Der wichtigste Rohstoff unseres Landes ist die Begeisterung der Menschen am Entdecken und Gestalten. Die gute Botschaft lautet: Entdeckerfreude und Gestaltungslust sind nachwachsende Rohstoffe, die alle Kinder immer wieder mit auf die Welt bringen. Die schlechte Botschaft heißt: Dieser kostbare Schatz verkümmert allzu leicht, wenn er nicht genährt wird, und er verschwindet automatisch, wenn man ihn unterdrückt. Aber es gibt auch eine ermutigende Botschaft: Die Begeisterung am Lernen kann wiedererweckt werden.
Einleitung
Die Hirnforschung hat in den letzten Jahren unser Verständnis davon, wie Menschen lernen, grundlegend verändert. Sie liefert uns wertvolle Erkenntnisse darüber, wie wir Lernprozesse effektiver gestalten und die natürliche Begeisterung für das Lernen wiederentdecken können. Dieser Artikel beleuchtet, wie die Hirnforschung die Pädagogik unterstützt und welche praktischen Anwendungen sich daraus für Bildungseinrichtungen und den Alltag ergeben.
Bildung im Wandel: Von Wissenstransfer zur Kompetenzentwicklung
In der alten Industriegesellschaft des vorigen Jahrhunderts sollten die Menschen das, was sie in der Schule gelernt hatten, ein ganzes Leben lang anwenden. Deshalb brauchten sie gut eingeprägtes Sachwissen und solide Kenntnisse, auf die sie zeitlebens zurückgreifen konnten. In der Wissens- und Ideengesellschaft des 21. Jahrhunderts hat sich dieser Wissenspool enorm erweitert. Jetzt kommt es immer stärker darauf an, neue Herausforderungen annehmen und unbekannte Probleme lösen zu können. Die Schule wird ihre Schüler daher künftig nicht nur auf die Durchführung von Routinen, sondern in erster Linie auf die Bewältigung von Vielheit und Offenheit vorbereiten müssen. Damit ändert sich aber schlagartig auch die traditionelle Vorstellung von Bildung und Erziehung.
Überall dort, wo Bildung stattfindet, geht es nun viel stärker um die Aneignung sogenannter Metakompetenzen, um die Entwicklung von Haltungen und Einstellungen, um die Bereitschaft, sich auf neue Herausforderungen einzulassen, um die Lust am Entdecken und Gestalten, um Engagement, Teamfähigkeit und Verantwortungsbereitschaft.
Die Rolle der Hirnforschung: Einblicke in den Lernprozess
Die Hirnforscher haben in den letzten zehn Jahren eine Vielzahl von Erkenntnissen darüber zutage gefördert, wie das Lernen funktioniert, unter welchen Voraussetzungen Bildungsprozesse gelingen können und unter welchen sie scheitern, unter welchen Bedingungen Kinder ihre Lust am Lernen, am Entdecken und am Gestalten entfalten können und unter welchen sie ihnen vergeht.
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Die Grunderkenntnis der modernen Neurobiologie heißt: Kinder, und zwar alle Kinder, kommen mit einer unglaublichen Lust am eigenen Entdecken und Gestalten zur Welt. Nie wieder ist ein Mensch so neugierig, so entdeckerfreudig, so gestaltungslustig und so begeistert darauf, das Leben kennen zu lernen, wie am Anfang seines Lebens. Diese Begeisterungsfähigkeit, diese enorme Lernlust und diese unglaubliche Offenheit der Kinder sind der eigentliche Schatz der frühen Kindheit. Und diesen Schatz müssen wir besser als bisher bewahren und hegen. Es geht also weniger darum, mit Hilfe von Förderprogrammen Kindern immer schneller immer mehr Wissen beizubringen. Was wir brauchen, sind Programme, die verhindern, was viel zu häufig heute noch immer passiert, nämlich dass Kinder irgendwann die Lust am Lernen verlieren. Das nämlich ist genetisch nicht programmiert.
Neuroplastizität: Die Anpassungsfähigkeit des Gehirns
Die genetischen Programme sorgen lediglich dafür, dass im sich entwickelnden menschlichen Gehirn ein enormes Überangebot zunächst an Nervenzellen und nachfolgend an Vernetzungsoptionen bereitgestellt wird. Dadurch wird gewährleistet, dass ein Kind so ziemlich alles lernen kann, worauf es in der jeweiligen Lebenswelt, in die es hineinwächst, ankommt. Diejenigen Nervenzellverknüpfungen, die es dabei immer wieder benutzt, um sich in dieser Welt zunehmend besser zurechtzufinden, werden stabilisiert. Der Rest wird wieder abgebaut. Am Ende hat jedes Kind ein Gehirn, das nicht nur optimal zu seinem Körper passt, weil es sich anhand der dort generierten Signalmuster bereits vorgeburtlich strukturiert. Da sich dieser Selbststrukturierungsprozess auch nach der Geburt fortsetzt und in den komplexesten Bereichen des menschlichen Gehirns, im präfrontalen Kortex zeitlebens stattfindet, werden im Gehirn alle für einen Menschen im Lauf seiner Entwicklung bedeutsamen Wahrnehmungen, Handlungsmuster und Verhaltensweisen im Gehirn verankert.
Emotionen und Lernen: Eine untrennbare Verbindung
Das menschliche Gehirn funktioniert deshalb nicht wie ein Muskel, den man durch schulische Lernangebote trainieren könnte. Neues Wissen, neue Fähigkeiten und Fertigkeiten erwirbt ein Mensch nur dann, wenn es ihn emotional berührt, wenn ihm etwas unter die Haut geht, wenn also die emotionalen Zentren in seinem Gehirn aktiviert werden. Nur dann werden an den Enden der weitverzweigten Fortsätze der im Mittelhirn in den emotionalen Zentren lokalisierten Nervenzellen so genannte neuroplastische Botenstoffe ausgeschüttet. Sie wirken wie Dünger auf die in diesem Zustand emotionaler Beteiligung aktivierten, zur Lösung eines Problems oder zur Klärung einer Fragestellung aktivierten neuronalen Verschaltungen. Sie stimulieren das Auswachsen weiterer Fortsätze und die Bereitstellung weiterer Kontakte und Vernetzungen. Deshalb kann man eigentlich nur dann etwas Neues lernen und eine neue Erfahrung in Form neuer Verschaltungsmuster im Hirn verankern, wenn man sich dafür begeistert oder wenigstens freut, wenn das, was es zu lernen gilt, also auch wirklich bedeutsam für denjenigen ist, der lernt. Zu diesen Selbstbildungs- und Selbstaneignungsprozessen kann man Schüler nicht zwingen, weder mit Belohnungen noch mit Bestrafungen. Dazu kann man sie nur einladen, ermutigen und inspirieren.
Hirngerechte Bildung: Prinzipien und Anwendungen
„Hirngerecht“ sind Bildungsangebote für Kinder (wie auch für Jugendliche und Erwachsene) immer dann, wenn sie „sinnvoll“, d. h. bedeutsam und wichtig für das betreffende Kind sind, sei es auch nur, dass sich jemand über das, was das Kind gelernt hat, aufrichtig freut; wenn sie als eigene Erfahrung am ganzen Körper, mit allen Sinnen und unter emotionaler Beteiligung erfahren werden, wenn sie also „unter die Haut“ gehen; wenn die so gewonnenen Einsichten, Erfahrungen, Kenntnisse und Fähigkeiten sich im praktischen Lebensvollzug als nützlich und vorteilhaft, d. h. praktisch anwendbar erweisen, auch und gerade außerhalb von Kindergarten und Schule; wenn Kinder in ihrer jeweiligen Bildungseinrichtung spüren, dass sie so, wie sie sind, richtig sind, angenommen werden und dazugehören dürfen, und wenn ihnen genügend Raum und Möglichkeiten geboten werden, um zu zeigen, was in ihnen steckt, wenn sie also die Erfahrung machen, dass sie in der Schule (und auch schon im Kindergarten) gemeinsam über sich hinauswachsen können.
Das funktioniert freilich nur, wenn ihnen Gelegenheit geboten wird, gemeinsam etwas zu entdecken, zu gestalten oder - am wirksamsten - sich um etwas kümmern zu können, das in ihren Augen bedeutsam ist. Aber selbst dann, wenn diese Voraussetzungen erfüllt sind, wenn das neue Wissen und Können also bedeutsam, anknüpfbar, ganzheitlich, emotional erfahrbar und als praktisch nutzbar erkannt und erlebt werden kann, wird die Frage der Qualität, der Didaktik und Methodik der Wissensvermittlung erst dann interessant, wenn die Kinder auch offen für diese Bildungsangebote sind. Kinder brauchen also nicht nur Aufgaben, an denen sie wachsen können, und Herausforderungen, die sie zu bewältigen lernen, sie brauchen auch Rahmenbedingungen, die es ihnen ermöglichen, sich diesen Aufgaben zu stellen und diese Herausforderungen anzunehmen.
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Vertrauen und Beziehungen: Die Basis für erfolgreiches Lernen
Damit Bildung aus neurowissenschaftlicher Sicht gelingen kann, müssten die Bildungseinrichtungen also zu Orten werden und die Erzieherinnen/Erzieher und Lehrerinnen/ Lehrer Beziehungspersonen sein, die die Kinder gern aufsuchen, wo sie sich sicher und geborgen, unterstützt und wertgeschätzt und natürlich maximal herausgefordert und optimal gefördert fühlen. Entscheidend ist dabei - auch das ist eine wichtige neue Erkenntnis der Hirnforschung - immer die subjektive Bewertung. Das eigene Gefühl des Kindes, nicht die objektiv herrschenden Umstände oder die behördlich geregelten Verhältnisse sind ausschlaggebend dafür, ob ein Kind seine Potentiale entfalten kann oder ob es sie aus Angst unterdrücken muss. Aber allein dadurch, dass anstelle der bisher vorherrschenden Angst sich mehr Vertrauen in unseren Bildungseinrichtungen ausbreitet, gelingt noch immer keine Bildung. Kinder brauchen auch Vorbilder, denen sie nacheifern und Ziele, für deren Erreichen es sich anzustrengen lohnt. Und sie brauchen irgendwann auch Visionen davon, wie ihr Leben gelingen kann.
Begeisterung wecken: Ein Schlüssel zur Motivation
Was also in unseren Bildungseinrichtungen geweckt werden müsste, ist das, was schon Saint-Exupery so eindringlich eingefordert hat: „Willst Du ein Schiff bauen, rufe nicht die Menschen zusammen, um Pläne zu machen, die Arbeit zu verteilen, Werkzeug zu holen und Holz zu schlagen, sondern wecke in ihnen die Sehnsucht nach dem großen, endlosen Meer.“
Praktische Tipps für gehirngerechtes Lernen
- Individuelle Lernzeiten: Finden Sie heraus, wann Sie am produktivsten sind. Manche lernen morgens besser, andere abends.
- Musik: Nutzen Sie Musik, die Sie motiviert und entspannt.
- Kurze Lerneinheiten: Lernen Sie in kurzen 10-Minuten-Abschnitten, da das Gehirn danach noch weiterarbeitet.
- Belohnungen: Belohnen Sie sich für erreichte Lernziele mit kleinen Freuden.
- Wiederholung: Wiederholen Sie den Stoff in Intervallen, um ihn langfristig zu speichern (Spaced Repetition).
- Abwechslung: Bringen Sie Abwechslung in den Lernprozess durch verschiedene Methoden wie Visualisierungen, Mindmaps oder Geschichten.
- Praxisbezug: Schaffen Sie Verbindungen zum Lernmaterial, indem Sie es in praktischen Anwendungen oder Simulationen nutzen.
Die Rolle der Begeisterung im Detail
Wenn man also für ein Thema begeistert ist, lernt man leichter. Damit es aber überhaupt dazu kommt, muss man sich für dieses Thema interessieren. Unser Gehirn verwendet verschiedene Kriterien, um festzustellen, ob etwas interessant ist.
Begeisterung ist ansteckend
Wenn man noch sehr jung ist und gar kein Vorwissen besitzt, ist zunächst einmal alles interessant - je auffälliger, lauter und bunter, umso mehr weckt es die Aufmerksamkeit. Je älter man wird, umso mehr ist schon bekannt. Folglich ist zum einen nur noch Neues und Unbekanntes von Interesse. Zum anderen kann man beobachten, dass Lehrkräfte, die sich selbst für ihre Fächerinhalte begeistern, Schüler regelrecht mitreißen können. Die Wissenschaft spricht hier von »Gefühlsansteckung«. Sich an Menschen mit einem Wissensvorsprung zu orientieren, ist ausgesprochen sinnvoll: Halten diese Menschen etwas für interessant, dann ist es das wahrscheinlich auch.
Begeisterung lässt sich nicht einfach so spielen und zeigt sich in vielfältiger Weise: im emotionalen Ausdruck des Gesichts, in der Körperhaltung, durch raumgreifende Bewegungen in der Gestik, aber auch beim schlichten Durchschreiten des Raums, in der Wortwahl und der Intonation beim Sprechen. Spezifische Hirnareale reagieren auf diese Faktoren. Nur wenn alle oder wenigstens die meisten dieser Hirngebiete durch die Begeisterung der Lehrkraft aktiviert werden, erscheint sie authentisch und springt im wahrsten Sinne des Wortes in unser Nervensystem über. Bestimmte Nervenzellen in dem Hirnareal, das für unsere Körperwahrnehmung zuständig ist und andere, die sogenannten Spiegelneuronen, übertragen die bei anderen wahrgenommenen Zeichen der Begeisterung auf unseren eigenen Körper, unsere Mimik, Muskelspannung usw. Diese Veränderung bei uns selbst führt zu einer Veränderung unseres emotionalen Zustands. Aber Vorsicht: Ebenso leicht werden auch Langeweile, Gleichgültigkeit, Gereiztheit, Angst oder Ablehnung übertragen.
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Mit guter Laune lernt es sich besser
Die durch ein Vorbild übertragenen und durch ein interessantes Thema oder einen anregenden Einstieg ausgelösten positiven Emotionen haben gleich zwei vorteilhafte Auswirkungen auf den Lernprozess: Sie übertragen die Begeisterung für das Thema selbst und verbessern zudem die Stimmungslage. Wie Prof. Markus Kiefer und sein Team der Sektion für kognitive Elektrophysiologie der Universitätsklinik Ulm zeigen konnten, sind an der Verarbeitung von Informationen je nach Stimmung unterschiedliche Netzwerke beteiligt. Bei guter Stimmung ist die Verarbeitung elaborierter, das heißt es sind mehr Hirnregionen beteiligt und das Gelernte kann für längere Zeit abgerufen werden. Allein diese Ergebnisse zeigen, dass mit Druck, Angst und zu hoch gesteckten Forderungen, die leicht Überforderung und neue Ängste auslösen, das Lernen eher behindert aber keinesfalls unterstützt wird.
Erfolgserlebnisse setzen Glückshormone frei
Was aber unterstützt das Lernen tatsächlich? Begeisterung, Interesse und eine Lernsituation, die frei ist von Angst vor Fehlern, in der auch Spaß und Fröhlichkeit ihren Platz haben und in der Bloßstellung, Spott und Häme nicht geduldet werden, sind somit extrem förderlich. Der absolute Anreiz für das Gehirn aber ist der Erfolg, der bei einer erfolgreichen Handlung durch das hirneigene Belohnungssystem in Gang gesetzt wird. Stolz, Freude und Begeisterung lassen nicht lange auf sich warten - das passiert allerdings nur, wenn das Ergebnis einer Handlung besser ist als erwartet. Stellen wir uns also neuen Herausforderungen und meistern diese erfolgreich, dann setzen Kerngebiete im Mittelhirn den Botenstoff Dopamin, das »Glückshormon« frei, welches dann große Teile des Gehirns überflutet. Neben der emotionalen Wirkung ist mit der Dopaminausschüttung eine Verstärkung der Synapsen verknüpft. All die Verbindungen, die vor der Ausschüttung des Dopamins aktiv waren, werden verstärkt und zu intensiverem Wachstum angeregt.
Hat man etwa zum ersten Mal den Fußball ins Tor geschossen, die Torte perfekt verziert oder sonst ein subjektiv als bedeutsam empfundenes Ziel erreicht, dann werden genau die Nervenverbindungen zum Wachstum angeregt, die an der vorangegangenen Handlung beteiligt waren. Zusätzlich sorgt das Glücksgefühl dafür, dass wir diese vorherigen Handlungen schneller und gerne wiederholen, wenn sich die Gelegenheit bietet, um wieder die positiven Gefühle des Gelingens zu erleben, sodass erfolgreiches Verhalten immer besser trainiert wird. Unser Gehirn differenziert allerdings nicht, ob das erfolgreiche Verhalten sinnvoll war - wenn ein Schüler Hausaufgaben abschreibt und sie dem Lehrer brav vorlegt, greift das Dopaminsystem ebenso und belohnt diese Tat, sodass die Wahrscheinlichkeit, dass das Kind diese Aktion wiederholt, erhöht wird.
Um aber überhaupt ein Erfolgserlebnis zu haben und Begeisterung zu spüren, muss man etwas tun - passives Herumsitzen und »Konsumieren« von Lerninhalten bietet sich als Grundlage hierfür eher nicht an. Aktivitäten, bei denen man Erfolg haben kann, sind also gefragt. Dabei darf nicht unterschlagen werden, dass auch das Denken eine Tätigkeit ist. Viele Schüler lieben es, rein gedanklich aktiv zu sein und haben Erfolgserlebnisse, wenn sie ein Problem theoretisch durchdrungen oder die Lösung gefunden haben. Wir alle kennen diesen Aha-Effekt. Andere Schüler bevorzugen Aktivitäten, bei denen sie etwas untersuchen oder zum Beispiel ein Experiment durchführen können. In all diesen Situationen muss klar erkennbar sein, welches Ergebnis als Erfolg zu werten ist. Nur wenn sich der Erfolg direkt nach der Handlung einstellt und vom Lernenden auch erkannt wird, führt das Dopamin dazu, dass diese Handlung tatsächlich besser behalten und das »Richtige« gelernt wird.
Ziele und soziale Anerkennung
Wichtig für den Dopamin basierten Lernerfolg ist ein klar erkennbares Ziel, dessen Erreichen den Erfolg ausmacht. Dieses Ziel muss auch vom Lernenden als bedeutsam und erstrebenswert bewertet werden, sonst handelt es sich um reines Abarbeiten einer Aufgabe. Zum Glück muss der Erfolg nicht unbedingt in der Aufgabe bzw. deren Lösung selbst liegen. Vielen Schülern ist es ziemlich egal, welche Zahl die Lösung einer mathematischen Gleichung ist. Oft liegt das Ziel einfach in einem »gut gemacht«, in der Bestätigung des richtigen Vorgehens und vor allen Dingen in der sozialen Zuwendung und Anerkennung der Leistung. Soziale Zuwendung ist neben dem Erfolg von Handlungen ein sehr wirksamer Auslöser für die Freisetzung von Dopamin. Daher sind neben der eigenen Begeisterung das zeitnahe Lob und die Anerkennung erbrachter Leistungen die wichtigsten Werkzeuge aller Erwachsenen, die sich um die Entwicklung und das Lernen unserer Kinder kümmern.
Die Schattenseiten der Begeisterung
Es ist bemerkenswert, dass wir Menschen in der Lage sind, unsere Lebenswelt so zu gestalten, dass genau das, was unser Leben so faszinierend und bezaubernd macht, kaum noch vorkommt. Verstehen lässt sich dieses sonderbare Phänomen nur dann, wenn man davon ausgeht, dass Begeisterung nicht immer vorteilhaft für uns ist, dass unsere Begeisterungsfähigkeit auch von anderen ausgenutzt werden kann, um uns dazu zu bringen, etwas zu tun, was wir ohne diese Begeisterung nicht zu tun bereit wären.
Schlussfolgerung
Die Hirnforschung hat uns wertvolle Einblicke in die Funktionsweise unseres Gehirns beim Lernen gegeben. Sie betont die Bedeutung von Emotionen, Begeisterung und individuellen Bedürfnissen. Indem wir diese Erkenntnisse in Bildungseinrichtungen und im Alltag anwenden, können wir Lernprozesse effektiver gestalten und die natürliche Neugier und Begeisterung für das Lernen wiederentdecken. Es liegt an uns, Rahmenbedingungen zu schaffen, in denen Kinder und Erwachsene ihre Potentiale entfalten und gemeinsam über sich hinauswachsen können. Nur so können wir sicherstellen, dass die Begeisterung am Entdecken und Gestalten auch in Zukunft der wichtigste Rohstoff unseres Landes bleibt.
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