Das Auftreten von Ataxie und Horner-Syndrom bei Katzen kann besorgniserregend sein. Dieser Artikel soll einen umfassenden Überblick über die Ursachen, Diagnose und Behandlung dieser Symptome geben.
Einführung
Ataxie, definiert als eine Störung der Bewegungsabläufe, ist ein Symptom, das auf eine zugrunde liegende Ursache hinweist. Das Horner-Syndrom, gekennzeichnet durch Miosis (verengte Pupille), Ptosis (hängendes Augenlid) und Enophthalmus (tiefliegendes Auge), deutet auf eine Schädigung der sympathischen Nervenversorgung des Auges hin. Das Verständnis der potenziellen Ursachen und der diagnostischen Schritte ist entscheidend für eine wirksame Behandlung.
Ursachen von Ataxie bei Katzen
Ataxie bei Katzen kann verschiedene Ursachen haben, die in neurologische und nicht-neurologische Kategorien unterteilt werden können:
Neurologische Ursachen
- Vestibuläre Erkrankungen: Das Vestibularorgan im Innenohr ist für das Gleichgewicht verantwortlich. Schädigungen dieses Organs können zu Ataxie, Kopfschiefhaltung, Koordinationsstörungen und Erbrechen führen.
- Verletzungen des zentralen Nervensystems (ZNS): Traumata, Tumore oder Entzündungen im Gehirn oder Rückenmark können Ataxie verursachen.
- Infektionen: Infektionen wie Toxoplasmose oder Felines Coronavirus können das Nervensystem beeinträchtigen und zu Ataxie führen.
- Kleinhirn-Ataxie: Schädigungen des Kleinhirns, der für die Koordination zuständigen Hirnregion, können zu unkontrollierten Bewegungen führen.
Nicht-neurologische Ursachen
- Überdosierung von Medikamenten: Einige Medikamente können bei Überdosierung Ataxie verursachen.
- Intoxikationen: Giftige Substanzen können das Nervensystem schädigen und Ataxie verursachen.
- Knochenbrüche: Insbesondere Frakturen der Schädelbasis können Ataxie verursachen.
Ursachen des Horner-Syndroms bei Katzen
Das Horner-Syndrom wird durch eine Schädigung des Sympathikusanteils, der den Augenbereich versorgt, hervorgerufen. Die Nerven haben ihren Ursprung im Gehirn und ziehen durch das Rückenmark (Halsmark) bis auf die Höhe der Vordergliedmaßen. Hier verlassen sie das zentrale Nervensystem und wandern neben der Wirbelsäule wieder hoch zum Schädel, wo sie nach Umschaltung der Nerven in einem Ganglion nahe dem Mittelohr schließlich am Auge enden. Mögliche Ursachen sind:
- Mittelohrentzündung: Eine Entzündung des Mittelohrs kann die Nervenbahnen beeinträchtigen, die das Auge versorgen.
- Tumore: Tumore im Bereich des Gehirns oder Brustraums können die Nervenbahnen schädigen.
- Verletzungen: Verletzungen von Kopf, Hals oder Brustraum können die Nervenbahnen beeinträchtigen.
- Hypothyreose: Eine Unterfunktion der Schilddrüse kann in seltenen Fällen mit dem Horner-Syndrom in Verbindung stehen.
- Idiopathisch: In vielen Fällen bleibt die Ursache des Horner-Syndroms unklar.
Diagnostische Verfahren
Um die Ursache von Ataxie und/oder Horner-Syndrom bei einer Katze zu ermitteln, sind verschiedene diagnostische Schritte erforderlich:
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Anamnese und klinische Untersuchung
Der Tierarzt wird eine detaillierte Anamnese erheben, um Informationen über die Krankengeschichte, Fütterung, Medikamenteneinnahme und mögliche Exposition gegenüber Toxinen zu erhalten. Eine gründliche klinische Untersuchung, einschließlich einer neurologischen Untersuchung, ist unerlässlich, um das Ausmaß der Störungen festzustellen und diese zu lokalisieren.
Otoskopie
Die Ohren werden auf Anzeichen von Entzündungen, Infektionen oder Polypen untersucht. Eine Otoskopie ermöglicht die Beurteilung der Unversehrtheit oder Veränderungen des äußeren Gehörgangs (ÄG) und des Trommelfells. Bei einem gesunden Ohr sollte der Gehörgang durchlässig und frei von Exsudat und das Trommelfell sichtbar sein. Exsudat, Cerumen oder Cerumenolithen, eine Entzündung und/oder eine Verengung des Gehörgangs können die Sicht auf das Trommelfell behindern.
Zytologie und mikrobiologische Untersuchung
Bei Verdacht auf eine Ohrenentzündung werden zytologische und mikrobiologische Untersuchungen von Ohrabstrichen durchgeführt, um Bakterien, Hefepilze oder Parasiten zu identifizieren.
Blutuntersuchungen
Eine Blutuntersuchung kann wichtige Parameter zum Nachweis entzündlicher Infektionen bestimmen. Die Blutprobe kann außerdem dabei helfen, eine Toxoplasmose oder Infektion mit dem Felinen Coronavirus bei Ihrer Katze festzustellen. Auch ein Schilddrüsenhormonprofil sollte angefertigt werden.
Bildgebende Verfahren
Röntgenaufnahmen, Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) können eingesetzt werden, um Entzündungen, Tumore oder andere Anomalien im Gehirn, Rückenmark oder Mittelohr zu erkennen. Dabei ist die MRT der CT vorzuziehen.
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Liquoruntersuchung
Bei Verdacht auf eine Meningitis oder Meningoenzephalitis kann eine Liquoruntersuchung durchgeführt werden, um Entzündungen oder Infektionen des zentralen Nervensystems nachzuweisen.
Pharmakologische Tests
Besteht das Horner-Syndrom seit mindestens einer Woche, kann die Lokalisation der Erkrankung mit pharmakologischen Tests (Phenylephrin-Augentropfen) näher bestimmt werden.
Behandlungsmöglichkeiten
Die Behandlung von Ataxie und Horner-Syndrom richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache:
Medikamentöse Behandlung
- Antibiotika oder Antimykotika: Bei bakteriellen oder Pilzinfektionen.
- Entzündungshemmer: Zur Reduzierung von Entzündungen im Nervensystem.
- Schmerzmittel: Zur Linderung von Schmerzen.
- Antiemetika: Gegen Übelkeit und Erbrechen.
Chirurgische Eingriffe
- Tumorentfernung: Bei Tumoren im Gehirn, Rückenmark oder Mittelohr.
- Polypenentfernung: Bei Ohrpolypen, die das Mittelohr betreffen.
- Bullaosteotomie: Bei chronischer Otitis media oder Otitis interna.
Unterstützende Maßnahmen
- Infusionstherapie: Zur Stabilisierung des Kreislaufs und Aufrechterhaltung der Flüssigkeitszufuhr.
- Physiotherapie: Zur Verbesserung der Koordination und des Gleichgewichts.
- Ernährungsmanagement: Ausgewogene Ernährung zur Unterstützung der allgemeinen Gesundheit.
- Vitamin-B-Supplementierung: Bei Verdacht auf Thiaminmangel.
- Stressreduktion: Eine ruhige und stressfreie Umgebung kann den Heilungsprozess unterstützen.
Behandlung von Ohrmilben
Zur Behandlung von Ohrmilben sind in Deutschland bei der Katze Präparate mit den Wirkstoffen Sarolaner, Flurolaner, Moxidectin und Selamectin, Esafoxolaner und Tigolaner sowie ein Ivermectin-haltiges Ohrgel zugelassen. Das Ivermectin-haltige Ohrgel wird lokal angewendet. Neuere systemische Produkte stehen meist als topische transdermale Präparate zur Verfügung und müssen weniger häufig angewendet werden, was die Compliance der Besitzer verbessert.
Prognose
Die Prognose für Katzen mit Ataxie und/oder Horner-Syndrom hängt von der zugrunde liegenden Ursache, dem Ausmaß der Erkrankung und dem allgemeinen Gesundheitszustand der Katze ab. Einige Ursachen, wie z.B. idiopathisches Vestibularsyndrom oder Horner-Syndrom, haben eine gute Prognose, während andere, wie z.B. Tumore oder schwere ZNS-Verletzungen, eine schlechtere Prognose haben können. Eine frühzeitige Diagnose und Behandlung sind entscheidend für eine erfolgreiche Genesung.
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Vorbeugung
Da viele Ursachen von Ataxie und Horner-Syndrom nicht vermeidbar sind, ist die Vorbeugung schwierig. Dennoch können folgende Maßnahmen dazu beitragen, das Risiko zu minimieren:
- Artgerechte Haltung und Fütterung: Eine ausgewogene Ernährung und ausreichend Bewegung können das Immunsystem stärken und das Risiko von Erkrankungen reduzieren.
- Impfungen: Regelmäßige Impfungen können vor Infektionen schützen, die das Nervensystem beeinträchtigen können.
- Schutz vor Toxinen: Medikamente nicht unbeaufsichtigt liegen lassen und nur ungiftige Pflanzen kaufen.
- Regelmäßige tierärztliche Kontrollen: Früherkennung von Erkrankungen kann die Behandlungschancen verbessern.
- Sorgfältige Ohrenpflege: Regelmäßige Kontrolle und Reinigung der Ohren können Ohrenentzündungen vorbeugen.