Gehirntumor diagnostiziert, und nachdem eine Chemotherapie gescheitert war, entschied sie sich für einen operativen Eingriff. Da sich der Tumor in den Hirnarealen befand, die für Handmotorik und Koordination zuständig sind, wählten die Ärzte diese ungewöhnliche Methode, um die entsprechenden Bereiche besser zu lokalisieren und Folgeschäden zu minimieren.

Der Neurochirurg Keyoumars Ashkan erklärte, dass durch diese Behandlung mehr als 90 Prozent des Tumors entfernt und gleichzeitig die vollständige Feinmotorik der Patientin erhalten werden konnte. Nur drei Tage nach dem Eingriff konnte Turner das Krankenhaus verlassen und ihrer musikalischen Karriere fortsetzen.

Dieser Fall ist zwar ungewöhnlich, aber nicht einzigartig. Ähnliche Operationen wurden bereits in Tel Aviv, Spanien und China durchgeführt, bei denen Patienten während des Eingriffs Musikinstrumente spielten oder andere Aufgaben ausführten, um die Funktion bestimmter Hirnbereiche zu überwachen.

Immuntherapie mit dendritischen Zellen: Hoffnung und Zweifel

Bei verschiedenen Krebserkrankungen haben Immuntherapien in den letzten Jahren zu erheblichen Verbesserungen der Therapieaussichten geführt. Auf dem Gebiet der Neuroonkologie blieben jedoch bisher durchschlagende Erfolge aus. Insbesondere das Glioblastom ist weiterhin extrem rezidivfreudig und führt innerhalb kurzer Zeit zum Tod.

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Ein vielversprechender Ansatz ist die therapeutische Impfung mit dendritischen Zellen. Eine im Fachblatt JAMA Oncology veröffentlichte Phase-3-Studie (DCVax-L-Studie) berichtete, dass eine Impfung mit Tumorlysat-beladenen, autologen dendritischen Zellen zusätzlich zur Standardtherapie zu einer klinisch bedeutsamen und statistisch signifikanten Verlängerung des Überlebens von Patienten mit neu diagnostiziertem, aber auch rezidiviertem Glioblastom geführt habe.

Der Impfstoff DCVax-L besteht aus dendritischen Zellen, die aus dem Blut der Patienten isoliert und ex vivo mit intraoperativ gewonnenen Glioblastom-Zellen konfrontiert werden. Die Antigen-präsentierenden dendritischen Zellen werden dann durch regelmäßige subkutane Injektionen an den Patienten zurückgegeben, um eine zytotoxische T-Zell-Aktivierung auszulösen.

Trotz dieser vielversprechenden Ergebnisse gibt es auch Kritik an der DCVax-L-Studie. Prof. Dr. med. Wolfgang Wick, Ärztlicher Direktor der Klinik und Poliklinik für Neurologie und Leiter der Klinischen Kooperationseinheit Neuroonkologie am Universitätsklinikum Heidelberg, bemängelt, dass die Studiendaten weniger informativ seien als erhofft. Er kritisiert insbesondere die Verschiebung des Studienfokus auf das Gesamtüberleben und das Cross-over-Design, bei dem Patienten in der Placebogruppe nach einem Tumorrezidiv ebenfalls mit DCVax-L behandelt werden durften.

Metronomische Chemotherapie: Eine alternative Behandlungsstrategie

Neben der Standardtherapie mit Temozolomid und der Immuntherapie mit dendritischen Zellen wird auch die metronomische Chemotherapie als alternative Behandlungsstrategie diskutiert. Bei der metronomischen Chemotherapie werden niedrigere Dosen des Chemotherapeutikums über einen längeren Zeitraum verabreicht, anstatt der üblichen hochdosierten Zyklen.

Einige Onkologen vertreten die Ansicht, dass die metronomische Chemotherapie bei Gliomen eine bessere Option sein könnte als das Stupp-Protokoll, da sie darauf abzielt, die Tumorzellen kontinuierlich zu bekämpfen, anstatt sie mit hochdosierten Zyklen zu "vergiften". Es gibt Berichte von Patienten mit Gliomen Grad 3 und 4, die nach jahrelanger metronomischer Chemotherapie noch leben.

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Allerdings gibt es auch Bedenken hinsichtlich der metronomischen Chemotherapie. Einige Patienten berichten von ähnlichen Nebenwirkungen wie bei der Standardtherapie, und es gibt keine eindeutigen Beweise für eine positive Wirkung der metronomischen Einnahme. Zudem besteht die Gefahr, dass das Immunsystem durch die Dauerchemo geschwächt wird.

Die Stoffwechseltheorie: Ein umstrittener Ansatz

Einige Ärzte vertreten die Theorie, dass Gliome nicht als Krebs, sondern als Stoffwechselerkrankung des Gehirns betrachtet werden sollten. Demnach entsteht ein Tumor, wenn eine Lücke im Gehirn entsteht und Gliazellen und Astrozyten versuchen, diese Lücke zu schließen und dabei ein Netzwerk bilden.

Diese Theorie ist jedoch umstritten und wird von vielen Experten abgelehnt. Sie basiert auf der Vorstellung, dass das Immunsystem eine entscheidende Rolle bei der Entfernung mutierter Zellen spielt, die täglich im Körper entstehen. Einige Ärzte nutzen diese Theorie als Grundlage für ihre Therapieansätze, die oft auf einer metronomischen Chemotherapie mit zusätzlichen Substanzen basieren.

Es ist wichtig zu betonen, dass diese Theorie nicht allgemein anerkannt ist und dass es keine ausreichenden wissenschaftlichen Beweise für ihre Gültigkeit gibt.

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