Der Begriff "Schwarzgebrannter" weckt Bilder von geheimen Destillen, nächtlichen Aktionen und einer langen Tradition des Widerstands gegen staatliche Regulierungen. Doch was genau verbirgt sich hinter diesem Begriff? Dieser Artikel beleuchtet die Definition von Schwarzgebranntem, seine historische Entwicklung in verschiedenen Ländern und seine moderne Renaissance als Trendgetränk. Dabei wird sowohl auf die Herstellung, die Risiken und die kulturelle Bedeutung eingegangen.
Was ist Schwarzgebrannter? Eine Definition
Gemeinhin werden illegal erzeugte Spirituosen als Schwarzbrände bezeichnet. Generell bezeichnet man die illegale, heimliche Herstellung von alkoholischen Destillaten (Spirituosen) als “Schwarzbrennerei”. Dabei wird zwischen nicht gemeldeten Destillen und nicht versteuerten Bränden aus angemeldeten Anlagen unterschieden. Das Erstere wird als Geheimbrennerei bezeichnet, das Zweite als Schwarzbrennerei. Ein “Schwarzbrenner” besitzt eine offiziell gemeldete Brennerei bzw. Destille, darf Schnaps brennen, produziert aber mehr, als erlaubt bzw. tritt für den schwarz gebrannten Alkohol keine Steuern ab. Bei einem “Geheimbrenner” findet im Prinzip alles im Verborgenen statt. Er nutzt eine nicht gemeldete und damit illegale Destille.
Der Begriff "Moonshine" geht auf die amerikanische Prohibition zurück und bezeichnet illegal (vermeintlich in der Nacht bei Mondschein) gebrannten Alkohol. Der Begriff ist (anders als zum Beispiel Scotch oder Bourbon) nicht geschützt und nicht mit besonderen Herstellungsmethoden verknüpft.
Historische Wurzeln des Schwarzbrennens
Die Geschichte des Schwarzbrennens ist eng mit der Besteuerung von Alkohol und dem Wunsch nach Unabhängigkeit verbunden. Mit der Erhebung von Branntweinsteuer, der Spirituosen verteuert, um die Bevölkerung vor Alkoholmissbrauch zu schützen, wurde die heimliche Herstellung von Bränden zunehmend lukrativer.
Schwarzbrennen in den USA: Moonshine und die Prohibition
Die Bezeichnung Moonshine geht auf die us-amerikanische Prohibition von Alkohol zurück. Während der US-amerikanischen Prohibition wurde vor allen Dingen im ländlichen Raum kräftig weiter destilliert. Über Schmuggler kam der Schwarzgebrannte auch in die Städte, wo er in geheimen Bars (sogenannten Speakeasys) ausgeschenkt wurde. Um den Moonshine abzufüllen wurden als Tarnung Mason Jars (eine Art Marmeladen-Glas) verwendet, die in den USA weit verbreitet waren.
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Von 1920 bis 1933 verbot der 18. Verfassungszusatz in den USA die Herstellung, den Transport und den Verkauf von Alkohol. Dieses umfassende Verbot, das weit über einfache gesetzliche Regelungen hinausging, zielte darauf ab, die Gesundheit der Bürger zu fördern und häusliche Gewalt zu reduzieren. Doch die Auswirkungen waren gegenteilig: Der Alkoholkonsum stieg, und schon beherrschten bald Mafiaorganisationen den Schwarzmarkt. Moonshiner und Schmuggler profitierten, obwohl das Risiko der Entdeckung stieg.
Sogenannte Moonshiner, also Geheimbrenner, die nachts arbeiteten, um den Prohibitionsagenten zu entgehen, waren oft genug nicht mit den Grundlagen der Erzeugung von Spirituosen vertraut. Sie stammten meist aus der Unterschicht und sorgten mit ihrem Schattengewerbe für ein Nebeneinkommen.
Schwarzbrennen in Schottland und Irland: Widerstand gegen die Steuer
Nachweislich wurde in Schottland seit 1494 Whisky gebrannt. Der Name zeigt an, dass es sich damals um ein Heilmittel handelte, Whisky bedeutet in etwa »Wasser des Lebens«. Es dauerte aber nicht lange, und das Getränk wurde auch zu anderen Zwecken genutzt. In Folge entstanden etliche illegale Destillen, die unter Missachtung der Gesetzeslage das zunehmend beliebte Destillat herstellten.
Im 18. Jahrhundert wurde die illegale Herstellung von selbstgebranntem Whisky durch die erlassenen Steuergesetze lukrativ. Die oft arme Landbevölkerung verkaufte die Brände, um die Mieten für ihre Höfe zahlen zu können. Die Regierung, die selbst auf die Steuereinnahmen angewiesen war, forcierte die Kontrolle und stellte dazu zahlreiche Steuereintreiber ein. Bedingt durch die schwer zugängliche Landschaft hatten die Behörden es schwer, die zahlreichen Schwarzbrennereien aufzudecken. Es wurden Agenten eingesetzt, die in der Bevölkerung unbeliebt waren.
Auch in Irland entwickelte sich eine lange Tradition des Schwarzbrennens, bekannt als "Poitín". Der Name bedeutet so viel wie »Töpfchen« und weist darauf hin, dass er in kleinen Destillen hergestellt wird. Seit 1760 ist die private Herstellung verboten, was aber nicht dazu führte, dass der beliebte Brand nicht mehr destilliert wurde. Ganz im Gegenteil entwickelte sich eine Kultur im Untergrund, die den selbstgebrannten Whisky weiter brannte. Der Grund liegt wohl im Freiheitsdrang der Iren und in dem Wunsch nach Selbstbestimmung.
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Schwarzbrennen in Deutschland: Rübenbrand und ungewöhnliche Kooperationen
Schon früh wurde die häusliche Produktion von Branntwein durch das Brennrecht eingeschränkt. Seit 1922 ist die Herstellung im Branntweinmonopolgesetz geregelt, das 2018 in das Alkoholsteuergesetz überging. Ähnlich den amerikanischen Moonshinern entwickelte sich, durch die Besteuerung ausgelöst, eine Schattenkultur aus ambitionierten Brennern.
Legendär ist im deutschen Sprachraum die Herstellung von Rübenbrand, der im Rheinland »Drei Sterne Knolly-Brandy« genannt wird. Dieser meist nur einfach gebrannte Schnaps verlangt sowohl dem Produzenten als auch dem Genießer viel ab. Der Geruch beim Vergären der Rüben ist entsetzlich und der Geschmack des Destillats mehr als nur gewöhnungsbedürftig.
Auch ungewöhnliche Kooperationen zwischen Brennern und Polizei gab es gelegentlich, besonders im ländlichen Raum. Darum einigte sich ein Eifeldorf darauf, dass an einem bestimmten Wochentag keine Schutzmänner den Ort betraten. An diesem Tag wurden dann von allen aktiven Landwirten die vergorenen Rüben destilliert. Das roch bestialisch und wäre darum ein eindeutiges Indiz für die verbotene Tätigkeit gewesen.
Schwarzbrennen in Polen: Bimber und die Tradition Podlachiens
Vom “Urwaldgeist”, durch die “Tränen des Ortsvorsteher” bis hin zum “Moonshine” - das kulinarische Produkt, das nicht nur in Podlachien äußerst beliebt ist, hat viele Namen. Welche Rolle spielt es in der regionalen Kultur? Wann hat man auf dem polnischen Landgebiet mit dem Schwarzbrennen begonnen, und schließlich, was hat dieser Trunk an sich, dass er sich trotz all den Jahren immer noch eines hohen Interesses erfreut? Podlachien ist seit Jahren für die Herstellung vom Selbstgebrannten bekannt und nicht ohne Grund gilt die Region, als die inoffizielle Hauptstadt dieses Trunks.
Die Herstellung von Selbstgebrannten ohne entsprechende Genehmigung ist offiziell illegal und strafbar. Den gefassten Schwarzbrennern drohen Bußgelder sowie eine Strafe von bis zu 2 Jahren Freiheitsentzug.
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Der “Urwaldgeist”, der aus dem reinen Quellwasser gebrannt wird und zusammen mit einer sauren Gurke, Speck und hausgemachtem Brot serviert wird, ist ein sehr interessantes kulinarisches Erlebnis. “Bimber ist ein Wodka, der außerhalb der staatlichen Kontrolle, heimlich und anhand eigener Rezeptur gebrannt wird. In der Regel wird er nur einmal destilliert. Rechtlich gesehen kann man den Bimber als einen Wodka definieren, der keiner Kontrolle unterzogen wird.
Es ist schon fast unglaublich, aus welchen Zutaten die Schwarzbrenner den schwarzgebrannten Schnaps herstellen können. Wasser, Zucker und Hefe sind ausreichend. Im Laufe der Jahre sind natürlich viele Rezepturen entstanden, die dank dem errungenen Wissen und Erfahrungen dann modifiziert wurden.
Die Ausstellung zu der heimlichen Schwarzbrennerei in Nordostpolen ist nicht die einzige im Museum der Volkskultur Podlachiens. Im Freilichtmuseum unweit von Białystok/Bjelostock werden rund 60 Objekte aus der Holzarchitektur aus der ganzen Woiwodschaft auf einem Gelände, das fast 20 Hektar umfasst, dargestellt. Es gibt auch viele andere interessante Ausstellungen. Im Zentrum der Ökologischen Bildung kann man wiederum Raubvögel, wie etwa Falken, Eulen oder Habichte bewundern.
Schwarzbrennen in Afrika: Kumi Kumi, Lotoko und Waragi
Kumi Kumi, Lotoko oder Waragi - all diese Namen stehen für illegale alkoholische Getränke, die in Kenia, der Demokratischen Republik Kongo und Uganda hergestellt werden. Trotzdem kommt es immer wieder zu oft tödlichen Zwischenfällen mit gepanschtem - also mit Methanol versetztem - Alkohol.
Die Gefahren der illegalen Herstellung
Die illegale Herstellung von Spirituosen ist nicht ungefährlich. Bei unsachgemäßer Ausführung kann es zu bösen Überraschungen kommen. Die erste Gefährdung geht von der Brennblase selbst aus. Diese kann überkochen oder platzen, beides geschieht von Zeit zu Zeit bei einfachen Geräten immer noch.
Bei der Vergärung von Zucker oder Stärke entsteht neben Ethanol (Ethylalkohol) auch Methanol (Methylalkohol), der giftig ist. Wird dieser Alkohol nun aus Unkenntnis, oder um den Profit zu erhöhen, beim Brennen nicht vom Hauptbrand getrennt, ist das Destillat giftig.
Nicht unerheblich ist auch die dritte große Gefahr, nämlich die Entdeckung der Destille durch Agenten bzw. Polizei. Als Folge wird die illegale Anlage konfisziert und ein Disziplinarverfahren eingeleitet.
Methanol: Die unsichtbare Gefahr
Methanol entsteht als Nebenprodukt bei der Herstellung von Trinkalkohol. Während des Destillierungsprozesses verdampft und kondensiert Methanol vor Ethanol. Deshalb sollte dieses erste Destillat unbedingt ausgesondert werden, um zu verhindern, dass das spätere Endprodukt mit Methanol verunreinigt ist.
"Methanol an sich, wenn es völlig unverändert in ihrem Körper bliebe, wäre gar nicht schlimm", sagt Dr. Carsten Schleh, Toxikologe und Autor des Buches "Vorsicht, da steckt Gift drin!". Das Enzym Alkoholdehydrogenase ist für den Abbau von Ethanol zuständig, baut aber auch Methanol ab, wenn es sich im Körper befindet. So wird aus dem Methanol erst Formaldehyd und dann Ameisensäure. "Die Ameisensäure greift den Sehnerv an und kann zu Erblindung führen.
Sicherheitsmaßnahmen und gesetzliche Grenzwerte
Der Gesetzgeber hat wegen der Toxizität des Methanols EU-weit rohstoffabhängige Grenzwerte festgelegt. Für Brand aus Williams-Christ-Birnen ist beispielsweise der bei Früchten höchste Methanolgehalt von 1.350 g/hl reiner Alkohol (r. A.), entsprechend 1,7 % vol Methanol bezogen auf r. A. zulässig. Für Wodka dagegen beträgt der Methanolhöchstgehalt rohstoffbedingt lediglich 10 g/hl r. A., entsprechend 0,01 % vol Methanol, bezogen auf r. A.
Lediglich durch prophylaktische Maßnahmen wie beispielsweise die Auswahl geeigneter Enzyme, kurze Maischestandzeiten sowie durch den Zusatz eines Saftanteils zur Fruchtmaische kann der Hersteller erhöhte Methanolgehalte im Obstbrand vermeiden.
Moderne Interpretationen von Moonshine
Auch weit nach der Aufhebung der Prohibition in den USA wird Moonshine weiter hergestellt und vermarktet. Das raue und illegale Image machen die Spirituose interessant. Im deutschsprachigen Raum ist zum Beispiel O’Donnell Moonshine eine bekannte Moonshine-Marke. Andere Anbieter sind Midnight und Appalachian Moonshine.
Mittlerweile sind »Moonshiner« auch in Deutschland auf dem Vormarsch und finden ihren Weg immer öfters auf Partys oder als ganz besonderes Highlight oder Mitbringsel für eines schönen Abend unter Freunden. Und das zu recht, denn geschmacklich wie auch von der Aufmachung und der Hintergrundstory sind »Moonshiner« schon etwas ganz Besonderes.
Darüber hinaus hat moderner Moonshine jedoch wenig mit seinem historischen Vorbild gemeinsam. Zwar wird auch heutiger Moonshine überwiegend aus Getreiden destilliert, peppige Geschacksrichtungen wie Apple Pie oder Wild Berries wurden früher jedoch mit Sicherheit nicht hergestellt. Auch die Herstellungsvolumina (aber auch die Qualität) sind bei den modern vermarkteten Produkten wegen der besseren Produktionsbedingungen deutlich höher.
O’Donnell Moonshine: Eine deutsche Erfolgsgeschichte
Philip Morsink: Das auffälligste ist natürlich die Abfüllung in Einmachgläser, abgesehen davon kann Moonshine alles sein, da es lediglich ein Begriff für schwarzgebrannten ist. Schnaps in Einmachgläsern, zusammen mit einer guten Geschichte verpackt, wie es mit der »O’Donnell-Story« ist, ist schon eine klasse Kombination und Marketingidee.
Für wen ist der »O’Donnell Moonshiner« das richtige Getränk und wie genießt man ihn am besten? Am besten pur auf Eis! Neben »Original« gibt es euren »Moonshiner« auch in den Geschmacksrichtungen »Harte Nuss«, »Bratapfel« und »Bitter Rose«.
Appalachian Moonshine: Traditionelle Herstellung in den USA
Unser Appalachian Moonshine ist ein junger, ungereifter Whiskey auf Maisbasis mit einer leichten, milden Süße, der durch die Zugabe ausgewählter Früchte und Gewürze die unterschiedlichsten Geschmacksrichtungen möglich macht.
Der Gründer und Inhaber der Appalachian Distillery ist Dwayne Freeman - ein Experte auf diesem Gebiet, wie es sie wohl nur wenige gibt. Denn schon im Alter von zehn Jahren brannte er, zusammen mit seinem Vater und Großvater, in den Wäldern der Appalachen den „Moonshine“, den schwarzgebrannten Whiskey.
In dem knapp 1.000 m2 großen Familienunternehmen erzeugt man aber den Moonshine noch so, wie es traditionell überliefert ist. Die Destille ist damit eine von nur drei authentischen Moonshine- Distilleries in den USA, die jungen Whiskey produziert. Vom Anfang bis zum Ende, von der Maisernte bis zur Abfüllung, ist alles garantiert hand- und selbstgemacht. Sämtliche benötigten Zutaten kommen aus der unmittelbaren Region. Auf künstliche Aromastoffe und Zusätze wird natürlich verzichtet. Das Ergebnis ist ein einzigartiger und vorzüglicher Geschmack.
Der Schwarzgebrannte als Kräuterlikör: Eine besondere Variante
Der Schwarzgebrannter ist ein traditionsreicher Kräuterlikör aus der Altenburger Destillerie & Liqueurfabrik GmbH. Seit 1832 überzeugt er mit einer Rezeptur aus 47 ausgewählten Kräutern und wird nach überliefertem Originalrezept hergestellt. Mit einem Alkoholgehalt von 33 % vol. Die Herstellung erfolgt nach alten Verfahren in der sächsisch-thüringischen Stadt Altenburg. In aufwendigen Schritten werden die Kräuter in Alkohol mazeriert, um ihre Aromen schonend zu extrahieren.
Der Geschmack des Schwarzgebrannter ist komplex, intensiv und vielschichtig. Würzige, erdige Noten treffen auf eine feine Bitterkeit und dezente Süße. Ob klassisch pur, als Begleiter nach dem Essen oder in Mixgetränken - der Schwarzgebrannter passt zu verschiedensten Anlässen. Besonders beliebt ist er in Kombination mit Espresso oder in Cocktail-Variationen mit Ananassaft, Rum oder Schokoladenschnaps.
Der Schwarzgebrannter ist mehr als ein Likör - er ist ein Ausdruck von Handwerkskunst und kultureller Verbundenheit. Ideal für Kenner und Genießer, eignet er sich auch hervorragend als Geschenk. Mit jeder Flasche schenkt man ein Stück Altenburger Geschichte und ehrliche Destillierkunst.