Die Achselhöhle (Axilla) ist ein anatomischer Raum zwischen der seitlichen Thoraxwand und dem medialen Oberarm, der viele wichtige Strukturen enthält, die für die Versorgung der Arme unerlässlich sind. Dazu gehören Blutgefäße (A. und V. axillaris), Nerven (Plexus brachialis) und Lymphknoten. Schmerzen und Druck in der Achselhöhle können verschiedene Ursachen haben, die von harmlosen Entzündungen bis hin zu schwerwiegenden Erkrankungen reichen. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen für Druck auf Nervenbahnen und Schmerzen in den axillären Lymphknoten, wobei auch auf die Bedeutung der korrekten Diagnose und Behandlung eingegangen wird.
Anatomie und Funktion der Achselhöhle
Die Achselhöhle wird von Muskeln des Bewegungsapparates gebildet. Der M. pectoralis major bildet die vordere Wand, während der M. subscapularis, M. latissimus dorsi und M. teres major die hintere Wand formen. Durch die Achselhöhle verlaufen wichtige Strukturen zur Versorgung der oberen Extremität. Die A. subclavia wird nach dem Verlauf unter dem Schlüsselbein zur A. axillaris. Sie gibt verschiedene Äste ab, die den Arm versorgen. Auch die Vena axillaris verläuft durch die Achselhöhle, ebenso wie der Plexus brachialis, der hier Nerven abgibt.
Im Bereich der Axilla finden sich etwa 20-30 Lymphknoten, die in eine oberflächliche und eine tiefe Schicht eingeteilt werden. Diese Lymphknoten filtern die Lymphe, die aus dem Gewebe abtransportiert wird, und spielen eine wichtige Rolle bei der Immunabwehr. Sie werden nach ihrer Lage zu den umliegenden Strukturen benannt, z.B. Level 1 am lateralen Rand des M. pectoralis minor, Level 2 zwischen dem lateralen und medialen Teil des M. pectoralis minor und Level 3 medial des M. pectoralis minor.
Ursachen für Druck und Schmerzen in den axillären Lymphknoten
Schmerzen in der Achselhöhle können vielfältige Ursachen haben. Da sich der Plexus brachialis, ein Nervenstrang, von hier aus in den gesamten Arm und die Schulter ausbreitet, können Neuralgien, die durch Entzündungen oder eingeklemmte Nerven ausgelöst werden, Schmerzen verursachen. Auch Operationen im Bereich der Achselhöhle können im Nachhinein noch Schmerzen verursachen.
Entzündungen und Infektionen
Entzündete Lymphknoten sind meist angeschwollen und können starke Schmerzen verursachen. Häufig liegt ein Infekt zugrunde, besonders wenn gleichzeitig Wunden, Ausschläge oder Fieber auftreten. Auch eine Impfung kann zu schmerzhaft geschwollenen Knoten im Achselbereich führen.
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Ein Abszess in der Achselhöhle ist ein mit Eiter gefüllter Hohlraum, der meist nicht von alleine abheilt. Er kann entstehen, wenn eine Entzündung entsteht (etwa bei mangelnder Hygiene oder auch bei eingewachsenen Haaren oder ähnlichem) und gleichzeitig die Oberfläche der Haut beschädigt wird. Abszesse sind oft mit sehr starken Schmerzen verbunden und werden in der Regel mit Zugsalben und/oder Antibiotika behandelt. Gegebenenfalls ist auch eine chirurgische Behandlung notwendig, um einen Abfluss des Eiters herbeizuführen.
Wiederkehrende Abszesse in den Achseln können ein Anzeichen für ein geschwächtes Immunsystem oder beispielsweise auch eine Diabeteserkrankung sein. Sie können aber auch auf Akne inversa (Hidradenitis suppurativa) hindeuten, einer schwerwiegenden Erkrankung, die oft übersehen wird und die Lebensqualität der Betroffenen stark einschränkt.
Nervenkompression und -verletzungen
Der Nervus axillaris ist ein wichtiger Nerv im Oberarm, der für die nervale Versorgung bestimmter Schultermuskeln zuständig ist und sensible Informationen aus der seitlichen Schulter zum Gehirn weiterleitet. Verletzungen, Entzündungen und Einklemmungen dieses Nervs können zu Bewegungseinschränkungen und Sensibilitätsstörungen führen.
Eine Kompression des Nervus axillaris kann Schmerzen verursachen. Besonders gefährdet für Einklemmungen ist der Nervus axillaris bei Schulterauskugelungen. Auch in der hinteren Achsellücke kann es seltener zu Einklemmungen des Nervus axillaris kommen (Quadrilaterales Space Syndrom).
Krebserkrankungen
Tastet man bei sich selbst einen Knoten in der Achselhöhle, sollte man das nicht ignorieren. Geschwollene Lymphknoten können ein Hinweis auf eine Entzündung oder ein malignes Vorgehen sein. Da die axillären Lymphknoten unter anderem die Lymphe des Brustgewebes ableiten, kann ein vergrößerterer Knoten ein Hinweis auf einen Tumor in diesem Bereich sein. Anhand der betroffenen Lymphknoten lässt sich so beispielsweise die Ausbreitung eines Mammakarzinoms abschätzen.
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Andere Ursachen
Schmerzen in der Achselhöhle können auch durch psychischen Stress verursacht werden. Der Nervenplexus kann durch Stress beeinflusst werden und Schmerzen verursachen.
Diagnose und Behandlung
Bei Schmerzen oder Druck in den axillären Lymphknoten ist es wichtig, einen Arzt aufzusuchen, um die Ursache abzuklären. Der Arzt wird zunächst eine Anamnese erheben und den Patienten körperlich untersuchen. Dabei wird er die Lymphknoten abtasten, um Größe, Konsistenz und Verschieblichkeit zu prüfen.
Je nach Verdacht können weitere Untersuchungen erforderlich sein, wie z.B. eine Blutuntersuchung, eine Ultraschalluntersuchung, eine Mammographie oder eine Biopsie der Lymphknoten.
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache der Beschwerden. Bei Entzündungen und Infektionen können Antibiotika oder andere Medikamente helfen. Bei Nervenkompressionen können Physiotherapie oder in schweren Fällen eine Operation erforderlich sein. Bei Krebserkrankungen kommenOperation, Strahlentherapie und Chemotherapie in Frage.
Differenzierung zwischen harmlosen und besorgniserregenden Symptomen
Viele Erkrankungen äußern sich nicht nur durch geschwollene Lymphknoten, sondern durch weitere Symptome wie Fieber, Schnupfen, ein allgemeines Krankheitsgefühl oder Halsweh. Oft liegt die Ursache der Lymphknotenschwellung dann schon klar auf der Hand: Meist handelt es sich um eine harmlose Infektion, die von allein wieder abklingt beziehungsweise sich problemlos behandeln lässt.
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Auch noch einige Tage nach einer ausgeheilten Entzündung (wie Mandelentzündung) können die Lymphknoten noch geschwollen sein.
Gehen Sie aber unbedingt zum Arzt, wenn:
- Lymphknoten geschwollen sind, ohne dass es Hinweise auf eine Infektion gibt.
- sich die Lymphknotenschwellung nur auf einer Seite befindet (etwa nur in der linken Achselhöhle, nicht aber in der rechten).
- die tast- oder sichtbare Schwellung schon länger (mehr als drei Wochen) und ohne erkennbaren Grund besteht.
- weitere Beschwerden hinzukommen, zum Beispiel ein ungewollter Gewichtsverlust, ein spürbarer Leistungsknick, Fieber oder Nachtschweiß.
Bei Kindern ist eine Lymphknotenschwellung meistens nicht besorgniserregend. Gerade in den ersten Lebensjahren sind die kindlichen Lymphknoten oft anhaltend geschwollen, denn das noch junge Immunsystem ist permanent mit vielen, noch unbekannten Erregern und Fremdstoffen beschäftigt. Diese vermehrte Aktivität äußert sich in einer Lymphknotenschwellung.
Sind die Lymphknoten jedoch auch nach drei bis vier Wochen noch geschwollen, sollten Sie mit Ihrem Sprössling den Kinderarzt aufsuchen. Besondere Vorsicht ist geboten, wenn das Kind, zusätzlich zur Lymphknotenschwellung, in seiner Leistungsfähigkeit oder im Wachstum beeinträchtigt ist.
Was tun bei geschwollenen Lymphknoten?
Oft reicht zunächst Abwarten: In vielen Fällen bildet sich ein geschwollener Lymphknoten innerhalb weniger Tage von allein zurück. Häufig steckt ein unkomplizierter Infekt dahinter, der von allein wieder vergeht.
Geschwollene Lymphknoten sind zwar meist kein Grund zur Sorge. Selten ist jedoch eine ernste Erkrankung dafür verantwortlich. Wer einen oder mehrere geschwollene Lymphknoten entdeckt, sich krank fühlt oder weitere Beschwerden hat, sollte nach spätestens einer Woche ärztlichen Rat suchen. Ein Arztbesuch ist ebenfalls angeraten, wenn Lymphknoten
- ohne ersichtlichen Grund länger als vier Wochen geschwollen sind,
- sehr plötzlich und/oder sehr stark anschwellen und/oder
- bei Druck nicht schmerzen, obwohl sie vergrößert sind.
Erste Anlaufstelle kann die hausärztliche Praxis sein. In vielen Fällen kann die Ärztin oder der Arzt die Ursache bereits anhand typischer Symptome eingrenzen.
Akne inversa als mögliche Ursache wiederkehrender Abszesse
Wiederkehrende Abszesse in den Achseln (Achselhöhlen) oder Abszesse und Fisteln im Scham- und Leistenbereich, dem Damm, dem perianalen Bereich oder in anderen Hautfalten können auf Akne inversa / Hidradenitis suppurativa hindeuten. Diese schwerwiegende Erkrankung schränkt die Lebensqualität der Betroffenen stark ein und ist bislang unheilbar. D.h. die verschiedenen Therapieoptionen können lediglich zu einer Symptomlinderung beitragen.
Es ist wichtig, dass Patienten mit Akne inversa von ihrem Umfeld und medizinischem Personal verstanden und unterstützt werden. Mangelnde Körperhygiene ist nicht die Ursache für die wiederkehrenden Abszesse. Eine gesunde Ernährung, das Meiden von zu eng anliegender und scheuernder Unterwäsche, der Verzicht auf Rauchen und die Reduktion von Übergewicht können jedoch positive Auswirkungen haben.
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