Bestrahlung des Rückenmarks: Nebenwirkungen, Behandlung und Prävention

Knochenmetastasen, die von einem Tumor außerhalb der Knochen stammen, weisen auf eine fortgeschrittene Erkrankung hin. Eine Heilung ist selten möglich, daher zielt die Behandlung darauf ab, Beschwerden zu lindern, die Stabilität der Knochen zu erhalten und die Lebensqualität zu verbessern. Die Strahlentherapie ist ein wichtiger Bestandteil der Behandlung von Knochenmetastasen. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die möglichen Nebenwirkungen der Rückenmarksbestrahlung, Behandlungsansätze und präventive Maßnahmen.

Einführung in die Strahlentherapie bei Knochenmetastasen

Die Strahlentherapie ist ein wichtiger Baustein in der Behandlung von Knochenmetastasen. Dabei werden die Metastasen gezielt bestrahlt, um Schmerzen zu lindern, Knochenbrüchen vorzubeugen und möglicherweise verbliebene Tumorzellen nach einer Operation zu zerstören. Es gibt verschiedene Arten der Strahlentherapie, darunter die perkutane Strahlentherapie (von außen) und die Radionuklidtherapie (von innen). Die Wahl der Therapie hängt von verschiedenen Faktoren ab, einschließlich der Art des Ursprungstumors, der Lage und Ausdehnung der Metastasen sowie dem allgemeinen Gesundheitszustand des Patienten.

Arten der Strahlentherapie bei Knochenmetastasen

Perkutane Strahlentherapie

Bei der perkutanen Strahlentherapie werden die Metastasen gezielt von außen "durch die Haut" bestrahlt. Diese Behandlung eignet sich besonders, wenn Knochenmetastasen in einem begrenzten Bereich des Körpers liegen. Sie kann helfen, Schmerzen zu lindern und Knochenbrüchen vorzubeugen. Nach einer Operation von Knochenmetastasen kann eine zusätzliche Strahlentherapie dazu beitragen, möglicherweise übrig gebliebene Tumorzellen zu zerstören. Die Strahlentherapie erfolgt ambulant und dauert in der Regel nur wenige Minuten. Meistens wird der Patient mehrmals an aufeinanderfolgenden Terminen bestrahlt (Fraktionierung), da durch die Bestrahlung immer nur ein Teil der Tumorzellen zerstört wird.

Radionuklidtherapie

Manchmal lassen sich Knochenmetastasen auch mit speziellen Medikamenten behandeln, die Radionuklide enthalten. Diese reichern sich in den Tumorzellen an und geben schwache radioaktive Strahlung in das naheliegende Tumorgewebe ab. Die Radionuklidtherapie eignet sich besonders für weit verteilte Knochenmetastasen, da sich die Radionuklide unabhängig von der Lage im Körper in den Tumorzellen anreichern. Damit sich die Radionuklide anreichern können, muss der Patient osteoblastische Knochenmetastasen haben, die vermehrt minderwertige Knochensubstanz aufbauen, in die sich Radionuklide einlagern können. Für manche Tumorarten gibt es zielgerichtete Medikamente, an die Radionuklide gekoppelt werden können. Diese Wirkstoffe docken gezielt an Tumorzellen an und transportieren die Radionuklide so zu den Metastasen.

Radiojodtherapie bei Schilddrüsenkrebs

Bei Patienten mit Schilddrüsenkrebs ist eine Radiojodtherapie möglich, vorausgesetzt, die Tumorzellen in den Knochenmetastasen speichern radioaktives Jod. Das radioaktive Jod reichert sich in den Tumorzellen an und bestrahlt diese gezielt.

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PSMA-gerichtete Therapie bei Prostatakrebs

Bei Patienten mit einem kastrationsresistenten Prostatakarzinom sind verschiedene Radionuklide für die Therapie zugelassen. Eine neuere Therapie ist die mit dem Radiopharmakon Lutetium-177-PSMA, das sich gegen das Prostata-spezifische Membran-Antigen (PSMA) richtet, das auf der Oberfläche der meisten Prostatatumorzellen vorkommt.

Mögliche Nebenwirkungen der Rückenmarksbestrahlung

Die Strahlentherapie kann, wie jede andere medizinische Behandlung, Nebenwirkungen verursachen. Die Art und Schwere der Nebenwirkungen hängen von verschiedenen Faktoren ab, einschließlich der Strahlendosis, der bestrahlten Körperregion, der individuellen Empfindlichkeit des Patienten und dem allgemeinen Gesundheitszustand. Es ist wichtig zu beachten, dass die meisten Nebenwirkungen vorübergehend sind und mit entsprechenden Maßnahmen behandelt werden können.

Akute Nebenwirkungen

Akute Nebenwirkungen treten während oder kurz nach der Strahlentherapie auf und sind in der Regel vorübergehend. Sie entstehen dadurch, dass oberflächliche Gewebeschichten der gesunden Organe, die nahe dem oder im Bestrahlungsfeld liegen, vorübergehend zerstört werden und sich aufgrund der Bestrahlung nur relativ langsam erholen können.

Einige häufige akute Nebenwirkungen der Rückenmarksbestrahlung sind:

  • Hautveränderungen: Die Haut im Bestrahlungsfeld kann gerötet, gereizt oder trocken werden. In einigen Fällen kann es zu Hautabschälungen oder Blasenbildung kommen.
  • Müdigkeit: Viele Patienten fühlen sich während und nach der Strahlentherapie müde und erschöpft.
  • Übelkeit und Erbrechen: Etwa 25 von 100 Patienten haben Übelkeit und Erbrechen als Nebenwirkung. Diese lassen sich jedoch durch Medikamente inzwischen gut behandeln.
  • Schmerzen: Manchmal nehmen Schmerzen nach der Strahlentherapie zunächst zu, bevor sie dann wieder nachlassen (Flare-Phänomen). Um dem entgegenzuwirken, können Steroide verschrieben werden.
  • Entzündung der Schleimhäute (Mukositis): Bei Bestrahlung im Kopf-Hals-Bereich kann es zu Entzündungen der Mund- und Rachenschleimhaut kommen, die Schmerzen beim Schlucken verursachen können.
  • Darmprobleme: Bei Bestrahlung im Bauchbereich kann es zu Durchfall, Bauchkrämpfen oder Übelkeit kommen.

Späte Nebenwirkungen

Späte Nebenwirkungen treten erst Monate oder Jahre nach der Strahlentherapie auf und sind in der Regel irreversibel. Sie sind mit wenigen Ausnahmen irreversibel und im Schweregrad fortschreitend. Daher erhöht sich mit der Verbesserung der Überlebensraten und der Verlängerung der Überlebenszeiten der Patienten die Zahl der Krebsüberlebenden mit einem Risiko für Spätfolgen.

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Einige mögliche späte Nebenwirkungen der Rückenmarksbestrahlung sind:

  • Fibrose: Die Bildung von Narbengewebe (Fibrose) im bestrahlten Bereich kann zu Bewegungseinschränkungen oder Schmerzen führen.
  • Myelopathie: Eine Schädigung des Rückenmarks (Myelopathie) kann zu neurologischen Problemen wie Muskelschwäche, Empfindungsstörungen oder Lähmungen führen.
  • Zweitkrebserkrankungen: In seltenen Fällen kann die Strahlentherapie das Risiko für die Entwicklung von Zweitkrebserkrankungen im bestrahlten Bereich erhöhen.
  • Herzprobleme: Bei Bestrahlung im Brustbereich kann es zu Herzproblemen wie Perikarditis oder Kardiomyopathie kommen.
  • Lungenprobleme: Bei Bestrahlung im Brustbereich kann es zu Lungenproblemen wie Fibrose oder Pneumonitis kommen.
  • Nierenprobleme: Bei Bestrahlung im Bauchbereich kann es zu Nierenproblemen wie Nephropathie kommen.
  • Hormonelle Störungen: Bei Bestrahlung im Kopfbereich kann es zu hormonellen Störungen kommen, die verschiedene Körperfunktionen beeinträchtigen können.
  • Kognitive Defizite: Bei Bestrahlung des Gehirns kann es zu kognitiven Defiziten wie Gedächtnisproblemen oder Konzentrationsschwierigkeiten kommen.

Seltene, aber schwerwiegende Nebenwirkungen

In seltenen Fällen kann die Rückenmarksbestrahlung zu schwerwiegenden Nebenwirkungen führen, die eine sofortige medizinische Behandlung erfordern. Dazu gehören:

  • Rückenmarkkompression: Eine Kompression des Rückenmarks kann zu plötzlichen Lähmungen oder anderen neurologischen Ausfällen führen.
  • Querschnittslähmung: In sehr seltenen Fällen kann die Rückenmarksbestrahlung zu einer Querschnittslähmung führen.
  • Radionekrose: Eine Radionekrose ist das Absterben von Gewebe aufgrund der Strahlentherapie. Sie kann im Gehirn, Rückenmark oder anderen Organen auftreten und schwerwiegende Komplikationen verursachen.

Behandlung von Nebenwirkungen

Die Behandlung von Nebenwirkungen der Rückenmarksbestrahlung hängt von der Art und Schwere der jeweiligen Nebenwirkung ab. Einige allgemeine Maßnahmen, die helfen können, Nebenwirkungen zu lindern, sind:

  • Schmerzlinderung: Schmerzmittel können helfen, Schmerzen zu lindern, die durch die Bestrahlung verursacht werden. Bei stärkeren Schmerzen können Opioide erforderlich sein.
  • Hautpflege: Die Haut im Bestrahlungsfeld sollte sauber und trocken gehalten werden. Vermeiden Sie enge Kleidung und reizende Substanzen. Spezielle Hautpflegeprodukte können helfen, die Haut zu beruhigen und zu befeuchten.
  • Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung ist wichtig, um den Körper während der Strahlentherapie zu unterstützen. Bei Übelkeit und Erbrechen können kleine, häufige Mahlzeiten und leicht verdauliche Speisen helfen.
  • Bewegung: Regelmäßige Bewegung kann helfen, Müdigkeit zu reduzieren und die körperliche Funktion zu erhalten.
  • Psychologische Unterstützung: Eine Krebserkrankung und die damit verbundene Behandlung können psychisch belastend sein. Psychologische Unterstützung kann helfen, mit Ängsten, Depressionen und anderen emotionalen Problemen umzugehen.

Medikamentöse Therapie

  • Steroide: Steroide können helfen, Entzündungen zu reduzieren und Schmerzen zu lindern, insbesondere bei einem Flare-Phänomen.
  • Antiemetika: Antiemetika können helfen, Übelkeit und Erbrechen zu verhindern oder zu lindern.
  • Antidiarrhoika: Antidiarrhoika können helfen, Durchfall zu reduzieren.
  • Schmerzmittel: Verschiedene Schmerzmittel können eingesetzt werden, von entzündungshemmenden Medikamenten bis hin zu Opioiden.
  • Bisphosphonate und Denosumab: Diese Medikamente hemmen den Knochenabbau und können helfen, Knochenbrüche zu verhindern.

Weitere Behandlungen

  • Physiotherapie: Physiotherapie kann helfen, die Beweglichkeit zu verbessern und Schmerzen zu lindern.
  • Ergotherapie: Ergotherapie kann helfen, alltägliche Aktivitäten trotz körperlicher Einschränkungen auszuführen.
  • Elektrotherapie: Elektrotherapie kann helfen, Schmerzen zu lindern und die Muskelkraft zu verbessern.
  • Bäder: Bäder können helfen, die Haut zu beruhigen und Entzündungen zu reduzieren.

Präventive Maßnahmen

Einige Maßnahmen können helfen, das Risiko von Nebenwirkungen der Rückenmarksbestrahlung zu reduzieren:

  • Präzise Bestrahlungsplanung: Eine sorgfältige Bestrahlungsplanung kann dazu beitragen, das gesunde Gewebe um den Tumor herum zu schonen. Moderne Techniken wie die intensitätsmodulierte Strahlentherapie (IMRT) und die bildgeführte Strahlentherapie (IGRT) ermöglichen eine präzisere Bestrahlung des Tumors.
  • Fraktionierung: Die Aufteilung der Strahlendosis in kleinere, tägliche Fraktionen kann dazu beitragen, das Risiko von Nebenwirkungen zu reduzieren.
  • Schutzmaßnahmen: Spezielle Schutzmaßnahmen können eingesetzt werden, um empfindliche Organe während der Bestrahlung zu schützen.
  • Regelmäßige Nachsorge: Regelmäßige Nachuntersuchungen sind wichtig, um mögliche Spätfolgen frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.
  • Bewegungstraining: Regelmäßiges Bewegungstraining, insbesondere der Finger- und Zehenfunktionen, kann helfen, Neuropathie vorzubeugen.
  • Kälte vermeiden: Patienten mit Problemen mit Kältereizen sollten sich nicht zu lange in kalten Räumen oder bei kaltem Wetter draußen aufhalten, ohne sich entsprechend zu schützen.
  • Für einen guten Stand sorgen: Um sich sicher fortzubewegen, sollten Vorkehrungen wie festes Schuhwerk oder eine Gehhilfe getroffen werden.
  • Verletzungen und Infektionen vorbeugen: Verletzungen, wie Schnittwunden oder Verbrennungen an Händen und Füßen werden später oder gar nicht wahrgenommen, wenn das Empfinden an diesen Stellen stark eingeschränkt ist.
  • Ohrgeräusche minimieren: Wer bei lauten Geräuschen an Tinnitus leidet, sollte laute Umgebungen meiden.

Weitere Therapieansätze

Neben der Strahlentherapie gibt es noch weitere Therapieansätze zur Behandlung von Knochenmetastasen, die je nach Art des Ursprungstumors und Ausdehnung der Metastasierung eingesetzt werden können:

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  • Operation: Chirurgische Eingriffe kommen dann in Frage, wenn Knochenbrüche drohen oder bereits vorhanden sind. Mithilfe von Schienen können instabile Knochen stabilisiert und Schmerzen gemindert werden. Das Entfernen von einzelnen Metastasen in der Wirbelsäule kann den Druck auf Nervenstränge und das Rückenmark verringern, um Schmerzen und möglichen Lähmungen entgegenzuwirken.
  • Chemotherapie: Eine Chemotherapie ist dann sinnvoll, wenn Metastasen von Krebsarten stammen, die nachweislich auf eine Chemotherapie ansprechen. Bei einer Chemotherapie werden Medikamente (Zytostatika) eingesetzt, die das Zellwachstum hemmen.
  • Antihormontherapie: Die Antihormontherapie wirkt vornehmlich auf Krebszellen, die hormonbedingt wachsen. Dazu gehören unter anderem Brustkrebs, Gebärmutterkörperkrebs oder der Prostatakrebs, da ihr Wachstum von Östrogen, Progesteron oder Testosteron abhängt.
  • Zielgerichtete Therapien: Für manche Tumorarten gibt es zielgerichtete Therapien, die spezifisch auf bestimmte Eigenschaften der Krebszellen abzielen.

Leben mit Knochenmetastasen

Knochenmetastasen deuten meist auf ein fortgeschrittenes Krebsstadium hin. Allerdings ist es für die Behandlung und die Prognose entscheidend, dass Knochenmetastasen so früh wie möglich erkannt werden. Aus diesem Grund ist neben der Früherkennung auch die Nachsorge elementar.

Sport und Bewegung

Bewegung kann auch bei Knochenmetastasen sinnvoll sein. Betroffene sollten jedoch darauf achten, dass sportliche Aktivitäten die Knochen nicht zusätzlich belasten. Auch das Sturzrisiko sollte möglichst gering sein. Sie sollten daher mit ihren behandelnden Ärztinnen und Ärzten klären, welche Bewegungsarten sinnvoll sind und ob sie eine fachliche Anleitung bei sportlichen Übungen brauchen.

Ernährung

Patientinnen und Patienten dürfen bei Knochenmetastasen meistens alles essen: Es gibt in der Regel keine besonderen Einschränkungen. Fachleute empfehlen insgesamt eine ausgewogene und gesunde Ernährung. Betroffene sollten außerdem darauf achten, dass sie einer Mangelernährung vorbeugen - beispielsweise, wenn sie durch die Erkrankung oder Therapien unter Appetitlosigkeit leiden.

Psychosoziale Unterstützung

Sind diese stark ausgeprägt, kann Betroffenen eine psychosoziale oder psychoonkologische Betreuung helfen. Hilfe und Unterstützung finden Betroffene zum Beispiel bei Krebsberatungsstellen, in spezialisierten psychotherapeutischen Praxen oder auch direkt in der behandelnden Klinik. Auch der Austausch mit anderen Patientinnen und Patienten kann helfen: Selbsthilfe-Gruppen bieten die Möglichkeit, Kontakt zu anderen Betroffenen zu knüpfen.

Komplementäre Medizin

Manche Patientinnen und Patienten möchten bei einer fortgeschrittenen Krebserkrankung zusätzlich Methoden oder Mittel aus der Komplementärmedizin anwenden - etwa um selbst aktiv werden zu können und nichts unversucht zu lassen. Oder um an Lebensqualität zu gewinnen und belastende Beschwerden lindern zu können.

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