Aspirin zur Migräneprophylaxe: Studienlage und Anwendung

Migräne ist eine weit verbreitete neurologische Erkrankung, die durch wiederkehrende, heftige Kopfschmerzen charakterisiert ist. Diese Kopfschmerzen sind oft pulsierend oder pochend, meist einseitig und können von Übelkeit, Erbrechen sowie Licht- und Geräuschempfindlichkeit begleitet sein. Die Lebenszeitprävalenz für Frauen liegt bei über 25 %.

Epidemiologie der Migräne

Migräne betrifft schätzungsweise 6 bis 8 % der Männer und 12 bis 14 % der Frauen. Vor der Pubertät liegt die Häufigkeit bei 4 bis 5 %. Die Diagnose stützt sich auf die Anamnese und einen normalen neurologischen Untersuchungsbefund.

Akuttherapie der Migräne

Zur Akutbehandlung von Migräneattacken stehen verschiedene Medikamente zur Verfügung:

  • Analgetika: Paracetamol, Acetylsalicylsäure (ASS), Ibuprofen, Diclofenac und Naproxen sind Mittel der ersten Wahl bei leichten bis mittelgradigen Migränekopfschmerzen. Die optimale Dosis für ASS und Paracetamol beträgt mindestens 1000 mg, für Ibuprofen 400 bis 600 mg und für Diclofenac 50 bis 100 mg. Brausetabletten oder Kautabletten werden wegen der schnelleren Resorption bevorzugt.
  • Triptane: Sumatriptan, Zolmitriptan, Naratriptan, Rizatriptan, Almotriptan, Eletriptan und Frovatriptan sind spezifische Migränemittel. Sie wirken gefäßverengend, entzündungshemmend und schmerzlindernd. Triptane sollten nicht während der Aura-Phase eingenommen werden.
  • Ergotamintartrat: Kann bei sehr langen Migräneattacken oder solchen mit mehrfacher Recurrence eingesetzt werden. Die Einnahmefrequenz muss auf maximal zehn Tage pro Monat und an maximal drei aufeinander folgenden Tagen begrenzt werden.
  • Antiemetika: Metoclopramid oder Domperidon bessern die vegetativen Begleitsymptome wie Übelkeit und Erbrechen und können die Resorption und Wirkung von Analgetika und Triptanen verbessern.

Migräneprophylaxe

Eine Migräneprophylaxe ist indiziert bei:

  • Drei und mehr Migräneattacken pro Monat
  • Migräneattacken, die regelmäßig länger als 72 Stunden anhalten
  • Attacken, die auf eine Akuttherapie nicht ansprechen
  • Zunahme der Attackenfrequenz und Einnahme von Schmerzmitteln an mehr als zehn Tagen im Monat
  • Komplizierten Migräneattacken mit lang anhaltenden Auren
  • Zustand nach migränösem Infarkt bei Ausschluss anderer Ursachen

Ziel der Prophylaxe ist die Reduzierung von Häufigkeit, Schwere und Dauer der Migräneattacken und die Vorbeugung eines medikamenteninduzierten Dauerkopfschmerzes. Von einer Wirksamkeit spricht man bei einer Reduktion der Anfallshäufigkeit um mindestens 50 %.

Lesen Sie auch: Aspirin zur Prävention von Schlaganfällen: Eine Analyse

Substanzen zur Migräneprophylaxe

  • Betablocker: Propranolol und Metoprolol haben sich als Mittel der ersten Wahl etabliert.
  • Calciumkanalblocker: Flunarizin ist der einzige Calciumkanalblocker, der in der Migräneprophylaxe eine signifikante Wirkung gezeigt hat.
  • Antikonvulsiva: Topiramat und Valproinsäure können die Attackenfrequenz deutlich reduzieren.

Weitere Substanzen

  • Amitriptylin: Kann bei Kombination mit einem Spannungskopfschmerz oder einer Depression gegeben werden.
  • Venlafaxin: Ein selektiver Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer, für den eine kleinere kontrollierte positive Studie vorliegt.
  • Gabapentin: Hat in einer Studie eine geringe prophylaktische Wirksamkeit gezeigt.
  • Acetylsalicylsäure (ASS): Hat in einer Dosis von 300 mg/Tag wahrscheinlich eine geringe migräneprophylaktische Wirkung.
  • Naproxen: War in Dosierungen von 2-mal 500 mg besser wirksam als Plazebo.
  • Petadolex®: Hat seine Wirksamkeit in zwei Plazebo-kontrollierten Studien belegt.
  • Mutterkraut: War ebenfalls in zwei Studien wirksam, ist aber in Deutschland kommerziell nicht erhältlich.

Aspirin (ASS) in der Migräneprophylaxe

Acetylsalicylsäure (ASS) wird sowohl zur Akutbehandlung als auch zur Prophylaxe von Migräne eingesetzt. In der Akuttherapie werden Dosen von 900 bis 1000 mg empfohlen. Für die Prophylaxe wird eine Dosis von 300 mg/Tag diskutiert.

Studien zur Wirksamkeit von ASS

Eine apothekenbasierte Beobachtungsstudie von Bayer Vital untersuchte die Wirksamkeit und Verträglichkeit von Aspirin Migräne unter Alltagsbedingungen. Die Studie zeigte, dass Patienten nach Beratung in der Apotheke in der Mehrzahl der Fälle (92,7 %) in der Lage sind, eine Migräneattacke korrekt selbst zu diagnostizieren.

Eine Analyse von Studien der Universität Oxford berücksichtigte randomisierte, doppelblinde Studien, in denen 900 mg oder 1000 mg ASS - mit oder ohne 10 mg Metoclopramid - gegen Placebo oder Verum (meist Sumatriptan oral) getestet wurde. Alle aktiven Therapien waren signifikant besser wirksam als Placebo. Schmerzfrei zwei Stunden nach der ASS-Einnahme waren 24 % der Patienten, mit Placebo elf Prozent. Eine deutliche Schmerzreduktion wurde nach zwei Stunden bei der Hälfte der Patienten mit ASS und bei 32 % mit Placebo erreicht.

ASS-Kombinationen

Die Kombination von ASS, Paracetamol und Coffein wird vor allem zur Linderung von akuter Migräne eingesetzt. Studien haben gezeigt, dass diese Kombination wirksamer ist als Placebo und die Monosubstanzen.

Innovative Galenik

Eine neue, schnell freisetzende Galenik von ASS-Tabletten mit mikronisierter Form des Wirkstoffs und einer Brausekomponente (Natriumcarbonat) verringert die Auflösungszeit und die Zeit bis zur maximalen Plasmakonzentration. Dies führt zu einer schnelleren Schmerzlinderung.

Lesen Sie auch: Aspirin: Nutzen und Risiken bei Schlaganfall

Verträglichkeit von ASS

Eine gepoolte, retrospektive Analyse bestätigte die gute Verträglichkeit von ASS 1000 mg als einmalige Gabe. In den ausgewerteten Studien zeigten sich bei 94,7 % der Teilnehmer keine gastrointestinalen Nebenwirkungen. In Bezug auf Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit und Erbrechen liegen ASS und PCM auf Placebo-Niveau.

Kontraindikationen und Nebenwirkungen

Es sind die Kontraindikationen und Nebenwirkungen der einzelnen Wirkstoffe zu beachten. Bei Jugendlichen mit fieberhaften oder viralen Infekten ist die Einnahme kontraindiziert, um das Reye-Syndrom zu vermeiden. Schwangere im letzten Drittel dürfen das Kombinationspräparat nicht nehmen.

Bedeutung der Selbstmedikation

Die meisten Betroffenen behandeln akut auftretende Kopfschmerzen im Rahmen der Selbstmedikation. Nationale wie internationale Leitlinien empfehlen ASS als Mittel der ersten Wahl und bewerten die Evidenz der Wirksamkeit von ASS mit der höchsten Stufe.

Lesen Sie auch: Aktuelle Studien zur Aspirin-Dosierung bei Schlaganfallprävention

tags: #aspirin #migrane #prophylaxe