Ursachen für schwache Beine beim Treppensteigen

Das Treppensteigen ist eine alltägliche Bewegung, die oft als selbstverständlich angesehen wird. Für manche Menschen, insbesondere Senioren oder Personen mit bestimmten Erkrankungen, kann es jedoch eine Herausforderung darstellen. Schwache Beine sind eine häufige Ursache dafür. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Ursachen für schwache Beine beim Treppensteigen und bietet Informationen zu Maßnahmen und Therapien zur Stärkung der Beinmuskulatur.

Mögliche Ursachen für schwache Beine

Es gibt vielfältige Ursachen für Muskelschwäche in den Beinen, die von altersbedingten Veränderungen bis hin zu spezifischen Erkrankungen reichen. Häufig treten mehrere Ursachen gleichzeitig auf.

  • Altersbedingte Veränderungen: Mit zunehmendem Alter kommt es natürlicherweise zu einer Abnahme der Muskelmasse und Muskelkraft, insbesondere in den Beinen. Die natürliche Rückbildung der Muskulatur beginnt bereits ab dem 30. Lebensjahr und setzt sich dann immer weiter fort, sodass manche Senioren mit 80 Jahren bereits bis zu 50 Prozent ihrer Muskelmasse abgebaut haben. Diesen Vorgang können Sie nicht aufhalten, jedoch verlangsamen.
  • Bewegungsmangel: Muskeln benötigen regelmäßige Bewegung, um stark und elastisch zu bleiben. Werden sie nicht ausreichend trainiert und gestärkt, kann es vor allem beim Treppensteigen zu Unsicherheiten durch Instabilität kommen. Langes Stehen, Sitzen oder Liegen kann ebenfalls dazu führen, dass die Muskelpumpen nicht ausreichend aktiviert werden.
  • Erkrankungen:
    • Periphere arterielle Verschlusskrankheit (PAVK): Bei der PAVK sind die Arterien, die die Beine mit Blut versorgen, verengt oder blockiert. Dies führt zu einer verminderten Blutzufuhr in den betroffenen Bereichen, was Schmerzen und andere Symptome verursacht, besonders bei körperlicher Belastung. Typische Beschwerden sind krampfartige Schmerzen in den Füßen, Waden oder Oberschenkeln, die bei Bewegung auftreten, insbesondere beim schnellen Gehen, Bergaufgehen und Treppensteigen.
    • Arthrose und Arthritis: Entzündliche Gelenkkrankheiten wie Arthrose und Arthritis betreffen häufig die Knie- und Hüftgelenke und verursachen Schmerzen und Einschränkungen bei Bewegungen.
    • Spinalkanalstenose: Bei der Spinalkanalstenose kommt es zu einer Einengung des Wirbelkanals, u. a. Instabilität bzw. Schwäche bzw. Es handelt sich leider um kein seltenes Phänomen. „Die Spinalkanalstenose beeinflusst oft nur das Hinabsteigen, selten jedoch das Hinaufgehen von Treppen. Denn die dabei jeweils unterschiedlichen Körperhaltungen lindern oder verschlimmern die Symptome der Wirbelkanalverengung.“
    • Bandscheibenvorfall: Das Treppensteigen bei einem Bandscheibenvorfall der Lendenwirbelsäule äußert sich häufig anhand ähnlicher Symptome wie die einer Spinalkanalstenose: Nervenschmerzen, die bis ins Bein ausstrahlen können, Schmerzen an den Muskeln, Rückenschmerzen und Kraftlosigkeit.
    • Muskelerkrankungen: Seltene Muskelerkrankungen, welche die proximalen Muskeln (die nahe am Rumpf gelegenen Muskeln) betreffen, können ebenfalls zu Muskelschwäche in Beinen und Hüfte führen. Eine Muskelerkrankung wie Muskeldystrophie Duchenne kann Schwäche in diesen Bereichen bereits ab dem Alter von drei Jahren hervorrufen. Andere Muskelerkrankungen führen jedoch erst deutlich später zu fortschreitender Muskelschwäche. Beispielsweise kann bei Morbus Pompe bereits sehr früh eine Schwäche vorliegen. Man bemerkt sie möglicherweise aber erst im Erwachsenenalter, weil sie sehr langsam fortschreitet.
    • Herz- oder Nierenschwäche: In einigen Fällen kann auch eine Herz- oder Nierenschwäche Ursache für schwere Beine und Schmerzen sein.
    • Lambert-Eaton-Myasthenie-Syndrom (LEMS): Eine seltene Erkrankung, die sich vor allem durch Schwäche in den Beinen (und Schultern) äußert. Es entsteht entweder durch eine bestimmte Form von Lungenkrebs oder durch eine Störung im Immunsystem.
  • Durchblutungsstörungen: Wenn die Durchblutung in den Beinen beeinträchtigt ist, erhalten die Muskeln nicht mehr genügend Sauerstoff und Nährstoffe, um richtig zu funktionieren. Bei Herzerkrankungen, PAVK und Blutarmut werden die Muskeln unter Umständen nicht mehr ausreichend durchblutet und somit schlechter mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt.
  • Psychische Faktoren: Muskelschwäche kann auch psychisch bedingt sein. Depressionen gehen häufig mit Antriebslosigkeit und einem Gefühl von Abgeschlagenheit einher. Viele Menschen mit Depressionen leiden zudem unter Schlafstörungen und sind auch deshalb dauerhaft müde und erschöpft.
  • Weitere Ursachen:
    • Infektionskrankheiten: Infektionskrankheiten wie die Grippe, HIV, pfeiffersches Drüsenfieber und Hepatitis C können die Leistungsfähigkeit der Muskeln vorübergehend einschränken.
    • Mangel an Nährstoffen: Anzeichen für einen Mangel an Nährstoffen (z. B.
    • Nebenwirkungen von Medikamenten oder Drogen: Relativ häufig tritt Muskelschwäche auch als Nebenwirkung bestimmter Medikamente oder Drogen auf. Statine,einige Antibiotika (z. B.
    • Erschöpfung: Wenn die Muskeln nicht so leistungsfähig sind wie gewohnt, ist häufig Erschöpfung der Grund - etwa durch ein intensives Training oder zu wenig Schlaf.

Auswirkungen von schwachen Beinen

Schwache Beine beim Treppensteigen können verschiedene Auswirkungen auf den Alltag haben:

  • Vorzeitige Ermüdung: Bei einer Muskelschwäche in den Beinen berichten Betroffene oft von einer schnellen Erschöpfung und einem Gefühl der Schwere in den Beinen.
  • Eingeschränkte Mobilität: Die Schwäche in den Beinen kann die allgemeine Bewegungsfähigkeit einschränken.
  • Soziale Isolation: Wenn ältere Menschen Schwierigkeiten haben, Hindernisse wie Stufen zu überwinden, erschwert das die Teilnahme an sozialen Aktivitäten.
  • Erhöhtes Sturzrisiko: Kraftlose Beine können zu einem erhöhten Sturzrisiko führen, insbesondere beim Treppensteigen.
  • Psychische Belastung: Wenn das Treppensteigen zunehmend schwieriger wird oder sogar Schmerzen verursacht, hat das nicht nur Einfluss auf die körperliche Gesundheit, sondern auch auf die psychische und emotionale Befindlichkeit.

Diagnose

Um die Ursache für schwache Beine beim Treppensteigen zu ermitteln, ist eine gründliche Diagnose erforderlich. Diese kann folgende Schritte umfassen:

  • Anamnese: Der Arzt erfragt die Krankengeschichte des Patienten, einschließlich der Art und Dauer der Beschwerden, Vorerkrankungen und eingenommenen Medikamente.
  • Körperliche Untersuchung: Der Arzt untersucht die Muskelkraft, die Reflexe, die Sensibilität und die Koordination des Patienten.
  • Knöchel-Arm-Index (ABI-Test): Dazu wird der systolische Blutdruck sowohl am Oberarm als auch am Unterschenkel gemessen. Der am Bein gemessene Druck wird durch den am Arm gemessenen Druck geteilt. Liegt der Wert unter 0,9, ist das ein Hinweis auf eine leichte PAVK. Ein Wert unter 0,5 deutet auf eine schwere PAVK hin.
  • Belastungstest: Sofern man dazu in der Lage ist, geht man auf einem Laufband. So wird gemessen, wie weit man schmerzfrei gehen kann. Danach wird nochmals der ABI-Wert bestimmt.
  • Untersuchung der Gefäße: Mithilfe eines speziellen Ultraschalls (Duplex-Sonografie) schaut die Ärztin oder der Arzt, wo genau und wie stark die Arterien verengt sind. Seltener werden auch andere bildgebende Verfahren wie eine Computer-Tomografie (CT) oder eine Magnetresonanz-Tomografie (MRT) eingesetzt.
  • Weitere Untersuchungen: Je nach Verdacht können weitere Untersuchungen erforderlich sein, wie z.B. Bluttests, neurologische Untersuchungen oder bildgebende Verfahren der Wirbelsäule.

Maßnahmen und Therapien zur Stärkung der Beinmuskulatur

Abhängig von der Ursache der Muskelschwäche gibt es verschiedene Maßnahmen und Therapien, die helfen können, die Beinmuskulatur zu stärken und das Treppensteigen zu erleichtern:

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  • Ärztliche Behandlung: Klären Sie zunächst die genaue Ursache der Muskelschwäche und holen Sie sich professionellen Rat ein. Ärztinnen und Ärzte können zum Beispiel Erkrankungen wie Arthrose oder Diabetes diagnostizieren, die häufig auch zu Muskelabbau in den Beinen führen.
  • Physiotherapie: Eine der effektivsten Methoden zur Behandlung von Muskelschwäche in den Beinen ist eine gezielte Physiotherapie. Ausgebildete Therapeutinnen und Therapeuten führen individuelle Übungen durch, um Ihre Beinmuskulatur zu stärken und die Koordination zu verbessern. In der Krankengymnastik erlernen Sie eine Vielzahl an Übungen, die Ihnen dabei helfen können, die Schmerzen und Beschwerden zu lindern.
  • Gezielte Übungen:
    • Wadenheben: Stellen Sie sich aufrecht hin, heben die Fersen so hoch wie möglich und senken diese langsam wieder ab.
    • Kniebeugen: Kniebeugen sind effektiv, wenn Sie beim Treppensteigen vor allem Schwäche im Oberschenkel bemerken.
    • Treppensteigen üben: Beginnen Sie mit wenigen Stufen und steigern Sie sich langsam.
  • Alltägliche Maßnahmen:
    • Regelmäßige Bewegung: Durch regelmäßige Bewegung Ihrer Beine stärken Sie Ihre Wadenmuskulatur und somit auch die Muskelpumpe, die den Blutrücktransport in Richtung Herzen unterstützt. Nehmen Sie daher statt der Rolltreppe oder des Aufzugs häufiger die Treppe und gehen Sie, wenn möglich, viel zu Fuß. Auch Positionswechsel bei längerem Stehen, Sitzen oder Liegen helfen gegen schwere Beine.
    • Gesunde Ernährung: Eine gesunde Ernährung spielt eine große Rolle beim Erhalt der Muskulatur in den Beinen. Muskeln brauchen Eiweiß, um zu wachsen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt täglich etwa 0,8 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht. Wer 70 Kilogramm wiegt, müsste demnach etwa 56 Gramm Eiweiß pro Tag zu sich nehmen.
    • Venengymnastik: Spezielle Übungen und Venengymnastik helfen gegen schwere Beine. Versuchen Sie daher einige Minuten am Tag für Dehnübungen oder Faszientraining einzuplanen. Häufig helfen bereits kleine Bewegungen, wie das Wackeln mit den Zehen und Füßen. Mit Faszienrollen fördern Sie die Durchblutung in den Beinen und regen so gezielt das Venensystem an. Gleichzeitig wirkt das Faszientraining entspannend und wohltuend.
    • Kompressionsstrümpfe: Auch Kompressionsstrümpfe unterstützen die Wadenmuskelpumpe. Die medizinischen Strümpfe liegen besonders eng an und üben dadurch einen stetigen Druck auf Ihr Bein und die darin liegenden Venen aus. Die Wirkung von Kompressionsstrümpfen entfaltet sich am besten, wenn Sie sich zusätzlich bewegen. Dann werden die ausgeleierten Venen im Bein zusammengedrückt und können so das Blut wieder besser zurück zum Herzen transportieren.
    • Kalte Duschen oder Güsse: Wenn Sie unter schweren Beinen leiden, helfen kalte Duschen oder Güsse. Durch das kalte Wasser verengen sich die Blutgefäße und die Venentätigkeit wird angeregt. Für einen wohltuenden kalten Guss richten Sie den Wasserstrahl zunächst auf Ihren Fuß und führen ihn dann langsam über die Außenseite des Beines bis zum Oberschenkel und über die Oberschenkelinnenseite wieder zurück zum Fuß.
    • Geeignetes Schuhwerk: Besonders Frauen, die häufig Schuhe mit Absatz tragen, leiden oft unter schweren Beinen. Forschende fanden dabei einen Zusammenhang zwischen High Heels und Venenschwäche heraus: Je höher der Schuhabsatz, desto schwächer wird die Muskelpumpe und desto weniger Blut kann von den Beinen zurück zum Herzen transportiert werden - es kommt zum Blutstau und die Beine werden schwer und schmerzen.
  • Weitere Tipps bei Spinalkanalstenose:
    • Nehmen Sie sich Zeit.
    • Verwenden Sie Handläufe.
    • Nehmen Sie kleine Schritte.
    • Planen Sie bei Bedarf Pausen ein.
    • Setzen Sie beim Hinaufsteigen erst den weniger schmerzenden Fuß auf.
    • Setzen Sie beim Hinuntergehen erst den schwächeren Fuß auf.
  • Hilfsmittel: Wenn das Treppensteigen aufgrund der schwachen Muskulatur zunehmend schwerfällt, kann ein Treppenlift Abhilfe schaffen. Ein Sitzlift stellt in Ihrem Alltag eine große Erleichterung dar, denn er sorgt auch im hohen Alter für ausreichend Mobilität und ist zudem eine wichtige Maßnahme zur Sturzprophylaxe. Ob im Innen- oder Außenbereich: In den meisten Fällen lässt sich ein Treppenlift problemlos installieren.

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