Wenn Babys oder Kleinkinder ihre Augen zusammenkneifen, kann das Eltern beunruhigen. Es gibt verschiedene Ursachen für dieses Verhalten, von harmlosen Gewohnheiten bis hin zu potenziellen Gesundheitsproblemen. Dieser Artikel beleuchtet die möglichen Gründe für das Zusammenkneifen der Augen bei Babys und Kleinkindern und gibt Eltern Empfehlungen, wie sie damit umgehen können.
Häufige Ursachen für das Zusammenkneifen der Augen
Sehprobleme
- Sehschwäche: Wenn ein Baby oder Kleinkind Schwierigkeiten hat, klar zu sehen, kneift es möglicherweise die Augen zusammen, um das Bild zu schärfen. Dies kann ein Anzeichen für Kurz- oder Weitsichtigkeit oder Astigmatismus sein.
- Fehlsichtigkeiten: Ständiges Blinzeln oder Zusammenkneifen der Augen kann ein Anzeichen für Kurz- oder Weitsichtigkeit, Schielen oder Astigmatismus sein.
- Unkorrigierte Fehlsichtigkeit: Wenn ein Kind beim Betrachten von Büchern oder Apps mit der Nase ganz eng an Buch oder Tablet klebt oder beim Fernsehen viel zu nah vor dem Gerät sitzt, können Fehlsichtigkeiten dahinterstecken.
Augenreizungen und Allergien
- Trockene Augen: Trockene Augen können bei Babys und Kleinkindern zu Unbehagen und vermehrtem Blinzeln oder Zusammenkneifen der Augen führen.
- Allergien: Allergische Reaktionen können die Augen jucken und reizen, was zum Zusammenkneifen der Augen führen kann.
Tics und Verhaltensweisen
- Tic-Störungen: In vielen Fällen ist das Zusammenkneifen der Augen ein Tic, eine unwillkürliche Muskelbewegung. Tic-Störungen sind bei Kindern häufig und oft harmlos. Sie können durch Stress, Müdigkeit oder andere Faktoren ausgelöst werden.
- Gewohnheit: Manchmal wird das Zusammenkneifen der Augen einfach zu einer Gewohnheit, die das Kind unbewusst ausführt.
- Psychische und emotionale Gründe: Neben verschiedenen Erkrankungen kann das Zusammenkneifen der Augen ebenso auf psychische Probleme oder emotionale Reaktionen des Kindes verweisen.
Zahnen
- Zahnen: Einige Eltern berichten, dass das Zahnen bei ihren Babys zu vermehrtem Augenreiben oder Zusammenkneifen der Augen führt. Dies könnte mit dem Druck auf Nerven im Oberkiefer zusammenhängen, die auch die Augen beeinflussen.
Angeborenes Glaukom
- Angeborenes Glaukom (kongenitales Glaukom): Beim angeborenen (kongenitalen) Glaukom sind Kammerwinkel und Trabekelmaschenwerk des Auges ungenügend ausgereift und der Kammerwasserabfluss gestört. In der Folge steigt der Augeninnendruck (IOD). Eltern sollten ihr Kind genau beobachten: Dreht es sich von einer Lichtquelle weg, reibt es häufig die Augen oder kneift sie zusammen oder laufen Tränen? Dies könnten Zeichen der erhöhten Blendempfindlichkeit sein.
Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?
Obwohl das Zusammenkneifen der Augen oft harmlos ist, sollten Eltern einen Arzt aufsuchen, wenn:
- Das Zusammenkneifen der Augen häufig auftritt oder sich verschlimmert.
- Das Kind andere Symptome wie Augenreiben, Rötung, Tränenfluss oder Lichtempfindlichkeit zeigt.
- Das Kind über Sehstörungen klagt.
- Das Zusammenkneifen der Augen mit anderen Tics oder Verhaltensauffälligkeiten einhergeht.
- Sie sich Sorgen machen oder unsicher sind.
- Wenn Ihr Baby im Alter von sechs Monaten noch oft schielt (einige Sekunden langes Babyschielen).
- Wenn Ihr Kind oft blinzelt oder die Augen reibt oder zusammenkneift, wenn es ständig mit schräg gehaltenem Kopf schaut oder seine Augen zittern (Untersuchung beim Augenarzt nötig).
- Wenn Ihnen etwas an den Augen Ihres Kindes auffällt (z.B. Hornhauttrübung, grauweißliche Pupillen, große lichtscheue Augen, Lidveränderungen, die ein Auge verdecken) oder Sie unsicher sind, dass es gut sieht.
- Bei Augenentzündungen, denn sie müssen ärztlich behandelt werden.
- Bei Risiken (z.B. Schielen, starke Fehlsichtigkeit oder Sehschwäche in der Familie, Frühgeburt) empfehlen Kinder- und Augenärzte eine augenärztliche Kontrolle im Alter zwischen sechs und neun Monaten.
Ein Kinderarzt oder Augenarzt kann die Ursache des Zusammenkneifens der Augen feststellen und eine geeignete Behandlung empfehlen.
Was Eltern tun können
- Beobachten: Achten Sie darauf, wann und wie oft Ihr Kind die Augen zusammenkneift. Gibt es bestimmte Auslöser oder Situationen, in denen es häufiger auftritt?
- Ruhe bewahren: In den meisten Fällen ist das Zusammenkneifen der Augen harmlos und verschwindet von selbst wieder. Versuchen Sie, ruhig zu bleiben und Ihr Kind nicht unnötig zu beunruhigen.
- Unterstützung: Wenn das Zusammenkneifen der Augen durch Stress oder emotionale Belastung ausgelöst wird, versuchen Sie, Ihrem Kind Unterstützung und Geborgenheit zu geben.
- Ablenkung: Wenn das Zusammenkneifen der Augen in Ruhephasen auftritt, sorgen Sie für entspannte Ablenkung, z. B. durch Vorlesen oder Spielen.
- Kein Fokus darauf: Die Kinder sollten nicht ständig auf den Tic angesprochen und auch nicht aufgefordert werden, diesen zu unterdrücken. Denn dies könnte den Tic sogar verschlimmern.
Die Rolle von Vorsorgeuntersuchungen
Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen beim Kinderarzt sind wichtig, um die Gesundheit und Entwicklung Ihres Kindes zu überwachen. Im Rahmen dieser Untersuchungen werden auch die Augen untersucht, um mögliche Sehprobleme frühzeitig zu erkennen.
- U3: Eine erste kinderärztliche Untersuchung der Augen findet im Rahmen der dritten Vorsorgeuntersuchung, besser bekannt als U3, statt - also zwischen der vierten und fünften Lebenswoche. Der Arzt prüft dann zum Beispiel, ob eine Linsentrübung des Auges vorliegt.
- U5: Bei der U5 im sechsten bis siebten Lebensmonat des Kindes lässt sich mithilfe eines Augenspiegels bereits feststellen, ob das Kind schielt.
- U7a/U8: Bei der U7a im Alter von drei Jahren oder spätestens bei der U8 mit vier Jahren wird getestet, ob das Kind schon dreidimensional sehen kann - ob sein Gehirn also die Informationen aus beiden Augen verarbeitet.
Kindliche Sehstörungen: Auf diese Symptome sollten Eltern achten
Sehstörungen können schon früh im Leben auftreten. Im Kleinkindalter bilden sich die meisten Fälle unter richtiger Therapie vollständig zurück. Und das ist auch gut so. Sein Umfeld merkt auf diese Weise schnell, dass dem Kind etwas fehlt, und kann entsprechend reagieren. Ganz anders sieht es bei Sehstörungen aus. Ein kleines Kind kann nicht wissen, dass es schlecht sieht. Es nimmt die Welt auf seine Weise optisch wahr - und kennt es nicht anders. Der fehlende Protest des Kindes hat oft negative Konsequenzen: Nach Angaben des Berufsverbandes der Augenärzte Deutschlands (BVA) werden rund 60 Prozent der Sehstörungen bei Kindern zu spät erkannt und behandelt.
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Eine frühe Therapie ist vor allem deshalb so wichtig, weil sich Sehstörungen im Kleinkindalter oft noch vollständig zurückbilden können. Häufig reicht es schon aus, wenn das Kind wenige Stunden am Tag eine Brille trägt oder das gesunde Auge abgedeckt wird. Bei älteren Kindern ist die Behandlung nicht mehr so einfach. Eine Sehschwäche, die erst im Schulalter entdeckt wird, bleibt in vielen Fällen ein Leben lang erhalten. Der Grund dafür liegt im Gehirn. Wenn die dort ansässigen Nervenzellen nicht frühzeitig lernen, auch die Informationen des schwächeren Auges zu verarbeiten, können sie dies später, wenn das Gehirn bereits stärker entwickelt ist, nur noch sehr bedingt oder gar nicht mehr nachholen.
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