In Deutschland erleiden jährlich etwa 10 bis 12 von 100.000 Einwohnern eine Hirnblutung. Dieser Artikel beleuchtet die Entstehung, Ursachen, Arten und Lokalisationen von Hirnblutungen und gibt Einblicke in die Überlebenschancen und die damit verbundene Statistik.
Was ist eine Hirnblutung?
Der Begriff Hirnblutung umfasst verschiedene Blutungen im Bereich des Gehirns, die entweder innerhalb der Hirnhäute (extrazerebral) oder im Gehirn selbst (intrazerebral) auftreten können. Im engeren Sinne bezieht sich der Begriff jedoch auf intrazerebrale Blutungen, die innerhalb des Hirnparenchyms stattfinden.
Im Gegensatz zum ischämischen Schlaganfall, bei dem neurologische Ausfälle durch eine Minderdurchblutung des Hirngewebes entstehen, wird bei einer Hirnblutung ein Blutgefäß im Schädelinneren verletzt oder platzt. Das austretende Blut schädigt das umliegende Hirngewebe durch Druck.
Ursachen und Risikofaktoren
Neben Bluthochdruck gibt es weitere Faktoren und Krankheiten, die das Risiko einer Hirnblutung erhöhen können. Dazu gehören der allgemeine Gesundheitszustand, das Alter, genetische Veranlagung und eine ungesunde Lebensweise.
Hirnblutungen können traumatisch bedingt sein, beispielsweise durch Unfälle oder Stürze, die zu einem Schädel-Hirn-Trauma (SHT) führen. Rund ein Viertel der SHT-Patienten sind Kinder unter 15 Jahren, wobei nicht jedes SHT zwangsläufig eine Hirnblutung verursacht.
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Auch ohne äußere Einwirkungen können Hirnblutungen entstehen, etwa durch arterielle Aussackungen (Aneurysmen), die plötzlich platzen. Eine solche Blutung tritt meist als Subarachnoidalblutung auf, deren klassisches Symptom ein Vernichtungskopfschmerz ist.
Arten von Hirnblutungen
Je nach Lokalisation des Blutergusses werden verschiedene Arten von Hirnblutungen unterschieden:
- Intrazerebral: Der Bluterguss ereignet sich direkt im Gehirn. Je nach Lokalisation können verschiedene neurologische Ausfallerscheinungen auftreten, bis hin zur Bewusstlosigkeit.
- Subdural: Die häufigste intrakranielle Blutung, die meist als Folge eines Unfalls unterhalb der Hirnhaut entsteht (akute Subduralblutung) und eine sofortige operative Entlastung erfordert. Chronische Subduralblutungen treten oft bei älteren Menschen nach Bagatelltraumata auf.
- Subarachnoidalblutung: Der Bluterguss entsteht zwischen den Blättern der Hirnhäute, meist durch ein geplatztes Aneurysma verursacht. Sie ist lebensbedrohlich und erfordert eine schnelle Diagnose und Behandlung.
- Epidural: Der Bluterguss befindet sich zwischen Hirnhaut und Schädelknochen und ist meist traumatisch bedingt, oft in Verbindung mit einem Schädelbruch.
Diagnose und Behandlung
Eine Hirnblutung wird nicht immer sofort erkannt. Bei Verdacht ist eine schnelle Abklärung (Diagnostik) und Behandlung entscheidend, um lebensbedrohliche Folgen zu vermeiden.
Die Diagnose erfolgt in der Regel durch bildgebende Verfahren wie Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT). Bei Verdacht auf eine Gefäßmissbildung kann eine CT-Angiographie durchgeführt werden, bei der die Hirngefäße mit Kontrastmittel dargestellt werden.
Je nach Blutungsort und Ausmaß kann ein operativer Eingriff erforderlich sein, um den Druck auf das Gehirn zu reduzieren und weitere Schäden zu verhindern. Bei Subarachnoidalblutungen mit Aneurysmaverdacht hat die weitere Diagnostik Vorrang.
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Die Operationstechnik variiert je nach Art und Lokalisation der Blutung. Bei älteren, verflüssigten Blutungen kann das Blut über ein Bohrloch abgespült werden. Frische Blutungen mit festen Blutgerinnseln erfordern das Aussägen eines Knochendeckels, um die Gerinnsel zu entfernen.
Schlaganfallstatistik in Deutschland
Der Schlaganfall, zu dem auch die Hirnblutung zählt, ist eine der häufigsten Todesursachen in Deutschland. Im Jahr 2022 starben 37.292 Menschen an einem Schlaganfall (20.747 Frauen und 16.545 Männer). Die altersstandardisierte Sterberate lag bei 36,9 pro 100.000 Personen.
Die Schlaganfall-Sterblichkeit steigt mit zunehmendem Alter deutlich an. In den letzten Jahrzehnten ist die Schlaganfall-Sterblichkeit jedoch gesunken, was auf den Rückgang wichtiger Risikofaktoren und Verbesserungen in der medizinischen Versorgung zurückzuführen ist. Regionale Unterschiede in der Schlaganfall-Sterblichkeit sind ebenfalls rückläufig.
Trotz dieser positiven Entwicklung gibt es weiterhin sozioökonomische Unterschiede in der Schlaganfall-Sterblichkeit. Zudem hat sich der Rückgang der Sterblichkeit in den letzten Jahren verlangsamt, was vor allem auf einen Anstieg von Risikofaktoren wie Diabetes und Versäumnisse in der Prävention zurückgeführt wird.
Überlebenschancen und Prognose
Die Überlebenschancen nach einer Hirnblutung hängen von verschiedenen Faktoren ab, darunter die Art und Lokalisation der Blutung, das Alter und der allgemeine Gesundheitszustand des Patienten sowie die Schnelligkeit der Diagnose und Behandlung.
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Eine Studie der FAU und der Universität Würzburg hat gezeigt, dass fast jeder zweite Patient innerhalb von fünf Jahren nach dem ersten Schlaganfall stirbt und jeder fünfte innerhalb von fünf Jahren einen erneuten Schlaganfall erleidet. Die Überlebenswahrscheinlichkeit unterscheidet sich jedoch je nach Ursache des Schlaganfalls.
Die Sterblichkeit von Patienten nach einem ersten Schlaganfall liegt bei 25 bis 30 Prozent, betrifft aber vor allem die Subgruppe der sehr schweren Schlaganfälle. Viele Patienten benötigen nach einer Hirnblutung eine langfristige Rehabilitation, um neurologische Störungen zu beheben und eine gewisse Eigenständigkeit wiederzuerlangen.
Risikofaktoren minimieren und vorbeugen
Um das Risiko einer Hirnblutung zu minimieren, ist es wichtig, die beeinflussbaren Risikofaktoren zu reduzieren. Dazu gehören:
- Bluthochdruck: Ein dauerhaft erhöhter Blutdruck sollte behandelt werden.
- Diabetes: Eine gute Blutzuckereinstellung ist wichtig.
- Herzrhythmusstörungen: Vorhofflimmern sollte behandelt werden, um die Bildung von Blutgerinnseln zu verhindern.
- Ungesunde Lebensweise: Rauchen, Bewegungsmangel, Übergewicht und Fettstoffwechselstörungen sollten vermieden werden.
- Alkohol: Nur in sehr geringen Mengen konsumieren.
Eine gesunde Ernährung mit viel Gemüse, wenig Fleisch und wenig Alkohol sowie ausreichend Bewegung sind wichtige Maßnahmen zur Vorbeugung von Hirnblutungen. Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen und die Einhaltung ärztlicher Empfehlungen können ebenfalls dazu beitragen, das Risiko zu senken.
Leben nach einer Hirnblutung
Die Folgen einer Hirnblutung können vielfältig sein und hängen von der Art und dem Ausmaß der Schädigung ab. Häufige Beeinträchtigungen sind Lähmungen, Sprachstörungen, Sensibilitätsstörungen, Sehstörungen und kognitive Einschränkungen.
Viele Betroffene benötigen nach einer Hirnblutung eine umfassende Rehabilitation, um ihre Fähigkeiten wiederzuerlangen und ihren Alltag selbstständig bewältigen zu können. Eine psychosoziale Betreuung und Beratung ist für die Betroffenen und ihre Angehörigen ebenfalls wichtig.
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