Die Frage, ob sich das Gehirn im Kopf bewegt, mag zunächst überraschend klingen. Tatsächlich ist es so, dass das Gehirn nicht starr im Schädel fixiert ist, sondern eine gewisse Beweglichkeit aufweist. Diese Beweglichkeit ist jedoch subtil und dient vor allem dazu, das Gehirn vor Schäden durch äußere Einflüsse zu schützen und seine optimale Funktion zu gewährleisten.
Die natürliche Veränderung der Geisteskraft im Laufe des Lebens
Wie jedes andere Organ durchläuft auch das Gehirn im Laufe der Zeit Veränderungen. Nervenzellen leiten Signale nicht mehr so schnell weiter, was ein normaler physiologischer Prozess ist. Dies bedeutet jedoch nicht zwangsläufig einen geistigen Abbau. Das Gehirn ist bemerkenswert anpassungsfähig und kann Defizite kompensieren, insbesondere wenn es ausreichend gefordert wird. Ein älterer Mensch mag zwar nicht mehr so schnell denken wie ein junger Mensch, aber das bedeutet nicht, dass er weniger intelligent ist.
Die Bedeutung von Bewegung für die Gehirnfunktion
Bewegung ist nicht nur für die allgemeine Gesundheit wichtig, sondern hat auch einen erheblichen Einfluss auf die Leistungsfähigkeit des Gehirns.
Bewegung macht den Kopf frei und glücklich
Mentale Kapazität ist begrenzt, und Leistungen wie logisches Denken finden im präfrontalen Cortex statt, der Pausen benötigt, um Informationen zu verarbeiten und Energie zu tanken. Bewegung aktiviert den motorischen Cortex, die Steuerzentrale für Bewegung und Koordination, wodurch der präfrontale Cortex abschalten kann. Sport fördert die Durchblutung des Gehirns, wodurch es besser mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt wird. Dies führt zur Ausschüttung von Stoffen, die die Entstehung neuer Verknüpfungen im Gehirn fördern, was die Denkleistung stabilisiert und den Stress reduziert. Sport setzt Dopamin und Serotonin frei, die als Glückshormone gelten und Fokus, Konzentration und Zufriedenheit fördern.
Warum Sport am Morgen besonders wohltuend ist
Körperliche Bewegung am Morgen macht wach und sorgt durch die freigesetzten Hormone für ein Hochgefühl. Bereits 20 Minuten Bewegung können ausreichen, um den ganzen Tag positiv zu beeinflussen. Erfolgreiche Menschen nutzen oft den frühen Morgen für Sport, um mit einer positiven Einstellung in den Tag zu starten.
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Die Verbindung von Bewegung und motorischem Lernen
Die Kombination von körperlicher Bewegung mit motorischem Lernen ist ideal für das Gehirn. Studien haben gezeigt, dass beispielsweise Jonglieren das Gehirnvolumen erhöhen und die für die Wahrnehmung von bewegten Objekten zuständigen Bereiche verändern kann. Sportarten wie Tennis oder Badminton eignen sich ebenfalls gut, um diese Verbindung herzustellen.
Wie viel Sport ist ideal?
Das Bundesgesundheitsministerium empfiehlt 5 Mal pro Woche eine halbe Stunde moderate Bewegung, bei der sich Puls- und Atemfrequenz leicht erhöhen. Alternativ können 75 Minuten Ausdauersport pro Woche ausreichend sein. Die WHO rät Erwachsenen zu 150 Minuten aktiver Bewegung pro Woche, bei der Energie verbrannt wird. Die ideale Menge an Bewegung hängt von individuellen Voraussetzungen, Alter und bisherigem Sportpensum ab. Bei Unsicherheiten sollte ein Arzt konsultiert werden.
Mehr Bewegung im Alltag integrieren
Auch wenn keine Zeit für ausgiebigen Sport vorhanden ist, gibt es viele Möglichkeiten, mehr Bewegung in den Alltag einzubauen:
- Walk and Talk: Meetings im Gehen abhalten
- Immer wieder aufstehen: Alle 30 Minuten aufstehen, strecken und kurz spazieren gehen
- Stehend arbeiten: Stehschreibtische nutzen
- Mittagspause nutzen: Spaziergänge statt Kantinenessen
- Kollegen motivieren: Gemeinsame Sportkurse nach der Arbeit
- Zusammen laufen: Teilnahme an Business Runs
- Schritte zählen: Bewegung mit Smartphone oder Fitness-Watch tracken
- Alle Gelegenheiten nutzen: Zu Fuß oder mit dem Rad zur Arbeit, Treppen statt Aufzug
Auch kleine Bewegungseinheiten machen in der Summe einen Unterschied. Es ist besser, mit kleinen Einheiten zu beginnen und diese nach und nach zu steigern.
Die Geheimnisse der Bewegung: Forschung in Heidelberg und Paris
Die Forschung zur Bewegung des menschlichen Körpers ist noch immer rätselhaft. Intuitiv kreieren wir vielfältige Bewegungen, um im Alltag unsere Vorhaben zu verwirklichen. Wissenschaftler in Heidelberg und Paris arbeiten daran, die Prinzipien menschlicher Bewegung zu entschlüsseln.
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Motion Capture: Die Erfassung von Bewegung
Mit Hilfe der Bewegungserfassung ("motion capture") wollen Forscher den Prinzipien menschlicher Bewegung auf die Spur kommen. Laienschauspieler bekommen dutzende reflektierende Punkte auf den Körper geklebt und gehen in einem speziell präparierten Raum einige Schritte. Kameras erfassen die Bewegung der Punkte im Raum, wodurch ein Datensatz darüber entsteht, wie sich die Person bewegt hat.
Modellierung und Optimierung
Die Forscher entwickeln mathematische Modelle, an denen sie die Bewegung des Menschen simulieren. Modellierung bedeutet, den menschlichen Körper so weit zu vereinfachen, dass eine exakte mathematische Beschreibung möglich wird. In einem Optimierungsprozess wird diejenige Lösung herausgefischt, die für einen bestimmten Nutzen am besten geeignet ist.
Inverse Optimierung: Die Suche nach den zugrundeliegenden Prinzipien
Die inverse Optimierung ermöglicht es den Forschern, aus den Daten realer menschlicher Trajektorien auszurechnen, nach welchen Prinzipien die Bewegungen ausgeführt werden. So können sie den emotionalen Bewegungen auf die Schliche kommen.
Die Empfänglichkeit des Gehirns für Reize und Informationen
Unser Gehirn ist unterschiedlich empfänglich für neue Reize und Informationen. Manchmal wird ein Signal schnell und effektiv verarbeitet, während der gleiche Impuls wenig später weniger wirksam sein kann. Forscher der Universität Tübingen haben die zugrundeliegenden Hirnzustände in einer Studie aufgeschlüsselt.
Die Rolle von Hirn-Oszillationen
Die Stärke der EEG-Oszillationen beeinflusst die Weiterleitung von Signalen. Impulse werden besonders schnell weitergeleitet, wenn Hirn-Oszillationen mit bis zu etwa 17 Hertz relativ schwach ausgeprägt sind.
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Transkranielle Magnetstimulation (TMS)
Mit Hilfe der transkraniellen Magnetstimulation (TMS) konnten die Wissenschaftler nachweisen, dass neben der Stärke der EEG-Oszillationen besonders wichtig ist, in welcher Phase einer Welle der Impuls eintrifft. Bei "ruhiger See" werden die Signale bereits um 40 bis 70 Prozent besser weitergeleitet als bei "hohem Wellengang". Treffe der Impuls jedoch genau im aufsteigenden Schenkel einer Welle ein, steigere sich die Effektivität sogar um ca. 180 Prozent.
Beeinflussung der Hirn-Oszillationen
In einem zweiten Projekt beeinflussten die Forscher die Hirn-Oszillationen von Schlaganfall-Patienten so, dass der Wellengang vorhersehbarer wurde. Dazu brachten sie von außen über der Kopfhaut sehr schwachen Wechselstrom über den Hirnarealen an, die für Bewegung zuständig sind. So konnten sie im Gehirn die Schwankung der Hirnaktivität insgesamt bedeutend reduzieren.
Bewegungspausen und Gedächtnisleistung
Bewegungspausen helfen, Müdigkeit zu vertreiben und die Konzentrationsfähigkeit zu verbessern. Sport und das Erlernen neuer Bewegungen spielen eine wichtige Rolle für die Gedächtnisleistung.
Sport und Gedächtnis
Sport entlastet den präfrontalen Cortex, dessen Arbeitsspeicher überlastet ist. Durch die gesteigerte Durchblutung wird das Gehirn besser mit Sauerstoff versorgt. Sport ist mit der Ausschüttung von Nervenwachstumsfaktoren verbunden, die sich positiv auf den Hippocampus, die Gedächtniszentrale des Gehirns, auswirken.
Das Erlernen neuer Bewegungen
Das Erlernen neuer Bewegungen kann kognitive Verbesserungen erzielen. Studien haben gezeigt, dass sich die graue Substanz im Gehirn durch regelmäßiges Training verändern kann.
Neurozentriertes Training: Die Zusammenarbeit von Muskeln und Gehirn
Neurozentriertes Training berücksichtigt, dass der Körper Informationen benötigt, um die richtige Bewegung planen und ausführen zu können. Es werden Informationen über die Lage im Raum, die Position der Gelenke und des Kopfes an das Gehirn gesendet, wo ein Bewegungsplan erstellt wird.
Die Bedeutung vielfältiger Bewegung im Alltag
Vielfältige Bewegung im Alltag hält das Gleichgewichtssystem und die Augen fit und sorgt für viele Rückmeldungen aus der Umgebung. Wenn dieses tägliche Training fehlt, kann sich das Bewegungsverhalten verschlechtern.
Neurozentriertes Training bei Schmerzzuständen
Neurozentriertes Training kann bei Schmerzzuständen eingesetzt werden. Über gezielte Augenbewegungen kann ein Areal im Gehirn aktiviert werden, das nicht nur für das Beugen des Rückens zuständig ist, sondern auch vieler Gelenke. So kann über andere Wege an Schmerzen herangegangen werden.
Neurozentriertes Training für mehr Beweglichkeit im Alter
Neurozentriertes Training kann helfen, mehr Beweglichkeit zu erlangen und Stürze im Alter zu verhindern. Am Anfang steht immer eine Prüfung des Status quo. Dann wird probiert, über welchen Reiz die beste Verbesserung erzielt wird.
Kleine Aufgaben für den Körper im Alltag
Man kann dem Körper im Alltag einfach kleine Aufgaben stellen, ohne dass man sich eine Sporthose anziehen muss. Zum Beispiel das Fahrrad einfach mal auf der anderen Seite schieben oder auf die Leiter mit dem schwachen Fuß zuerst steigen.
Weitere positive Effekte von Bewegung
Bewegung tut auch dem Darm Gutes, indem sie den Blutdruck senkt und Blutzucker- und Cholesterinwerte positiv beeinflusst. Auch bei der Diagnose Parkinson kann Bewegung helfen, lange beweglich zu bleiben.
Das Gehirn: Die Steuerzentrale des Körpers
Das Gehirn ist die Steuerzentrale für lebenswichtige Abläufe im Körper. Es besteht aus verschiedenen Teilen und Milliarden von vernetzten Nervenzellen. Das Gehirn steuert alle wichtigen Fähigkeiten des Menschen: Wahrnehmung, Empfindung, Wissen, Denken und Verhalten. Es stellt sicher, dass unsere Organe richtig arbeiten und steuert all unsere Bewegungen.
Die verschiedenen Bereiche des Gehirns
Das Gehirn besteht aus verschiedenen Bereichen, die auf bestimmte Aufgaben spezialisiert sind:
- Hirnstamm: Verbindet das Gehirn mit dem Rückenmark und reguliert lebenswichtige Systeme wie Herzschlag, Atmung und Blutdruck.
- Zwischenhirn: Verantwortlich für überlebenswichtige Empfindungen und Instinkte wie Durst, Hunger und Schlaf.
- Limbisches System: Spielt eine wichtige Rolle bei Gefühlen und triebgesteuertem Verhalten.
- Kleinhirn: Wichtig für das Gleichgewicht und die Koordination.
- Großhirn: Ermöglicht die "höheren" Hirnfunktionen wie Motivation, Lernen, Denken oder Verstehen.
Vernetzung: Was macht unser Gehirn leistungsfähig?
Intelligenz hängt nicht so sehr von der Größe des Gehirns ab, sondern vielmehr davon, wie gut die einzelnen Nerven-Zellen und Gehirn-Bereiche miteinander vernetzt sind. Neue Kontakte zwischen Nerven-Zellen können sich über das gesamte Leben ausbilden.