Die psychiatrische und neurologische Versorgung in Bosnien und Herzegowina ist ein komplexes System, das sich in den Nachkriegsjahren erheblich weiterentwickelt hat. Dieser Artikel beleuchtet verschiedene Aspekte dieses Systems, von der transkulturellen Psychiatrie bis hin zur Rehabilitation und Motivation von Patienten.
Transkulturelle Psychiatrie in Bosnien und Herzegowina
Die transkulturelle Psychiatrie spielt eine wichtige Rolle, da Bosnien und Herzegowina ein Land mit vielfältigen kulturellen Einflüssen ist. Die soziale Anthropologie und Ethnologie haben gezeigt, dass ohne genaue Kenntnisse der gesellschaftlichen Normen und Werte einer Kultur eine Unterscheidung von Gesundheit und Krankheit in der psychologischen Medizin undenkbar ist. Die transkulturelle Psychiatrie verfolgt das Ziel, geeignete Behandlungsbedingungen für Menschen fremder Kulturen zu schaffen und sie mit denselben hohen diagnostischen und therapeutischen Standards wie Einheimische zu behandeln.
Diagnostische Prozesse bei Migranten werden wesentlich durch Kultur und Migration geprägt. Bei mangelnder Berücksichtigung dieser Aspekte besteht eine erhebliche Gefahr diagnostischer Fehleinschätzungen. Die Begriffe Kultur oder kulturgebundene Störungen sind zwar in älteren Klassifikationssystemen wie dem DSM-III nicht erwähnt, jedoch hat das DSM-IV bereits kulturspezifische Aspekte bei der Diagnostik psychischer Störungsbilder berücksichtigt. Eine deutliche Ausweitung und Aufwertung transkultureller Aspekte ist im DSM-5 umgesetzt, das soziale und kulturbezogene Aspekte stärker berücksichtigt.
Das Krankheitsverständnis von Migranten ist einem ständigen Wandel unterworfen. Individuell erfolgen ganz unterschiedliche Verknüpfungen traditioneller und moderner Vorstellungen von Krankheit miteinander. Je weniger überzeugend die Therapieerfolge der westlichen naturwissenschaftlichen Medizin sind, desto stärker werden traditionelle Erklärungsmodelle gewählt.
Rehabilitation in der neurologischen und psychiatrischen Versorgung
Die Rehabilitation spielt eine zentrale Rolle in der neurologischen und psychiatrischen Versorgung in Bosnien und Herzegowina. Ziel ist es, Patienten nach einer Erkrankung oder Verletzung dabei zu helfen, ihreFunktionen und Alltagsaktivitäten wiederzuerlangen. Die Rehaklinik Bellikon in der Schweiz arbeitet seit 2002 an der Entwicklung von Behandlungspfaden.
Lesen Sie auch: Neurologie vs. Psychiatrie
Motivation in der Rehabilitation
Motivation ist ein entscheidender Faktor für den Erfolg der Rehabilitation. Sie ist der Antrieb, ein Ziel zu erreichen, und kann in intrinsische und extrinsische Motivation unterteilt werden. Intrinsische Motivation entspringt der inneren Interessenlage des Individuums, während extrinsische Motivation von außen kommenden positiven Verstärkern unterhalten wird.
Fallbeispiel Herr S.: Der 45-jährige Herr S. erlitt ein rechtsseitiges Subduralhämatom. Zum Aufnahmezeitpunkt in die Rehaklinik war Herr S. wach, reagierte jedoch deutlich verlangsamt und zeigte Störungen der Gedächtnis- und Aufmerksamkeitsfunktionen. Vor der Aufnahme war es Herrn S. aufgrund seiner kognitiven Einschränkungen nicht möglich, sich im Bett zu drehen und an den Bettrand zu mobilisieren. Zudem musste er Stehversuche abbrechen. Herr S. war nicht in der Lage, angemessen intrinsische Motivation zu entwickeln und überwiegend extrinsisch motiviert. Durch kontinuierlich ausgesprochenes Lob konnte die Mitarbeit von Herrn S. gefördert werden, sodass das Stehtraining wieder aufgenommen werden konnte.
Das transtheoretische Modell
Das transtheoretische Modell nach DiClemente et al. beschreibt, wie sich Patienten während der Reha verändern. Es umfasst verschiedene Stadien, von der Absichtslosigkeit bis zur Aufrechterhaltung und Beendigung. Die Zuversicht der Patienten kann kontinuierlich entwickelt werden. Es ist wichtig, Patienten zu helfen, Alternativen für ihr Verhalten zu entwickeln und sie bei der Reflexion ihrer Mitarbeit in der Therapie zu unterstützen.
Fallbeispiel Frau A.: Frau A. zog sich Frakturen zu und fühlte sich ihrer Störung hilflos ausgeliefert. Sie gab an, dass ihr Unfall durch ein externes Ereignis entstanden sei und von alleine verschwinden werde. Durch kleine Verbesserungsschritte konnte die Überzeugung von Frau A. gestärkt werden. In der Handlungsphase war sie sehr aktiv. Mit Frau A. wurden Handlungsoptionen eigenständig erarbeitet und Ziele für ihre Zukunft entwickelt, wie z.B. Kochen mit steigendem Schwierigkeitsgrad.
Ressourcenaktivierung
Die Ressourcenaktivierung ist ein wichtiger Aspekt in der Rehabilitation. Es geht darum, die individuellen Stärken und Fähigkeiten der Patienten wahrzunehmen und zu nutzen. Anstatt sich ausschließlich auf Defizite zu konzentrieren, werden die Ressourcen der Patienten systematisch aktiviert.
Lesen Sie auch: Bewertungsanalyse: Dr. Karl-Martin Fischer's Praxis in Heide
Fallbeispiel Frau K.: Die 49-jährige Frau K. erlitt eine Gehirnerschütterung und eine Distorsion der Halswirbelsäule. Sie wurde einem Therapiezentrum zugewiesen. Fortan zeigte sich Frau K. Patientin. Es ist wichtig, die Patienten eng zu koordinieren, um motivationale Einbrüche zu vermeiden.
Zielsetzung im Kontext der ICF
Die Zielsetzungen der Patienten sollten im Kontext der Internationalen Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit (ICF) betrachtet werden. Es ist sinnvoll, Zielsetzungen auf der Partizipationsebene mit Zielsetzungen auf Aktivitätsebene zu vereinbaren, um die Situation optimal motivieren zu können.
Fallbeispiel Herr B.: Herr B. möchte seinen Beruf mit körperlicher Arbeit wieder ausüben. Während Herr B. in deren Beurteilung integriert. Zielsetzungen von Herrn B. im Kontext der ICF.
Neurologische Erkrankungen in Bosnien und Herzegowina
Narkolepsie
Die Narkolepsie ist eine neurologische Erkrankung, die zur Gruppe der Schlafsuchterkrankungen gehört. Sie führt zu erhöhter Schläfrigkeit und plötzlichen Schlafattacken während des Tages. Die Ursachen sind bislang unbekannt.
Diagnose: Die Diagnose Narkolepsie wird nach eingehenden Untersuchungen gestellt. Mithilfe von Schlaffragebogen und Schlaftagebuch können die subjektiv empfundene Schlafqualität und Schlafprobleme nachvollzogen werden. In einem Schlaflabor kann der Nachtschlaf gemessen und analysiert sowie die Einschlafneigung bestimmt werden.
Lesen Sie auch: Demenz: Ein detaillierter Überblick
Behandlung: Die Schlafkrankheit wird danach unterschieden, ob sie in Kombination mit einer Muskelerschlaffung oder allein auftritt. Um andere Grunderkrankungen auszuschließen, kann eine Magnetresonanztomographie (MRT) des Schädels sinnvoll sein.
Medizinische Versorgung in Bosnien und Herzegowina
Die medizinische Versorgung der Bevölkerung in Bosnien und Herzegowina ist nach Einschätzung von Experten ausreichend, entspricht aber eher dem Standard anderer osteuropäischer Staaten. Hilfsorganisationen tragen weiterhin in erheblichem Umfang zur medizinischen Versorgung bei. Als große Schwierigkeit wird die an vielen öffentlichen Kliniken herrschende Korruption bezeichnet. Auf sehr teure, seltene oder schwer zu behandelnde Krankheiten ist das medizinische System allerdings noch nicht vorbereitet.
Schlussfolgerung
Die psychiatrische und neurologische Versorgung in Bosnien und Herzegowina hat sich in den letzten Jahren erheblich verbessert. Die transkulturelle Psychiatrie, die Rehabilitation und die Behandlung neurologischer Erkrankungen spielen eine wichtige Rolle. Es gibt jedoch weiterhin Herausforderungen, wie z.B. die Korruption im Gesundheitswesen und dieNotwendigkeit, die Versorgung mit seltenen und schweren Krankheiten zu verbessern.
Referenzen
- Bowman J , Lannin N , Cook C et al.. J Eval Clin Pract.
- Chatoor I , Krupnick J . Eur Child Adolesc Psychiatry.
- DiClemente C C, Prochaska J O, Fairhurst S K et al.. Journal of Consulting and Clinical Psychology.
- Flückiger C , Caspar F , Holtforth M G et al.. Psychother Res.
- Flückiger C , Holtforth M G. J Clin Psychol .
- Grawe K . Psychologische Therapie -.
- Hoeppner B B, Velicer W F, Redding C A et al.. Addict Behav.
- Joachim B , Lyon D D, Farrell S P. Perspect Psychiatr Care.
- Lewthwaite R . Phys Ther.
- Lewthwaite R , Wulf G . Q J Exp Psychol.
- Lindström B , Eriksson M . J Epidemiol Community Health.
- Miller W R. Addict Behav.
- Miller W R, Rollnick S . Behav Cogn Psychother.
- Nilsson I , Axelsson K , Gustafson Y et al.. Scand J Caring Sci.
- Pusswald G , Fleck M , Haubenberger D et al.. Z Gerontol Geriatr.
- Rogers C R. CR. Entwicklung der Persönlichkeit.
- Ryan R M, Deci E L. Contemp Educ Psychol.
- Summers R F, Barber J P. Acad Psychiatry.
- Wood R , Bandura A . J Pers Soc Psychol .
- Wulf G , Lewthwaite R . J Mot Behav.
- Wulf G , Shea C , Lewthwaite R . Med Educ.
tags: #bosnien #psychiatrie #neurologie