Die Lyme-Borreliose, auch Lyme-Krankheit genannt, ist die häufigste von Zecken übertragene Krankheit in Europa. Jährlich erkranken in Deutschland zwischen 60.000 und über 200.000 Menschen. In etwa drei von 100 Fällen befallen die Bakterien im Verlauf der Erkrankung auch die Nerven und lösen eine Neuroborreliose aus. Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) hat eine S3-Leitlinie Neuroborreliose veröffentlicht, die den aktuellen Stand der wissenschaftlichen Medizin wiedergibt.
Was ist Neuroborreliose?
Die Neuroborreliose ist eine Verlaufsform der Lyme-Borreliose, bei der Borrelien-Bakterien das Hirn oder die Nervenbahnen befallen. Borrelien gelangen über den Stich einer Zecke in den Körper. Eine Ansteckung oder Übertragung von Mensch zu Mensch ist nicht möglich. Neuroborreliose tritt gehäuft im Juli und August auf.
Symptome der Neuroborreliose
Die Symptome einer Neuroborreliose können vielfältig sein und sich in frühen und späten Stadien der Erkrankung unterscheiden.
Frühe Neuroborreliose
Typische Symptome der frühen Neuroborreliose sind:
- Nächtlich betonte, brennende und stechende Schmerzen, die häufig gürtelförmig verteilt sind und schlecht auf Schmerzmittel ansprechen.
- Lähmungen, vor allem der Gesichtsnerven, der Arme und Beine. Bei Kindern äußert sich die Neuroborreliose am häufigsten in einer Gesichtsnervenlähmung oder Hirnhautentzündung (Meningitis).
- Hirnhautentzündung (Meningitis), die mit starken Kopfschmerzen verbunden ist.
Späte Neuroborreliose
In seltenen Fällen kann es zu einer späten Neuro-Borreliose kommen, die erst Monate, manchmal auch erst Jahre, nach dem Zeckenstich entsteht. Mögliche Symptome sind:
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- Chronische Gelenkentzündungen (Lyme-Arthritis)
- Entzündung des Herzens (Lyme-Karditis)
- Taubheitsgefühl, Seh- oder Hörstörungen
- Lähmungen des Rumpfes, der Arme oder der Beine
- Kribbeln und Lähmungen
Diagnose der Neuroborreliose
Die Diagnose der Neuroborreliose basiert auf verschiedenen Faktoren:
- Symptome: Vorliegen typischer Symptome in Verbindung mit einem Zeckenstich.
- Entzündliche Veränderungen im Nervenwasser: Erhöhte Anzahl an weißen Blutkörperchen sowie eine Erhöhung des Gesamteiweißes.
- Antikörpernachweis: Nachweis von Borrelien-Antikörpern im Blut und in der Gehirn-/Rückenmarksflüssigkeit (Nervenwasser oder Liquor).
- Direkter Erreger-Nachweis: In Ausnahmefällen kann der Erreger direkt im Nervenwasser nachgewiesen werden (mittels Kultur oder PCR).
- CXCL13-Messung: In Einzelfällen kann die Messung des CXCL13-Spiegels im Nervenwasser die Diagnose unterstützen.
- MRT: In bestimmten Fällen kann eine Magnetresonanztomografie (MRT) durchgeführt werden, um Hinweise auf eine Neuroborreliose zu finden.
Behandlung der Neuroborreliose
Die Neuroborreliose wird mit Antibiotika behandelt. Zur Verfügung stehen folgende Antibiotika:
- Doxycyclin (als Tablette)
- Ceftriaxon (als Infusion)
- Cefotaxim (als Infusion)
- Penicillin G (als Infusion)
Die Dauer der Antibiotikatherapie richtet sich danach, ob eine frühe oder späte Neuroborreliose vorliegt: Bei früher Neuroborreliose werden die Antibiotika im Regelfall über 14 Tage gegeben, bei später Neuroborreliose meist 14 bis 21 Tage lang.
Die Antibiotikabehandlung sollte mit Doxycyclin oder Penizillin G oder Ceftriaxon oder Cefotaxim erfolgen. „Diese Substanzen sind bei gleicher Verträglichkeit gleich gut wirksam gegen Borrelien“, so Rauer. „Über die Wirksamkeit von anderen Substanzen oder Antibiotika-Kombinationsbehandlungen liegen zu wenig auswertbare Studiendaten vor.“ Die Leitlinie betont, dass eine medikamentöse Therapiedauer von 14 Tagen bei früher und von 14 bis 21 Tagen bei später Neuroborreliose im Regelfall ausreichend ist. „Eine längere Behandlung bringt keinen Mehrwert, sondern setzt die Patienten einem unnötigen Risiko von schweren Nebenwirkungen aus. Wenn die Antibiotika nach zwei bis drei Wochen nicht anschlagen, bringen auch weitere Wochen oder gar Monate nichts.“
Spätfolgen der Neuroborreliose
Eine Neuroborreliose ist gut behandelbar und heilt in den meisten Fällen vollständig aus. Nur wenige Patienten berichten noch Jahre nach der Therapie von bestehenden Symptomen. Diese sind jedoch nur mild und beeinträchtigen in der Regel den Alltag nicht.
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Bestehen nach einer behandelten Neuroborreliose auch Monate und Jahre Beschwerden, sprechen Ärzte von einem "Post-Lyme-Disease-Syndrome" oder "Post Treatment Lyme Disease Syndrome" (PTLDS), manchmal auch "(Post-)Lyme-Enzephalopathie" oder unspezifisch "Chronische Lyme-Borreliose". Dabei werden unspezifische chronische Beschwerden wie anhaltende Müdigkeit, Antriebslosigkeit und Konzentrationsschwäche in Verbindung mit einer früheren Borreliose-Infektion gebracht - ohne dass sich ein entzündlich-infektiöser Prozess labordiagnostisch nachweisen lässt.
Post-Lyme-Disease-Syndrom
Beim Post-Lyme-Disease-Syndrom werden unspezifische chronische Beschwerden wie anhaltende Müdigkeit, Antriebslosigkeit und Konzentrationsschwäche in Verbindung mit einer früheren Borreliose-Infektion gebracht - ohne dass sich ein entzündlich-infektiöser Prozess labordiagnostisch nachweisen lässt. Deshalb sollte man hier zuerst an andere Krankheitsbilder denken wie zum Beispiel an eine andere chronische Infektion, eine Autoimmunerkrankung oder eine Depression. Eine Antibiotika-Therapie ist bei einem Post-Borreliose-Syndrom nicht sinnvoll.
Prävention der Borreliose
Da es keine Impfung gegen Borreliose gibt, ist der beste Schutz die Vermeidung von Zeckenstichen:
- Lange Hosen und Oberbekleidung mit langen Ärmeln tragen.
- Geschlossene und feste Schuhe tragen (Hose in die Strümpfe stecken).
- Nach Möglichkeit helle Kleidung wählen, auf der Zecken besser zu sehen sind.
- Nach dem Ausflug in die Natur Kleidung direkt wechseln und den Körper gründlich nach Zecken absuchen, vor allem in Hautfalten, etwa unter den Achseln.
- Kleidung und Schuhe mit Anti-Zecken-Mitteln behandeln oder speziell vorbehandelte Kleidung nutzen.
Fazit
Die Neuroborreliose ist eine ernstzunehmende Erkrankung, die jedoch bei frühzeitiger Diagnose und Behandlung in der Regel gut heilbar ist. Spätfolgen sind selten. Wichtig ist, Zeckenstiche zu vermeiden und bei Verdacht auf eine Borreliose einen Arzt aufzusuchen. Die DGN-Leitlinie Neuroborreliose bietet Ärzten und Patienten eine wertvolle Orientierungshilfe für die Diagnose und Behandlung der Erkrankung.
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